Ich versteh das Problem nicht. Ist mir egal wie höflich oder unterwürfig der Bäckereifritze je nach meiner Kleidung ist, Hauptsache ich krieg das was ich haben will. Und Brötchen krieg ich doch in jedem Fall, wenn ich das nötige Geld dabei habe, und mehr muss ich vom Bäcker nicht kriegen. Was für Vorurteile (m)ein Bäcker hat ist mir auch egal.

    Ich erlebe gelegentlich, gerade in Läden der höheren Preisklasse (auch Restaurants), dass ich auf Grund meiner einfachen Kleidung (Jeans, T-Shirt) gemustert werde und mitunter nicht besonders zuvorkommend bedient werde. Offenbar schließen die entsprechenden Verkäuferinnen/Verkäufer von meiner Kleidung auf den Inhalt meines Geldbeutels. Wenn ich derartige Leute erlebe, kaufe ich dort nichts und verlasse den Laden. Ich bin von Lackaffen nicht abhängig und will auch keiner sein.

    LichtAmHorizont

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    Woher kommt denn diese Zahl? Bei mir hängt es davon ab, wie schnell ich jemanden besser kennen lerne. Wenn jemand sieben Jahre nur mein Kunde in der Bäckerei ist, dann dauert es sieben Jahre. Oder auch länger. Wenn ich mit jemandem nach zwei Tagen schon näher ins Gespräch komme, geht es schneller…

    Ich überlege schon die ganze Zeit, wie wild, in welcher Dokumentation ich das gehört habe, kann mich aber nicht mehr erinnern und gemerkt habe ich es mir ja auch deswegen, weil das so unglaublich finde, wenn das wirklich zutrifft. Ich habe seitdem auch einige Feldforschungen betrieben(bei mir und anderen) und ich denke schon, dass das doch teilweise zutrifft. Bei wie viel Prozent der Leute, weiß ich nicht, aber so ein Urteil wirkt sich ja auf alles aus und sogar wenn jemand seine Meinung revidiert hat, so fängt er immer bei seinem ersten Urteil an - das fällt mir jedesmal auf, wenn ich mit dieser Person spreche. Bei anderen wieder nicht, aber ich kann ihnen ja nur bis vor die Stirn sehen. ;-D Bei mir selbst habe ich es noch nicht beobachtet, bin aber wachsam, ob es nicht doch irgendwie zutrifft. Das muss ja nicht nur das Äußere betreffen, vielleicht auch andere Urteile, die ich da so hier und da fälle.

    Ich bin noch ganz betroffen von dem UNICEF-Video, das Marie27 verlinkt hat. Und zwar deshalb, weil ich von mir denke, dass ich auf das "schmuddlige" Mädchen vielleicht genauso reagiert hätte, wie die Menschen in dem Video.


    Jetzt hier aus der Ferne, vor dem Computer, ist mir klar, was da läuft. Aber nach welchem Programm reagiere ich im Alltag auf's Aussehen eines Menschen? Wenn ich nicht bewußt bin, wenn ich in Gedanken woanders bin?


    Wie wäre es in einer idealen Welt? Mir als Kind hätte doch beigebracht werden sollen, dass ein Mensch, der durch seine Kleidung materiell bedüftig aussieht, doch eigentlich mehr meiner Aufmerksamkeit/Hilfe Bedarf als ein Mensch, dessen Äußeres/Kleidung signalisiert, ich habe alles. (Wobei das auch nur wieder das Signal ist, ich habe alles, das Materielle betreffend.) Was wurde mir stattdessen anerzogen? Kleider machen Leute.


    Nun ja, der einzige Mensch bei dem ich das noch ändern kann, das bin ich selber. Deshalb danke doro_oro für diesen Faden. Um deine Frage konkret zu beantworten. Ich denke wir werden von unseren Eltern, Lehrern und unserer Gesellschaft als Kinder so geprägt. Vorstellbar ist natürlich eine Gesellschaft, in der die Prägung ganz anders aussehen könnte.

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    Ich erlebe gelegentlich, gerade in Läden der höheren Preisklasse (auch Restaurants), dass ich auf Grund meiner einfachen Kleidung (Jeans, T-Shirt) gemustert werde und mitunter nicht besonders zuvorkommend bedient werde. Offenbar schließen die entsprechenden Verkäuferinnen/Verkäufer von meiner Kleidung auf den Inhalt meines Geldbeutels. Wenn ich derartige Leute erlebe, kaufe ich dort nichts und verlasse den Laden. Ich bin von Lackaffen nicht abhängig und will auch keiner sein.

    Das kenne ich auch und mache es normalerweise genauso. Einmal habe ich aber umbedingt ein Geschenk genau aus dem Geschäft gebraucht, ich sprach eine Gruppe Verkäuferinnen an, eine drehte ich um, sah mich an und drehte sich dann wieder zu Ihren Kolleginnen. Ich ging direkt zu Kasse und verlangte den Chef sofort zu sehen. Der hat sich dann nach meiner Erzählung persönlich um mich gekümmert und am Schluss bekamen die Damen noch einen Einlauf. ]:D




    In manchen Geschäften wird man auch nicht bedient, wenn man nicht einer bestimmten Altersgruppe oder keiner Firma die dort ständig einkauft angehört. Ich bin bestimmt eine Dreiviertelstunde an jeder Verkäuferin vorbeigelaufen und habe deutlich signalisiert, dass ich warte bis eine von Ihnen Zeit hat. Dann kamen andere Kunden (Mitte 40), die Verkäuferin sah uns beide und ging direkt zu denen. Ich ging und erzählte es meinem Mann. Als er mal wieder wegen der Firma dort war, hat er dem Chef gesagt, dass er keinen Kunden mehr mit gutem Gewissen zu Ihm schicken kann, da seine Frau alleine wegen Ihres Alters nicht bedient wurde.


    Pech gehabt, mein Geld lasse ich nur dort, wo man mich als Kunden wahrnimmt egal wie ich aussehe. ;-D

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    Ich denke wir werden von unseren Eltern, Lehrern und unserer Gesellschaft als Kinder so geprägt.

    Schlimm finde ich, dass sich ein Großteil der Menschen diesbezüglich (Kleidung) anpasst, nach dem Motto: "Das gehört sich so", "alle machen das so"- wider jeglicher rationaler Erschließung.


    Ich pupse einfach darauf, ich bin ja nicht jeder. Wer mich ablehnt, weil ich nicht mit Krawatte und Anzug herumlaufe, verpasst was (oder auch nicht- manche opportunistischen Krawattenträger haben mit mir keinen Spaß).


    Etwas anderes ist es, wenn jemand unsauber und penetrant stinkend herumläuft- hier zählt für mich die Hygiene ...

    Zu jedem Anlass, zu jeder Umgebung gibt es ein passendes Outfit. Im Büro zieht man sich halbwegs vernünftig an, Hemd und gute Hose, nicht in Jeans und T-Shirt. Im guten Restaurant, in der Oper ebenso. Nur zu Hause, wo man niemandem begegnet kann man dann auch mal rumlaufen wie man will, ungekämmt im Schlafanzug. Auf der Strasse im Alltag gibt es beliebige Abstufungen dazwischen.


    Dass man fremden nicht ungekämmt im Schlafanzug gegenübertritt scheint selbstverständlich. Soviel Respekt bringt man dann doch jedem entgegen, dass man sich dieses Minimum an sich herrichten doch abringt. Zum besonderen Anlass putzt man sich nun noch entsprechend mehr hinaus.


    Wenn mir nun jemand begegnet, der in Schlabberlook ungepflegt daherkommt, dann signalisiert mir dieser Mensch: Für Dich reicht mir dies Outfit, mehr ist für Dich nicht nötig. Die Reaktion fällt dementsprechend ebenfalls respeklos aus. Selbiges gilt für die Leute, die weder ein "guten Morgen" noch ein "bitte" oder "danke" über die Lippen bringen.

    Inhaltlich stimme ich Ralph_HH voll zu. Man sollte sich dem Anlass entsprechend kleiden und benehmen meine ich. Leider stehen wir wohl inzwischen ziemlich alleine da mit unserer Meinung.


    Inzwischen kann man ja auch mit Jeans und barfuß in die Oper. Nur vor den angesagten Clubs stehen noch Türsteher - aber nach welchen Kriterien die einen durchlassen ist für mich undurchsichtig.


    Liebe TE: geh doch Samstag wieder hin. vielleicht ergibt sich ja ein Gespräch, wenn sie Dich wiedererkennen :)

    PS: Wenn ich mal mit Schlips und Anzug bei mir an der Straßenbahnhaltestelle stehe komme ich mir vor wie beim Karneval: verkleidet. Und ich wirke da wie ein Außerirdischer, weil alle nur in Schlabberlook herumlaufen....

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    ...ahhh. Ja. Genau. Manchmal muss man nix mehr hinzufügen... ;-D


    parazellnuss

    Das du es billig findest, wenn Leute Hirn haben und es bevorzugst, Leute nach Äußerlichkeiten zu bewerten, ist von einem wie dir, nicht anders zu erwarten. :=o


    Man kann einem Meerschweinchen nicht das Seilspringen beibringen.


    Diesen Satz kannst du Spielkind natürlich gerne wieder gegen mich verwenden. :-D


    Die Dinge umzudrehen ist die Lieblingsbeschäftigung hirnfreier Leute. ]:D