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    du suggerierst all die tollen Erfahrungen würden es aufwiegen.

    Ich habe mir einige Mühe gegeben, dieses Aufwiegen gerade nicht aufkommen zu lassen. Schade, dass es nicht deutlich genug geworden ist.


    Geld kann man saldieren, aber Erfahrungen kummulieren unabhängig vom Vorzeichen. Die, auf die man gerne verzichtet hätte, und die, die man nicht vermissen möchte, heben sich nicht gegenseitig auf. Das Leben ist die Summe aller Erfahrungen, nicht die Summe der guten Erfahrungen minus der Summe der schlechten Erfahrungen. Es scheint aber eine Tendenz zu geben, schlechte Erfahrungen auf einen Sockel zu heben. Wäre ich eine gute Erfahrung, würde mich die relative Geringschätzung traurig machen. Mein Potenzial, glücklich zu machen, würde einfach nicht ausgeschöpft, während die Saat von Kollegin schlechte Erfahrung in Ressentiments, nagendem Ärger und schlaflosen Nächten üppig aufgeht.

    Realismus, nichts als Realismus ist das. Ich freue mich an meinen Kindern, ich genieße es gerade mal mehr mal weniger, aber das bedeutet nicht, dass ich das danach nicht im Blick habe. Immerhin bin ich jung, wenn alles einigermaßen normal läuft, habe ich nach den Kindern noch etwa 40 Jahre "danach". ;-) Außerdem möchte ich nicht das irgendwann all die tollen Erfahrungen und all das Glück der Kinder hier entwertet werden, weil sie nicht mehr toll erscheinen sondern nur noch als Quelle akuter und ständiger Existenzangt. Das möchte ich nicht und so versuche ich irgenwo meinen Platz zu finden, aber eben auch alle meine Entscheidungen hier und heute mit der Perspektive abzuwiegen, damit ich meine Entscheidungen bewusst und eingedenk des möglichen Preises treffen kann.

    Finde ich gut. Schätze, das ist in etwa die Haltung, die Mikrokreditvergeber veranlassen, ihre Kredite nur an Frauen und Frauenvereinigungen zu vergeben (weiß gar nicht, ob das heute noch so ist). Frauen als Realisten, Männer als Träumer. Hat was. Zumindest für die Zwecke dieses Fadens.

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    Sie ist die Realistin, weil sie klar Traum und Realität unterscheidet. Er ist Träumer, weil ihn die Realität relativ zum Traum weniger interessiert.

    Sie sind beide Beides. Ohne dies wäre das Auto von Carl Benz nie gebaut worden und Berta wäre es nicht gefahren.

    Ja, dann wäre natürlich alles ganz anders gekommen. Die Dampfmaschinen wäre auch nicht erfunden worden. Niemand hätte das TV oder Smartphones erfunden, wenn nicht eine einzelne Person (höchstens zusammen mit dem Ehepartner) ganz allein diese grandiose Idee gehabt hätte. Mein Gott, was haben wir für ein Glück, das James Watt gelebt hatte. Oder Darwin. Oder, ähm, Pythagoras.


    Oder jemand anders hätte es dann gemacht/erfunden. Aber dann wäre die Geschichte ja so unromatisch. besser, wir verbinden einen Kopf damit. Kann sich auch irgendwie schlecht vorstellen, was z. B. Newton gemeint hat, als er sagte, "Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe." Ich meine, die ganze Sache mit dem Apfel wäre dann doch gar nicht passiert, wenn er so hoch gestanden hat.

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    Oder jemand anders hätte es dann gemacht/erfunden

    Richtig. Dennoch wäre das Auto nicht von Benz gebaut worden (und in diesem Sinne meinte ich es auch), sondern von jemand anderem (z.B. von Daimler- der ja im Prinzip genauso weit wie Benz war). Benz war eben nicht nur ein Träumer, sondern er baute das Auto real, ohne an seinen Träumen nur virtuell hängenzubleiben- er setzte seinen Traum in die Tat bzw. in die Realität um.

    Den von NoScrub verlinkten Artikel finde ich auch sehr passend zum Faden. Er führt aus, was auf jeder Seite hier oben als Auszug vom Startbeitrag zu lesen ist. Und am Ende zitiert der Autor noch eine Autorin, die die Eigenschaften eines wahren Mannes aufschreibt, die es zu reanimieren gilt:

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    Es sei höchste Zeit, notiert Elisabeth Badinter, Philosophin und Feministin, männliche Tugenden wieder zu loben. "Ihre Namen lauten Selbstbeherrschung, der Wille, über sich selbst hinauszuwachsen, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, sich Herausforderungen zu stellen und der Unterdrückung Widerstand zu leisten ... Sie sind die Voraussetzungen von Kreativität, aber auch von Würde." Das hat nichts mit Androzentrismus zu tun.

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    Und am Ende zitiert der Autor noch eine Autorin, die die Eigenschaften eines wahren Mannes aufschreibt, die es zu reanimieren gilt:

    Ich sehe es durchaus auch so, dass in der Geschlechterfrage moderne Männerbilder derzeit die größte und dringendste Baustelle sind. Die Abwertung von Männern finde ich auch viel zu gängig und dringend abzustellen.


    Aber ich finde es völlig überholt, Eigenschaften zu "labeln" und sie einem Geschlecht zuzuordnen (nur weil sie eventuell bei einem Geschlecht statistisch vermehrt zu finden sind.)! Alle genannten Eigenschaften haben auch Frauen in und viele Männer haben sie nicht!


    Also was soll diese erneute Zuschreibung zu einem Geschlecht!


    Aus meiner Sicht wäre es primär notwendig, die extrem häufige Abwertung von Männern abzustellen. Das sollte ein Teil der politischen Korrektheit werden.


    Das heißt dann aber auch: Schluss mit "Frauen und Kinder zuerst.", was eine immer noch gängige Denkfigur ist. Der Schutz von Kindern kann und soll ja bleiben. Aber Frauen sollten mMn echt nicht qua Geschlecht als schutzwürdiger (oder schutzbedürftiger) gelten. Dann wäre schon viel gewonnen.


    Umgekehrt kann es aber natürlich nicht sein, dass vor lauter neuer Rücksicht auf Männer plötzlich auch inakzeptables Verhalten wieder salonfähig wird.

    Dass Männern die Männlichkeit abgesprochen wird, weil sie so sind, wie sie als Person nunmal sind, halte ich übrigens für einen der Hauptmechanismen der Diskriminierung von Männern. (Altbekannt aus der Diskriminierung von Frauen).