Wie mit (sexuell) unsicheren Männern umgehen?

    Hallo zusammen,


    obwohl mein Partner einen sehr starken Sexualtrieb hat und ich mich an dieser Stelle auch nicht über Unsicherkeit beklagen kann (wenn, dann vielmehr darüber, dass er es zu oft will), ist mein Partner sexuell trotz allem sehr unsicher was seine Leistungen betrifft, auch wenn er sich das meistens nicht anmerken lässt. Es war eine Hürde am Anfang unserer Beziehung und hin und wieder auch zwischendurch, aber größtenteils hatte ich in letzter Zeit den Eindruck das sich das eingependelt hat und wir diesbezüglich gereift sind und uns wirklich fallen lassen und einfach genießen konnten und in ein neues Kapitel in unserer Beziehung gestartet sind.


    Doch heute hatten wir wieder ein Gespräch darüber wie er an seinen sexuellen Leistungen zweifelt, sich nicht gut genug im Bett fühlt, also im Großen und Ganzen mit seiner Performance unzufrieden ist, angeblich etwas dafür tun muss, und er fing sogar wieder damit an, darauf hinzudeuten dass ich mit meinem Ex (von vor über 7 Jahren) bestimmt besseren Sex hatte (keine Ahnung wie er darauf kommt ":/ )


    Ich allerdings hatte wiegesagt den Eindruck, dass wir die letzten Wochen eine wirklich gute Phase hatten, auch sexuell gesehen, also hat mich das alles zu hören erstmal sehr überrascht und ich habe ihm versichert, dass alles großartig wäre und er sich nicht sorgen muss. Aber er wollte von dem Thema einfach nicht ablassen, dass er total enttäuscht von sich selbst ist, etwas tun muss, dass er nicht gut genug ist, dass er zuviel in seinem Kopf ist... und ich weiss einfach nicht recht, wie ich damit umgehen soll. Vielleicht braucht er (noch) mehr positives Feedback meinerseits, ich lobe zwar häufig seine Stamina, wie er immer zu wissen scheint, was mir gerade gefällt, und sage ihm das ich den besten Sex mit ihm habe, aber manches Mal denke ich auch es wäre selbsterklärend, wenn wir guten Sex haben und ich dabei mehrmals komme, wir dann unter der Dusche schmusen und ich letzen Endes mit einem Lächeln in seinen Armen einschlafe, dass er einen guten "Job" gemacht hat...


    aber dass er unser Sexleben anscheinend überwiegend wie einen "Job" ansieht, verletzt mich halt irgendwie... er scheint den Anspruch an sich zu haben, im Bett immer Höchstleistungen zu bringen und mich in den Genuss mehrerer Orgasmen zu bringen, und daraufhin während des Sexes hauptsächlich daran zu denken wie gut er denn gerade performt... anstatt einfach ohne Leistungsdruck die Zweisamkeit mit mir zu genießen. Einfach im Moment zu sein, ohne all die Grübelei über die eigene Leistung. Es scheint als mache er einen großen Teil seines Selbstwertgefühls nur davon abhängig.


    Es tut mir leid dass ihm das alles so schwerfällt und er an sich zweifelt, andererseits werde ich aber das Gefühl nicht los, dass es wohl darauf beruht, dass seine Einstellung zum Sex größtenteils leistungs- und performance orientierter Natur ist, und das macht mich irgendwo echt traurig... dass er mit den Gedanken mehr bei sich ist und im Sex eine Art Hochleistungssportveranstaltung mit Abschlussnoten zu sehen scheint... irgendwie vergeht mir dabei völlig die Lust und Leidenschaft, wenn ich versuche mich da hineinzufühlen... und es setzt mich selbst unter Druck, dass er an sich zweifelt wenn ich mal nicht großartig komme oder ein wortreiches Lob ausspreche... im Großen und Ganzen zerstört es gerade wieder alles, was ich dachte mit ihm in letzter Zeit aufgebaut zu haben... sich gemeinsam sexuell fallen lassen zu können, Selbstbewusstsein, Vertrauen, verspielte Leichtigkeit. Stattdessen fühle ich nun Schwere, Leistungsdruck, Unsicherheit... und als wäre unser Sexleben dadurch unnatürlicher geworden und ich komplett für sein Selbstbewusstsein verantwortlich oder wie lange er durchhält.


    Ich bin zwar dankbar für seine Offenheit, aber ich weiss nicht wie ich mit all dem umgehen soll. Es überfordert mich gerade irgendwie.


    Hat hier vielleicht jemand einen Tipp bzw. kennt die Situation als Partnerin oder Partner selbst?

  • 12 Antworten

    Ich finde eines beim Sex mal das wichtigste: nein sagen und ablehnen, was einem selbst nicht gefällt, noch direkt in der Situation und das verändern als "Nein, so gefällt mir das nicht, sondern so gefällt mir das" mit einem konstruktiven Element. Dieser Egoismus und Schutz ist aus meiner Sicht die Grundlage. Wenn er mehr Initiative entwickelt/zeigt als dir in der Situation lieb ist: schreite aktiv ein. Mach es so, dass es sich für dich zu jedem Zeitpunkt richtig anfühlt.


    Kein passives Leiden, kein Erdulden, kein Hoffen auf Besserung, kein "wenn ich ihn so lobe, dann gefällt es ihm", kein "Ich bin seine Stamina-Trainerin", kein "ich muss jetzt noch einen tolleren Orgasmus vortäuschen, dann freut er sich" das ist alles Mist, weil passiv aggressiv. Du und deine Bedürfnisse, also was dir wirklich gefällt, stehen an erster Stelle, gerade beim Sex. Sonst kann sich doch gar kein einvernehmlicher Sex entwickeln, wenn nicht jeder auf sich selbst achtet.


    Denn ziemlich wahrscheinlich ist er doch in der gleichen Schleife: er will es schön für dich machen und dich zu immer neuen Höhen führen (auch so kann man sein Leistungsstreben ja mal verstehen), und du willst es schön für ihn machen. Das kann gar nicht klappen. Das muss schiefgehen. Denn dein Text oben zeigt doch deutlich, wieviele Erwartungen da zusammenkommen, wieviel Druck das ausübt, aber in beide Richtungen.

    Zitat

    Vielleicht braucht er (noch) mehr positives Feedback meinerseits

    Ganz sicher nicht. Dieses Verhalten solltest du ablegen. Genau aus dieser Quelle speist sich doch sein Gejammer. Ein "wenn ich nur genügend rumjammer, bekomme ich immer mehr Lob für schon "normale" Sachen." Du solltest ehrliches Feedback geben, aber nicht in verletzender Form, sondern in konstruktiver. Deinen Text oben finde ich ehrlich, und nicht verletzend. Ich finde, er kann gut als Basis für ein Vieraugengespräch mit ihm dienen. Wie sein Teil der Lösung dann aussieht, ist seine Sache, aber für die Wahrung deiner Grenzen bist du verantwortlich.


    Was deutlich wird: du wünschst dir im Prinzip eine intuitivere Sexualität. Eine, die weniger verbal ist (mit explizitem Sprechen über das Erlebte in der Situation und danach), sondern die mit nonverbaler Kommunikation auskommt. Es wird ein paar Gespräche, auch hin und wieder mal brauchen, aber sonst finde ich das schon mal einen konstruktiven Vorschlag. Und du wünschst dir, dass er irgendwelche Performance-Vergleiche, die in ihm aufkeimen, für sich behält und dass er dieses Bedürfnis nach Reden und Vergleichen in sich zurückdrängt anstatt langwieriger Debatten oder Auswertungen.

    Zitat

    sich gemeinsam sexuell fallen lassen zu können, Selbstbewusstsein, Vertrauen, verspielte Leichtigkeit.

    Ich finde, beim Sex ist jeder für sich und sein eigenes Erlebnis verantwortlich. Du für dein Fallen lassen, für dein Selbstbewusstsein, für dein Vertrauen, für deine Leichtigkeit. Das kannst du selbst gestalten.


    Und er für seine Seite. Wenn jeder ziemlich egoistisch dafür sorgt, dass er/sie nur in der Frequenz Sex hat wie es gefällt, und mal nicht immer eine Verantwortung für das vermeintliche Glück des anderen/der anderen sucht, ist IMHO schon viel gewonnen. Ja, dann wird er eben manchmal abgelehnt, dann muss er sich ne Platte machen, wie er damit umgeht. Aber wenn du nicht in Stimmung bist, nützt es doch eh nichts.

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    Stattdessen fühle ich nun Schwere, Leistungsdruck, Unsicherheit... und als wäre unser Sexleben dadurch unnatürlicher geworden und ich komplett für sein Selbstbewusstsein verantwortlich oder wie lange er durchhält.

    Und warum? Auch weil du dich für das verantwortlich machen lässt. Lehne diese Verantwortung doch einfach ab! Du hast diese Verantwortung doch nicht.

    Zitat

    Ich bin zwar dankbar für seine Offenheit, aber ich weiss nicht wie ich mit all dem umgehen soll. Es überfordert mich gerade irgendwie.

    Dieses Wort der eigenen Überforderung, da solltest du für dich eine Lösung finden. Etwas was mit Selbstvertrauen und Wehrhaftigkeit zu tun hat, mit Kommunikation, mit Selbstachtung, mit eigener Kontrolle ausüben, für dein Glück in der Beziehung, so wie du sie dir vorstellst, verantwortlich sein. Der eigenen Freiheit, anderen Erwartungen nicht zu entsprechen und diese abzulehnen.


    Wenn er immer wieder anfängt mit Selbstzweifeln und Performance-Fishing for Compliments: könntest du einfach deinen Finger auf seinen Mund legen, und gütig und weise deinen Kopf schütteln.


    Und nicht mit "wie ich damit umgehen soll" fragen (dort hast du doch wieder fremde Erwartungen), sondern mit "wie ich damit umgehen möchte"-für-sich-beantworten und dann auch so leben. In einer stimmigen Paarbeziehung ergibt sich der Kompromiss aus den eigenen Wünschen der beiden Partner größtenteils von sich aus, teils halt auch mal nachgeben und woanders sich durchsetzen.

    In deinem Beitrag steht ein wenig zu oft das Wort "Leistung".


    Kann es sein, dass du ihn, oder er sich zu sehr unter Leistungsdruck setzt. Das Wort gehört nicht zu liebevollem Sex. Vllt liegen hier die Probleme.

    Wenn DU sexuell befriedigst und glücklich einschläfst, hat er seinen "Job" richtig gemacht, schreibst Du. Damit hast Du recht. Aber wie sieht das bei ihm aus? Gefällt ihm der Sex? Geht er auch befriedigt und glücklich ins Bett? Hast Du, um Deine Wortwahl aufzugreifen, DEINEN "Job" gemacht? Ich halte es für möglich, dass er, in dem Versuch dich bedingungslos zu befriedigen seine eigenen Wünsche hinten an stellt und damit nicht glücklich ist, sich aber nicht traut, diese Wünsche zu artikulieren, weil Du es eventuell nicht mögen könntest. Darüber reden hilft. Sagt Euch gegenseitg, was ihr mögt und was nicht.

    Also, von nix kommt nix. Wie ist dein Männe denn sonst so drauf? Das was du da oben beschreibst, das könnte wohl der Beginn, oder schon etabliert, einer Depression sein. Diese 'nicht_genügen_Attitüde' ist eigentlich ganz typisch. Und die eigene Leistung in Frage stellen auch. Schau da mal genauer hin.

    Zitat

    In deinem Beitrag steht ein wenig zu oft das Wort "Leistung".


    Kann es sein, dass du ihn, oder er sich zu sehr unter Leistungsdruck setzt. Das Wort gehört nicht zu liebevollem Sex. Vllt liegen hier die Probleme.

    Definitiv. Unter Leistungsdruck setze ich ihn nicht bewusst, ich denke diesen Druck macht sich mein Partner überwiegend selbst. In der Vergangenheit bekam ich sogar mit, dass er spezielle Beckenboden-und Penisübungen für Männer machte, was bei mir den Eindruck erweckt, er sieht den Sex vielmehr wie einen Sport oder eben sehr leistungsorientiert.

    Zitat

    Gefällt ihm der Sex? Geht er auch befriedigt und glücklich ins Bett? Hast Du, um Deine Wortwahl aufzugreifen, DEINEN "Job" gemacht? Ich halte es für möglich, dass er, in dem Versuch dich bedingungslos zu befriedigen seine eigenen Wünsche hinten an stellt und damit nicht glücklich ist, sich aber nicht traut, diese Wünsche zu artikulieren, weil Du es eventuell nicht mögen könntest. Darüber reden hilft. Sagt Euch gegenseitg, was ihr mögt und was nicht.

    Also was meinen Part beim Sex angeht, scheint er einerseits sehr zufrieden zu sein, hat mich auch öfter mal wissen lassen, dass es ihn manchmal sogar einschüchtert bzw. neidisch macht, dass ich so erfahren und selbstsicher erscheine und in sexueller Hinsicht für ihn neue Horizonte geöffnet hätte. Wobei ich in meiner Vergangenheit nie ein sonderlich sexuell aktiver Mensch war oder besonders experimentierfreudig gewesen wäre, also an massiver Erfahrung und Hemmungslosigkeit meinerseits liegt das sicherlich nicht, sondern vielleicht eher einem intuitivem Gespür was der Moment gerade verlangt. Andererseits, hat er auch mal anmerken lassen, dass ich gewisse Dinge, die ich scheinbar häufiger am Anfang der Beziehung gemacht habe, nicht mehr mit ihm mache, oder zumindest nicht mehr so frequent... und das scheint ihm wiederum die Sorge zu bereiten, dass mir etwas an ihm nicht gefällt oder ich keinen Spaß mehr daran habe... mir selbst ist das gar nicht so aufgefallen, ich rattere beim Sex halt kein Standardprogramm runter, sondern mache, wohin mich der Moment gerade leitet, und mir ist halt nicht immer nach etwas "Extremen", vielleicht in letzter Zeit sogar vermehrt nach "Kuschelsex". Vielleicht war für ihn aber genau das der Reiz, obwohl er sagte er verstehe, dass einem nicht immer danach sein kann und es insgesamt nicht so wichtig wäre...aber vielleicht müssen wir da doch nochmal drüber Reden und es bedeutet mehr, als er anmerken ließ.

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    Also, von nix kommt nix. Wie ist dein Männe denn sonst so drauf? Das was du da oben beschreibst, das könnte wohl der Beginn, oder schon etabliert, einer Depression sein.

    Er ist schon insgesamt eher ein "Grübler" und hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst in fast allen Angelegenheiten. Da gibt es bei ihm manchmal nur schwarz oder weiß: entweder er ist perfekt oder ein "Loser". Ich denke das überträgt sich auf jeden Fall auch auf seine Einstellung zum Sex, aber davon will er nicht viel hören. Er meint halt nach dem Höchsten zu streben wäre eine Tugend und würde ihn pushen und besser werden lassen. Dem stimme ich in gewisser Hinsicht auch zu, aber zwischen schwarz und weiß scheint da nicht viel bei ihm zu sein und man muss doch auch mal was akzeptieren, auch wenn es (noch) nicht ideal ist. Derzeit sieht er sich definitv eher als einen Loser, da einige Dinge gerade nicht so richtig laufen wie er es gerne hätte oder es sich idealerweise vorstellt. Er jammert zwar nicht oft darüber, aber wenn, dann ist es wirklich krass und man kann machen und sagen was man will, er bleibt hart mich sich selbst und stur bei seiner (meiner Meinung nach destruktiven) Meinung.

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    Was deutlich wird: du wünschst dir im Prinzip eine intuitivere Sexualität. Eine, die weniger verbal ist (mit explizitem Sprechen über das Erlebte in der Situation und danach), sondern die mit nonverbaler Kommunikation auskommt.

    Jep. Ich denke das trifft es. Und vielleicht klaffen da unsere Einstellungen ein wenig auseinander, obwohl er sich ja auch wünscht, weniger im Kopf und mehr intuitiv und im Moment zu sein.

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    Wenn jeder ziemlich egoistisch dafür sorgt, dass er/sie nur in der Frequenz Sex hat wie es gefällt, und mal nicht immer eine Verantwortung für das vermeintliche Glück des anderen/der anderen sucht, ist IMHO schon viel gewonnen.

    Ja, dem stimme ich auf eine Weise auch zu. Obwohl mir das Wort "egoistisch" nicht so gefällt, da ich Sex ja nicht nur für mich selbst und meine eigene Befriedigung habe, sondern eben auch um einem anderen Menschen nahe zu sein und auch diesen glücklich zu machen. Aber es stimmt, wenn man sich ausschließlich nur noch darauf fokussiert, es dem anderen Recht zu machen oder zum Orgasmus zu bringen, dann ist da das Gleichgewicht raus. Und es ensteht Druck auf beiden Seiten. Wie es jemand hier zuvor schon erwähnte, denke ich auch, dass er sich wahrscheinlich ganz besonders darauf fokussiert es mir Recht zu machen und das Leistungsdruck aufkommen lässt.


    Ich weiss einfach nicht, wie ich ihm helfen kann, sich diesbezüglich nicht so sehr zu stressen. Ich sehe es auch nicht als hilfreich an, ihn übertriebenermaßen mit Lob zu überhäufen oder Dinge zu tun, auf die ich gerade keine Lust habe oder Sex zu haben, wenn mir überhaupt nicht danach ist, nur damit er sich besser fühlt und nicht grübelt.. es ist ja auch nicht so dass ich dann, wenn es zum Sex kommt, nur daliege und ihn machen lasse und nicht sage was mir gefällt und überhaupt keinen Laut von mir gebe, also dass ich Lust habe und ich auch möchte dass es ihm gefällt, ist meiner Ansicht nach eigentlich offensichtlich.

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    Wenn er immer wieder anfängt mit Selbstzweifeln und Performance-Fishing for Compliments: könntest du einfach deinen Finger auf seinen Mund legen, und gütig und weise deinen Kopf schütteln.


    Und nicht mit "wie ich damit umgehen soll" fragen (dort hast du doch wieder fremde Erwartungen), sondern mit "wie ich damit umgehen möchte"-für-sich-beantworten und dann auch so leben.

    Danke für den Rat, ich sollte ich mich in gewisser Weise vielleicht wirklich weniger verantwortlich für seine Probleme fühlen und einen Weg finden, wie ich damit umgehen möchte.

    Im Grunde genommen gibts es eine ganz einfache Lösung die schon Frau Schöneberger gesungen hat.


    Männer muss man loben, dann bleiben sie oben.


    Ende aus.


    Auch wenn es als Frau vielleicht nicht nachvollziehbar ist, lobe ihn einfach mal dann wenn er es nicht erwartet, dass schmeichelt ihn und alles ist gut. Ich persönlich würde es in dem Zusammenhang super finden, wenn ich mitbekommen würde, wie meine "Sie" mich z.B. gegenüber einer Freundin/anderen Frauen dahingehend loben würde. Und das so einzufädeln, dass es der Mann wirklich mitbekommt schafft ihr Frauen bestimmt...sollte nur nicht zu offensichtlich sein :)


    Da wären aber sofort alle Zweifel beseitigt ;-D

    MilaKao

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    Es tut mir leid dass ihm das alles so schwerfällt und er an sich zweifelt, andererseits werde ich aber das Gefühl nicht los, dass es wohl darauf beruht, dass seine Einstellung zum Sex größtenteils leistungs- und performance orientierter Natur ist, und das macht mich irgendwo echt traurig...

    Naja, aber du doch offensichtlich auch. Oder lobst du in nur, weil du meinst, dass er sich wünscht, seines guten Jobs wegen gelobt werden zu wollen? Wie würde es denn aussehen, wenn du nicht kommst oder nicht so oft kommst? Würdest du dann genauso glückselig in seinen Armen einschlafen?

    Zitat

    irgendwie vergeht mir dabei völlig die Lust und Leidenschaft, wenn ich versuche mich da hineinzufühlen...

    Lob er dich denn auch, wenn du einen guten Job gemacht hast? ??Sorry, aber allein, wenn ich dieses "guten Job machen" schreibe, rollen sich mir die Zähennägel auf??

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    und als wäre unser Sexleben dadurch unnatürlicher geworden und ich komplett für sein Selbstbewusstsein verantwortlich oder wie lange er durchhält.

    Irgenwann müsst ihr doch diese Leistungsbeurteilung gestartet haben oder dass du ihn lobst? Aber es hört sich so an, als würdest du das schon auch brauchen, also dieses sich gegenseitig Glücklichmachen-Gefühl.

    Zitat

    Hat hier vielleicht jemand einen Tipp bzw. kennt die Situation als Partnerin oder Partner selbst?

    Ich kann mit so etwas wie einem "guten Job" nichts anfangen und es würde mich auch völlig abturnen, wenn jemand dieses Verständnis von Sex hätte. Ich denke auch, dass dieses Loben eher das Gegenteil bewirkt, als das, was es bewirken soll. Du kannst ihm kein Selbstbewusstsein geben, wenn das der Grund sein sollte, warum er da irgendwelche Leistungsvorstellungen in seinem Kopf hat. Du hattest schon einen ähnlichen Faden. Das Problem ist ja nicht nur das, würd ich sagen.

    Zitat

    Ja, dem stimme ich auf eine Weise auch zu. Obwohl mir das Wort "egoistisch" nicht so gefällt, da ich Sex ja nicht nur für mich selbst und meine eigene Befriedigung habe, sondern eben auch um einem anderen Menschen nahe zu sein und auch diesen glücklich zu machen.

    Wenn das so ist, dann musst du ihm wohl weiter das Köpfchen tätscheln, wenn er wieder einmal mit sich unzufrieden ist.

    Allein das Vokabular "Leistung" und "Performance" ist unpassend. Auch "Lob" verteilen klingt in Zusammenhang mit Sex irgendwie falsch :-/ Auch wenn deine Rückmeldung immer lobend ausfällt, ist allein die Tatsache seltsam. Ja klar sagt man sich mal, wenn es besonders geil war, aber bei euch klingt das wie eine Sportart, wo danach Noten von 1-6 erwartet werden - und sie auch vom anderen verteilt werden. Insofern trägst du auch irgendwie deinen Teil zu diesem Leistungsdenken im Bett bei. Auch wenn du das in deinem letzten großen Absatz irgendwie relativierst, spielst du ja doch irgendwie mit.


    Also dieses Lob würde ich definitiv nicht noch verstärken. Erstens, weil massive Komplexe nicht nur durch Lob von Außen beseitigt werden können; zweitens, weil dieser Leistungsgedanke dadurch nur gefestigt wird.


    Hast du ihm mal gesagt, dass er, wenn er der geilste Hecht überhaupt sein will, er das einzig und allein durch die fehlende

    Zitat

    verspielte Leichtigkeit

    versaut?


    Hat er sonst auch solche Komplexe? Oder hat ihm eine Ex mal gesagt, dass er's nicht bringt? ":/


    Irgendwo muss es ja herkommen.

    @ MilaKao,

    meine Meinung ist die:


    Du analysierst deinen Mann ganz gut, die Sache mit der Unsicherheit und dem Selbstwertgefühl betreffend. Was du vielleicht bedenken solltest ist, dass ein unsicherer Mensch in einer Beziehung sehr gerne dieses sich Vom-Partner-Selbstbestätigung-Holen-Spielchen spielt. Ich würde das mit dem Sex insofern nicht so schlimm sehen, weil dieser Mensch ja irgendein Spielfeld für sein Spielchen benötigt. Und da muß er sich eben eines aussuchen. Und bei deinem Mann fiel die Wahl auf euren Sex. Alternativ könnte er es z.B. über sein Aussehen machen, dass er deswegen nicht gut genug für dich wäre.


    Im Prinzip ist das Spielfeld zweitrangig, es geht immer darum vom Partner Selbstbestätigung zu erwarten, bzw. sich so zu verhalten, dass dieser geradezu dazu gezwungen fühlt ihm diese Bestätigung zu geben. Und das wird's wohl sein, was dich an der Sache stört.


    Und bei euch ist es ja so, zumindest schilderst du es so, dass du nichts tust um sein Selbstwertgefühl weiter zu untergraben. Das könntest du ja auch machen, dann wärst Mitschuld an der Misere. Da ich das aber nicht erkennen kann, sondern du eher im Gegenteil das vermittelst was er will, nämlich Bestätigung, du meiner Meinung nach da gar nicht viel machen kannst, außer die Situation weiter so hinzunehmen. Dass er da ein Problem hat, auf diesen Trichter muß er irgendwie selber kommen. Du kannst du sein Selbstwertgefühl nicht ändern. Das Selbstwertgefühl eines Menschen kommt von Innen heraus. Das ist seine Aufgabe.

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    also im Großen und Ganzen mit seiner Performance unzufrieden ist

    Das Wort ist mir auch ganz übel aufgestoßen. Ist das sein Vokabular? Oder deins?


    Performance ist doch eine neudeutsche Worthülse und einfach nur eine hippe Umschreibung für Leistung. Und Leistung ist eigentlich im Ur-Sprachgebrauch sowie in der Wissenschaft eine klar umrissene Größe. Nämlich was man ein einem Zeitintervall für eine Arbeit verrichten kann.


    Da aber Leistung so urtümlich klingt, hat man die "Performance" erfunden. Denn die suggeriert: es ist mehr als spröde Leistung, denn wenn jemand Performance bringt, macht er das "smart" (nun schließt sich der Kreis der dämlichen Worthülsen).


    Mit Lust im Bett hat das alles wirklich gar nichts zu tun. Der Leistungsbegriff ist völlig fehl am Platze, und das Thema auch noch nebulös zu verschwurbulieren macht es auch nicht besser.


    Auf gut Deutsch: er wird seiner eigenen Erwartungshaltung nicht gerecht. Manche Männer sind da echt dämlich und sehen sich stets im Wettbewerb. Egal, ob man ihnen einen Ball vor die Füße wirft oder in der Kneipe ein Wort das andere ergibt. Oder ob sie im Bett sind. Echt dämlich (und das sage ich als Mann). Würdest du sagen, dass dein Partner so ein Mann ist? Muss er mit allem oben mitschwimmen und ständig darum kämpfen, dass er der beste ist? Berufsleben, Sport, Hobbies, Freunde, Aussehen?


    Ein weiteres Phänomen ist die flächendeckende Pornosierung. Wer professionelles Gerammel als Realität ansieht und sich daran misst, der wird seines Lebens nicht mehr froh. Zumindest nicht im Bett. Bei zu viel Leistungsgedanken wird man nicht mal mehr einen hochkriegen und Selbstzweifel sind auch nicht gerade förderlich.


    Den Tipp, den ich dir geben kann, ist, dich auf diese Diskussionen gar nicht einzulassen. Du willst ihm Sicherheit geben, indem du immer wieder beteuerst, was er gut macht. Das wäre aber komplett kontraproduktiv, weil ihn das gefühlt auch noch erniedrigen wird (Erklärung: er ist mit sich unzufrieden und wird deine Beteuerungen, dass er gut war, als Mitleid auffassen). Ich würde dir empfehlen, dass du das Thema einfach verbietest und nichts davon hören willst. Und anstatt "daran zu arbeiten" soll er die Zeit besser nutzen, und einfach mit dir vögeln. Gib ihm keine Bühne für so eine Theatralik, denn du siehst, was dabei herauskommt: du verlierst die Lust. Weil so eine Jammerei einfach unsexy ist.