Völlig durcheinander

    Hallo zusammen *:),


    ich habe diesen Faden als Alias eröffnet, da einige Bekannte von mir hier ab und an unterwegs sind und ich nicht unbedingt erkannt werden möchte (auch aus Rücksicht auf meinen Partner). Ich hoffe das ist ok ;-D


    Ich bin mit meinem Freund schon sehr lange zusammen - mittlerweile seit 12 Jahren. Wir sind beide Anfang dreißig und hatten vor dieser Beziehung beide schon ziemlich viele Erfahrungen gesammelt.


    Ich fand schon immer (u.a. auch in Hinblick auf meine bisherigen Beziehungen), dass uns beide etwas besonderes verbindet. Ich spüre für und von ihm wahrhaftige Liebe. Es ist ein Urvertrauen zwischen uns und ein Gefühl, was man mit "Heimat" vergleichen kann. Nach all den Jahren kribbelt es in vielen Situationen immer noch sehr. Wir haben uns so viel zu erzählen, sind gegenseitig so stolz auf die Erfolge des anderen, mögen die Freunde des anderen sehr, schätzen uns und haben oft so viel Spaß miteinander (vor 3 Wochen hatten wir uns eine bestimmte Situation ausgemalt und lagen lachend auf dem Fußboden, bis uns die Bäuche weh taten.


    Ich weiß, sowas nervt immer wenn man das über sich selber sagt, aber es ist tatsächlich so, dass ganz viele Menschen aus unserem Umfeld sagen, dass uns etwas ganz besonderes verbindet und dass man diese Liebe sieht und spürt. Wie wir miteinander umgehen, über- und miteinander reden. Eine Bekannte die uns neulich auf einer Feier das erste Mal gemeinsam gesehen hat, meinte zu mir, wir würden wie frisch verliebte wirken - nicht aufgesetzt, sondern echt ;-D x:)


    Aber wo Sonne ist, da gibt es bekanntlich auch Schatten. Und dies ist der Grund warum ich mich an euch wende. Ich hoffe u.A. auf Menschen zu treffen, die eventuell ähnliches von sich oder ihrem Partner kennen. Oder vielleicht habt ihr auch einfach ein paar Worte dazu.


    Mein Partner hat 2 Gesichter. Ich denke so kann es am besten beschreiben. Er arbeitet sehr sehr viel, war teilweise schon am Rande des Burn-out, mehrere Monate krankgeschrieben und in Therapie - die jedoch nach ca. einem halben Jahr wieder beendet wurde, da laut meinem Freund "alles gesagt war". Es gibt Phasen (eigentlich immer dann wenn er besonders stark von der Arbeit gestresst ist), an denen er total kalt und regelrecht auf Streit aus ist (zumindest kommt es mir so vor). Da reagiert er auf jegliches "Fehlverhalten" meinerseits total genervt und es kommt zum Streit.


    Z.B.: wir wollten nach der Arbeit was unternehmen und ich komme 10 Minuten später nach Hause als angekündigt/ er fühlt sich durch irgendwas von mir Gesagtes angegriffen, obwohl es oft gar nicht so gemeint war/ ich hab aufgeräumt und er findet von sich etwas nicht/ er geht Samstagmorgens zum Tennis und ich will wissen wann er zurück kommt, damit wir gemeinsam was unternehmen (haben teilweise aufgrund seiner Arbeit sehr wenig Zeit füreinander)/ wir sind ein Wochenende weit weg bei Familie, Freunden zu Besuch und er will früher nach Hause als geplant und ich finde das blöd/ überlegen beim Einkaufen was wir kochen und ich finde einen Vorschlag von ihm nicht gut und schlage was anderes vor/ ich vergesse etwas was er gesagt hat/ etc.


    Im Prinzip geht es immer darum: er fühlt sich bevormundet/ er hat das Gefühl ich höre ihm nicht richtig zu/ fühlt sich ungerecht behandelt (wirft mir vor er tut alles für mich und ich nichts für ihn (das stimmt nicht!)/ sagt ich würde Sachen verdrehen/ etc.


    Ich bin sehr harmoniebedürftig und hab mich in der Vergangenheit (vor ihm) eigentlich nie wirklich mit jemandem gestritten. Andererseits bin ich auch zu "stolz" und reagiere total empfindlich wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu Unrecht angegangen werde bzw. auf eine Art und Weise die den Ursprung des Problems überhaupt nicht angemessen ist.


    Und dann diskutiere ich und fange mit "selber-selber" an - was er hasst! Aber es ist einfach ungerecht, wenn er auf mich sauer ist, weil ich z.B. ein paar Minuten zu spät bin, oder wenn ich etwas an ihm kritisiere (und ich bin schon echt vorsichtig und rücksichtsvoll in meiner Wortwahl geworden, wenn ich merke dass er wieder schlecht drauf ist, weil ich ja weiß wie reagiert, und formuliere die Sachen schon recht mild). Ich fühle mich oft ungerecht behandelt, weil er sich mir gegenüber im Gegenzug quasi alles "rausnimmt": zu spät sein/ hört mir nicht richtig zu: ich sag manchmal Sachen 3 Mal, weil er nebenbei arbeitet und er vergisst es am Ende trotzdem/ knallt mir Kritik ungefiltert an den Kopf/ plant mich spontan bei Sachen ein OHNE zu fragen. Mich stören solche Dinge nicht wirklich (zumindest nicht so sehr, dass ich einen Streit entfachen würden). Ich merke aber langsam, dass ich auch anfange, wegen solchen Kleinigkeiten sauer zu werden, weil er umgekehrt bei mir auch in gewissen Phasen auch wegen diesen Kleinigkeiten sauer wird. Ich fange an, auf diese Dingen bei ihm aus Prinzip auch rumzureiten. Es ist eine Dynamik die sich da im laufe der Jahre entwickelt hat, die nicht meiner Natur entspricht und mir nicht gefällt - aber ich hab das Gefühl auch so dagegen schießen zu müssen, damit er sieht, dass er auch nicht "perfekt" ist und auch um mein "Gerechtigkeitsgefühl" wieder herstellen zu können. Aber so bin ich eigentlich gar nicht. Er macht mich dazu.


    Die oben genannten "Auslöser" entwickelt sich je nach Phase unterschiedlich:


    a) es stört ihn gar nicht und alles ist gut (meistens)


    b) er reagiert kurz zickig, ich mach einen lustigen Spruch, und alles ist wieder gut (ca. 3x die Woche)


    c) er redet mit mir nicht mehr und setzt mich quasi auf Liebesentzug. Er hat mir mal den Tipp gegeben, dass ich ihn dann einfach kurz in Ruhe lassen soll, damit er sich wieder fängt. Nach 2 Stunden ist dann alles gut, aber die 2 Stunden haben mich dann sehr belastet, weil ich traurig bin, dass er mich ignoriert und ich nicht verstehe wie man aus einer vermeintlichen Kleinigkeit sich einen ganzen Abend ruinieren kann (ca. alle 2 Wochen)


    d) es eskaliert total! (ca. alle 3-5 Monate) Er behauptet ich hätte XY gesagt, ich sage "nein, ich habe XZ gesagt, und das überhaupt nicht böse gemeint". er behauptet dann, ich würde die Dinge absichtlich verdrehen. Schlimm wird es, wenn ich dann versuche den Ursprung zu rekonstruieren und sage er hätte etwas bestimmtes gesagt. Wenn ich es nicht wortwörtlich wiedergeben kann, schreit er, ich würde ihm nie zuhören, und wäre genauso wie seine Kunden, - die Leute würden ihm nicht zuhören und alles verdrehen. Ich hasse die Wortklauberei und finde, es grenzt an Psycho Spielchen. Er schreit dann total rum, meinte ich wäre wie alle anderen, beschimpft mich übelst, macht Sachen kaputt, macht Schluss, verlässt die Wohnung, kommt nach 30 Minuten wieder, schreit rum, will die Wohnung kündigen, packt seine Sachen, geht. - dann kommt er nach max. einer Stunde wieder und entschuldigt sich. Alles was er mir im Streit vorgeworfen hat, warum ich angeblich so ein schlechter Mensch sei, wird zurückgenommen, relativiert. Die Gespräche sind dann immer sehr gut. Ich hab manchmal das Gefühl dass es bei ihm dann wie eine Art "Reinigung" war und er sich danach besser fühlt und zufrieden ist, dass wir am Ende ein gutes Gespräch hatten. Aber für mich ist es der blanke Horror. Er ist in solchen Streits nicht der Mensch den ich kenne. So kalt. Wenn ich weine, lässt es ihn kalt. Wie er mit mir redet. Das vergesse ich nicht. Ich glaube, er ahnt nicht mal ansatzweise wie krass er dann ist. Dieser Mensch steht im absoluten Kontrast zu dem, der er sonst ist. Auch kann nur ER so einen Streit beenden. Ich kann machen was ich will, - der Streit ist erst beendet, wenn er wieder "er selber ist".


    Ja, er hat einen Job der vermutlich jeden an seine Grenzen bringt (sitzt nachts teilweise bis 4Uhr vorm Rechner), und ja er hatte eine schwierige Kindheit, mit einer psychisch kranken und sehr dominanten Mutter (daher geht er unter die Decke wenn er sich bevormundet fühlt). Aber ich bin weder seine Therapeutin, noch sein Ventil zum Dampf ablassen. Und es ist mittlerweile so, dass ich gar keine Lust habe nach Hause zu kommen, wenn ich merke, dass er schon wieder so gestresst ist.

  • 82 Antworten

    Das zweite Problem ist das Autofahren. Er ist eigentlich ein sehr guter Autofahrer. Fährt ein 450PS Auto und kennt jede Technik, jeden Millimeter des Autos, weiß tausendmal mehr als ich wie ein Auto wann reagiert und was es mit der Physik auf sich hat. Wenn es eine brenzlige Situation gibt (Reh auf Fahrbahn, Aquaplaning, what ever,... ) würde ich bei niemandem lieber Beifahrer sein, als bei ihm. Er bewahrt bei sowas einen kühlen Kopf und würde niemals das Lenkrad verreißen oder sonst was (gab schon 2 Situationen, in denen er auch nicht Schuld war und einfach perfekt reagiert hat). Er lässt sich jedoch leicht aus der Ruhe bringen. Sei es jemand fährt 5 Minuten auf der linken Spur, obwohl rechts alles frei ist, oder jemand schneidet ihn, jemand fährt 30 obwohl 50 ist, etc. - dann kommt das 2. Gesicht. Dann fährt er wie ein Arschloch. Und ich hab Angst. Tierisch sogar. Ich fühl mich dann nicht mehr sicher in dem Auto, fühl mich ausgeliefert und pampe ihn an oder weine. Oder er fährt links 250- rechts ist viel Verkehr- und ich hab tierisch Angst, dass jemand rüberzieht, weil jemand vielleicht seine Geschwindigkeit unterschätzt. Dann sage ich, dass ich Angst habe. Sobald ich was sage, wird er sauer. Fühlt sich bevormundet, sagt, ich solle dann halt nicht mitfahren. Oder kackt mich an, warum ich IHN jetzt vollmache, wenn die anderen doch so kacke fahren. Er sieht mich so, dass ich immer total viel Angst hätte und ihn damit nerve. Er meint, er würde niemals etwas machen, was uns oder die anderen in Gefahr bringt und es wäre ungerecht ihm dies zu unterstellen. Aber ich vermute einfach in einigen Situationen, dass er sein Ego über die Sicherheit stellt. Das streitet er ab. Für mich ist es einfach purer Stress, längere Strecken mit ihm zu fahren. Und es macht mich sauer, dass er keine Rücksicht nimmt. Ich verstehe es nicht, wie ein eigentlich so feinfühliger, intelligenter Mensch, da so eine Blockade haben kann. Er sagt, er nehme immer schon Rücksicht wenn ich mitfahre, aber ich hätte trotzdem jedesmal was zu motzen. Es stimmt auch, oft fährt er super, nimmt Rücksicht - aber dann kommt eine Situation und er kann einfach nicht aus seiner Haut und macht gefährliche Aktionen. Es funktioniert einfach nicht. Daher haben wir jetzt gesagt, dass wir längere Strecken nicht mehr gemeinsam fahren oder ich fahren soll. Ich versuche dann mit der Bahn zu fahren. Aber das geht halt auch nicht immer. Und das ich dann fahre, ist halt auch schwierig, da es nun mal sein Auto ist, und ich denke, dass er da auch auf Dauer ein Problem mit haben wird. Ich hab Angst, dass dieses Thema auf Dauer nicht zu lösen sein wird :(


    Es ist jetzt so, dass er mir einen Heiratsantrag gemacht hat.


    Hochzeit war im Laufe unserer Beziehung immer mal wieder ein Thema, aber ich hab in der Vergangenheit oft gesagt, dass ich nicht unbedingt heiraten muss. Früher war es so, dass er oft gesagt hat, dass er sich wie im goldenen Käfig fühlt, wie eingesperrt. Dabei habe ich ihn nie eingesperrt. Er hat damals und heute alle Freiheiten, verbringt viel Zeit mit seinem besten Freund, obwohl wir uns selber wenig sehen - das war nie ein Problem für mich, bin dann auch selber oft mitgegangen (heute auch noch). Ich akzeptierte seinen Wunsch nach Spontanität und ohne möglichst viel vorab zu planen und bin damit bis heute fein. Damals dachte ich, wenn wir heiraten würden, dann fühle er sich vielleicht noch mehr eingesperrt. Das sagte ich ihm auch so. Und wir legten das Thema erstmal nieder. Dass er sich eingesperrt fühlt, ist seit ca. 4-5 Jahren kein Thema mehr. Auch andere Dinge die mich damals störten, hat er mittlerweile aktiv geändert (die ersten Jahre behandelte er mich während der Stress-Phasen durchgehend wie Luft. Nach vielen Gesprächen verstand er wie belastend das für mich ist- und wie unnötig. Und dass er sich auch besser fühlt, wenn wir einen harmonischen Alltag pflegen. Im Grunde kann er im Nachhinein auch sehr gut reflektieren. Die letzten 4 -5Jahre schaut er nun aktiv, dass er sich mir gegenüber Mühe gibt und ist lieb mit mir, sieht mich als was Positives und eine Verbündete - es sei denn es eskaliert dann alle 1-2 Monate wie oben beschrieben)


    So, zu dem Antrag. Er hat sich das wohl schon das letzte Jahr fest vorgenommen und war fest entschlossen - ohne das ich gedrängt habe oder ähnliches. Er sagt wir gehören zusammen und er will niemals mehr ohne mich sein. Er weiß, dass ich es nicht leicht mit ihm habe und er schätzt mich so sehr für mein Verständnis und die Liebe und Geborgenheit die ich ihm gebe. Er könne sich nicht vorstellen, jemand jemals mehr zu lieben, als er mich liebt, ich sei das einzige in seine Leben, was ihm wirklich etwas bedeutet und was allem einen Sinn gibt. Mir geht es auch so. Wir gehören zusammen, sind so sehr aneinander gewachsen, und ich liebe ihn so sehr, wie ich noch niemals jemanden geliebt habe. Mit jedem Jahr wird unsere Beziehung noch intensiver, noch vertrauter, noch inniger. Er trägt mich auf Händen. Er ist jemand, der niemals einfach so als "Floskel" "ich liebe dich" sagen würde. Wenn er es sagt, dann in Momenten wo er/ wir es auch fühlen, und wo es echt ist. Und diese Momente sind verdammt oft (3-4x die Woche). Er macht mir viele Komplimente, gibt so viel Liebe, so viel Zuneigung, so viel Feedback und Wärme. Ich fühle mich geliebt. Ich bezweifle, dass mir jemals ein Mensch mehr Liebe geben kann, als er es tut. Und dass ich jemals einem anderen Menschen so viel Liebe geben kann, wie ich ihm gebe. Er ist so nähebedürftig, lässt mich morgens oft nicht aufstehen, weil er mich anbettelt, noch 10 Minuten mit ihm zu kuscheln. Und ich liebe es. Ein Morgen kann nicht besser starten.


    Der Antrag hat bei mir ausgelöst, dass ich sehr aufgewühlt bin und mich frage wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Ich frage mich, ob sich meine oben genannten Probleme irgendwie lösen lassen oder ob ich einen Weg finde, damit in Zukunft besser umzugehen. Ich frage mich was ich ändern kann, oder ob am Ende nur er etwas ändern kann. Der Mensch neigt dazu, es immer perfekt haben zu wollen. Aber diese Beziehung ist nicht perfekt, weil Liebe nun mal leider nicht alles ist. Aber perfekt gibt es sicher nicht. Man kann nur abwägen, mit welchen Eigenschaften man klar kommt und mit welchen nicht. Ich weiß, dass ich das am Ende nur selber entscheiden kann. Ich sehe viele andere Beziehungen und finde diese auch nicht perfekt. Sachen die ich bei meinem Partner als selbstverständlich ansehe, sind in anderen Beziehungen wiederum ein Problem (mein Freund ist z.B. nicht eifersüchtig oder er ist z.B. total umkompliziert wenn ich ihn irgendwo mit hin nehme, versteht sich mit allen super, lässt mir Freiräume, liebt meine Family, ist megaaa intelligent, man kann mit ihm sowohl schwierige Themen besprechen als auch einfach mal einen Abend nur Dünnen reden etc.). Ich bin verwirrt. Frage mich ob unsere Probleme zu schwerwiegend sind und ich einfach die rosa Brille aufhabe. Habe Angst zu streng zu sein und meinen Glück nicht zu schätzen. Habe Angst irgendwann keine Kraft mehr für solche Auseinandersetzungen zu haben.


    Mir würde es helfen, wenn jemand einen Partner hat, der ähnlich tickt, oder wenn ihr selber so tickt. Und ach, mich interessiert einfach was ihr denkt, wenn ihr das lest. Einfach mal Input von Unbeteiligten (mein engsten Freunde und Family kennen das Thema zur Genüge, mögen ihn so sehr, dass sie sagen wir schaffen das und gehören einfach zusammen- aber die sind halt auch irgendwie nicht so richtig objektiv). Danke euch; vor allem wenn ihr bis hierher gelesen habt ;-) ;-D *:)

    Moin. Mit 250 Sachen auf der linken Spur..und rechts ist viel Verkehr? Tickt dein Freund noch richtig? Und du sitzt daneben? Und fährst mit? Szenario: 5 Tote im Radio..Verkehrsfunk..Autobahn A8..(sehr intelligenter) Raser katapultiert über die Leitplanke und reißt 4 Menschen mit in den Tod. Beifahrerin schwerst verletzt und schwebt in Lebensgefahr. (..aber sie hatten eine gute, lustige Beziehung..)


    Ja, und lieben tut ihr euch ja auch (noch) mit 450 PS. Und heiraten kann man ja auch im Rollstuhl..und sich anschreien.

    Zitat

    Es ist jetzt so, dass er mir einen Heiratsantrag gemacht hat.

    Nach 1,5 langen Beiträgen habe ich mich gefragt, wann du auf den Punkt kommst ;-) .


    Aber ja, die Schilderung war nötig, das habe ich am Schluss auch verstanden.


    Hmmm, was soll man dazu sagen. Ihr seid 12 Jahre zusammen und wenn man die ersten Absätze deines Beitrags nimmt, ist ja auch alles supi und die Chemie stimmt. Bis du auf die andere Seite eingehst. Ich sehe in deinem Freund narzisstische Züge, denn kann liebevoll sein und was zurückgeben, wenn das Umfeld für ihn perfekt ist. Er kann es aber nicht ertragen, wenn jemand anders tickt als er es im Moment erwartet. Er reagiert aggressiv, wenn er sich falsch verstanden oder angegriffen fühlt und lässt das seine Umwelt auch spüren. Dich durch die "Szenen", die er macht, Autofahrer durch seine aggressiven Belehrungen. Er ist machtversessen und möchte, dass man ihn nicht nur respektiert, sondern als Alphatier ansieht. Ein 450-PS-Auto fährt man entweder aus einer Leidenschaft heraus, oder aus einem Machtgefühl. Der leidenschaftliche Autofan ist froh, einen besonderen Wagen zu besitzen. Er pflegt ihn und geht sorgsam damit um, lernt ihn kennen und legt selbst Hand an. Der machtbesessene Autofahrer fährt so ein Auto als Statussymbol und lässt seine Umwelt auch spüren, dass er der Größte ist und die anderen gefälligst freie Bahn zu machen haben.


    Für dieses Machtgefühl und Alpha-Streben spricht auch seine Arbeitsmentalität.


    Und jetzt zu dir: 12 Jahre betonst du nun die Großartigkeit zwischen euch - und doch hat dieser Heiratsantrag etwas in dir ausgelöst, dass du dir jetzt Fragen stellst. Das kommt ja nicht von ungefähr. Eine Hochzeit ist natürlich kein unumkehrbarer Prozess mehr, aber du scheinst die Beziehung mit "offenem Notausgang" deutlich entspannter betrachtet zu haben als jetzt mit dem Heiratsantrag, wo die Tür des Notausgangs deutlich schwergängiger wird. Du hast Sorge vor dem "Ja, ich will!". Diesen Zweifeln solltest du auf den Grund gehen - ist es eine generelle Ablehnung, dass du dich mit keinem Mann auf diese Weise binden möchtest, oder ist es speziell dein Partner, dem gegenüber du das "Ja" nicht so leicht über die Lippen bekommst?


    Frage dich, in wieweit seine charakterlichen Extreme eure Beziehung befeuert haben und dynamisch hielten, und ob daneben tatsächlich die große Basis da ist, die euch für eine geplante Zukunft als Paar stabil genug ist. Du wirst dir ja auch ohne Heiratsantrag mal Gedanken gemacht haben, ob du seine Ausbrüche alle paar Wochen "auf ewig" aushalten kannst. Oder ob er den Willen zeigt, in ruhigeres Fahrwasser zu geraten. Dass ihr auch gemeinsam an eurer Streitkultur arbeitet und Fehler korrigiert. Ich finde deine Betrachtung sehr ambivalent und möchte dir mal anhand eines Beispiels aufzeigen, wie widersprüchlich du teilweise argumentierst:

    Zitat

    Wenn es eine brenzlige Situation gibt (Reh auf Fahrbahn, Aquaplaning, what ever,... ) würde ich bei niemandem lieber Beifahrer sein, als bei ihm.


    ...


    Für mich ist es einfach purer Stress, längere Strecken mit ihm zu fahren.

    Die Spannung, mit einem solchen Menschen zusammenzusein, mag irgendeine Attraktivität erzeugen und emotionale Lebendigkeit, die dann als aktive und beständige Liebe empfunden werden könnte. Aber du musst deinen Gefühlen auf den Grund gehen, ob du die Schattenseiten weiter aushalten kannst, oder ob bei Überwältigung dieses (in deinen Augen negativen) Verhaltens die Anziehungskraft unerschütterlich bliebe.


    Egal, wie du dich entscheidest: solange er sich nicht besser im Griff hat und nicht mal von der Überholspur runterkommt, würde ich zumindest das Thema Kinder weglassen. Nur ein Rat.

    Hi, Alias


    Meine Freundin verhält sich ähnlich, sie ignoriert mich dann für ein paar Stunden und dann ist alles wieder in Butter. Gelegentlich gebe ich ihr recht und manchmal ignoriere ich sie dann auch, es wechselt sich ab und die Beziehung läuft göttlich, wir lachen auch bis uns die Tränen kommen, spielen mit unseren Facetten und lieben uns eben. Nicht wie aus dem Fernseher, sondern wie aus dem Leben eben.


    Kurz: Man kann die Dinge und Geschehnisse halt ziemlich schnell zerreden und anscheinend redest Du gern ;-D :-p Wenn er schnell hochgeht, nimm ihn nicht zu ernst bzw. sollte er an seinem Tonfall arbeiten. Bring ihn das irgendwie bei, bevor es ein anderer schreibt - schreib ihm doch einen Brief. Geschriebene Worte haben Magie in sich, keine digitale Typo bitte, pack noch was zum ankreuzen mit rein, kommt immer gut und was liebes, überbringe den Brief mit nem Grinsen.

    @Comran

    Auf den Punkt kommen, soso:

    Zitat

    Ein 450-PS-Auto fährt man entweder aus einer Leidenschaft heraus, oder aus einem Machtgefühl. Der leidenschaftliche Autofan ist froh, einen besonderen Wagen zu besitzen. Er pflegt ihn und geht sorgsam damit um, lernt ihn kennen und legt selbst Hand an. Der machtbesessene Autofahrer fährt so ein Auto als Statussymbol und lässt seine Umwelt auch spüren, dass er der Größte ist und die anderen gefälligst freie Bahn zu machen haben.


    Für dieses Machtgefühl und Alpha-Streben spricht auch seine Arbeitsmentalität.

    Ich weiß, dass Du weißt, dass es nicht nur dieses entweder oder gibt, warum Du dann soetwas?

    Warum schreibst Du dann soetwas :=o Du interpretierst vorschnell und es gibt tausende Möglichkeiten. Warum denken Menschen, dass sie da ne Schnittmenge mir ihrem Wissen bilden können und damit auch noch richtig liegen.

    Ich höre aus Deinen Schilderungen eigentlich heraus, dass das Positive an Deinem Partner überwiegt. Bei mir und meinem Partner ist es ähnlich. Er kann sehr liebevoll, verständnisvoll, ein toller Vater sein. Aber auch sehr rechthaberisch, zornig, verletzend. Am Anfang unserer Beziehung habe ich eher gekuscht, seit einigen Jahren nicht mehr. Ich höre mehr auf mich, wehre mich und wenn ich merke er hat "nen schlechten Tag" blocke ich jegliche Diskussion und rede erst wieder mit ihm, wenn er wieder normal ist. Auch bei uns gibt es gute und schlechte Zeiten, aber der positive Teil überwiegt definitiv sonst wären wir nicht schon ewig zusammen. Eine Heirat ändert meistens nicht viel, die großen Änderungen kommen, wenn Ihr Kinder kriegt.


    Da würde ich gründlich drüber nachdenken wie Du Deinen Freund in der Vaterrolle siehst.


    Mit seinen anderen Macken lebst Du schon lange genug, entweder akzeptieren oder jetzt gehen bevor Ihr heiratet.


    Viel Glück @:)

    Bei mir schrillen da sämtliche Alarmglocken, wenn ich so etwas lese. Von Heirat rate ich in dieser Konstellation dringend ab. Da scheint mir sehr viel Projektion und emotionale Abhängigkeit im Spiel zu sein.


    Auch wenn es nach Schublade klingt: musste sofort an Narzissmus / Borderliner denken.

    Zitat

    Warum schreibst Du dann soetwas :=o Du interpretierst vorschnell und es gibt tausende Möglichkeiten. Warum denken Menschen, dass sie da ne Schnittmenge mir ihrem Wissen bilden können und damit auch noch richtig liegen.

    Ich will jetzt nicht über Autos diskutieren. Ein 450-PS-Wagen ist extrem außergewöhnlich und man verbindet etwas damit. Den kauft man nicht, weil er gerade so günstig um die Ecke stand.


    Für mich gibt es in der Tat nur die beiden Gründe, so ein Auto zu kaufen: entweder Leidenschaft, oder Statusdenken. Wenn dir noch einer einfällt, freue ich mich über eine PN. :-)

    Hallo zusammen,


    danke für eure Worte! Und danke, dass ihr alles gelesen habt. Es tut so gut unterschiedliche Meinungen zu hören.

    @ parazellnuss

    naja, 250 war etwas übertrieben... das fährt er, wenn alles frei ist. Aber 200 km/h bei recht voller Autobahn kommt schon mal vor. Und du hast völlig recht, auch mir ist es unbegreiflich wieso da nicht weiter gedacht wird. Ich hab mir auch sämtliche Szenarien ausgemalt. Daher auch der Entschluss, so oft es geht getrennt zu fahren. Ich bin sehr unglücklich mit dieser Lösung :-( aber ich hab keine Ahnung, wie man da irgendwie auf einen Nenner kommt.

    @ Comran

    du hast vieles auf den Punkt getroffen und viele Fragen aufgeworfen, die ich mir auch schon gestellt habe. Besonders dieser Punkt:

    Zitat

    Frage dich, in wieweit seine charakterlichen Extreme eure Beziehung befeuert haben und dynamisch hielten, und ob daneben tatsächlich die große Basis da ist, die euch für eine geplante Zukunft als Paar stabil genug ist.

    Zitat

    Die Spannung, mit einem solchen Menschen zusammenzusein, mag irgendeine Attraktivität erzeugen und emotionale Lebendigkeit, die dann als aktive und beständige Liebe empfunden werden könnte. Aber du musst deinen Gefühlen auf den Grund gehen, ob du die Schattenseiten weiter aushalten kannst, oder ob bei Überwältigung dieses (in deinen Augen negativen) Verhaltens die Anziehungskraft unerschütterlich bliebe.

    Ich bin jemand der in der Vergangenheit oft Interesse an Ex-Partnern verloren hat, wenn diese "zu lieb" waren. Ich brache jemanden auf Augenhöhe und jemand der mir auch Kontra gibt. Und das tut mein Freund - leider um einiges mehr als ich mir vorstelle ;-D Natürlich erscheinen mir die positiven Momente noch toller, weil es eben auch andere, nicht schöne Momente gibt. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Liebe echt ist. Wir haben eine große gemeinsame Basis.


    Es gab zwischendurch immer mal wieder viele Monate in denen wir nicht gestritten haben. Auch in dieser Zeit habe ich ihn geliebt. Sogar noch mehr, noch befreiter als in Phasen wo wir viel streiten. Ich wünsche mir so sehr, dass diese schlimmen Streits einfach aufhören.


    Du schreibst, dass er machtversessen ist. Hmm, ich denke das trifft für seine 2. Gesicht zu. Er wird ja nicht immer sauer, wenn die Sachen nicht so laufen wie er es will. Das passiert halt nur in gewissen Phasen. Und in diesen Phasen könnte man in tatsächlich als machtversessen bezeichnen.


    Bezüglich seines Autos hat Vorzeigeuser recht. Bei ihm ist es so ein Mittelding. Er liebt Autos, kann dir von jedem Wagen den er sieht alle technischen Daten nennen, interessiert sich auch für Oldtimer und die Geschichte der Wagen. Es geht ihm nicht nur um PS. Es gibt Autos die er gerne besitzen würde, die weitaus weniger als 450PS haben ;-) Aber ja, sobald er in seinem aktuellen Auto sitzt, fühlt er sich herausgefordert. Ich merke es ja selber, wenn ich den Wagen fahre fühle ich mich oft von den anderen Verkehrsteilenehmern provoziert. Lassen einen mit Absicht nicht in die Lücken, drängeln, wollen zeigen, dass sie den längeren haben. Diese Erfahrungen habe ich in anderen Autos nicht gemacht. Als Frau ist mir das total egal, aber im Ansatz verstehe ich, dass mein Freund dann nicht klein beigeben kann. aber auch nur im Ansatz. Man sollte einfach darüber stehen.

    @ Vorzeigeuser

    schön von jemandem zu lesen, der ein ähnliches Exemplar zu Hause hat ;-D Mit dem Brief habe ich bereits mehrfach gemacht. Und es hilft auch. Er liest sich die Sachen dann durch, ist oft geschockt, wie sehr mich einige Dinge bewegen, die er schon längst add akta gelegt hat. Er ist auch sehr reflektiert und nimmt sich vieles zu Herzen. Sagt über sich selber, dass er nicht versteht, was ihn manchmal reitet. Wirft mir aber auch vor, dass ich ihm manchmal nicht den Raum gebe, den er dann einfach braucht, um für sich zu sein. Ich will oft vieles sofort geklärt haben und einfach ein positives Gefühl haben. Aber das kann man in manchen Situationen natürlich nicht erzwingen. Ich muss lernen, damit umzugehen und mir selber irgendwie dann ein positives Gefühl zu verschaffen.


    Aber ja, so sehe ich es auch. Irgendwie kommt mir die Liebe auch so echt vor. So ungeschminkt. Und ehrlich. Wir sind uns so nah, gerade weil wir diese Hoch- und Tiefs gemeinsam erleben.


    Dennoch ist es wie gesagt sehr sehr kräftezehrend und manchmal wünsche ich mir einfach ein ruhigeres Leben. Ich fühl mich teilweise so ausgeliefert: wenn er gut drauf ist, haben wir ein tolles Wochenende. Wenn er schlecht drauf ist, dann nicht. Er bestimmt es indirekt. Und das nervt mich sehr.

    @ Andrejka

    ja das stimmt. Die positiven Dinge überwiegen natürlich. Und ohne diese Tatsache wären wir ebenfalls nicht so lange zusammen.


    Das ist eine gute Idee, einfach gar nicht zu diskutieren wenn man merkt, dass der andere einen schlechten Tag hat. Damit kann man es direkt im Keim ersticken. Das werde ich mal ausprobieren.


    Kinder sind bei uns erstmal nicht geplant. In der hinsicht sind wir in absolut einig. Irgendwie hätten wir gerne welche, aber nicht jetzt. Das sagen wir schon seit 6 Jahren und lachen mittlerweile darüber, weil wir beide nicht wissen, ob jemals der Zeitpunkt kommen wird, wo wir bereit sind. Ich kann mit Kindern leider nicht sooo viel anfangen und habe auch Angst vor den Einschränkungen. Er kann viel mit Kids anfangen (fährt einmal im Jahr als Betreuer mit in ein Kindercamp, in dem er als Kind schon war), aber will sich auch ungern einschränken.

    Zitat

    (fährt einmal im Jahr als Betreuer mit in ein Kindercamp, in dem er als Kind schon war)

    Eine interessante, neue Seite, die ich nicht vermutet hätte. Gerade als Betreuer mit Kindern muss man sich doch in Engelsgeduld üben und sich am Riemen reißen, dass man seinen Willen mit den geeigneten Maßnahmen durchsetzt.


    Mach das dochmal zum Thema eurer Diskussion. Wie geht er mit Kindern um? Macht er da auch Szenen, wenn mal jemand patzig ist, wird er wütend usw.? Und dann versucht zu hintergründen, warum er im Umgang mit dir diese Seite zeigt, die er woanders vielleicht beherrschen kann.

    Zitat

    Er bestimmt es indirekt. Und das nervt mich sehr.

    Habe immer einen Notfallplan in der Hand, ich fröne mein Hobby oder gehe halt kurzweilige Interessen nach, damit ich sofort wieder für sie, also für uns da sein kann, wenn sich die Situation entschärft.


    Wenn Dein Freund seine Makel kennt, dann gib dem Ganzen noch Zeit.


    Ich bin auch der Part der fast immer alles ausdiskutieren möchte, damit alles wieder save ist - aber es ist ja alles save, weitere Worte darüber beleben diese neagtive Situation nur bzw. ziehen diese eventuell in die Länge, im Prinzip ganz simple. :)




    Dieses Kinderthema steht auch bald im Raum, aber vorher muss ich noch meinen Abschluss machen und reifen, aber ich werde nicht locker lassen. Sie möchte nicht, noch nicht. ;-D

    Klingt für mich nach Borderliner...

    ...oder vielleicht auch nach einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. :-|


    Egal wie oft der "Himmel voller Geigen hängt" oder wie toll sonst die "Chemie stimmt", rate ich doch von einer Hochzeit dringend ab.


    Das stehst Du kein Leben lang durch.


    :)*

    Zitat

    Bei mir schrillen da sämtliche Alarmglocken, wenn ich so etwas lese. Von Heirat rate ich in dieser Konstellation dringend ab. Da scheint mir sehr viel Projektion und emotionale Abhängigkeit im Spiel zu sein.


    Auch wenn es nach Schublade klingt: musste sofort an Narzissmus / Borderliner denken.

    Das war auch mein erster Gedanke.


    Und diese Aussage der TE zeigt, warum und wie Beziehungen mit solchen Menschen funktionieren:

    Zitat

    Irgendwie kommt mir die Liebe auch so echt vor. So ungeschminkt. Und ehrlich. Wir sind uns so nah, gerade weil wir diese Hoch- und Tiefs gemeinsam erleben.

    Ich sag dazu spontan: Mir ist es lieber, dass mein Freund nicht seine Wut über irgendwas und wen anderen "ungeschminkt" an mir auslässt, dass er mich nicht anschreit wenn ihm was nicht passt sondern das eher diplomatisch rüberbringt. Es ist mir auch lieber, dass nicht mein Freund die Hochs und Tiefs, die eine Beziehung so super spannend machen können, selber verursacht. Nah sind wir beide uns zB, weil wir beide genau dieselbe (eher seltene) Spielart von Humor haben, und weil wir jahrelang super gut zusammen gearbeitet haben, und spannend ist die Beziehung weil sie von 2 spannenden Menschen geführt wird und nicht wegen der negativen Spannung die zwischen uns herrscht.

    Zitat

    Ich bin jemand der in der Vergangenheit oft Interesse an Ex-Partnern verloren hat, wenn diese "zu lieb" waren. Ich brache jemanden auf Augenhöhe und jemand der mir auch Kontra gibt. Und das tut mein Freund - leider um einiges mehr als ich mir vorstelle

    Du musst natürlich selber wissen, was du dir einerseits an Positivem wünschst und was du andererseits an (evtl damit verbundenem) Negativen tolerieren kannst. Wenn ein NoGo dabei ist, nützt es auch nichts, wenn das Positive das Negative quantitativ überwiegt.


    Für mich sind zB NoGos: wenn sich einer nicht im Griff hat (im Streit herumschreien und mit Dingen werfen geht.gar.nicht), wenn einer inkonsequent ist (sich mit großem Getöse trennt und nach 2h wieder angekrochen kommt), wenn einer aggressiv ist, wenn einer nach seiner Einstellung ein Macho ist, wenn einer mir durch irgendwas Angst macht (aberwitziges Autofahren).


    Natürlich muss ich dann damit klarkommen, dass ich ggf einen Mann "erwische", der Konflikten eher aus dem Weg gehen will, der es gelegentlich allen recht machen will, der vielleicht manchmal aus meiner Sicht feige ist usw. Auf die exakt ideale Kombination trifft man eben extremst selten. Ist mir so (oder eben als Single) aber immer noch lieber als eine Variante mit auch nur 1 meiner NoGos.


    Was dich und seine Heiratspläne angeht: Ich denke, dass es ihm darum geht, DICH dadurch in seinen (gar nicht mal so goldenen, dir aber golden erscheinenden) Käfig zu sperren. Wie du selber festgestellt hast: Wenn ihr auch noch verheiratet seid, wird es dir noch schwerer fallen, dich von ihm abzuwenden, wenn die Situation dich zu sehr belastet. Und so wie es ist kommt er ja gut klar: Du nimmst dich zurück, er kann dich anschreien und du willst trotzdem weiterhin mit ihm zusammen sein usw. Vielleicht findet er nie wieder eine Frau, die sich das gefallen lässt (und mit der auch er zusammen sein will).


    Also würde ich dir raten, ihn jetzt nicht zu heiraten. Aber ich gehe davon aus, dass du es dennoch tun wirst, denn seine Reaktion auf eine Absage von dir wirst du nicht erleben wollen. Du hast Angst, dass er das in den falschen (eigentlich richtigen) Hals kriegt, dass das dann die "Vertrauensbasis" zwischen euch erschüttern wird, dass es nach einer Absage von dir nie wieder so schön zwischen euch sein wird wie bisher, usw. Einen Heiratsantrag abzulehnen von jemandem mit dem man weiterhin zusammen sein möchte ist immer schwierig, und wenn der andere dann noch so ein Psycho ist wie dein Freund, dann erst recht.

    Zitat

    Ich brache jemanden auf Augenhöhe und jemand der mir auch Kontra gibt. Und das tut mein Freund - leider um einiges mehr als ich mir vorstelle ;-D Natürlich erscheinen mir die positiven Momente noch toller, weil es eben auch andere, nicht schöne Momente gibt. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Liebe echt ist. Wir haben eine große gemeinsame Basis.

    In einer reinen Paarbeziehung ist so ein polarisierendes Spannungsfeld unter Umständen sicher aufregend, und auch über längere Zeit lebbar.


    Für Kinder jedoch psychologisch absolut verheerend.


    Echte Liebe reicht als Basis für eine Famile einfach nicht aus.


    Dafür braucht es:


    • Ein ausgeglichenes und harmonisches Miteinander


    • Die Seelische Stabilität beider Elternteile


    • Eine Konfliktkultur mit gewaltfreier Kommunikation


    • Eine gute Work-Life Balance


    • Ausreichende Kritikfähigkeit


    • Verantwortungsbewusstsein


    • Impulskontrolle


    • ...




    Sollten Kinder also - egal in wie ferner Zukunft - für Deinen Lebenswegein Thema sein, dann heirate ihn nicht.

    @ :)