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    Nur darum geht es ja und ich denke schon, dass es irgendwas aktuelleres braucht, weil das Alte einfach nicht mehr funktioniert.

    Ich glaube nicht, dass man zu irgendeiner neuen Einheitlichkeit kommt. Wobei ich schon glaube, dass aktive Väter Zukunft haben und in der Zahl deutlich zunehmen werden. :)^


    Aber wir haben heute einfach viel mehr gelebte Idividualität und niemand will sich bevormunden lassen. (Zu Recht!) Es gibt nach wie vor (aus meiner Sicht: erschreckend) viele Paare, die sich für recht traditionelle Beziehungsmuster entscheiden. Jetzt kann ich denen zwar sagen, dass ich das nicht für klug halte (wenn sich eine Diskussion darüber ergibt), aber es bleibt größtenteils deren Sache.


    Gleichzeitig gibt es die neuen Modelle ja auch: Rollenteilung (Jeder übernimmt jede Rolle teilweise, idealerweise 50:50) statt Rollenverteilung (Die Partner übernehmen verschiedene Rollen.) Jeder der sich dafür interessiert und diese neuen Modelle besser findet, kann seine eigene Version davon leben.

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    Gleichzeitig gibt es die neuen Modelle ja auch: Rollenteilung (Jeder übernimmt jede Rolle teilweise, idealerweise 50:50) statt Rollenverteilung (Die Partner übernehmen verschiedene Rollen.) Jeder der sich dafür interessiert und diese neuen Modelle besser findet, kann seine eigene Version davon leben.

    Nicht so einfach wie man sich das wünschen würde und gelegentlich auch gar nicht, einfach weil die Strukturen das nicht hergeben. Was meiner Meinung nach daran liegt, dass es keine Modelle dafür gibt, sowas eben noch nicht richtig eingeplant ist, es keine entsprechenden Arbeitszeitmodelle gibt und vorallem keine breite Akzeptanz.


    Es geht nicht darum irgendeinen Konsens über eine verbindliche Norm zu finden sondern gewisse Grundmodelle, auf die die Gesellschaft dann auch eingestellt ist, damit die Individualität auch wirklich lebbar ist und nicht nur Wunschvorstellung bleiben muss. Für die gestaltung der Gesellschaft sind Stereotype da meiner Meinung nach sinnvoll und weit wirkungsvoller als wenn jedes Paar seinen individuellen Kampf ausficht.

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    Nicht so einfach wie man sich das wünschen würde

    Was ist schon einfach im Leben?

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    und gelegentlich auch gar nicht, einfach weil die Strukturen das nicht hergeben.

    Wenn man bereit ist, den Preis zu zahlen, geht eigentlich fast allen. Aber die Leute meinen ja schon, dass etwas "nicht geht" wenn es bedeuten würden, dass sie auf das Zweitauto verzichten müssten und sich 5 Jahre keinen Urlaub leisten könnten. Je höhere materielle Ansprüche man hat, desto eher "geht es nicht", dass der Besserverdienende Stunden reduziert. Die meisten probieren es daher gar nicht aus. Auch aus Angst um den Arbeitsplatz. Aber wenn man etwas aus Angst nicht mal ernsthaft versucht, hat man m.E. hinterher nicht das Recht zu behaupten, dass es "nicht geht" nur weil man zu feige war, es zu versuchen.

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    Es geht nicht darum irgendeinen Konsens über eine verbindliche Norm zu finden sondern gewisse Grundmodelle, auf die die Gesellschaft dann auch eingestellt ist, damit die Individualität auch wirklich lebbar ist und nicht nur Wunschvorstellung bleiben muss. Für die gestaltung der Gesellschaft sind Stereotype da meiner Meinung nach sinnvoll und weit wirkungsvoller als wenn jedes Paar seinen individuellen Kampf ausficht.

    Dafür braucht es Gesetze, keine Klischees! Ich wäre z.B. für ein Job-Sharing-Gesetz. :)z

    Wir probieren ja gerade und es ist verdammt schwer als Mann eine TZ Stelle zu finden und in meinem Job ist das auch eher unüblich, aber weil ich eine Frau bin, die Kinder hat, habe ich da jedenfalls jemanden mit Verständnis gefunden. Mein Mann hat das Problem, dass ein Mann der nicht Vollzeit arbeiten will, irgendwie nicht als richtiger Mann wahrgenommen wird und das ihm damit auch jeder Ehrgeiz, Einsatzwille und soweiter abgesprochen werden.


    Auch Gesetzesvorhaben werden erst ins Werk gesetzt wenn die Idee, eine Vorstellung von anderen Familien- und Lebensmodellen erstmal da sind. Irgendwas braucht man einfach um damit und daran arbeiten zu können. Álles andere ist für poltische und gesellschaftliche Arbeit nicht fassbar.

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    Wir probieren ja gerade und es ist verdammt schwer als Mann eine TZ Stelle zu finden

    Vielleicht sollte er sich eine zweite Person suchen, die ähnliches kann und ebenfalls Teilzeit arbeiten will, und dann Doppelbewerbungen schreiben? :-)

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    Auch Gesetzesvorhaben werden erst ins Werk gesetzt wenn die Idee, eine Vorstellung von anderen Familien- und Lebensmodellen erstmal da sind.

    Da sind die Modell meiner Meinung nach längst. Nur wird man so ganz ohne politische Bewegung nicht einfach so Geschenke vom Gesetzgeber bekommen. Auch frühere Sozialleistungen mussten erkämpft werden.


    Eventuell wird ja das mit dem Grundeinkommen mal was. Die Idee hat jedenfalls schonmal Anhänger in allen Lagern...

    Der potentiell einstellende Mann sieht da vermutlich jemanden vor sich sitzen, der einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Die Arbeit ist ja nur da, um nicht zu Hause bei den Gören sein zu müssen.


    2 Monate Elternzeit beim Mann sind ja inzwischen irgendwas zwischen "akzeptiert" und "gern gesehen", aber mehr als 2 sollten es dann doch bitteschön auch nicht sein. Vielleicht wird es dann auch irgendwann mal was mit Teilzeit.


    In unserer Firma gibt es mehrere Männer, die seit Jahren Teilzeit arbeiten. Teilweise wegen Selbständigkeit, teilweise wegen Hobby und teilweise tatsächlich wegen Familie. Die werden zwar regelmäßig angesprochen, ob sie nicht auf Vollzeit gehen wollen, aber letztendlich ist es gut akzeptiert. Gibt es das anderswo tatsächlich nicht?

    Schwierig die Firmen die in Frage kommen sind da eher kleiner und bisher hat er auch noch niemanden für Job-sharing gefunden. Lustigerweise wäre es für einen anderen Job oder so noch eher in Ordnung, aber für die Kinder? Irritiert die Leute mal mehr mal weniger, aber oft schon sehr deutlich.


    Der Unterschied war schon beim Amt zu bemerken. Ich wurde klar gefragt wieviel Stunden ich machen kann, der Kinder wegen, als er sagte er will TZ wegen der Kinder, damit ich mehr machen kann, wurde ihm gleich klar gemacht, dass er dafür keine Unterstützung erhalten wird und wenn er sich nicht VZ bewirbt, gibts ärger.

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    Der Unterschied war schon beim Amt zu bemerken. Ich wurde klar gefragt wieviel Stunden ich machen kann, der Kinder wegen, als er sagte er will TZ wegen der Kinder, damit ich mehr machen kann, wurde ihm gleich klar gemacht, dass er dafür keine Unterstützung erhalten wird und wenn er sich nicht VZ bewirbt, gibts ärger.

    Vielleicht könnt' ihr da Unterstützung bei politischen Verantwortlichen suchen? Ev. auch bei Väterrechtsaktivisten? Bei Lokalmedien?


    Falls nicht bekannt: https://app.tandemploy.com/de/home

    Schöner Scheiß, danae.


    Ich schätze, er muss wirklich irgendwo VZ anfangen und dann nach 1-2 Jahren einen Antrag auf TZ stellen. Bis dahin müsste er ja etwa wissen, wie die Chefs und Kollegen so drauf sind und kann es mal versuchen. Wenn man schon eingearbeitet ist, kriegt man eher "Sonderwünsche" erfüllt. Geht es bei ihm eigentlich um 40h+, 40h oder 35h Jobs? Das ist ja auch nochmal ein erheblicher Unterschied.


    Und zum Thema Amt... ohne Worte!

    Lola


    Es handelt sich dabei um die politische Vorgabe. Im Grunde genommen war das schon ein Entgegenkommen, weil sie eigentlich auch dazu angehalten sind Frauen dazu zuanimieren VZ Betreuung in Anspruch zu nehmen und ebenfalls VZ zu arbeiten. Eine alleinerziehende Freundin von uns hatte da weniger Glück, die pendelt nun für einen TZ Job mehr als eine Stunde, die Tochter ist den ganzen Tag in der Kita und danach fix und foxy und sie muss auch noch aufstocken, halt also weiter das Amt am Hals. Ist natürlich für den Steuerzahler an jeder Stelle ein Minusgeschäft, aber so lautet die Vorgabe.


    Ja, er peilt sowas an, aber das bedeutet natürlich für mich eingeschränkte Möglichkeiten bis es soweit ist. Er wird sich auch aus der Stelle raus weiter auf TZ bewerben, aber es ist halt, selbst wenn man dringend will, nicht so einfach wie man meinen sollte. Den letzten Job hat er verloren, weil er nicht auf VZ aufstocken wollte (und konnte weil ich dann die Masterarbeit nicht hätte schreiben können und ohne Abschluß geblieben wäre). Wir kriegen das irgendwie hin, ich guck das ich was für mich aufbaue und er guckt, dass er da nicht nachlässt, aber ich wollte damit nur verdeutlichen: selbst wenn man will, so einfach ist es nicht. Nicht nur, aber ganz sicher auch weil die vorhandenen Rollen- und Geschlechterklischees eben ziemlich mächtig sind und 50/50 für beide (also alle Arbeit) ist eben nur in ganz kleinen Kreisen schon ein ernsthaftes Modell. Zu er alles, sie alles zu hause gibt es inzwischen auch er VZ sie TZ, aber beide TZ so gut wie gar nicht.

    Wie passen eigentlich die Begriffe "Rolle" und "Individualität" zusammen?

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    Es geht nicht darum irgendeinen Konsens über eine verbindliche Norm zu finden sondern gewisse Grundmodelle, auf die die Gesellschaft dann auch eingestellt ist, damit die Individualität auch wirklich lebbar ist.

    Mir scheint hier der Schwanz mit dem Hund wedeln zu wollen. Wir hatten das schon gelegentlich als Pluralismusdebatte: Wie müssten die Spielregeln einer Gesellschaft aussehen, damit sich jede denkbare Individualität optimal entfalten kann? Ich glaube auch, dass hierzu kein Konsens über eine verbindliche Norm gefunden werden kann. Und "gewisse" Grundmodelle unterstützen nur "gewisse" Individualitäten.


    Wenn Gesellschaft dazu da ist, Individualität zur Entfaltung zu bringen, dann ist Entwicklung von Gesellschaft Kampf der Interessen. Aber solange Gesellschaft das Ergebnis eines solchen Kampfes ist, gibt es Gewinner und Verlierer und wir haben nichts gewonnen und tiefliegende Traditionen wurden fortgeführt.


    Sinnvoller scheint mir nach dem Sinn/Ziel der Gesellschaft zu fragen - unabhängig von der individuellen Vielfalt ihrer Mitglieder - daraufhin Aufgaben festzulegen, die dieser Gesellschaftsvorstellung entsprechen, und daraus Rollen zu entwicklen, in die Individuen - nach entsprechender Ausbildung - hineinschlüpfen können, um ihren Beitrag zum Gelingen der Gesellschaft zu leisten.


    Die Rolle wäre dann die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft, aber nicht so, dass die Gesellschaft dem Individuum dient, sondern umgekehrt, das Individuum dient in seiner/n Rolle/n der Gesellschaft - freilich so, dass wenn die Gesellschaft als Ganzes gelingt, dies auch dem Individuum erheblichen Freiraum zur Entfaltung ermöglicht.


    Wenn man die Rollen so von der Individualität entkoppelt, dann erübrigt sich auch die leidige Frage, ob eine Rolle nun von einem Mann oder einer Frau ausgefüllt wird. Stattdessen lässt sich hinterfragen, modifizieren, neu entwickeln etc. welche Rollen mit welchem Beitrag in welchem Umfang gebraucht werden. Man könnte auch auf die erst recht leidige Frage verzichten, welche Rolle denn nun welchen Wert hat, um sie entsprechend zu dotieren. Das heißt nicht, dass jeder genau das gleiche Geld bekommt, das wäre dann doch etwas zu sehr vereinfacht, aber eine Spreizung von einem Mindestlohn (oder Grundeinkommen) bis zu einem Maximaleinkommen mit einem Faktor 7 bis 12 darüber sollte möglich sein. Also so, dass eben nicht die Rolle "Bezugsperson für Kinder als Eltern" mit fast nichts, "Betreuung alter und kranker Menschen" mit nur wenig mehr, dafür "Vorstand eines großen Industrieunternehmens" mit Millionen vergütet wird.

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    Den letzten Job hat er verloren, weil er nicht auf VZ aufstocken wollte (und konnte weil ich dann die Masterarbeit nicht hätte schreiben können und ohne Abschluß geblieben wäre). Wir kriegen das irgendwie hin, ich guck das ich was für mich aufbaue und er guckt, dass er da nicht nachlässt, aber ich wollte damit nur verdeutlichen: selbst wenn man will, so einfach ist es nicht. Nicht nur, aber ganz sicher auch weil die vorhandenen Rollen- und Geschlechterklischees eben ziemlich mächtig sind und 50/50 für beide (also alle Arbeit) ist eben nur in ganz kleinen Kreisen schon ein ernsthaftes Modell. Zu er alles, sie alles zu hause gibt es inzwischen auch er VZ sie TZ, aber beide TZ so gut wie gar nicht.

    Ich kenne das aus meinem beruflichen Umfeld so, dass Teilzeitarbeit bei Männern akzeptiert ist, so lange gute Gründe dafür vorliegen. Die Pflege eines Elternteiles zum Beispiel.


    Kinder gehören komischerweise allerdings nicht dazu, sondern das Gegenteil. Wenn jemand weder Frau noch Kinder hat, wird ihm Teilzeit zugestanden, mit der Begründung, man komme ja alleine mit dem Geld gut aus. Teilweise gilt das ja sogar als clever.


    So bald jemand allerdings eine Familie gegründet hat, wird leider immer noch so getan, als müsse man deswegen als Mann halt so viel Geld wie möglich nach Hause scheffeln. Bei Ausnahmen muss die Ehefrau schon Zahnärztin sein und er Hilfsarbeiter.