Lola


    Das geht aber an der Realität vorbei. Man kann niemanden zwingen gerne und zugewandt mit dem eigenen Kind Zeit zu verbringen. Für das Kind aber kann es weit übler sein mit jemandem Zeit verbringen zu müssen der das gar nicht will und einen ständig ablehnt. Zu erleben das man nicht angenommen wird, ist sehr viel härter, als es so divus am Rande zu ahnen. Ich weiß also nicht ob du dem Kindeswohl wirklich einen Dienst erweisen würdest, mit dieser Art Zwang.

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    Das neue Scheidungs- und Unterhaltsrecht sieht das aber anders. Da muss man sich als Frau hinterher als Idiot fühlen, weil man nicht weitergearbeitet hat sondern die anfallenden Arbeiten zu Hause alleine gestemmt hat. Diese Entscheidungen führen inzwischen oft direkt in die Armut. Ich kenne sogar Frauen die aufgrund genau dieser Gesetzeslage ihre Männer nicht verlassen (können).

    Daher plädiere ich immer weider für einen Ehevertrag. Gerade wenn man im gegenseitigen Einverständnis die Kindererziehung so aufteilt, dass einer lange Zuhause bleibt und dem anderen damit den Rücken für die berufliche Verwirklichung freihält.


    Klar könnte der Staat da im Scheidungs-/Unterhaltsrecht etwas optimieren. Wenn ich persönlich mich aber für den Fall einer Scheidung absichern will, dann kann ich das ganz unabhängig vom Staat auch tun.


    Immer wenn ich einer Freundin so etwas rate, ernte ich entsetzte Blicke und die Unterstellung, dass ich ja aus lauter Berechnung gar nicht mehr an die Liebe glaube %:|

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    Es ist aber Leistung die man erbringt und die einen Wert hat.

    Diese Leistung wird aber von Menschen sehr unterschiedlich erbracht und wird eben nicht gemessen.


    Und die "Leistung", die ich bei der Kinderbetreuung erbringe bekomme ich von meinen Kindern zurück. Es würde mich eher irritieren, wenn ich dafür Geld bekäme. Und als Leistung würde ich es eher auch nicht bezeichnen, weil mir dafür der Arbeitsaufwand (geistig, körperlich) zu stark fehlt.


    Es gibt aber durchaus Leistungen, für die ich eine stärkere Beteiligung des Staates erwarte- das betrifft meine finanziellen Aufwendungen für die Kinder (Kleidung, Ernährung, Bildungsausgaben, ...).

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    Ich liebe meinen Job auch und empfinde ihn ganz oft als Hobby, aber dennoch möchte ich dafür bezahlt werden,

    Ich liebe meinen Job auch. Dennoch erledige ich zahlreiche Aufgaben nicht in meinem persönlichem Interesse- da werden meine freien Entscheidungen beschnitten. Auch über manche Zeitvorgaben kann ich nicht frei entscheiden. Und deswegen möchte ich dafür bezahlt werden (abgesehen davon, dass ich meinen Lebensunterhalt bestreiten möchte).

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    Ich kenne sogar Frauen die aufgrund genau dieser Gesetzeslage ihre Männer nicht verlassen (können).

    Die Frauen haben sich selbst dazu entschieden, in diese mögliche Lage zu kommen. Das ist nicht unbedingt die Gesetzeslage.

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    Vor allem muss es halt jemand machen.

    Die Arbeit des Nachtportiers lässt sich nicht teilen.


    Der Betreuungsaufwand von Kindern schon. Insbesondere, wenn es nur ein oder zwei Kinder sind, die dann auch noch älter als 3 Jahre sind. Das kann durchaus auch eine KindergärtnerIn, die dann gleichzeitig mehrere Kinder betreuen kann (Betreuungsschlüssel 1:5- 1:10). Hinzu kommt, dass insbesondere Eltern, die etwas unbedarft mit den Kindern umgehen, diesbezüglich entlastet werden (KindergärtnerInnen stehen stärker unter Aufsicht, wie auch der Nachtportier).


    Im Krippenalter bezweifle ich in der Tat einen Nutzen der Kindergrippe (der Betreuungsschlüssel muss sehr niedrig gehalten werden- 1:3 + zusätzliche Kosten für Gebäude zur Unterbringung). Hier würde ich als Staat auch eher die Eltern statt Krippenerzieher für die Betreuung bezahlen- auch aus Gründen der Entwicklungspsychologie (noch sehr enge emotionale Bindung der Kinder an die Eltern).

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    Es ist aber Leistung die man erbringt und die einen Wert hat. Ich liebe meinen Job auch und empfinde ihn ganz oft als Hobby, aber dennoch möchte ich dafür bezahlt werden, ja ich leiste dann sogar die beste Arbeit, also verdiene ich im Grunde gerade dann die beste Bezahlung.

    Das empfinde ich anders. Je mehr Spaß dabei ist, desto eher finde ich auch ein niedrigeres Gehalt ok.


    Ich finde es gerade zu paradox, dass die interessanten und einflussreichsten Jobs idR gleichzeitig auch noch die besser bezahlten sind.


    Meiner Meinung nach würden z.B. Verkäuferinnen höhere Gehälter verdienen, weil das eben gerade nicht so tolle Jobs sind. Gleichzeitig sind sie aber sehr wichtig für alle.

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    Weißt du, den Spaß in allen Ehren, aber man muss ja auch im Alter von irgendwas leben können. Und wenn das bedeutet, dass man die Bereitschaft so für die Kinder da zu sein damit bezahlt im Alter oder nach einer Scheidung wie ein Idiot dazustehen der nie irgendwas nennenswertes geleistet hat und genau rechnen muss, damit man nach der letzten Arztrechnung nicht ohne Geld für nahrung dasteht, dann empfinde ich das als einfach unfassbar unfair.

    Naja, dann muss man eben dafür sorgen, dass es nicht so kommt! Mein Verständnis für Frauen, die ihre eigene wirtschaftliche Zukunft in ihren eigenen Entscheidungen nicht ausreichend berücksichtigen, hält sich in ziemlich engen Grenzen. Um es mal ganz plakativ auszudrücken: Wer extreme Risiken eingeht, muss eben auch damit leben, dass sie schlagend werden können. Wer sich im Jahr 2017 nur wegen Kindern in finanzielle Abhängigkeit begibt (weil es ja soooo schön ist Vollzeitmami zu sein), kann meiner Meinung nicht von der Gesellschaft erwarten, dass dieser Lebensentwurf jedenfalls völlig gefahrlos zu sein hat. :-/

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    Denn man hat etwas wichtiges getan und dem anderen Partner ermöglicht seinerseits das Maximum des ihm/ihr möglichen in der Erwerbsarbeit herauszuholen.

    Du findest das wichtig, ich finde es schauderlich, wenn ein Partner quasi das "Supportpersonal" für den anderen ist. Ich finde dieses Modell nicht mehr zeitgemäß und sogar in ziemlich hohem Maße schädlich für die Weiterentwicklung der Arbeitsteilung in der Care-Abteilung. Dafür will ich echt nicht noch weitere Jahrzehnte gesellschaftlichen Rückenwind. :|N

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    Denn hätte der andere Partner immer Punkt X Feierabend machen müssen, weil die Kinder abgeholt werden müssen, dann wird das mit der Beförderung eher nichts.

    Das ist aber eine Anpassung an die alte Arbeitswelt! Für die Etablierung einer neuen, familienfreundlicheren Arbeitswelt (was ich als extrem wünschenswert ansehe!), trägt das erstens nichts bei und ist zweitens sogar kontraproduktiv!

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    Das neue Scheidungs- und Unterhaltsrecht sieht das aber anders.

    Ja. Und ich finde es gut, dass eine Ehe keine lebenslange Versorgung mehr garantiert. :)= Wer das so will, soll sich das privat ausmachen, aber ich sehe nicht, warum es darauf ein gesetzliches Anrecht geben sollte.

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    Da muss man sich als Frau hinterher als Idiot fühlen, weil man nicht weitergearbeitet hat sondern die anfallenden Arbeiten zu Hause alleine gestemmt hat.

    . Ja. Weil es eben wirklich nicht klug ist, sich auf diesen Lebensentwurf einzulassen!

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    Diese Entscheidungen führen inzwischen oft direkt in die Armut. Ich kenne sogar Frauen die aufgrund genau dieser Gesetzeslage ihre Männer nicht verlassen (können).

    Sie könnten, wenn sie wollten! Aber sie ziehen den Status quo vor.

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    Und das ist die Art Druck die ich meine, die einhergeht mit einer deutlichen Entwertung der Zeit die man mit seinen Kindern verbringt. Und das finde ich, zu gut deutsch, echt scheiße.

    Ich finde es richtig, dass "Kinder haben" kein Geschäftsmodell ist.


    Wie gesagt: Ich bin durchaus für ein völlig bedingungsloses Grundeinkommen. Aber für Rundumsorgenlos-Absicherung, nur weil man sich für Kinder entschieden hat, bin ich nicht. :|N

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    Das geht aber an der Realität vorbei. Man kann niemanden zwingen gerne und zugewandt mit dem eigenen Kind Zeit zu verbringen.

    Tja in Ö ist z.B. der Mutterschutz für unselbstständig Beschäftigte eine absolute Zwangsveranstaltung. Ohne den Hauch eines Mitspracherechts der Frau!!! Sollte meiner Meinung nach dringend geändert werden. Außerdem sollte die Regel dann auch für Väter gelten! Dann fallen die auch mal aus. :=o


    In gewissem Umfang ginge Zwang also schon. ]:D Darüber hinaus würde ich auf Befähigung setzen. Wenn die Fähigkeit ersteinmal etabliert ist, dann folgt auch die Anwendung zu einen sehr viel höheren Prozentsatz.

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    Wer sich im Jahr 2017 nur wegen Kindern in finanzielle Abhängigkeit begibt (weil es ja soooo schön ist Vollzeitmami zu sein), kann meiner Meinung nicht von der Gesellschaft erwarten, dass dieser Lebensentwurf jedenfalls völlig gefahrlos zu sein hat.

    Das soll doch nicht die Gesellschaft ausgleichen sondern der Partner. Er und sie haben sich gemeinsam für dies Modell entschieden, wieso soll nur sie den Preis hinterher zahlen? Wieso wird sein Lohn nicht als Gemeinschaftsleistung begriffen, die sie nunmal ist?

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    . Ja. Weil es eben wirklich nicht klug ist, sich auf diesen Lebensentwurf einzulassen!

    Und ich finde nicht, dass man als Gesellschaft das Recht hat Leute dafür zu strafen, in dem die Gesetze einseitig den Teil dieser Vereinbarung belohnen der gearbeitet hat, während der andere Teil (und die Kinder) abgestraft werden. Immerhin haben sich BEIDE so entschieden, also sollten auch BEIDE die Folgen tragen. So und so.

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    Das soll doch nicht die Gesellschaft ausgleichen sondern der Partner.

    Du willst aber, dass der (Ex-)Partner dazu verpflichtet ist! Das geht nur über entsprechende Gesetze. Individuell kann sich ja jedes Paar den von dir gewünschten Ausgleich ausmachen und das so umsetzen. Aus meiner Meinung nach guten Gründen haben die meisten aber keine Lust, für einen Ex-Partner aufzukommen (für die Kinder natürlich, aber nicht für den/die Ex.)


    Davon abgesehen, sehe ich persönlich eben genau das nicht so: Ich finde NICHT, dass der Partner das ausgleichen sollte. Wenn beide sich alle Aufgaben teilen, gibt es ja gar keine Ausgleichsnotwendigkeit. :-) Das ist es, was ICH in einer Partnerschaft wollen würde. An einem finanziellen Transfer bin ich in einer Beziehung nicht interessiert. Ganz im Gegenteil: Ich würde viele Hebel in Bewegung setzen, um genau das von vornherein zu vermeiden. Auch wenn es gemeinsame Kinder gäbe.


    Und es ist mir nicht nachvollziebar, warum man derartige Modelle der finanziellen Abhängigkeit im Jahr 2017 irgendwie fördern und unterstützen sollte. Nur weil das irgenwer gerne so hätte, wäre mir da als Begründung echt zu wenig.

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    Er und sie haben sich gemeinsam für dies Modell entschieden, wieso soll nur sie den Preis hinterher zahlen? Wieso wird sein Lohn nicht als Gemeinschaftsleistung begriffen, die sie nunmal ist?

    Ich sehe das überhaupt nicht so, dass es eine Gemeinschaftsleistung ist, sorry. :|N Wenn eine Frau, die aufgrund ihrer eigenen Qualifikation z.B. niemals in den Gehaltshöhen ihres Partner verdienen könnte, dann ist es nicht einfach eine Gemeinschaftsleistung, wenn er 100k im Jahr verdient und sie sich um die Kinder kümmert. :|N


    Ich würde mich in Grund und Boden schämen, das so zu sehen. Mich irritiert es häufig, wie selbstverständlich viele Frauen, nicht-selbst-verdientes Geld als das "gemeinsame Einkommen" empfinden, nur weil es ein gemeinsames Kind gibt. ":/ Das könnte ich nie so sehen.

    Natürlich ist das ein gemeinsames Einkommen. Was denn sonst?


    Deine Vorstellung einer Beziehung funktioniert doch nur unter ganz speziellen Voraussetzungen. Im Grunde nur, wenn die Partner etwa gleich viel verdienen. Es werden wohl kaum beide 30 Stunden arbeiten, wenn einer doppelt so viel verdient wie der andere. Dann ist doch eine Aufteilung 40/20 sehr viel wahrscheinlicher.

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    Natürlich ist das ein gemeinsames Einkommen. Was denn sonst?

    Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Für mich ist eine gemeinsame Leistung nur etwas, das man auch tatsächlich gemeinsam geleistet hat. Ein gemeinsames Einkommen wäre es also, wenn man nicht nur ein Paar, sondern auch noch Job-Sharing-Partner wäre. Oder eine gemeinsames Unternehmen hätte.


    Meine Leistung ist das, was ich selbst mache. Gemeinsame Leistung ist das, was man gemeinsam macht. Was der anderer macht, ist dessen Leistung.

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    Deine Vorstellung einer Beziehung funktioniert doch nur unter ganz speziellen Voraussetzungen. Im Grunde nur, wenn die Partner etwa gleich viel verdienen.

    Das stimmt nicht. Es funktioniert auch, wenn einer doppelt so viel wie der andere verdient oder mehr. Die einzige Voraussetzung ist, dass auch das niedrigere Einkommen finanzielle Selbstständigkeit erlaubt (diese Grenze würde ich so ca. bei 1000 Euro netto sehen. (Bei deutlich weniger ist es auch mit bescheidenen Ansprüchen schwierig...))

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    Es werden wohl kaum beide 30 Stunden arbeiten, wenn einer doppelt so viel verdient wie der andere.

    Doch, genau so würde ich das befürworten und würde ich es machen wollen!!! :)z Ich finde die Teilung der Aufgaben viel, viel wichtiger als Maximierung des Einkommens. :-)

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    Dann ist doch eine Aufteilung 40/20 sehr viel wahrscheinlicher.

    Ja, das ist der ausgetretene Pfad. Das aktuelle Standardmodell der Mittelschicht. Mich interessiert der unausgetretene Pfad: die 30/30 Variante. Und zwar auch bei deutlichen Gehaltsunterschieden.

    Okay, das würde mich aber mal interessieren, ob es das tatsächlich gibt.


    Wir machen 30/30 und ich bin damit auch extrem glücklich. Würde mein Mann doppelt so viel verdienen wie ich, würden wir das ganz bestimmt nicht machen.

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    Doch, genau so würde ich das befürworten und würde ich es machen wollen!!! :)z Ich finde die Teilung der Aufgaben viel, viel wichtiger als Maximierung des Einkommens. :-)

    Dann haste aber auch wieder für den einen die Sache mit der potenziellen/wahrscheinlichen Altersarmut am Start, wenn einer halt wirklich wenig verdient.

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    Dann haste aber auch wieder für den einen die Sache mit der potenziellen/wahrscheinlichen Altersarmut am Start, wenn einer halt wirklich wenig verdient.

    Ja, natürlich. Aber die Garantie, niemals arm zu sein, hat man doch ohnehin nie. Auch mit großen Rücklagen, kann etwas passieren, dass das zu Nichte macht.


    Teilweise ist aber auch die Versicherungswirtschaft schuld und schürt da ganz gezielt Ängste. Weil sie Vorsorgeprodukte verkaufen wollen, sind sie sehr darauf aus, uns vorzurechnen, welche Summen wir im Alter angeblich benötigen werden. Dabei ist die gesundheitliche Versorung bei uns ja recht gut abgesichert und zum Leben braucht man ja weder jetzt noch notwendigerweise im Alter Unsummen. Vielleicht stirbt man ja mit 45. Alles nicht ausgeschlossen.


    Und wenn man Kinder hat (und seine Aufgabe als Eltern gut gemacht hat!), dann sind die ja potentiell auch eine Unterstützung im Alter.