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    Wieso? Dazu könnte ich mich nicht durchringen, werde ich auch nicht.

    Weil ich es als einen Angriff auf unsere freie bürgerliche Republik werte.


    Es gibt, wenn ich da recht informiert bin, immer noch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Ende des vergangenen Jahrhunderts, dass der Staat nicht einseitig einen bestimmten Lebensentwurf unterstützen darf.


    D.h. gemäß der Vorstellungen des Bundesverfassungsgerichts aus dem vergangenen Jahrhundert muss der Staat gute Rahmenbedingungen schaffen für ledige, die sich ausschließlich ihrer Karriere widmen, für Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, für Ehepaare, die ein traditionelles Familienleben leben wollen usw. ...


    Die nachfolgenden Bundesregierungen haben sich über dieses Urteil hinweggesetzt und machen eine Politik, die einseitig und massiv den Lebensentwurf unterstützt, Beruf und Familie zu vereinbaren.


    Daraus spricht für mein Empfinden der Geist der Diktatur. Viele Frauen finden das offensichtlich gut. Dir scheint es egal zu sein. Mir nicht.

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    Insofern ist es einfach zu kurz gesprungen, zu glauben, dass es sich nur auf das jeweilige Paar auswirkt, wenn sich ein Paar für die klassische Rollenteilung entscheidet.

    Nein - eigentlich nicht, weil die ja auch mit den von ihnen geschaffenen Konsequenzen leben müssen. Selbst wenn der Mann eine Riesenkarriere hinlegen sollte ( die auch jedem Single offen steht) haben seine Kinder ja trotzdem noch den Nachteil mit relative weniger Vater aufzuwachsen. Es hat ja alles vor und Nachteile die nicht mit Geld oder Karriere aufzuwiegen sind, wenn jemand Familie hat. Insofern finde ich Deine Argumentation zwar begreifbar aber zu kurz gedacht ;-). Es gibt nun mal keine Ideallösung. Deshalb ist es ja so essentiell das jeder eigene Entscheidungen trifft? Positive und Negative Konsequenzen haben doch alle?

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    und machen eine Politik, die einseitig und massiv den Lebensentwurf unterstützt, Beruf und Familie zu vereinbaren.

    Ich glaube nicht, dass das so ist. Vielmehr entspricht es einem Nachholebedarf. Familien, in denen Mann und Frau und Mann arbeiten wollten waren und sind teilweise immer noch benachteiligt- insbesondere mit Kindern.

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    Positive und Negative Konsequenzen haben doch alle?

    Die Frage ist aber WEN die Konsequenzen treffen. Wenn die eigenen Entscheidungen für einen selbst und die eigene Familie Konsequenzen haben, ist das m.E. etwas anderes als Entscheidungen, die sich AUCH auf ANDERE auswirken. Insbesondere, wenn es negative Auswirkungen sind. Und ich finde Auswirkungen, die die alte Arbeitswelt, in der nur mit 60h-Wochen Karrieren möglich sind, prolongieren ziemlich negativ. Ich hätte in den Führungsetagen lieber viel mehr Menschen, die auch in ihrer Familie präsent waren und sind.

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    Vielmehr entspricht es einem Nachholebedarf. Familien, in denen Mann und Frau arbeiten wollten waren und sind teilweise immer noch benachteiligt- insbesondere mit Kindern.

    Natürlich gibt es einen politischen Handlungsbedarf, um den Lebensentwurf Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Mit Benachteiligung hat das jedoch nichts zu tun. Äpfel sind auch nicht gegenüber Birnen benachteiligt. Es ist einfach etwas anderes, und jeder hat ein Recht darauf, mit seinem Lebensentwurf durch entsprechende Gesetze unterstützt zu werden.


    Das wird jedoch nicht gemacht. Andere Lebensentwürfe werden von der Politik links liegen gelassen, und das verstößt gegen die Verfassung. (Meinte das BVerfG zumindest noch im vergangenen Jahrhundert.)

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    Selbst wenn der Mann eine Riesenkarriere hinlegen sollte ( die auch jedem Single offen steht)

    Der Single muss sich schonmal selbst um seinen Haushalt kümmern. ;-) Außerdem ist die Frage ja nicht, ob auch ein Single die Karriere schaffen kann, sondern ob sie auch jemand (Mann oder Frau), der sich auch um seine Kinder kümmert, schaffen kann. ;-) Und da lautet die Antwort m.E. noch viel zu oft: Nein. Wenn z.B. ein extreme Präsenzkultur herrscht, dann wohl eher nicht. Und das finde ich unschön und falsch. Weil damit viele potentiell sehr gute Führungskräfte keine Chance haben. Skandinavien ist da schon viel weiter. Weil es dort einfach schon viel normaler ist, dass sich Männer um ihre Kinder kümmern. :)^

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    und jeder hat ein Recht darauf, mit seinem Lebensentwurf durch entsprechende Gesetze unterstützt zu werden.

    Nein, eigentlich nicht. ;-D Man kann sich massenweise Lebensentwürfe vorstellen, die NICHT durch Gesetze unterstützt werden sollten. (Alles, was gesetzlich verboten ist, könnte sich jemand als Teil seines Lebensentwurfes definieren. ;-) )

    Ich empfinde das genauso wie du. Die Debatte um das "Betreuungsgeld" hat mich richtig erschreckt. Ich kann mich kaum an eine politische Debatte in Deutschland erinnern, die so hasserfüllt geführt und wo durchgehend mit Beschimpfungen und Herabwürdigungen gegen Menschen und ihre Lebensentwürfe gehetzt wurde.

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    Ich kann mich kaum an eine politische Debatte in Deutschland erinnern, die so hasserfüllt geführt und wo durchgehend mit Beschimpfungen und Herabwürdigungen gegen Menschen und ihre Lebensentwürfe gehetzt wurde.

    Selektive Wahrnehmung?

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    Andere Lebensentwürfe werden von der Politik links liegen gelassen,

    Wo?

    links! ]:D


    Nein, im ernst: Der Staat gibt viel Geld aus für Betreuungsmöglichkeiten für erwerbstätige Eltern. Das ist auch richtig. Nur, so wie ich das Urteil des BVerfG verstanden habe, muss der Staat dann auch etwas für kinderlose tun, die sich für eine berufliche Karriere entscheiden haben und für Mütter, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.


    Für die Mütter könnte es beispielsweise Müttertreffs geben, damit sie nicht mit ihren Kindern zu Hause rumsitzen müssen und sich langweilen. Es wäre eine Frage der Gerechtigkeit, dass der Staat für jene Mütter genausoviel Geld ausgibt, um ihnen und ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Den Müttern das eingesparte Geld teilweise in Form von "Betreuungsgeld" zurückzuerstatten, finde ich bescheuert.


    Ledige Erwerbstätige werden bei betriebsbedingten Kündigungen als erstes rausgeschmissen. Aus "sozialen" Gründen! Auch da müsste der Staat Angebote machen, damit die Betroffenen gute Chancen haben, ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen. Außerdem haben Singles allerlei zusätzliche Risiken, weil ihnen das familiäre Umfeld fehlt. Auch da könnte der Staat etwas zur Absicherung tun.


    Das wäre gerecht und verfassungsgemäß.

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    Und ich finde Auswirkungen, die die alte Arbeitswelt, in der nur mit 60h-Wochen Karrieren möglich sind, prolongieren ziemlich negativ. Ich hätte in den Führungsetagen lieber viel mehr Menschen, die auch in ihrer Familie präsent waren und sind.

    Das ist doch ein ganz anderes Problem, was man anderweitig politisch angehen müsste: Die Gesellschaft muss eigentlich im Sinne einer gesunden Bevölkerung daran interessiert sein, dass Erwerbsarbeit einer zeitlichen Beschränkung unterliegt. Die Hirnforschung zeigt doch deutlich auf, dass Menschen Erholungsphasen brauchen um effizient zu sein und flexibel reagieren zu können. Spätestens ab einem bestimmten Alter sind doch 60 Stunden Wöchler meist weniger effizient als gleichaltrige 40 Stunden Wöchler. Dazu gibts erste Studien.


    Eine ungesunde Bevölkerung überlastet ja wieder die öffentlichen Kassen / Versicherungen, die mit höheren Beiträgen and die Unternehmen/Einzelpersonen reagieren und so weiter. So schaukelt sich der Prozess des finanziellen Verantwortung hin und her schieben immer weiter auf und die Beträge werden immer höher, die Bevölkerung immer kränker und weniger effizient.


    Eigentlich haben wir ein Arbeitsrecht und wenn das tatsächlich durchgesetzt würde, würden auch die Krankheitskosten mit Sicherheit wieder sinken, was die Versicherungskosten zurückgehen liesse was dann eben auch zu einer geringeren Arbeitgeberbelastung führen würde. Es hängt eben immer alles zusammen. Natürlich hätte das auch noch andere Effekte auf den Output und die Produktionsleistungen. Da wäre jetzt eben die Frage wie der wäre. Firmen wie SAP, Apple und Google könnten dazu jetzt sicher etwas sagen etwas überraschendes sagen ;-).


    Das Problem ist dass sich heute viele mit langen Arbeitszeiten "schmücken" weil ihnen das das Gefühl gibt leistungsfähig zu sein. Es ist hip gebraucht zu werden. Lange Arbeitszeiten sind aber selten = hohe Leistungsfähigkeit. Besonders Prokastinierer haben z.B. gerne lange Arbeitszeiten - gerade in der höheren Führungsebene!

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    Für die Mütter könnte es beispielsweise Müttertreffs geben, damit sie nicht mit ihren Kindern zu Hause rumsitzen müssen und sich langweilen. Es wäre eine Frage der Gerechtigkeit, dass der Staat für jene Mütter genausoviel Geld ausgibt, um ihnen und ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Den Müttern das eingesparte Geld teilweise in Form von "Betreuungsgeld" zurückzuerstatten, finde ich bescheuert.

    Es gibt Müttertreffs wie Sand am Meer ohne dass der Staat da irgendwie aktiv werden müsste.