Du fragst wie man mit einer solchen Mutter umgehen soll?


    Einfache Gegenfrage: warum sollte man mit einer solchen Mutter überhaupt umgehen?


    Meine einfache Antwort: gar nicht umgehen, Schlussstrich ziehen und nach vorn schaun.

    Dass sie sich daran selbst nicht orientiert. Sie lässt mein Leben nicht mein Leben sein. Sie wertet mein Leben, ungefragt und seit Jahrzehnten, und respektiert weder meine Entscheidungen noch meine Grenzen.

    wow, es ist echt heftig. Ganz ehrlich hier geht es um Grenzsetzung. Man denkt, dass man der Mutter immer viel schuldig ist, es ist ja die Mutter. .... Ich denke hier ist ein ausgedehnter Abstand mit absoluten Konsequenzen aller negativer Vorkommnisse unbedingt nötig. Nimm Dir einen Zettel, schreib auf, was Dir zu viel ist. Sag Deiner Mutter , dass Du ab heute Grenzen setzt und sobald eine dieser Dinge erneut von Ihr kommt, der Kontakt komplett für eine gewisse Zeit gestrichen wird. Lass Dich auf keine Diskussion ein, reagiere auf keinen Fall emotional, sondern absolut bestimmt. Das wird sie verunsichern und "erziehen" , auf jeden Fall im Bezug darauf, dass sie bevor sie ihren Mund aufmacht oder was tut, überlegt, welche Konsequenzen es hat. Du musst das aber 1 zu 1 umsetzen ohne Ausnahme. Viel Glück :)*

    Zitat

    Ja, sie ist der Richter der Welt. Und ja, das ist wohl immer noch so, dass ich gerne hätte, dass sie mich liebt, aber den Eindruck hab ich nicht.

    Das ist genau was ich meinte. Du kämpfst noch immer, hast da noch immer nicht aufgegeben. Aber liebe kann man nicht erkämpfen, weißt du ja eigentlich auch, Liebe kommt, weil man ist wie man ist, oder eben nicht.


    Vielleicht versuchst du es einfach mal damit. Du sein und genau auf dich gucken. "Will ich diese Unterhaltung führen?" wenn nein, beende sie. Streite nicht rum, versuch ihr nicht Anerkennung abzutrotzen oder Zugeständnisse. Einfach nur:"Mama, ich kenne deine Meinung, aber ich will mit dir darüber nicht mehr reden. Entweder wir wechseln jetzt das Thema, oder das Telefonat endet, bis ein anderes Thema geht."


    Hat bei mir und meiner Mutter wesentlich mehr gebracht als alles Gezanke und wenn nicht, dann läuft der Kontakt so eben aus und dann ist das zwar traurig, aber der normale Lauf der Dinge, wenn zwei Menschen sich nichts nettes zu sagen haben.

    upela

    Zitat

    Dass sie sich daran selbst nicht orientiert. Sie lässt mein Leben nicht mein Leben sein. Sie wertet mein Leben, ungefragt und seit Jahrzehnten, und respektiert weder meine Entscheidungen noch meine Grenzen.

    Sie kannst Du ja nicht ändern. Hälst Du Dich daran? - Aber das sind eben Fragen, die Euer Mutter-Tochter-Verhältnis betreffen und deren Auf- und Verarbeitung. Nur Du kannst eine Veränderung hereiführen und zwar damit, dass Du Deine Einstellung änderst.

    Zitat

    Ja, sie ist der Richter der Welt. Und ja, das ist wohl immer noch so, dass ich gerne hätte, dass sie mich liebt, aber den Eindruck hab ich nicht.

    Ja, Kinder wollen das meistenst, von den Eltern geliebt werden, angenommen werden und wenn es um Deine Mutter geht, dann ist es diese Kindesstimme, die da kämpft. Deine Vergangenheit mit Deiner Mutter scheinst Du nicht verarbeitet zu haben. Das Kind wirft der Mutter vor, dass sie es nicht liebt, nicht annimmt, tut und probiert alles, mit nettem Reden, schmeicheln, fordern, drohen, etc. Das Kind macht die Mutter dafür verantwortlich, dass sie es nicht so leben lässt, wie es leben will. Aber es ist halt die Kindesposition. Es ist halt nicht Deine Mutter, die Dich nicht lässt. Ein Kind kann nicht weg, weil es von der Mutter abhängig ist. Du als Erwachsene kannst jederzeit "weg", in welcher Form auch immer. Das liegt dann an Dir zu entscheiden, wie Du Dich von ihr abgrenzt z.B. wie es danae87 beschreibt und ab wann die Beziehung zu Deiner Mutter nicht gut für Dich ist. So lange Du in dieser Kinderrolle steckst wenn Du es mit ihr zu tun hast, so lange bleibt es meiner Ansicht nach so, wie Du es kennst.

    Ich bin eben gerade dabei, zu verarbeiten. Eigentlich erst, zu verstehen... Ich habe erst dieses Jahr mit der erweiterten Familie (Onkel, Tante) über alles gesprochen, was ich und mein Bruder seit Jahrzehnten mit ihr erleben. Vieles ist an der Grenze von "naja, ist doch nicht schlimm" zu "gehts noch?", sehr subtil und oft isoliert gesehen nicht schlimm. Verwirrende Sache. Vor allem, wenn man seit Jahren von der Mutter hört, dass man selber der Abschaum der Welt ist, so in etwa.

    Zitat

    Sie lässt mein Leben nicht mein Leben sein. Sie wertet mein Leben, ungefragt und seit Jahrzehnten, und respektiert weder meine Entscheidungen noch meine Grenzen.

    und du diskutierst? argumentierst? rechtfertigst dich?

    Ich habe in meinem Bekanntenkreis die eine oder andere Familie, wo der Kontakt zwischen Kind und Elternteil abgebrochen ist. Erschreckend, wie oft das vorkommt. Das ist jedes Mal extrem traurig mit anzusehen und keiner der betroffenen ist da wirklich glücklich mit.


    Ansich müsste man jede erdenkliche Mühe auf sich nehmen, um so ein Verhältnis wieder gerade zu rücken. Dazu muss man auch über seinen Schatten springen können, seinen Stolz begraben, eine Menge vergeben können.


    Aber dem sind Grenzen gegeben. Wenn einer der beiden partout nicht gewillt ist, wohlwollend liebevolle Worte zu finden, den anderen zu respektieren, samt seiner Partnerwahl, vergangenes mal ruhen zu lassen, sich zu entschuldigen etc., dann wird das nichts. So ein vernünftiges Verhältnis müssen beide wollen und beide müssen dafür arbeiten. Solange jeder vom anderen erwartet, dass er da klein beigibt und sich entschuldigt, während man selber auf dem hohen Ross sitzend auf seiner Position beharrt wird das nie was. In dem Fall sollte man dann gucken, was gut für einen selbst ist und wenn das der Kontaktabbruch ist, dann ist es halt so. Unschuldig beschimpfen lassen muss man sich nicht.

    ... weil es so richtig erst nach dem Tod meines Vaters angefangen hat - arme leidende Mutter, und so, die ein Glas zu viel getrunken hat, um das ertragen zu können - und nachdem sie immer schon dominant war, rutscht man dann graduell da rein. Dann kommen wieder bessere Zeiten, man denkt, jetzt gehts wieder, baut wieder Kontakt auf ...


    Vielleicht hat hier ja der eine oder die andere Erfahrung mit Kontaktabbruch - inklusive der schwierigen Entscheidung dafür oder dagegen. Ich wäre sehr interessiert an einem Austausch.

    Wahrscheinlich, weil es schwer ist, zu akzeptieren, dass diejenige, die einen bedingungslos lieben sollte, es nicht tut (tun kann). So würde ich mir das jedenfalls erklären und das wäre zumindest bei mir der Grund, warum es mir dann auch selbst sehr schwer fiele, sollte ich in solch eine Situation kommen.


    Aus eigener - wenn auch sehr entfernter - Erfahrung gesprochen (gerne auch per privater Nachricht mehr, upela): vermutlich bleibt dir nur innere Abstumpfung ("Sie verhält sich scheiße, aber es stört mich nicht mehr"), oder äußere Distanz ("Es stört mich, wie sie sich verhält, also halte ich so viel Abstand, dass ich es aushalte"). Sicher laufen beide Varianten nicht zwangsläufig absolut gegensätzlich, sondern können und werden meist kombiniert.??In der Familie, von der ich spreche, ist es so, dass alle gegenüber der Mutter einfach auf Durchzug schalten, damit das "normale" Familienleben einigermaßen weitergeht. Sie wehren sich schon gegen Grenzübertritte, aber sehen es ihr nach. Und zwar -und das ist von außen die wirklich schreckliche und gruselige Beobachtung meinerseits - nicht, weil sie sie so lieben, dass sie ihr die Fehler gerne nachsehen möchten. Das würde ich ja, gerade angesichts eigener, durchaus auch fehlerhafter Eltern, noch total verstehen können. Nein, die Mutter hat sich schlicht so dermaßen mit allem verschissen (tut mir leid, aber die Wortwahl ist wirklich angemessen), dass keiner mehr die Energie aufbringen will, sich zu ärgern. Die Frau ist einfach egal. Deshalb versuchen alle, einfach ohne große Reibungsfläche um sie herum zu leben. Sie ist eingeladen, aber es spricht keiner mit ihr. Damit hat sie keinen Grund zu meckern, dass sie nicht eingeladen ist und auf ihren wiederholten Versuch, herauszufinden, warum denn niemand mit ihr spricht, geht dann keiner ein. Angesichts einer so schrecklich verfahrenen Situation, aus der die Mutter nicht mehr rauskommt, obwohl sie es durchaus auch schon mal durch deutliches Ansprechen der Schräglage ("was ist denn los? Habe ich etwas falsch gemacht?" - das aber durchaus im unmöglichen Ton) versucht, ist meine Position die, so weit wie möglich davon zu laufen. Ich würde ihr nämlich sagen, dass sie allen egal ist und genau deshalb niemand auf sie in irgendeiner Art reagiert, damit ihre Fragen mal beantwortet sind. Einfach auch aus Fairness. Und da das aber nicht dem internen Familienkonzept entspricht und das mühsam aufgebaute Gleichgewicht um sie herum ins Schwanken bringen würde, sehe ich meine Aufgabe darin, mich selbst soweit rauszuhalten, dass ich gar nicht als Akteurin ins Spiel komme.??

    Zitat

    Vielleicht hat hier ja der eine oder die andere Erfahrung mit Kontaktabbruch

    nicht direkt kontaktabbruch... aber ich habe nicht nur klare ansagen gemacht, sondern es auch durchgezogen! meiner mutter klar gesagt, dass ich künftig telefonate sofort beenden werde, wenn sie über meinen vater schimpft, mir in meine erziehung dreinreden will, über bestimmte menschen herzieht... oder sich nr noch in einem leid suhlt, für das es gerne mal eine runde mitgefühl gibt, aber nur, wenn sie irgendwann bereit ist, auch etwas zu tun!


    und ich habe dann tatsächlich lange zeit immer wieder besuche und telefonate gnadenlos abgebrochen - mit der ansage: so, jetzt machst du wieder xyz, ich lege jetzt auf (gehe jetzt).


    vorher habe ich ihr allerdings einen langen brief geschrieben, warum ich bestimmte sachen einfach nicht mehr ertragen kann und es auch nicht mehr will und werde!


    es war am anfang noch recht schwierig, ist aber immer leichter geworden.


    jahre später hat sich das verhältnis in ganz angnehme bahnen entwickelt. weit davon entfernt, ein warmes mutter-tochter-verhältnis zu sein, aber zumindest herrscht ein gewisser respekt und eine ganz angenehm distanzierte nähe (schwer zu erklären, aber anders kann ich es nicht beschreiben.