Diese ganze Diskussion beschäftigst sich lieber mit Nebenschauplätzen, anstatt um eine gerechte Gesellschaft. Es gibt zwar eine Väterrechtsbewegung, die zwar gegen eine Obsorgerechtssprechung kämpft, aber sie kämpft nicht dafür, mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen, schon gar nicht, wenn die Ehe geschieden wurde. Mehr als ein Monat Karenz wird von Vätern auch selten genommen und nachdem keine Nachfrage, braucht es auch nicht mehr Väterteilzeit. Denn dann ginge es nicht darum, ob Müttern oder Vätern die Verwirklichung entsprechender Lebensmodelle fehlt, sondern dass sie gesellschaftlich fehlen. Bis dahin werden viele Frauen daran festhalten, die Karenz mehr oder minder voll zu nehmen und auch darüber hinaus und klagen, dass sie im Falle einer Scheidung, vor allem, wenn sie nicht spätestens dann wieder arbeitstätig werden, armutsgefährdet sind. Dazu brauchen sie nun oft auch nicht bis zur Pension zu warten. Würde es schlicht um eine gesamtgeschellschaftliche Gerechtigkeit gehen, würde es darum gehen, ob es eine 32-Stunden-Woche oder weniger geben sollte. Es gäbe keine Frage nach einer Quote, denn es gäbe eine gerechte Aufteilung, Gewerkschaften hätten längst dafür gesorgt, dass es keine unterschiedlichen Beazahlungen zwischen den Geschlechtern oder anderen Benachteiligten gäbe und jeder Beruf würde zumindest soviel einbringen, um davon auch leben zu können. Der Unterricht würde anders ausschauen und natürlich würde die Sprache dieses Bild widerspiegeln. Es würde schlicht keine Rolle spielen, wer nun in Karenz geht. So lange in solche Diskussionen aber mit oder für ein Rollenbild plädiert wird, wird es diese Gerechtigkeit, die ich gerne sehen würde, natürlich nicht geben. Ob dann nun Hausarbeit bezahlt wird und vom wem, wäre auch egal, denn dann würden sie auch alle Menschen bekommen, die diese Arbeit machen, egal ob berufstätig oder nicht. Aber wir leben in einer Demokratie, somit ist natürlich jede Richtung von Frauen-, Männer oder Genderbewegungen möglich und das trägt zumindest jetzt dazu, dass bevor eine Gleichberechtigung erreicht wurde, schon wieder Diskriminierung und Sexismus mehr Raum gelassen wird, weil man sich lieber gegenseitig bekämpft und teilweise gar keine Gleichstellung erwünscht ist. Gleichberechtigung ist nun einmal eine Frage der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Menschen, egal welchen Geschlechts.

    Der letzte Beitrag zeigt die Richtung an, in die es gehen müsste, aber leider nicht tut. Sehr gut durchdacht und argumentiert. Kommt meinem Wunschdenken sehr nahe, wenn es um ein gesellschaftliches Gesamtkonzept geht. :)^ :)=

    Danke Kleio, so würde ich es mir wünschen weil es maximale Freiheit ermöglichen würde.


    Lola


    Die meisten Leute kommen aber nur VZ auf einen Betrag von dem man selbstständig leben kann, in dem Fall müssten dann die Kinder VZ betreut werden, damit ein Prinzip totaler finanzieller Unabhängig gewahrt bleiben kann. Dabei ist totale unabhängigkeit eh eine Illusion und ganz absurd wird es bei gemeinsamen Kindern. Da ist man nämlich auf die eine oder andere Weise immer vom Partner abhängig, selbst wenn der oder die inzwischen ein Ex ist oder vielmehr, gerade dann.

    Zitat

    Wieso wird sein Lohn nicht als Gemeinschaftsleistung begriffen, die sie nunmal ist?

    Als die Arbeitsteilung Erwerbsarbeit / Haushalt+Kinder noch "Tradition"* war, stand der Arbeitgeber in der Pflicht, einen Lohn zu bezahlen, der in der Lage ist, die Familie zu ernähren.


    (*: Es war, soweit ich weiß, nie Tradition, sondern eher Errungenschaft, bzw. ein Vorrecht der Reichen, die entweder ohne oder mit wenig Arbeit genug Geld hatten. Dass sich eine wachsende Mittelschicht entwickelte, die dieses Vorrecht auch für sich in Anspruch nehmen konnte, war gegenüber den Anfängen der Industrialisierung, wo auch noch die Kinder mitarbeiten mussten, ein gewaltiger Fortschritt. Die Produktivitätssteigerungen der Unternehmen und die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften machten es möglich. Sollte man nicht ganz vergessen.)


    In diesem Punkt ist die Arbeitswelt schon in der Gegenwart angekommen: Sie sieht es gar nicht mehr ein, warum der Lohn höher sein soll, als für die arbeitende Person reicht. Schlimm genug, dass diese davon auch noch für ihr Alter vorsorgen können soll (und Kinder sind Bitteschön ein rein privater Kostenfaktor). Das ist erheblicher Gegenwind gegen das "traditionelle" Modell und favorisiert, um nicht zu sagen erzwingt, dass beide arbeiten (und wer weiß, vielleicht irgendwann auch wieder die Kinder, die man ja nicht hätte haben müssen).


    Beim Lohn und Gehalt geht es nie nur um das "Wofür" sondern auch um das "Wozu". Und wenn das Modell dahin geht, dass jeder sein Geld für sich verdient, wäre es naiv zu glauben, dass man das Lohn/Gehalt für eine ganze Familie bekommt, es aber für sich allein ausgeben kann. So paradiesisch wird es nicht werden.



    Zitat

    Ich finde es richtig, dass "Kinderhaben" kein Geschäftsmodell ist

    Viele Geschäftsmodelle, die für ordentlich Einkommen sorgen, müssten schlicht verboten werden (na gut, einige sind es sogar). "Kinderhaben" gehört meines Erachtens nicht dazu. Es muss ja nicht reich machen wie der Handel mit Tabak.


    Es gibt noch einen Aspekt, wenn man schon von Risiken spricht, den ich durchaus realistisch finde: Unser auf Geld ausgelegtes Anspruchs- und Versorgungssystem ist nicht von den Göttern geschenkt. Wenn es kollabiert, kann sich sehr schnell "arm" und "reich" wieder in "ist allein" und "hat Familie" übersetzen.

    Über kurz oder lang wird unser System, so wie es nach dem Krieg etabliert wurde, nicht mehr funktionieren.


    Es gehört wohl zu den Eigenheiten des Menschen, dass er sich eher an schleichende Veränderungen anzupassen versucht, als rechtzeitig und vorausschauend die gebotenen Maßnahmen gegen negative Entwicklungen zu ergreifen.


    Die wenigen, die das etwas besser machen sind Konzerne, die denken durchaus auch mal langfristig, Politiker denken meist nur in Wahlperioden. Innerhalb einer Wahlperiode schafft man jedoch gerade mal kosmetische Korrekturen. Mittel- und langfristigen Wandel geben somit quasi die Konzerne, mit ihrer Armee der Lobbyisten vor.


    Im Ergebnis werden Renditeempfänger immer reicher und Beitragszahler immer ärmer. Das Rollenverständnis passt sich den ökonomischen Erfordernissen an, nicht irgend welchen feingeistigen Vorstellungen und Ideen von "Gleichberechtigung".


    "Echt" beschreibt insofern heutzutage die Fähigkeit seine Existenz zu sichern, die Fähigkeit Windeln zu wechseln beschreibt es nicht.

    Zitat

    Über kurz oder lang wird unser System, so wie es nach dem Krieg etabliert wurde, nicht mehr funktionieren.

    Kürzlich wurde die ursprüngliche Untersuchung des Club of Rome "Grenzen des Wachstums" (von 1972) noch einmal ge-revisited. Dabei kam u. a. heraus, dass die wesentlichen Punkte durchaus korrekt vorhergesagt wurden:


    "Im Juni 2008 veröffentlichte Graham Turner von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) eine Studie, in der er die historischen Daten für die Jahre von 1970 bis 2000 mit den Szenarien der ursprünglichen Studie von 1972 verglich. Er fand eine große Übereinstimmung mit den Vorhersagen des Standardszenarios, das in einem globalen Kollaps in der Mitte des 21. Jahrhunderts resultiert"


    Ein paar Jahre haben wir noch... ;-)

    Zitat

    Als die Arbeitsteilung Erwerbsarbeit / Haushalt+Kinder noch "Tradition"* war, stand der Arbeitgeber in der Pflicht, einen Lohn zu bezahlen, der in der Lage ist, die Familie zu ernähren.

    Zitat

    In diesem Punkt ist die Arbeitswelt schon in der Gegenwart angekommen: Sie sieht es gar nicht mehr ein, warum der Lohn höher sein soll, als für die arbeitende Person reicht. Schlimm genug, dass diese davon auch noch für ihr Alter vorsorgen können soll (und Kinder sind Bitteschön ein rein privater Kostenfaktor). Das ist erheblicher Gegenwind gegen das "traditionelle" Modell und favorisiert, um nicht zu sagen erzwingt, dass beide arbeiten (und wer weiß, vielleicht irgendwann auch wieder die Kinder, die man ja nicht hätte haben müssen).

    Das ist richtig, die Entwicklung geht zumindest in bestimmten Sektoren in diese Richtung. Hier wurde ja bereits angedeutet "von 1000€ kann man leben". Eine Person allein kann das, eine Familie jedoch nicht, da müssen schon beide hackeln gehen.


    Interessant ist auch die Entwicklung seit dem Ende der DM Zeit gewesen. Überleg mal LovHus, eine Familie, beide Elternteile gingen Arbeiten, hätten pro Person 2000DM Einkommen gehabt. Da haben die Nachbarn gesagt "die gehen beide(!) arbeiten, die Frau ist fleißig, die haben Kohle".

    Lola


    Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann betrachtest du die Bezahlung für Arbeit als so eine Art Schmerzensgeld für verschwendete Lebenszeit oder? Nun, ich bin der Meinung das meine erbrachte Leistung bezahlt wird, unabhängig davon ob ich dabei Spaß hatte oder nicht sollte es vorallem um die Qualität dessen geben was ich abgeleistet habe. Zur Zeit ist das gekoppelt an aufgewendete Lebenszeit, was daran liegen dürfte das in einer Werkshalle Anwesenheit zwinegnde Vorraussetzung für getane Arbeit ist, aber da sind ja deutliche Auflösungstendenzen erkennbar, auch wenn da noch nicht jeder Arbeitgeber dabei ist.


    Und deine Haltung zur Altersarmut ist für mich auch nicht so nachvollziehbar. Wenn Frau das Risiko der Verarmung eingeht weil sie sich auf den Bestand der Ehe verlässt ist sie dumm, riskiert sie die Verarmung für das von dir favorisierte Lebensmodell der 50/50 Aufteilung, dann ist sie eher mutig und hat Rückgrad?


    Das ist doch irgendwie mit zweierlei Maß messen. Risiko ist beides, muss doch jeder selbst wissen welches er oder sie tragen will und wo das geringere Risiko lauert. Wieso sollten die einen dumm sein und die anderen gegebenenfalls einfach Pech gehabt haben? Wieso sollte man, zum Beispiel durch ein Recht auf Rückkehr in VZ die einen absichern, die anderen aber setzt man durch die Unterhaltsrechtsreform einem massiven Risiko aus?


    LovHus


    Allerdings, da geht die Wirtschaft ganz mit der Zeit. :-|

    @ LolaXS

    Zitat

    ich finde es schauderlich, wenn ein Partner quasi das "Supportpersonal" für den anderen ist.

    Unabhängig jetzt von Kindern, was würdest Du denn tun, wenn dein Partner arbeitslos wird? Ihn nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes in den Wind schießen, weil Du nicht für ihn aufkommen willst?


    Kann Dir nicht passieren? Ja, das haben wir auch mal gedacht.

    Zitat

    Ich würde mich in Grund und Boden schämen, das so zu sehen. Mich irritiert es häufig, wie selbstverständlich viele Frauen, nicht-selbst-verdientes Geld als das "gemeinsame Einkommen" empfinden, nur weil es ein gemeinsames Kind gibt.

    Natürlich ist das in einer Ehe (Eheverträge lasse ich mal außen vor) gemeinsames Haushaltseinkommen.


    Wenn einer Haushalt+ die (kleinen) Kinder schmeißt, ist es völlig legitim, dass der andere sich im Gegenzug finanziell beteiligt. Man erwirbt den Anspruch quasi durch die geleistete Arbeit.


    Ich hatte keinerlei Skrupel das Einkommen meines Mannes auszugeben und er meines genauso wenig. Denn es ist unser Geld und nicht seins oder meins. In einer Ehe ist es völlig normal, das der andere in Minderverdienstzeiten ausgehalten wird.


    Wer von uns mal die höhere Rente bekommt, wird sich zeigen.


    Lola, hast Du Kinder?

    Zitat

    Würde es schlicht um eine gesamtgeschellschaftliche Gerechtigkeit gehen, würde es darum gehen, ob es eine 32-Stunden-Woche oder weniger geben sollte. Es gäbe keine Frage nach einer Quote, denn es gäbe eine gerechte Aufteilung,

    :)z :)^


    Ähnliches gilt für die Einkommen, die extrem ungerecht verteilt sind, nicht weil der eine wesentlich mehr arbeitet oder wesentlich besser qualifiziert ist, sondern vielmehr, weil der eine sich viel mehr vom Arbeitsergebnis einsackt als der andere, obwohl sie nicht wesentlich unterschiedlich gearbeitet haben.

    @ danae

    Zitat

    Die meisten Leute kommen aber nur VZ auf einen Betrag von dem man selbstständig leben kann,

    Deswegen finde ich VZ ja auch grundsätzlich sinnvoll. Wobei ich angesichts der immensen Arbeitslosenzahlen, die Arbeit auch ganz grundsätzlich schlecht verteilt finde. Wenn 30h die neue Vollzeit wäre, könnten ggf. viel mehr Menschen Arbeit haben.

    Zitat

    in dem Fall müssten dann die Kinder VZ betreut werden, damit ein Prinzip totaler finanzieller Unabhängig gewahrt bleiben kann.

    Ja, das ist für mich kein NoGo. Ich glaube z.B. nicht, dass ganz Frankreich traumatisiert ist. ;-) Es ist das für mich völlig übertriebene "Die Mutter ist das Beste für das Kind", das im deutschen Sprachraum dominiert, das für mich abschreckend ist.

    Zitat

    Dabei ist totale unabhängigkeit eh eine Illusion und ganz absurd wird es bei gemeinsamen Kindern. Da ist man nämlich auf die eine oder andere Weise immer vom Partner abhängig, selbst wenn der oder die inzwischen ein Ex ist oder vielmehr, gerade dann.

    Ich glaube auch nicht an völlige Unabhängigkeit. Aber gerade weil man mit Kindern ja in Sachen Erziehung und Kümmern so auf den Partner angewiesen ist, würde ich on top echt nicht auch noch finanzielle Abhängigkeit haben wollen. :|N

    Zitat

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann betrachtest du die Bezahlung für Arbeit als so eine Art Schmerzensgeld für verschwendete Lebenszeit oder?

    Nein, das hast du nicht richtig verstanden. Ich empfinde Arbeit keineswegs als verschwendete Lebenszeit. Ganz im Gegenteil: Mir ist es sogar ziemlich wichtig, dass ich meine Arbeit als sinnvoll und wichtig empfinde. Aber gleichzeitig sehe ich es schon auch so, dass eben die "Lebenszeit", die man damit verbringt, abgegolten wird. 1h Lebenszeit ist eine 1h Lebenszeit, egal ob man in dieser Zeit Büros reinigt oder als CEO Entscheidungen trifft. Ich finde die Spreizung in den Stundenlöhnen daher obszön und nicht zu wirklich zu legitimieren. Natürlich soll es eine Rolle spielen, wie gut man in seinem Job ist und welche Leistung man bringt. Aber ich finde es gewissermaßen unfair, dass man für einen super spannenden, herausfordernden Job mit viel Einfluss (was ich alles für sich schon erstrebenswert finde) on top auch noch ein hohes Gehalt bekommt. Für mich folgt aus hoher Qualifikation daher nicht per se ein "moralischer Anspruch" auf ein höheres Gehalt. Aus meiner Sicht, sollte (auf den Stundenlohn gerechnet) die Gehaltsverteilung massiv flacher sein.

    Zitat

    Nun, ich bin der Meinung das meine erbrachte Leistung bezahlt wird, unabhängig davon ob ich dabei Spaß hatte oder nicht sollte es vorallem um die Qualität dessen geben was ich abgeleistet habe.

    Wenn man Mütter für's Muttersein bezahlen wollen würde, müsste man also nach ihrer Leistung differenzieren. ;-D Hui, also den Aufstand möchte ich nicht sehen, wenn sich Eltern plötzlich bewerten lassen müssten und die Familienleistungen von der Leistung der Eltern als Eltern abhängen würde. ;-D

    Zitat

    Und deine Haltung zur Altersarmut ist für mich auch nicht so nachvollziehbar.

    Ich bin mir nicht sicher, dass ich überhaupt eine Rente bekommen werden. Vermutlich ja, aber es kann auch anders kommen (aus den verschiedensten Gründen)

    Zitat

    Wenn Frau das Risiko der Verarmung eingeht weil sie sich auf den Bestand der Ehe verlässt ist sie dumm, riskiert sie die Verarmung für das von dir favorisierte Lebensmodell der 50/50 Aufteilung, dann ist sie eher mutig und hat Rückgrad?

    Wenn man nur sehr kurz kinderbedingt ausfällt und dann bald wieder 30 und 40 Stunden arbeitet, ist das Risiko einer späteren Verarmung einfach viel, viel viel geringer (Stichwort Gehaltsentwicklung etc.). Das ist also aus meiner Sicht ein tolerierbares Restrisiko. Während es beim Modell Hausfrau+Mutter (oder lange Jahre nur Minijob/niedrige Teilzeit) einfach das "Standard-Szenario" ist, dass man im Fall einer Trennung ganz schön aufgeschmissen sein wird. Und die Scheidungszahlen liegen irgendwo bei 50%. Dieses Risiko kann eingehen wer mag, aber ja: Ich finde das äußerst unklug.

    Zitat

    Das ist doch irgendwie mit zweierlei Maß messen. Risiko ist beides, muss doch jeder selbst wissen welches er oder sie tragen will und wo das geringere Risiko lauert. Wieso sollten die einen dumm sein und die anderen gegebenenfalls einfach Pech gehabt haben?

    Es haben beide Pech gehabt, wenn das Risiko schlagend wird. Nur ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt unterschiedlich hoch.

    Zitat

    Wieso sollte man, zum Beispiel durch ein Recht auf Rückkehr in VZ die einen absichern, die anderen aber setzt man durch die Unterhaltsrechtsreform einem massiven Risiko aus?

    Es hat ja jeder in der Hand, entsprechende Gegenmaßnahmen (=Erwerbstätigkeit oder eben entsprechende Forderungen vom Partner, wenn man findet, dass er einen absichern sollte.) zu treffen, wenn man das Risiko (zu Recht!) als zu hoch einschätzt. Ich finde diesen Anreiz zur Erwerbstätigkeit höchst sinnvoll. Wer trotzdem unbedingt die Abhängigkeit wählen will, kann das tun bekommt dafür aber das entsprechende Risiko im Paket mitgeliefert.

    @ Taps

    Zitat

    Unabhängig jetzt von Kindern, was würdest Du denn tun, wenn dein Partner arbeitslos wird? Ihn nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes in den Wind schießen, weil Du nicht für ihn aufkommen willst?

    Ich bin durchaus dafür, den Partner in schwierigen Zeiten zu unterstützen! Aber das ist eben für mich ein Szenario für den Notfall. Nicht etwas, das allein schon durch gemeinsame Kinder in Kraft treten sollte!!!! Zwei Einkommen sind auch für eine Familie einfach mehr Sicherheit, weil der eine den anderen auffangen kann. Wenn es nur einen (Haupt-)Verdiener gibt, ist die Familie doch finanziell immer unter dem Damokles-Schwert. Man kann heute jederzeit arbeitslos werden. Man könnte durch Unfall oder Tod ausfallen. Ich sehe viele Gründe, warum beide Partner alles können und machen sollten, was für die Versorgung der Familie nötig ist.

    Zitat

    Kann Dir nicht passieren? Ja, das haben wir auch mal gedacht.

    Doch das kann mir passieren. Und ich habe auch nie gedacht, dass es mir nie passieren könnte. Ich war sogar schon langzeitarbeits los und weiß genau, wie sch***e das ist. Unter anderem deswegen ist mir meine finanzielle Selbstständigkeit ja so wichtig. Die werde ich sicher nicht freiwillig aufgeben. :|N

    Zitat

    Natürlich ist das in einer Ehe (Eheverträge lasse ich mal außen vor) gemeinsames Haushaltseinkommen.

    Das definiert jedes Paar anders. Mein Bruder ist verheiratet und die haben strikt getrennte Finanzen trotz gemeinsamen Kind. Und ich persönlich lehne die Ehe sowieso ab. Ist für mich einfach kein brauchbares oder irgendwie erstrebenswertes Modell. Ein gemeinsames Leben: Gerne. Eine Ehe: Nein Danke! ;-D

    Zitat

    Wenn einer Haushalt+ die (kleinen) Kinder schmeißt, ist es völlig legitim, dass der andere sich im Gegenzug finanziell beteiligt. Man erwirbt den Anspruch quasi durch die geleistete Arbeit.

    Ja mag schon sein. Ich finde es aber eben gerade eben nicht legitim, dass sich einer aus der Erziehung und sonstigen Arbeit, die ein Kind macht, größtenteils rausnimmt. Das können andere so machen, für mich käme es nicht in frage. Ich finde den Vater und die Mutter gleichermaßen wichtig für das Kind und mir wäre es extrem wichtig, dass sich beide gleichermaßen kümmern.

    Zitat

    Lola, hast Du Kinder?

    Wie man schon an den Formulierungen merkt: Nein, habe ich nicht. Diese Entscheidung müsste ich in den nächsten Jahren mal treffen. Ich wäre jedenfalls nicht dazu bereit, wenn Kinder mich in finanzielle Abhängigkeit führen würden. Dann lieber keine Kinder. Grundsätzlich kann ich es mir aber schon vorstellen. Und ich hätte durchaus auch Lust den Praxisbeweis anzutreten, weil ich nämlich schon davon überzeugt bin, dass gemeinsame Kinder ohne finanzielle Abhängigkeit möglich sind. Insbesondere, wenn man das Glück hat halbwegs anständig zu verdienen.

    Zitat

    Ich frage das jetzt nur, weil sich der Unterhalt von Kindern –besonders wenn sie älter werden- bei strikt getrennten Konten äußerst umständlich gestalten kann.

    Dafür kann man ja einen gemeinsamen Topf machen: Deins, meins, unseres. (Und nicht: Deins + Meins = Unseres)

    Lola,


    Ich finde ja Verantwortungbewusstsein, selber-für-sich-sorgen-können etc. auch richtig und wichtig. Aber Du stellst das schon alles sehr idealisiert dar. Für Deine Modelle muss irgendwie alles perfekt laufen.


    Was, wenn da ein behindertes Kind ist, das eben nicht VZ betreut werden kann?


    Was, wenn es in der Gegend nur Kindergärten mit Mittagspause gibt?


    Was, wenn man in einer kleinen Firma arbeitet und nach dem 10. Kind-krank-Tag in 2 Monaten die Kündigung auf dem Tisch liegen hat?


    Was, wenn man selber krank oder sogar erwerbsunfähig wird?


    Was, wenn man auf einmal alleinerziehend ist?


    Dein Beispiel mit den Scheidungszahlen kapiere ich auch nicht. Wenn man sich trennt und gemeinsame Kinder hat ist das doch die selbe Scheiße, egal ob verheiratet oder nicht.


    Ich tue mir insgesamt echt schwer, Dir zu folgen, obwohl unsere Rollenaufteilung eigentlich genau Deinem Idealbild entspricht.

    Zitat

    Ich finde ja Verantwortungbewusstsein, selber-für-sich-sorgen-können etc. auch richtig und wichtig. Aber Du stellst das schon alles sehr idealisiert dar. Für Deine Modelle muss irgendwie alles perfekt laufen.

    Es muss nicht alles perfekt laufen. Man braucht nur für alles Lösungen

    Zitat

    Was, wenn da ein behindertes Kind ist, das eben nicht VZ betreut werden kann?

    Habe erst vor kurzem von einer beeindruckenden Familie gelesen, die eine eigene Firma hatten und wo die Frau trotz behindertem Kind voll gearbeitet hat. Da muss man eben individuelle Lösungen finden.

    Zitat

    Was, wenn es in der Gegend nur Kindergärten mit Mittagspause gibt?

    In so eine Gegend würde ich mit Sicherheit nicht ziehen! :|N

    Zitat

    Was, wenn man in einer kleinen Firma arbeitet und nach dem 10. Kind-krank-Tag in 2 Monaten die Kündigung auf dem Tisch liegen hat?

    Wenn man sich das mit dem Partner teilt, dann fällt ja jeder schonmal nur 5 Tage aus. Das senkt die Wahrscheinlichkeit, dass man deswegen gekündigt wird. Und wenn man den Job verliert, muss man eben einen neuen suchen und/oder ein eigenes Unternehmen gründen.

    Zitat

    Was, wenn man selber krank oder sogar erwerbsunfähig wird?

    Tja, dann hat man ein Problem, das man irgendwie lösen muss. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wolle ich mal, aber allem Anschein nach ist es nicht möglich, den Gesundheitsfragebogen völlig wasserdicht ausgefüllt zu bekommen, sodass ein hohes Risiko besteht, dass die Versicherung im Fall des Falles doch nicht zahlt. Ich habe mich dann für das Risiko entschieden. Aktuell versuche ich mir ein größeres Polster anzusparen, das Risiken abfangen kann.

    Zitat

    Was, wenn man auf einmal alleinerziehend ist?

    Tja, dann wird man immens froh sein, dass man auf finanzielle Selbstständigkeit geachtet hat. :)z :)^

    Zitat

    Dein Beispiel mit den Scheidungszahlen kapiere ich auch nicht. Wenn man sich trennt und gemeinsame Kinder hat ist das doch die selbe Scheiße, egal ob verheiratet oder nicht.

    Nein, sehe ich nicht so. Erstens kann man sich einfach trennen und braucht keinen Richter dazu. Zweitens geht es schneller und drittens würde ich eben keinerlei finanziellen Ansprüche stellen. Getrennte (bzw. sehr leicht trennbare!) Finanzen erleichtern eine Trennung massiv. (Was ich wichtig finde, denn ich will nicht, dass eine Beziehung aus finanziellen Gründen fortbesteht, obwohl sie eigentlich längst unglücklich ist.)

    Zitat

    Ich tue mir insgesamt echt schwer, Dir zu folgen, obwohl unsere Rollenaufteilung eigentlich genau Deinem Idealbild entspricht.

    Wenn du mir nicht gut folgen kannst, dann wird eure Rollenteilung dem ähnlich sein, was ich gut finde, aber eben nicht wirklich aus den gleichen Überlegungen stammen. Ich sage ja die längste Zeit, dass ich das für eine individuelle Sache halte und nicht daran glaube, dass es nur einige wenige Modell gäbe...