• Whatsapp als Beziehungsproblem

    Hi, ich bin wahrscheinlich nicht die erste, die das hier schreibt. Ich muss es auch einfach mal loswerden. Bei mir ist es meistens so, dass es mir hilft, irgendwas auszusprechen oder aufzuschreiben und ich dann merke, wie bescheuert es eigentlich klingt ;-) Ich bin seit einigen Monaten mit meinem Freund zusammen und es läuft an sich auch alles gut. Wir…
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    Die lieb gewonnene mediale Welt, ja ja. Wenn ich von den viel zu oft geschilderten Problemen, die diese auslöst höre bzw. lese, muss ich etwas schmunzeln. Wie viele Menschen bekommen es nicht mal von Angesicht zu Angesicht hin, sich ohne Missverständnisse, Fehlinterpretationen oder schlichtes Aneinandervorbeigerede zu verständigen. Wie hoch ist dann erst der Grad dazu, wenn Mimik, Gestik oder Stimme fehlt.


    In meinen Augen wird es viel zu oft als Kontroll-Medium benutzt. Bereits dieser Gedanke 'er/sie war online, hat aber nichts getippt', wird zum Teil als Bankrott-Erklärung hoch gespielt. Warum tun Menschen, die sich für mündig, autark und erwachsen halten, so einen "Konsum-Terror" an? Kommunikation ist keine Ware, die man für die eigene Aufmerksamkeit oder empfundene Defizite einfordern kann bzw. sollte. Auch die Erwartung, man ist verliebt und muss deshalb in allen Gedanken die erste Geige spielen, ist mehr als überforderungsfähig.


    Wer einen Alltag zu bewältigen hat, zumal einen mit Beruf, kann in aller Regel so eine durchgehende Kommunikation nicht anbieten. Es gibt Mitarbeiter, es gibt Chefs, die es gar nicht gern sehen, wenn jemand ständig mit dem Handy in der Hand rum tippt, und sich mit anderen Dingen beschäftigt, als für jene, wofür man am Ende des Monats Geld bekommen will. Es ruft ähnliche ähnliche Diskussionen hervor, wie die zusätzlichen Raucherpausen, wenn sie außerhalb der normalen Pausen statt finden.


    Im Fall der TE liegt ihr Verhalten im Moment nachvollziehbar daran, dass sie an einem neuen Wohnort lebt. Es wenig andere soziale Kontakte gibt, die den Focus vom Freund ab- oder umlenken können. Er ist die erste Bezugsperson, und das macht schnell abhängig, was Zuwendung und Aufmerksamkeit angeht. Das was vorher Eltern, event. Geschwister und der intakte Freundeskreis aufgewogen hat, konzentriert sich mit voller Ballung auf den Liebsten. Dieser ist sich dieser Rolle vermutlich gar nicht bewusst. Wie soll er auch, für ihn, der in seiner gewohnten Umgebung lebt, besteht dieses "Problem" seiner Freundin nicht.


    Deswegen rate ich dazu, auch außerhalb der Beziehung Kontakte zu knüpfen, über Hobbys, Sport, eventuell sympathischen Kollegen, die man fragt, was sie am Wohnort in der Freizeit machen. Es ist wichtig aus dieser Angstspirale heraus zu kommen, um nicht all zu klammernde Verhaltensweisen zu entwickeln. Es ist nicht die Aufgabe des Freundes, die entfallenen Bezugspersonen des alten Wohnortes zu "ersetzen", die Zeit auszufüllen, die vorher mehrere Menschen mit der TE geteilt haben. Das ist völlig unmöglich, egal wie oft der Freund per WA zurück antwortet. Das wird zu einem Wettlauf, der keine gesunde Beziehung wachsen lässt. Beschränkt euch darauf, euch wichtiges mitzuteilen. Ein Mann der verliebt ist, vergisst die Frau seiner Gefühle nicht, nur weil er nicht ständig auf dem Smartphone rum "trommelt".


    Ein Handy ersetzt nicht den Menschen, weder im Geiste, noch gefühlt. Es ist ein Nachrichtenmedium. Nur als solches sollte es gesehen werden, nicht als "Ersatzmensch", weil der andere gerade nicht in der Nähe ist. Wenn Du Dir das klar machen kannst liebe TE, dann kann es leichter werden, diese Abhängigkeit zu unterbrechen. Es macht Dir ungute Gefühle, versetzt Dich unter Daueranspannung, macht Dich verletzbar, und das alles aus völlig falschen Motiven. Freu Dich darüber, dass Du einen so tollen Menschen an Deiner Seite hast, aber quetsch ihn nicht als Persönlichkeit in ein Handy. Damit tut ihr euch gegenseitig nichts Gutes. Dir alles Gute, stärke Dein Selbstbewusstsein mit realen Menschen und ihren Aktiviäten, es geht Dir damit besser, versprochen! :)z :)^ ;-) ;-) ;-)

    Ich habe das auch eine Zeit lang gehabt mit diesem ständigen Zwang reinzusehen. Auch wenn ich Jemanden kennengelernt habe. Hatte den Zwang zu sehen ob er sich immer meldet, wenn er drin ist oder nicht. Bin wahnsinnig geworden, wenn er es gelesen hat aber nicht geantwortet.


    Irgendwann zwang ich mich dann selbst mal nicht reinzuschauen. Habe es deaktiviert mit der angezeigten Onlinezeit und das Handy in die Tasche gesteckt und erst in der Mittagspause oder so mal draufgesehen. Ging mir sehr gut damit. Mittlerweile bin ich viel entspannter und es kümmert mich auch nicht, wenn er mal nicht antwortet und es aber liest.


    Ich habe letztens erst mit einer anderen Frau drüber gesprochen. Früher, zu SMS-Zeiten, war es deutlich entspannter. Man hat eh nicht soviel geschrieben, weil es teurer war und man konnte den anderen nicht "kontrollieren". Am Abend hat man mal telefoniert und gut war's. Das war sehr entspannt und da hatte ich nie den Gedanken das er mich nicht wollen würde oder so. Und mit demjenigen hab ich damals eine Fernbeziehung geführt!


    Also einfach mal selbst zwingen. Ausschalten, in die Tasche stecken und akzeptieren das die Menschen auch andere Dinge zutun haben als immer zu schreiben. Reicht doch, wenn man einmal am Tag sich unterhält. Ich musste es wieder lernen, aber mir geht es sehr viel besser damit :-)

    @ DieDosismachtdasGift

    wirklich toll geschrieben, vorallem dies ist mir aufgefallen:

    Zitat

    Kommunikation ist keine Ware, die man für die eigene Aufmerksamkeit oder empfundene Defizite einfordern kann bzw. sollte. Auch die Erwartung, man ist verliebt und muss deshalb in allen Gedanken die erste Geige spielen, ist mehr als überforderungsfähig.

    Es gibt noch anderes auf der Welt und im Leben als nur immer der eigene Partner. Und deshalb ist einem der Partner doch nicht weniger wichtig.


    Wieso benötigt und fordert man so viel Bestätigung immer von anderen?

    @ Mila22

    wenn Du jetzt schon merkst, dass es Dir nicht gut tut, dann leg das Natel aus deinem Sichtfeld und schau mal nur Morgens, Mittags und Abends rein.


    Mach ich auch so und klappt wunderbar und es ist sehr entspannt. Manchmal vergesse ich auch mein Natel zu Hause. Wenn es etwas wirklich Wichtiges gibt, dass nicht warten kann, dann weiss mein Umfeld auch meine Büronummer und kann anrufen.


    Und mal ehrlich, nur weil ein Typ ein Smiley schickt, muss dies gar nichts heissen. Vielleicht weiss er auch einfach, das dies erwartet wird und so wieder für ein-zwei Stunde Ruhe ist.

    Hi Mila22,


    ich kann das total nachvollziehen weil es mir ähnlich erging. Es gab sehr viel Streit weil ich mich immer aufregte warum Online und keine Antwort. Ging sogar soweit das ich mir Whatsapp Spy installierte nur das sie nicht sieht das ich geguckt habe. Mir ging es nie um Verlust oder Eifersucht sondern Respekt mir gegenüber (ja ich weiß war doof)


    Habe dann meinen Status irgendwann auf verbergen gesetzt, das ist mittlerweile über ein Jahr her und seit dem geht es mir blendend und es tat auch unsere Beziehung sehr gut!


    Mir hat es geholfen vielleicht auch etwas für Dich.


    LG

    Danke Tobi :)


    Ich versuche es jetzt wirklich etwas lockerer zu sehen. Wahrscheinlich gibt sich das mit der Zeit auch wirklich und dann fühle ich mich nicht mehr so rastlos.


    Ich freue mich immer über eine Nachricht von ihm und versuche, nicht mehr so angespannt zu sein, wenn er ein paar Stunden nicht schreibt.


    Ich schiebe es zum Teil auch wirklich einfach darauf, dass er ein Mann ist ^^ er hängt ja auch nicht die ganze Zeit am Handy und wenn er bei Freunden ist, schaut er ja auch nicht immer drauf.


    Ich denke, es wird noch ne Weile dauern, bis ich gut damit klarkomme und vielleicht werde ich auch ein paar Rückfälle haben, aber wenn es auf lange Zeit besser wird, ist das kein Problem.


    Übrigens ist es bei mir auch oft so, dass ich eine Whatsapp-Nachricht erst sehe, wenn ich Whatsapp aufmache. Mache mir manchmal also umsonst Stress, obwohl ich schon ne Antwort habe...will mich davon aber jetzt auch nicht mehr so abhängig machen ;-)

    @ DieDosismachtdasGift

    Habe es gerade erst gelesen ^^ war ja noch ne dritte Seite...


    Danke dafür! Das hilft mir, alles etwas rationaler zu sehen. Wenn man nur für sich darüber nachdenkt steigert man sich eben rein. Das ist nicht gesund und auf Dauer ist es einfach sehr belastend.


    Ich bin froh, von allen hier so ein Feedback zu bekommen, dass mir wirklich hilft, besser damit umzugehen. Es hätte ja auch jeder schreiben können, dass ich echt nen Schaden habe xD hat zum Glück keiner gemacht.


    Es hätte mich auch ehrlich gewundert, wenn ich allein mit diesem Problem gewesen wäre. Man merkt ja immer mehr, wie einen die ganzen Kommunikationsmittel stressen und wie man immer mehr das Gefühl hat, immer erreichbar sein zu müssen.


    Manchmal fehlt mir meine Kindheit echt. Ich bin zwar noch nicht so alt, aber auch als ich klein war, war das mit den Handys noch nicht so schlimm und man war wesentlich entspannter.


    Ich hoffe einfach, dass ich allein davon loskomme und mir nicht immer um alles und jeden soviele unnötige Gedanken mache.

    Zitat

    Manchmal fehlt mir meine Kindheit echt. Ich bin zwar noch nicht so alt, aber auch als ich klein war, war das mit den Handys noch nicht so schlimm und man war wesentlich entspannter.

    oh ja! ich hatte eine Kindheit und Jugend ohne Handy und Internet, Ich habe mich real mit Freunden getroffen, jeden Tag. Wenn es etwas zu klären gab, haben wir das im direkten Gespräch gemacht. Und wenn das bedeutet hat, dass man das erst am nächsten Tag besprechen konnte-so what, das war eben so. Ich bin froh darüber, in der Zeit aufgewachsen zu sein (alleine schon wegen den depeche mode-Konzerten :-) )


    manchmal denke ich, wenn man der heutigen Jugend ihre handys und internet wegnehmen würde und sie mit dem Auftrag betrauen müßte, ihre 20-Personen-starke Clique innerhalb von 3 Stunden zu einem spontanen Treffen am See zusammen zu trommeln – sie würden kläglich scheitern und weinen...... Wie haben wir das damals nur hingekriegt? ;-)

    Ich kann Die TE auf der einen Seite voll verstehen. Gerade am Anfang der Beziehung ist das dieses generelle Unsicherheit und man interpretiert viel zu viel in völlig belanglose Dinge hinein. WhatsApp und Smartphones bzw. Internet allgemein geben dieser Angst natürlich Futter aber ich glaube nicht, dass sie diese Angst grundsätzlich produzieren.


    Meine letzte Beziehung begann lange bevor ich ein Smartphones (oder Facebook) hatte und trotzdem bin ich manchmal die Wände hochgegangen wenn ich länger nichts von ihm gehört habe. Ich musste mich dann auch dazu zwingen, das Telefon bzw. Handy wegzulegen, mich mit anderen Sachen zu beschäftigen und vor allem mein Leben weiter zu Leben. Ich habe ja vor der Beziehung meinen Tag auch nicht damit verbracht, dass Telefon durch Anstarren zum klingeln zu bewegen.


    Bei mir was es auch so, dass sich dieses Angstgefühl im Laufe der Beziehung immer mehr gelegt hat und irgendwann gar nicht mehr da.


    Gibt dem ganzen ein bisschen Zeit.


    Ich ärgere mich heute auch manchmal, wenn ich Leuten schreibe, die den ganzen Tag ständig auf ihrem Handy tippen und es dann nicht schaffen, mir zeitnah auf eine simple Frage zu antworten. Ganz egal, in welcher Beziehung ich zu ihnen stehe.


    Aber dann fällt mir wieder auf, dass da manchmal ganz simple Dinge dahinter stecken. Es gibt ungefähr tausend Gründe warum man nicht direkt zurückschreibt und sie allerwenigsten haben mit einer Abneigung gegen die schreibende Person zutun.


    Und man muss eben auch immer bedanken, dass andere vielleicht einfach nicht so oft auf ihre Handy gucken wie man selbst.