• Wie mit dieser Mutter umgehen?

    Ich bin erwachsen, über dreissig, bin beruflich erfolgreich, habe einen Sohn aus früherer Beziehung und bin verheiratet. Meine Mutter und ich hatten nie eine gute Beziehung (Level: Bezeichnungen als Hure schon im Teenageralter - und nein, ich habe nicht jede Woche jemanden mit nach Hause gebraucht). Unlängst hat sie in einem Telefonat (zum unzähligsten…
  • 45 Antworten

    Solche erzieherischen Maßnahmen wären mir übrigens persönlich zu anstrengend. Ich würde sicher schon deutlich kommunizieren, was mich stört und weshalb ich so und so reagiere. Bzw. ich tue es auch. Aber ich habe dann auch gar kein Interesse daran, es immer wieder zu versuchen. Doch womöglich wolltest du, Seherin, auch gar nicht so sehr erziehen, sondern sie hat den Kontakt zu dir gesucht und du hast gesagt "wenn überhaupt, dann nur so und so"?. Das ist für mich dann zwar schon nachvollziehbarer, ich frage mich dann aber dennoch - von außen wohlgemerkt - warum überhaupt? Warum die Zeit mit jemandem vergeuden, der so unmöglich drauf ist? Das täte ich nur, wenn das Verhältnis mal gut war, wenn es also eigentlich eine gute Beziehung gibt, die aber in eine Schieflage geraten ist.

    Zitat

    Doch womöglich wolltest du, Seherin, auch gar nicht so sehr erziehen, sondern sie hat den Kontakt zu dir gesucht und du hast gesagt "wenn überhaupt, dann nur so und so"?

    jaaein... irgendwie so... aber irgendwie auch wieder nicht!?

    Zitat

    Warum die Zeit mit jemandem vergeuden, der so unmöglich drauf ist? Das täte ich nur, wenn das Verhältnis mal gut war, wenn es also eigentlich eine gute Beziehung gibt, die aber in eine Schieflage geraten ist.

    es hat ja nicht alles nur eine seite. und meine mutter hat eine lange geschichte, warum sie so ist, wie sie ist - und mit diesem wissen geht ein "egoistischer kontaktabbruch" für mich einfach nicht. ganz davon abgesehen, sind wir eine große familie, mit sehr unterschiedlichen persönlichkeiten, sehr unterschiedlich zu tragenden päckchen... eines eint uns aber: die tiefe liebe zueinander und das unbedingte wollen, auch in miesen zeiten zueinander zu stehen :)z


    dass meine mutter allerdings schon sehr lange, sehr miese zeiten hat, ist nicht alleine ihrer inneren einstellung und ihrer bewältigungsfähigkeit geschuldet.

    Zitat

    eines eint uns aber: die tiefe liebe zueinander und das unbedingte wollen, auch in miesen zeiten zueinander zu stehen

    Das hab ich natürlich voreilig anders verstanden. Ich denke, Liebe ist ein Argument. Liebe sieht ja im andren etwas liebenswertes, trotz (manchmal auch gerade wegen) dessen Fehler.


    Dann muss ich nochmal korrigieren: Ich würde mich auf so etwas nicht einlassen, wenn ich keine Liebe empfände. Und damit meine ich nicht das Gegenteil, sondern ich meine, dass mir lieb haben oder mögen nicht reichen würde.


    Ich stelle mir allerdings die Frage, wie ein Lieben trotz solch umfangreicher Verletzungen (wie sie beispielsweise Upela beschreibt, oder wie ich sie im von mir beschriebenen Fall miterlebe) funktionieren kann. Ob das dann wirklich Liebe sein kann, oder nicht vielmehr Verpflichtungsgefühl oder das Gefühl, doch eigentlich Liebe empfinden zu müssen. Und dann stellt sich die Frage nach der "Erlaubtheit" von Kontaktabbrüchen schon wieder ganz anders.

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    Na ich würde mir solche e-mails aber auch ganz klar verbieten, das gehört sich nicht und hat nichts mit: sie ist ehrlich - zu tun. Sie ist respektlos und vergreift sich gehörig im Ton.


    Zu so einer Mutter würde ich mindesstens erstmal ein halbes Jahr den KOntakt abbrechen, bis ihr klar ist, dass ich auf so einem Niveau nicht mit ihr kommunizieren will.


    Bin übrigens selbst Mutter und es würde mir nie in den Sinn kommen, so zu meinen KInder zu reden, geschweige denn zu schreiben ( was ja och mal eine ganz andere Hausnummer ist).


    Sie darf gerne mal sagen, dass sie deinen Mann nicht so toll findet...aber einmal und dann ist gut, es ist nämlich dein Mann.

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    Ich stelle mir allerdings die Frage, wie ein Lieben trotz solch umfangreicher Verletzungen ... funktionieren kann.

    da hast du natürlich recht... käme bei mir wohl immer darauf an, was aus welcher situation heraus, mit welcher wortwohl, mit wieviel "berechnung/bewusstsein"... kommen würde!?

    Zitat

    Ob das dann wirklich Liebe sein kann, oder nicht vielmehr Verpflichtungsgefühl oder das Gefühl, doch eigentlich Liebe empfinden zu müssen.

    hmmm... auch hier ist es bestimmt schwer, die grenzen zu ziehen - zumal für mein gefühl innerhalb der familie die grenzen fließend sind... (muss ich erst noch drüber nachdenken :-/ )

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    Und dann stellt sich die Frage nach der "Erlaubtheit" von Kontaktabbrüchen schon wieder ganz anders.

    kontaktabbrüche kann man sich eh nur selber erlauben ;-)

    Zitat

    Vielleicht hat hier ja der eine oder die andere Erfahrung mit Kontaktabbruch - inklusive der schwierigen Entscheidung dafür oder dagegen. Ich wäre sehr interessiert an einem Austausch.

    Ich habe keinerlei Kontakt mehr zu meinem leiblichen Vater oder meinem Adoptivvater und habe es mit meiner Mutter sehr ähnlich gehandhabt wie Seherin es beschreibt, nach einem Kontaktabbruch funktionierte die Wieder-Annäherung auf diese Weise. Klare Ansage was ich will und was nicht und bei nicht danach handeln habe ich an der Stelle abgebrochen.


    Das ergab aber mehr als nur distanzeirte Nähe. Sie hat sehr an sich gearbeitet, sich für vieles entschuldigt und wir haben viel ganz neu sortiert. Möglich wurde das aber erst durch den Kontaktabbruch, weil wir da beide aus unseren Mustern kamen.

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    [hikleines] Solche erzieherischen Maßnahmen wären mir übrigens persönlich zu anstrengend. Ich würde sicher schon deutlich kommunizieren, was mich stört und weshalb ich so und so reagiere. Bzw. ich tue es auch. Aber ich habe dann auch gar kein Interesse daran, es immer wieder zu versuchen.

    Hast Du selber Kinder? Als Eltern gibt man sich mit den Kindern unbeschränkt Mühe. Vom wickeln über durchwachte Nächte, ständige Sorgen um die Kinder, im Säuglingsalter stundenlang rumtragen bei Bauchweh, später die Kinder irgendwo hinfahren, mit ihnen Hausaufgaben machen, endlose Diskussionen, bei Krankheiten nachts um 3 vollgespuckte Betten neu beziehen, trösten, jahrelang Wäsche waschen, kochen, putzen... Ein Vollzeitjob über fast zwei Jahrzehnte. (Einen Job, den man gerne macht)


    Och denke, da ist man als Kind doch gut beraten, sich dann später nach dem Auszug mit älter und teilweise wunderlich werdenden Eltern ebenso Mühe zu geben und da gegebenenfalls beliebig viel Arbeit zu investieren. - Solange Hoffnung besteht.

    Ralph


    Das sehe ich anders. Eltern entscheiden sich frei Kinder zu bekommen und ob sie den Job gut oder gerne machen, dass ist durchaus unterschiedlich. In upelas Fall ist es wohl eher nicht so. Bei weitem nicht alle Eltern lieben ihre Kinder.


    Aber egal wie, Liebe ist ein Geschenk, Zuneigung ist ein Geschenk und verpflichtet am Ende zu nichts. Gar nichts. Das ist kein Geschäft und schon gar nicht eines mit zeitlicher Verpflichtung. Was ich meinen Kindern heute gebe, dafür erhalte ich heute jede Menge zurück. Das hat nichts mit in 30 Jahren zu tun. Wer Kinder mit dieser Intention betrachtet, der verkennt seine Rolle als Elternteil in meinen Augen massiv. Man ist doch idealerweise Begleiter, nicht Gläubiger. Wenn man sogut miteinander kann, dass man nach Beendigung der Abhängigkeit noch weiter Kontakt will, dann ist das toll, aber ein Bonus, etwas Neues, nichts Zwangsläufiges.

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    Och denke, da ist man als Kind doch gut beraten, sich dann später nach dem Auszug mit älter und teilweise wunderlich werdenden Eltern ebenso Mühe zu geben und da gegebenenfalls beliebig viel Arbeit zu investieren. - Solange Hoffnung besteht.

    ich finde schon, dass ralph etwas sehr elementares anspricht. natürlich soll all das nicht für den preis des sich-selbst-aufgebens passieren, aber für mich gehört das zu den grundregeln des menschlichen zusammenlebens: zusammenhalt der familie, über-die-generationen-geben-und-nehmen... vielleicht sogar als eine art der verpflichtung, aber irgendwie mehr im sinne der nächstenliebe, toleranz und so...

    Ne, da ist bei mir nichts. Ich würde auch nicht wollen, dass meine Kinder irgendwann aus Pflichtgefühl Zeit mit mir verbringen, auch wenn meine Nähe ihnen nicht gut tut. Wenn die hier sind, dann weil sie es gern sind und weil wir uns lieben und schöne Zeiten zusammen haben. Das zu Beziehungen jeder Art immer auch Toleranz und Rücksicht gehört und über Fehler hinwegsehen können, ist für mich nicht an Familie gekoppelt. Aber Familie hat da keinen Bonus.

    Für mich ist das halt auch keine Einbahnstraße, nach dem Motto: Egal wie unmöglich sich der andere verhält, ich empfinde Toleranz und nehme Rücksicht. Und da geht es mir auch nicht um das Heimzahlen von Verletzungen oder so, einfach um die Realität. Wer sich mir gegenüber gemein verhält, der muss damit rechnen, dass ich ihn nicht in meiner Nähe haben will.


    Hier geht es ja nicht um einmalige Ausrutscher oder ein merkwürdiges Verhalten bei Demenz oder Probleme in einem anderen, abzugrenzenden Zeitraum wie zb. einer sehr schweren aber vorübergehenden Lebenskrise - hier geht es ja um Menschen, die methodisch und mit System verletzen, kleinmachen und es an Achtung und Respekt mangeln lassen. Die womöglich sogar noch schlimmer mit ihren Familienmitgliedern umgehen, als sie es mit ihren anderen Mitmenschen täten, einfach weil sie es können.


    Ralph spricht von Verpflichtung. Du, Seherin, sprichst von Toleranz und Liebe. Aber wir reden ja von Situationen, in denen es eigentlich eben gerade nicht darauf ankommt, wie das (erwachsene) Kind sich gerne verhalten würde, wie es gerne die Beziehung führen würde. In denen die einen oftmals total passiv dem ausgesetzt sind, wie die anderen die Beziehung gestalten (wollen). Mir scheint da der Blick auf die familiären Ideale der Kinder fehlgeleitet. Wenn, müsste man die Frage nach den Idealen der Eltern stellen.

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    Pflichtgefühl...

    echt schwer zu erklären.... ich meinte gar nicht die pflicht einer konkreten person gegenüber, sondern die pflicht, in die ich mich selber genommen habe, durch meine lebenseinstellung, meine werte, das was ich glaube...

    Da definiert sich Familie aber bei mir anders als durch Blutsverwandtschaft. Schon ganz zwangsläufig, weil der Mann mit dem ich den größten Teil meiner Kindheit aufgewachsen bin, nicht mein leiblicher Vater ist. Wenn man so will, kann man auch als gute Freundin teil meiner Familie werden, während meine Väter es beide nicht mehr sind.

    Ich denke aber, dass es Typsache ist. Die Helden haben das in einem Lied ganz gut getroffen, finde ich. Falls es jemand hören will


    Die einen fliehen, die anderen bleiben, jeder so wie er kann und will. Hauptsache ist, man kann sich selbst morgens in die Augen sehen.

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