Warum machen Männer alles mit sich selbst aus?

    Der Titel ist überspitzt. Nicht alle Männer und nicht alles.


    Aber es geht doch in die Richtung. Sagen wir: viele und vieles.


    Gerade im zwischenmenschlichen Bereich. Sowohl was die Beziehung, die Ursprungs-Familie, die Freundschaften betrifft.


    Selbst wenn man nachfragt, gibt es nur kurze Antworten. Das Thema ist schnell abgehakt. Sie haben teilweise keine Ahnung, was ihre besten Freunde bewegt, wie's in deren Beziehungen aussieht.


    Ist das Desinteresse an zwischenmenschlichen Beziehungen? Hilflosigkeit? Schamgefühl, als schwach zu gelten, wenn man über Probleme redet?


    Auch findet sich gerade bei Männern viel häufiger der Typ des Konfliktvermeiders und Aussitzers.


    Das kann doch nicht nur genetisch bedingt sein? Kleine Jungs erzählen doch auch,wenn sie traurig sind, wenn was schief läuft, wenn sie sich gestritten haben, sich geärgert haben, sich riesig gefreut haben, worüber sie staunen.


    Kennt ihr auch solche Exemplare und wie geht ihr damit um?

  • 200 Antworten

    Umgekehrt könnte man auch fragen, warum Frauen immer alles besprechen wollen....


    Ich bin, obwohl weiblich, auch so ein Konflikteaussitzer und auch nur mäßig interessiert am Gefühlsleben meiner Mitmenschen. Ich rede einfach nicht gern über (meine) Probleme und sehe für mich auch keinen Nutzen darin, anderen ständig meine Gefühle und Sorgen dazulegen. Ich streitet nicht gernen und muss nicht wegen jedem bisschen ein Fass aufmachen. Manche Sachen, die andere eben direkt zur Weißglut bringen, nehme ich einfach zur Kenntniss und hake es ab. Bei viele Sachen, über die andere ausführlich reden wollen, hab ich einfach nichts zu sagen. Warum muss man denn immer alles bis ins kleinste ausdiskutieren und dann auch noch jeden daran teilhaben lassen? Wenn ich z.B. Stress in der Uni habe, dann habe ich Stress in der Uni. Der wird weder besser noch weniger, wenn ich mit jemanden drüber spreche.


    Ist wohl einfach ne Charaktersache. Ich rede eben nicht gerne und für mich hat es einfach keinen Mehrwert, wenn ich alle meine Sorgen ausbreitet. Ebenso bin aber eben auch nicht unbedingt an all den Probleme und Sorgen anderer Menschen interessiert.

    Zitat

    Das kann doch nicht nur genetisch bedingt sein? Kleine Jungs erzählen doch auch,wenn sie traurig sind, wenn was schief läuft, wenn sie sich gestritten haben, sich geärgert haben, sich riesig gefreut haben, worüber sie staunen.

    Frag mal meinen 6-Jährigen Cousin, wie es in der Schule war. Da wird man absolut immer die Antwort "ganz ok" bekommen. Unabhängig davon ob er ein Lob bekommen hat oder gerade die Schule abgebrannt ist.

    Hallo Larasa


    Ja klar kenne ich das, welche Frau wohl nicht.


    Zum Thema nachfragen wies den Freunden geht, was diese bewegt und wies in deren Beziehungen ausschaut würde mein Freund als 'nosy' bezeichnen


    ..also wenig schmeichelhaft und er selber würde sich neugieriges Nachfragen auch verbitten.


    Spannend finde ich immer, dass sich dieselben Leute mit mir über ganz andere, meist persönlichere Dinge unterhalten als mit ihm.


    Grüsse


    Vollerhoffnung

    Ich gehöre zu den Männern, denen es schwer fällt, Dinge mit sich selbst auszumachen. Ich persönlich habe das immer als ein Defizit im Erwachsensein betrachtet, bis ich das Thema mal in der Therapie angesprochen habe.


    Zu meiner Überraschung meinte die Therapeutin nämlich, sie könne das auch nicht besonders gut, und würde deshalb viele Dinge (auch Kleinigkeiten) mit ihrem Mann besprechen.


    Man kann sich fragen, warum Frauen offensichtlich ganz gut durchs Leben kommen, auch wenn es ihnen schwer fällt, Dinge mit sich selbst auszumachen, während es von Männern anscheinend anders erwartet wird.




    Im übrigen liebe ich Klischees. Deshalb vielen Dank für diese Diskussion. @:)

    Meine wohl eher rational gefärbte Sicht der Dinge:


    - ich halte es für wenig zielführend, über Probleme zu reden, die ich selbst als lösbar sehe, mitunter muss ich mir dazu Informationen verschaffen, die Informationsbeschaffung ist zunächst das Internet oder Bücher, um Probleme anzugehen.


    - über Probleme reden löst die Probleme nicht, ich löse sie lieber. Dazu strenge ich zunächst mein eigenes Hirn an


    - ich möchte nicht die Zeit und Hilfe anderer in Anspruch nehmen, wenn ich es selbst erledigen kann


    - über meine Gefühle spreche ich, wenn es den Gesprächspartner mitbetreffen könnte oder ihm bei seinen (zukünftigen) Entscheidungen helfen könnte


    - ich muss bei eigenem Stress nicht andere damit auch noch belasten- vielmehr versuche ich diesen zu reduzieren


    - man kann jede Sache als Problem sehen, man kann oft aber auch sagen: "na und?" oder "egal!"- das heißt, ich ziehe Prioritäten

    Nunja, der Lösungsfindung steht ja nix im Wege. Auch nicht, dem Partner zu erzählen, was einen beschäftigt und wie man das zu lösen gedenkt.


    Kommunikation wird doch auch um der Kommunikation willen betrieben. Und das kann durchaus einen Nutzen haben, z.B.


    - ich teile dem anderen damit mit, dass ich seine Meinung schätze


    - in der Kommunikation über meine Probleme zeige ich dem anderen, dass ich ihm vertraue


    - eine Ehe in der nicht mehr geredet wird, ist m.M. nach tot. Und damit meine ich nicht Beziehungsprobleme wälzen, sondern allgemeiner Gedankenaustausch (z.B. Grete, manchmal geht mir durch den Kopf, dass ich langsam alt werde, ...früher habe ich immer gedacht...). So entsteht Verbundenheit.


    Oder meinetwegen auch mal Konfrontation. Warum nicht? Man muss sich ja nicht in allem einig sein.


    - manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wieso nicht mit einem Freund oder dem Partner eine Lösung überlegen - vielleicht ist es einfacher als gedacht. Und vielleicht war der mal in einer ähnlichen Situation und weiß Bescheid.

    Es gibt doch Abstufungen. Ich selber finde Menschen, die alles mit sich ausmachen langweilig, aber die umgekehrte Variante anstrengend und nervig. Und beide Menschentypen gibt es nicht in meinem näheren Umfeld, sehe da auch keinen so relevanten Unterschied bei Männer und Frauen, vielleicht weil ich solche Menschen ohnehin aussortiere. Am ehesten noch im beruflichen Bereich, aber auch nicht so krass.

    Ich tendiere ja dazu, dass das Typ- und nicht Geschlechtsabhängig ist :-/ Zumindest kenne ich Frauen, die ich unangenehm pragmatisch finde und Männer, die sich sehr für das gefühlsleben anderer interessieren. Ich versuche dazu überzugehen nur die Menschen näher an mich heranzulassen, die da ähnlich gestrickt sind wie ich, das heisst, auch mal was pragmatisch sehen, im Grunde aber doch Gefühlslaberheinis sind ;-D Eine Freundin von mir ist so. Mit der kann ich stundenlang bei einem kaffee sitzen und und mich über unsere befindlichkeiten und Psychologie im Allgemeinen unterhalten. Stehe ich total drauf ;-D :)^ Pragmatischere Typen, eben auch nicht wenige Frauen, würden da wohl schreiend weglaufen ;-D ;-D

    Ich erkenne mich dahingehend sehr in dem wieder, was Liverpool schreibt. Und ausgerechnet von Männern wird mir das zum Teil auch vorgeworfen.


    Ich hab nichts dagegen mich mit Leuten lösungsorientiert zu unterhalten. Was mich dann aber stört sind zum einen die Leute, die mich, sofern ich das Problem habe, dann sinngemäß fragen wie es mir dabei geht, wie ich mich dabei fühle. Ich hab keine Ahnung wie ich mich dabei fühle, geschweige denn könnte ich es in Worte fassen, ich will einfach nur Lösungsvorschläge für mein Dillema verdammt!


    Zum anderen die Leute, die wenn sie mir ein Problem vortragen und ich dann mit einer Lösung um die Ecke komme, gleich beleidigt sind, weil ich so selten gefühllos reagiere und sie anscheinend doch eher ausgedehnt über ihre Gefühle reden wollten, als lösungsorientiert zu arbeiten. Die schick ich dann lieber weiter zu meinem Bruder, der ist so ein Gefühlsquatscher.


    Scheint also kein wirklich "männliches" Problem zu sein. Kann sein, dass in manchen Familien Buben eher extra dazu angehalten werden nicht über Gefühle zu sprechen, da das unmännlich ist oder was auch immer und sie sich dann entgegengesetzt ihrer eigentlichen Veranlagung verhalten. Das entspricht aber nicht meiner eigenen Erfahrung.

    Dieses Verhalten ist durchaus männlich und hat sehr wohl was mit den Genen zu tun. Schon unmittelbar nach der Geburt interessieren sich Jungen tendenziell mehr für Gegenstände, Mädchen mehr für Gesichter. Hormone und Veranlagung haben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns verhalten. Und natürlich kann man nicht jeden Mann und jede Frau in ein Schema pressen, aber die Tendenz ist klar.


    Es ist weder Scham, noch hilflosigkeit noch sonst irgendwas. Männer sind bei Problemen lieber allein, Frauen gehen bei Problemen in die Gruppe. Beziehungen unter Männern sind meist auch eher oberflächlich, so ganz private Dinge und Gefühle interessieren auch keinen. Dafür gibt es aber auch keinen Krieg wie zwischen "Freundinnen". Den Abend zuvor hat man sich noch mit dem Kumpel geprügelt, am nächsten Tag gibt man sich die Hand und trinkt ein Bier.


    Ich bin auch eher Maulfaul und mach Probleme mit mir selbst aus, selbst bei Erfolgen geniesse ich diese lieber im Stillen.


    Bei Problemen kann man darauf am besten mit in Ruhe lassen reagieren, der kommt schon wieder ... Und gerade gegenüber Frauen haben Männer gelernt, das reden über Probleme in der Beziehung, gerne zur Eskalation führt, an deren Ende die Frau heult.

    Weil Frauen es nicht wollen! Nichts ist weniger attraktiv als ein jammernder Mann, der ständig ein Outlet an Gefühlen hat. Es reicht tatsächlich wenn der Mann sich einmal erbarmt zu zeigen, dass er überhaupt Gefühle hat, aber dann wieder in sein stoische ICH zurückfällt.

    Tut mir leid,ich bin auch nicht "die" Frau. ;-D


    Ich bin selbst sehr lösungsorientiert und bleibe dran.


    Wenn da einer "wegrennt" ist das eher mein Mann. Rennen nicht im wörtlichen Sinne, sondern mauern oder unfair werden.