Werde nicht schlau aus diesem Mann

    Hallo,


    seit einigen Monaten treffe ich mich eher unregelmäßig mit einem Mann des Typus "Mann mit Problemen".


    Unsere ersten Treffen liefen sehr gut, wir konnten uns über vieles unterhalten und haben uns auch jede Woche mindestens einmal gesehen, danach wurde es etwas holpriger sag ich mal aber unsere Semesterferien waren auch vorbei und hatten beide wieder viel zu tun.


    Irgendwie hab ich dann das Gefühl entwickelt, dass er gar kein Interesse an mir hat. Daraufhin meinte er dann, dass er mich sehr gerne mag aber starke Probleme hat Gefühle zu zeigen und Menschen zu vertrauen. Er vertraute mir dann auch an dass er schon zwei Psychosen hinter sich hat und psychisch einfach generell nicht so ganz auf der Höhe ist. Hab ich dann auch erst mal geglaubt.


    Ab da wurde er auch bemühter mal neue Dates zu organisieren, wir gingen mal raus und hockten nicht nur in der Bude, allerdings immer unregelmäßiger. Er meinte er kann keinen Stress handeln und braucht sehr viel Zeit für sich, er will nicht vereinnahmt werden.


    Hab ich dann auch erst mal mitgemacht, wir wollten uns dann wieder Treffen weil ich ein paar Sachen besprechen wollte, an dem Tag hat er mir aber nirgendwo mehr geantwortet. Allerdings am darauffolgenden Tag, beteuerte auch dass es ihm sehr leid tat, er meinte er war zwei Tage davor mit einem Freund unterwegs und hat ein bisschen was getrunken, zuhause bekam er Panik und nahm 4 Tabletten Xanax, woraufhin er dann fast 33 Stunden geschlafen hat ???


    Irgendwie macht mich das ganz stutzig und ich frage mich wie ich da besser an ihn rankommen kann. Kann man ihm überhaupt noch glauben oder wie soll ich das fortführen, bin total ratlos

  • 17 Antworten
    Zitat

    Irgendwie hab ich dann das Gefühl entwickelt, dass er gar kein Interesse an mir hat.

    Dieses Gefühl von jemandem vermittelt zu bekommen würde mir schon reichen, um die Sache abzuhaken - Erklärungen hin oder her. Gehen wir mal davon aus, dass er mit allem die Wahrheit gesagt hat... Mir wäre das alles zu kompliziert, die Verbindung ist ja gerade mal am Anfang, wie soll das erst im weiteren Verlauf werden...


    So wie sich das anhört, braucht er einen Therapeuten, und keine Freundin.

    Selbst wenn das alles so ist, wie er sagt: Willst du einen Mann als Partner, der offensichtlich so schwere psychische Probleme hat und dadurch so unzuverlässig ist? Wieso verändert es etwas für dich, ob er dich hängen lässt aus Desinteresse oder aufgrund massiver psychischer Instabilität? Die Auswirkungen für dich sind ja praktisch die gleichen.

    Jo.. psychische Stabilität ist hier, trotz aller Bemühungen (wenn sie denn stattfinden) nicht zu erwarten. Was natürlkich ein hartes Urteil für alle derart Betroffenen ist. Aber es ist so. Als mehr oder weniger gesunder Mensch eine stabile Beziehung mit einem Psychotiker zu führen dürfte sehr schwierig sein.


    Also die Eingangsfrage im Titel ist damit eigentlich beantwortet, oder?

    :)^


    Von außen ist das alles immer sehr klar. Ich selbst war vor einiger Zeit in der Situation, mich dummerweise auf einen psychisch sehr instabilen Menschen einzulassen. In der ersten Zeit (wie auch hier) verläuft ja meist alles glatt, und so entwickelt man Bindung. Alles, was von da an dann passiert, bewertet man dann leider schon ganz anders, als man es objektiv von außen getan hätte. Man hat Mitleid, möchte natürlich auch nicht direkt ungeduldig oder verständnislos sein. Es ist schwer, da eine Schmerzgrenze auszumachen... gerade wenn der andere sich gut rausreden und darstellen kann. Tja, und irgendwann steckt man schon mittendrin und merkts nicht mehr. Bedauerlich.

    Konkret braucht es ein minderwertiges Selbstwertgefühl und/oder ein als leer empfundenes Leben, welchees man so mit Wert und Sinn füllen kann.


    Was auch der Grund für die enorme Stabilität von pathologischen, komplementären Beziehungen ist (co-abhängig und so). Der Angehörige profitiert selber enorm von der Krankheit.


    Das Risiko scheint mir hier allerdings nicht zu bestehen.

    Zitat

    rr2017


    Jo.. psychische Stabilität ist hier, trotz aller Bemühungen (wenn sie denn stattfinden) nicht zu erwarten. Was natürlkich ein hartes Urteil für alle derart Betroffenen ist. Aber es ist so

    Sorry, aber kannst du mir mal dein Geheimnis erklären wie man aus den Angaben der TE deine Schlussfolgerung so deutlich ableiten kann?

    Naja sehr stabil klingt das nicht, was sie schreibt, und ansonsten allgemeine Erfahrung mit derart betroffenen Personen. Wobei "ist nicht zu erwarten" vielleicht etwas zu hart formuliert ist. "ist hier vermutlich nicht zu erwarten" ist wohl besser. Im Posting gehts ja im Grunde bereits schon um "wie gehe ich mit derart schwankenden Signalen um".

    Zitat

    Irgendwie macht mich das ganz stutzig und ich frage mich wie ich da besser an ihn rankommen kann. Kann man ihm überhaupt noch glauben oder wie soll ich das fortführen, bin total ratlos

    Ich kenne ja nicht euer Alter, deshalb gestalte ich meine Antwort für dich wie für einen jungen Menschen mit evtl. wenig Selbstwertgefühl.


    Wenn Du ratlos bist könnte es auf ein Helfersydrom hinweisen. Meine Begründung liegt darin, weil Du ratlos bist und mit keinem Wort erwähnst, was dir diese Beziehung überhaupt bringt. Ausser das er - nach deinem EP - die Beziehung führt wie er es will. Dich macht das ganze stutzig, weisst aber nicht wie Du besser an ihn rankommen kannst. Hast Du für dich mal hinterfragt, was dich in dieser Beziehung gleich zu Beginn mit so vielen Problemen hinzieht oder festhält? Dazu passt mMn auch deine Aussage:

    Zitat

    Irgendwie hab ich dann das Gefühl entwickelt, dass er gar kein Interesse an mir hat.

    Welches Interesse hast Du ihm gegenüber?


    Wenn Du das für dich beantworten kannst, wirst Du sicher wissen ob Du die Beziehung fortführen willst - denke ich.

    Xanax ist ein Benzodiazepin. Davon vier Stück zu schlucken - wenn man jetzt von der normalen Tablettendosis ausgeht - ist sehr, sehr heftig. Aber ja, 33 Stunden Schlafdauer ist dann absolut normal. Ich war Jahre von einem anderen Benzo (Bromazepam) abhängig und mit einer halben Tablette bin ich locker auf eine Schlafdauer von 12+ Stunden gekommen. Bei so einer (Über?-)Dosis Xanax ist er da absolut glaubwürdig. Mein Patenonkel - der an Psychosen leidet - nimmt auch Psychopharmaka und schläft locker 15 Stunden jeden Tag mit seiner normal verordneten Dosis. Also ja, alles möglich.


    Für die, die ihm eine Therapie empfehlen: Ohne zumindest einen Psychiater bekommt man kein Xanax. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Mann in Behandlung ist, auch wenn Psychiater nun nicht auch Psychologe heißen muss.


    Was die Beziehung angeht: Ich glaube nicht, dass er dich anlügt, aber da kommst du nicht "besser ran". Gerade Psychosen sind nicht lustig; hab damit zwar keine persönliche Erfahrung aber mein Patenonkel hat die wie beschrieben eben und der hatte seit über 30 Jahren keine Beziehung deswegen und eben wegen seiner generellen Erkrankung. Ob es sich also lohnt, an dem Mann dranzubleiben, ist fraglich. Böse Absicht kann man ihm aber definitiv nicht unterstellen; im Gegenteil: Viele gehen nicht so offen mit ihrer Erkrankung um. Ich finde was er sagt stimmig und daher erstmal ehrlich und offen.


    Das er allerdings solche Psychopharmaka nimmt und dann noch Alkohol trinkt steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ich nehme an, auch das wird auf die Schlafdauer Einfluss gehabt haben. Das geht gar nicht. Benzos nehmen und trotzdem nicht konsequent auf Alkohol verzichten - gerade bei Psychosengefahr... au weia. Ganz ehrlich, diese Tatsache und die Dosierung des Xanax sprechen für mich die klare Sprache "unverantwortlich". Und schon deshalb würde er für mich, unabhängig von jeder Krankheit, nicht in Frage kommen. :|N

    Ich bin immer etwas überrascht wenn ich lese wie schnell einige Leute hier andere Menschen abschreiben, anhand unglaublich weniger Informationen.


    Mag ja sein dass die Erfahrung lautet, eine Beziehung mit Psychotikern ist schwierig. Aber deswegen jedem zu raten, diese Menschen direkt links liegen zu lassen und nur mit Helfersyndrom eine Beziehung für erklärbar zu halten.. wo führt das denn hin? Mal abgesehen davon dass in diesem Fall nicht mal klar ist welche Art Probleme der Mann hat. Eine Psychose kann man auch nach Drogenkonsum bekommen. Ist nicht toll, aber dadurch muss man ja nicht auf sein restliches Leben schließen.


    Natürlich kann man bei der Anbahnung von Partnerschaften noch schön vor allen Problemen davonlaufen indem man den anderen Mensch keine Chance gibt. Aber regelt man das in einer Beziehung dann auch so wenn Probleme auftauchen?


    Ich gehe einfach mal davon aus, dass die TE ein Interesse an einem Kennenlernen oder sogar Beziehung mit ihm hat (sonst würde sie diese Fragen vermutlich gar nicht stellen) und daher auch bereit ist sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen wie es in einer Beziehung auch nötig wäre.


    Ich glaube wenn du TE ihn dazu bringst offen mit dir über das Thema und seine Schwierigkeiten zu reden (denn es betrifft ja massiv seinen Alltag) dann wäre es eine Basis ihn näher kennenzulernen. Wenn nicht, dann kannst du ihn immernoch abschreiben.