• Wem glauben? Betrug?

    Hallo zusammen, ich schreibe hier als Alias, da ich nicht möchte, dass Dritte, die mich kennen, von diesem Vorfall erfahren und es sich herumspricht. Rand-Daten: 8 Jahre Beziehung, 3jähriges Kind Ende letzter Woche passierte etwas Unglaubliches. In der Post lag ein Brief ohne Absender, gerichtet an mich. Darin stand geschrieben, dass ich seit geraumer…
  • 582 Antworten
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    Offenbar ist Feigheit in dieser Situation ein probates Mittel (für Männer?)

    Ich glaube nicht, dass das typisch männlich ist, sondern einfach eine logische Konsequenz für viele, die sich einmal für's Lügen entschieden haben. Ich würde in so einer Situation vermutlich auch versuchen, solange wie möglich weiter zu lügen und die Illusion aufrecht zu erhalten, wenn ich mich einmal dafür entschieden hatte, dem anderen gegenüber nicht ehrlich zu sein. Das tut man ja schließlich, weil man Konsequenzen (für sich selbst oder manchmal auch für den anderen) fürchtet. Wenn man keine Angst zu haben bräuchte, die Wahrheit zu sagen, bräuchte man dem anderen ja von Anfang an gar nichts vormachen.


    Ich hab noch nie auf Anhieb die Wahrheit gesagt, wenn ich beim Lügen ertappt wurde, sondern immer versucht, zu retten was noch geht und manchmal klappte das auch, weil ich überzeugend wirkte. Da habe ich für mein Verständnis durchaus noch Schaden abwenden können, zwar um Haaresbreite nur und es klappte auch nicht immer, aber die Flucht nach vorne bin ich in so einer Situation noch nie angetreten, weil es für mich immer guten Grund gab, zu lügen und manches eben unter gar keinen Umständen einzuräumen.

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    Ich hab noch nie auf Anhieb die Wahrheit gesagt, wenn ich beim Lügen ertappt wurde, sondern immer versucht, zu retten was noch geht und manchmal klappte das auch, weil ich überzeugend wirkte.

    Hast du darin so viel Übung? ;-)

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    Hast du darin so viel Übung? ;-)

    Im Lügen? Bedauerlicherweise ja. Nicht innerhalb von Partnerschaften, aber ich habe jahrelang eine Art Doppelleben gelebt, weil ich meine sexuelle Orientierung vor meinen Eltern verheimlichen/verleugnen musste.

    Zitat

    Ich hab noch nie auf Anhieb die Wahrheit gesagt, wenn ich beim Lügen ertappt wurde, sondern immer versucht, zu retten was noch geht … Da habe ich für mein Verständnis durchaus noch Schaden abwenden können, zwar um Haaresbreite nur und es klappte auch nicht immer, aber die Flucht nach vorne bin ich in so einer Situation noch nie angetreten, weil es für mich immer guten Grund gab, zu lügen und manches eben unter gar keinen Umständen einzuräumen.

    Das kann aber auch äußerst ungeschickt sein, wenn nämlich der Belogene ohnehin schon die Wahrheit kennt und die Lügerei nur noch als weiteren Minuspunkt aufnimmt. Damit nimmt der Lügner sich und dem anderen dann die allerletzte Möglichkeit, zwischen ihnen wieder Vertrauen aufzubauen.

    Zitat

    Das kann aber auch äußerst ungeschickt sein, wenn nämlich der Belogene ohnehin schon die Wahrheit kennt und die Lügerei nur noch als weiteren Minuspunkt aufnimmt.

    Meiner Erfahrung nach lässt sich ohne "Geständnis" in den seltesten Fällen zweifelsfrei feststellen, was denn nun wirklich "die Wahrheit" ist. Ich habe durch geschicktes Weiterlügen mehrfach das Segel noch rumreißen können, weil man, bildlich gesprochen, selbst dann nicht zweifelsfrei der Mörder sein muss, wenn man mit einem blutigen Messer in der Hand am Tatort vorgefunden wird. Gibt sicher Ausnahmen, manche werden ja tatsächlich in flagranti erwischt, also um beim Thema Fremdgehen zu bleiben, tatsächlich beim Sex. Aber selbst dann würde ich wahrscheinlich immer nur so viel wie nötig zugeben, also diesen einen sexuellen Akt, wenn er sich tatsächlich nicht mehr leugnen lässt, weil ihn der andere mit eigenen Augen gesehen hat, aber z.B. nie und nimmer, wie lange das schon geht (jahrelange Affäre o.Ä.) weil sich das eben kaum nachweisen lässt und sich Vertrauen nach dem Einräumen jahrelanger Lügerei in den meisten Fällen sowieso nicht mehr aufbauen lässt.


    Hier im konkreten Fall war es ja auch so: Hätte er nicht eingeräumt, dass da "etwas mehr Nähe war", blieben Zweifel. Die sind natürlich nicht unbedingt gesund für eine Beziehung, aber ich kann schon verstehen, dass er erstmal versucht hat, die Sache weiter komplett zu leugnen, statt die Karten angesichts des ersten Briefes auf Tisch zu legen, denn es hätte ja auch klappen können, die Sache abzutun, wenn der Kollege es bei dem anonymen Brief belassen hätte. Konnte man ja vorher nicht wissen/abschätzen, also wieso vorschnell etwas zugeben – es war ja absehbar, dass eine längere "Affäre" für Alias so oder so unverzeihlich sein wird.

    Vevodkyne

    Aber deinen Äußerungen entnehme ich, dass es bei dir darum ging DICH zu schützen. Vor den Anfeindungen (?) deiner Eltern.


    Hier geht es darum einen geliebten Partner absichtlich und bewusst zu betrügen. Dies auch noch nach außen darzustellen, damit die Partnerin auch noch zu blamieren.


    Das ist eine völlig andere Situation.


    Und das jetzt so viele auf dem Kollegen rumhacken, kan ich ehrlich nicht verstehen. Auch nicht

    Nova 14

    das du mit deiner Bekannten nicht mehr gesprochen hast. Sie hat sich vielleicht auch viele gednaken gemacht, ob sie es dir sagt. Ist auch die Gefahr eigegangen, dass du SIE als BÖSEWICHT hinstellst. Was du ja auch getan hast.


    Wenn ich mitbekommen würde, dass meine Freundin von ihrem Freund betrogen wird (Affaire) dann würde ich ihr das selbstverständlich sagen. Ggfs. würde ich mir den Partner erstmal zur Brust nehmen und ihm ein Ultimatum stellen. Entweder er gibt die Affaire auf oder ich würde es sagen.


    Manchmal kann ja wirklich ein ONS passieren. Das würde ich noch nicht mal direkt verurteilen. Sowas würde ich als Partnerin auch verzeihen.


    Aber bezogen auf die Zweifler hier. Der Partner und die (angeblich) Geliebte haben sich hier völlig schuldig verhalten. Jemand der unschuldig ist, verhält sich anders. Und der Kollgege hat sich - meiner Meinung nach - sehr nachvollziehbar verhalten. er hat den Partner sogar gewarnt und angesprochen.


    Doch diesem war es egal.


    Es gibthier keinen einzigen nachvollziehbaren Hinweis, das es KEINE Affaire gab.

    Liebe Alias

    Ich wünsche dir weiterhin Stärke und dass du für dich die Entscheidungen triffst, mit denen du am besten leben Kannst.

    Zitat

    Aber deinen Äußerungen entnehme ich, dass es bei dir darum ging DICH zu schützen. Vor den Anfeindungen (?) deiner Eltern.


    Hier geht es darum einen geliebten Partner absichtlich und bewusst zu betrügen. Dies auch noch nach außen darzustellen, damit die Partnerin auch noch zu blamieren.


    Das ist eine völlig andere Situation.

    Auf den ersten Blick vielleicht, auf den zweiten nicht unbedingt, wie ich finde. Dem Partner von Alias wird es auch darum gegangen sein sich bzw. seine Interessen zu schützen. Er wollte eben beides, Familie/Frau+Kind und eine Beziehung welcher Art auch immer mit der Kollegin nebenher. Wenn meine Mutter wüsste, wie oft und in welchem Umfang ich sie belogen habe, könnten wir sie mal fragen, wie sie das sieht... Ich habe schließlich auch geliebte Menschen (ja, ich liebe meine Eltern trotz allem) absichtlich und bewusst belogen, um meine Interessen durchzusetzen. Ich habe auch Verhaltensweisen an den Tag gelegt, durch die sie sich blamiert fühlen könnten, wenn sie davon erfahren hätten, denn manche wussten von meinem Doppelleben. Immer eine Frage der Perspektive also.


    In meiner damaligen Situation zu lügen und zu betrügen, mögen viele legitim finden, weil sie Verständnis für mich/meine Bedürfnisse in dem Zusammenhang haben und über die rigorose Ablehnung meiner Eltern nur mit dem Kopf schütteln können. Da hab ich im Vergleich zu Alias Mann vielleicht etwas Oberwasser, aber letztlich steckte das gleiche Prinzip dahinter: Lügen im eigenen Interesse und wenn Gefahr drohte, aufzufliegen, so wenig wie möglich zugeben, um die Situation noch irgendwie zu retten/umzubiegen – letztlich um die eigenen Interessen zu schützen.


    Wobei es mir zuletzt bei meiner Familie tatsächlich auch darum ging, sie zu schützen und ihnen Leid zu ersparen, denn ihnen aufs Butterbrot zu schmieren, wie lange und in welchem Umfang ich sie belogen habe, hätte ihnen rückblickend sicher arg zugesetzt und weh tun wollte ich ihnen ja nie. Ich kenne Fremdgänger, die aus einer ähnlichen Motivation heraus lügen und alles daran setzen, die Illusion für den Partner aufrecht zu erhalten, weil ihnen durchaus etwas an ihm liegt.


    Ich denke halt, wenn man sich fürs Lügen entscheidet, hat man meist einen guten Grund. Man weiß eben, dass man mit der Wahrheit nicht weit kommen und oftmals Leid verursachen würde und von daher erscheint es mir nur konsequent, so lange wie möglich weiterzulügen und nicht mehr als nötig zuzugeben.

    Zitat

    Dem Partner von Alias wird es auch darum gegangen sein sich bzw. seine Interessen zu schützen. Er wollte eben beides, Familie/Frau+Kind und eine Beziehung welcher Art auch immer mit der Kollegin nebenher.

    natürlich wollte er das, ist aber eben nicht aufgegangen, weil für alias die ungereimtheiten letztlich zu schwerwiegend waren, und selbst ohne 100% geständnis seinerseits ausschlaggebend waren. in dieser situation gießt dann jede weitere lüge nur noch öl ins feuer.


    – davon abgesehen ist aber natürlich nicht gesagt, dass die beziehung hätte standgehalten selbst wenn er frühzeitig die flucht nach vorn angetreten und gestanden hätte, was nun genau vorgefallen war.

    Zitat

    Ich denke halt, wenn man sich fürs Lügen entscheidet, hat man meist einen guten Grund. Man weiß eben, dass man mit der Wahrheit nicht weit kommen und oftmals Leid verursachen würde und von daher erscheint es mir nur konsequent, so lange wie möglich weiterzulügen und nicht mehr als nötig zuzugeben.

    wobei man den punkt nicht verpassen sollte, an dem die fälle eh schon davon geschwommen sind und man mit der lügerei niemanden mehr schützt, sondern sich der lächerlichkeit preisgibt und den anderen nurmehr unnötig verletzt.

    Zitat

    Und das jetzt so viele auf dem Kollegen rumhacken, kan ich ehrlich nicht verstehen. Auch nicht

    Nova 14

    das du mit deiner Bekannten nicht mehr gesprochen hast. Sie hat sich vielleicht auch viele gednaken gemacht, ob sie es dir sagt. Ist auch die Gefahr eigegangen, dass du SIE als BÖSEWICHT hinstellst. Was du ja auch getan hast.


    Wenn ich mitbekommen würde, dass meine Freundin von ihrem Freund betrogen wird (Affaire) dann würde ich ihr das selbstverständlich sagen. Ggfs. würde ich mir den Partner erstmal zur Brust nehmen und ihm ein Ultimatum stellen. Entweder er gibt die Affaire auf oder ich würde es sagen.

    Ich sehe ja auch den Zwiespalt einer Freundin, würde ihn selbst empfinden. Nur war diese Bekannte keine wirkliche Freundin, auch nicht vorher. Und von ihrem ganzen Typ her kam sie mir weniger besorgt und gutmeinend vor als gehässig meinem Ex gegenüber, den sie schicht verpfiffen hat. Kann aber sein, dass ich mich täusche, räume ich ein. – Davon abgesehen, habe ich sie nicht als Bösewicht hingestellt, das hast Du falsch mitbekommen. Mir kam nur ihre ganze Haltung nicht ehrlich vor, dahinter stand nach meinem Empfinden keine Zuneigung und kein guter Wille, sie erschien mir doppelzüngig und deshalb bezweifelte ich ihre Motive. Das wäre vielleicht anders gewesen bei einer anderen Person, zu der ich großes Vertrauen gehabt hätte.


    Ich weiß im übrigen nicht, wie ich selbst mich entscheiden würde bei einer engen Freundin, käme drauf an. Aber SOLLTE ich mich zum Mitteilen in einer solchen Sache durchringen, wäre mir auch klar – und ich müsste es damit riskieren – dass mir als Bote einer schlechten Nachricht der Kopf abgeschlagen würde. So etwas ist eben nie nur ein einfacher Freundschaftsdienst, sondern greift massiv in das Leben anderer Menschen ein und beinhaltet somit natürlich auch ein paar Risiken.

    Zitat

    Nur war diese Bekannte keine wirkliche Freundin, auch nicht vorher.

    Ach so. Das hatte ich dann falsch verstanden.

    Ja, okay. – Ist wirklich nicht einfach zu entscheiden, und mir liegt es fern, den moralischen Zeigefinger zu erheben, weder so, noch so. Ich könnte auch nicht sagen, dass der Kollege von Alias es falsch gemacht hat, und zu verurteilen fände ich ihn schon gar nicht.


    Einen Neuanfang nach einem Treuebruch wie von Alias' Partner finde ich sehr, sehr schwierig. Auch wenn ich einsehe, dass er sich (wie vermutlich die allermeisten Lügner, wie hier zu Recht geschrieben wurde) selbst schützen wollte, sogar die Beziehung im Grunde noch schützen wollte – mein Vertrauen wäre komplett weg (das war auch damals der Grund für meine Trennung). Und um das wieder aufzubauen, müsste schon viel, viel vom Betrüger kommen – wenn überhaupt ...

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    Und der Kollgege hat sich – meiner Meinung nach – sehr nachvollziehbar verhalten. er hat den Partner sogar gewarnt und angesprochen.

    Wenn er denn die Wahrheit sagt. Es gibt solche und solche Kollegen. Sein Verhalten ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, zumal er anfangs diesen hinterhältigen Informationsweg gewählt hat. So jemandem würde ich auch zutrauen, dass er ziemlich viel dazu erfindet. Wenn man ihn nicht kennt, würde ich seine Infos mit äußester Vorsicht behandeln. Ich bezweifle nicht, dass er mitbekommen hat, dass das was gelaufen ist, aber ich würde ihm nicht ohne weiteres glauben, dass er mit dem Mann der TE gesprochen hat, dass die beiden vor allen Augen rumgeturtelt haben etc. Das könnte alles Quatsch sein, der einem sehr eigennützigen Motiv entsprungen sein mag. Mir ist es ein Rätsel, wieso dieser Kollege so viel Vorschussvertrauen bekommt.