Hallo liebe Alias,


    hier wurde ja schon viel hilfreiches geschrieben und ich habe den Eindruck, dass du für dich auch schon weiter gekommen bist. Ich wollte aber auch noch kurz etwas dazu schreiben, da ich ??wie du, glaube ich, weißt??, in einer ganz ähnlichen Situation bin.


    Ich habe meinen Mann vor 2 1/2 Jahren kurz nach seiner Trennung kennengelernt, seine beiden Jungs (inzwischen 5 und 7) haben mich auch sehr schnell akzeptiert und es gibt eigentlich keine Probleme.


    Sie sind im Großen und Ganzen pflegeleicht, sie mögen mich, kuscheln mit mir, wollen mich immer dabei haben und sagen manchmal supersüße Sachen ("ich liebe dich", "ich habe jetzt zwei Mamis und zwei Papis"), bei denen mir das Herz aufgeht. Im Moment freuen sie sich riesig auf ihr Geschwisterchen, das im November kommt.


    Und trotzdem finde ich sie und die Situation manchmal anstrengend, bin ich genervt und manchmal, völlig irrationalerweise eifersüchtig, weil es eben etwas ist, was meinen Mann immer mit seiner Ex verbinden wird und weil er alles, was für mich neu ist (Schwangerschaft, Geburt, Säuglingszeit) schon mit ihr erlebt hat.


    Ich glaube, zu einem Teil liegt es daran, dass man plötzlich in diese Situation als "Stiefmutter" geworfen wird und sich an das bestehende System anpassen muss. Ich hatte bis dahin kaum mit Kindern zu tun, hatte keine Ahnung, wie mit ihnen umgehen, wie sie sich warum verhalten, was sie brauchen und wollen. Und als "Wochenendmama'" kann man da eben auch keine richtige Routine entwickeln. Mit Kindern ist immer irgendwie mehr Stress, als ohne.


    Ich habe vor einigen Wochen ein Buch gelesen, das mir persönlich sehr geholfen hat. Es geht nicht speziell um Stieffamilien, sondern um Kommunikation mit Kindern im Allgemeinen. Mir hilft es dabei, viele Dinge sehr viel gelassener zu sehen und das Verhalten der Kinder anders zu interpretieren und dadurch eben nicht mehr so schnell genervt zu sein. Und außerdem, die Sachen, die mich an ihrem Verhalten stören, anders zu artikulieren, so dass sie eher darauf eingehen und ich gleichzeitig nicht mehr als so "streng" rüber komme. Und ich habe gelernt, dass es normal ist, wenn Vorschulkinder nicht sofort machen, was man ihnen sagt, weil sie einfach immer etwas wichtiges anderes zu tun haben ;-) Also sage ich es jetzt eben so oft wie nötig, sehe es nicht als willentliche Provokation und ärgere mich nicht darüber.


    Wenn dich das Buch interessiert, kann ich dir gerne den Titel schreiben.


    Ansonsten denke ich, dass viel an der Kommunikation mit deinem Partner liegt. Solche Dinge, wie dein Zwiespalt bei den Familientreffen solltest du ihm unbedingt sagen! Bei uns ist es immer ganz selbstverständlich, dass ich bei allem wichtigen dabei bin und wenn mein Mann mich von Anfang an nicht miteinplanen würde, würde ich mich auch sehr ausgeschlossen fühlen.


    An deiner stelle würde ich mich auch zu solchen Dingen überwinden, auch wenn es unangenehm ist. Einfach, damit es irgendwann "normaler" wird und weil es eben auch deine Bindung zu den Kindern stärken wird, wenn du bei wichtigen Ereignissen dabei bist.


    Aber, alles in allem denke ich auch, dass du da schon auf einem guten Weg bist.


    Im Übrigen glaube ich auch, dass ich mein eigenes Kind anders und vielleicht auch mehr lieben werde, als die beiden Großen. Immerhin habe ich es 9 Monate im Bauch, werde es stillen und komplett umsorgen, bin völlig für es verantwortlich und werde viele Jahre meines Lebens täglich mit ihm verbringen. Das man da keine Unterschiede macht, halte ich auch für illusorisch.

    Ich finde das Klasse, wie du zu den Kindern stehst.


    Mein Mann hat meinen Sohn immer ignoriert. Der Kleine hat um Zuwendung gebettelt, wurde aber einfach abblitzen lassen.


    Und zu deinen emotionalen Problemen...


    Einen Teil davon habe sogar ich als leibliche Mutter gehabt. Klar liebe ich meine Kinder. Aber ich war auch oft genervt von ihnen und hätte sie lieber mal für ein paar Tage "verborgt". Auch das früh im Bett kuscheln war nervig für mich. Und auch bei leiblichen Kindern ist mit einem Lächeln nicht alles wieder gut. ( kommt natürlich drauf an, was sie gemacht haben)


    Was ich sagen will, du machst das total Klasse. Weiter so. Mach dir keine Vorwürfe.

    Huhu :)


    Ich bin zwar keine Stiefmutter, aber ein Stiefkind. Vielleicht kann ich dir mit meinen Erfahrungen trotzdem helfen.


    Ich war 6,5 Jahre als ich meine Stiefmutter kennen gelernt habe. Ich mochte sie sofort und hatte sie gerne, aber ob ich sie geliebt habe kann ich gar nicht sagen. Sie war halt diese nette Frau, die mit meinem Papa lebte und mit mir gespielt hat. Je älter ich wurde, desto stärker wurden unsere Probleme. Nichts zu extremes, aber ich war oft genervt von ihr und auch eifersüchtig, weil ich meinen Papa manchmal lieber alleine für mich gehabt hätte. Und ich geh mal davon aus, dass es ihr ähnlich ging. Ich denke, dass ist komplett normal und nichts schlimmes. Am Ende ist es ja so, dass man einen geliebten Menschen mit einem "fremden" Menschen teilen muss, den man sich nicht selbst ausgesucht hat, um es mal ganz klar auszudrücken. Bei meiner Stiefmutter kam noch dazu, dass sie eher die Karrierefrau ist und sowieso mit dem Thema Kinder abgeschlossen hatte. Wenn man sich dann in einen Mann mit Kind verliebt ist das sicher nicht einfach.


    Gemocht haben wir uns immer, aber so richtig geliebt und als Teil der Familie angesehen, haben wir uns erst sehr viel später. Ich glaube sowas braucht Zeit. Du scheinst einen super Job als Stiefmutter zu machen, so wie meine, also denke ich nicht, dass du dir große Sorgen machen musst. Und dass du dein leibliches Kind "mehr liebst" ist doch auch verständlich. Es ist schließlich deins und nicht das einer "fremden" Frau. Ich habe heute ein sehr vertrauensvolles und liebevolles Verhältnis zu ihr. Da meine leibliche Mutter ziemlich schwierig ist, um es mal freundlich auszurücken, habe ich sogar ein besseres Verhältnis zu meiner "Bonusmama". Aber das war nicht immer so und wie es gab viele Ups and Downs, wie in jeder Beziehung, aber das gehört wohl dazu und kann einen Menschen auch positiv prägen.


    Schade finde ich es allerdings, dass du bei den Familienfesten "ausgeschlossen" wirst. Das du dich da wie das fünfte Rad am Wagen fühlst ist mehr als verständlich. Schließlich bist du nun auch ein Teil ihrer Lebens, ob du sie liebst oder nicht. Vielleicht redest du mit deinem Partner einfach mal darüber. Über die Situation allgemein. Vielleicht könnt ihr zusammen Lösungen finden. Gerade wenn du dich auch finanziell an den Kinder beteiligst (das klingt eigenartig, aber du weißt sicher wie ich das meine :D), kann dass sicher schnell zu einem unguten Gefühl führen. Meine Papa und seine Frau haben deshalb die finanzen sehr klar getrennt was mich betrifft. Mein Vater hat alles was mich anging bezahlt, Urlaube usw. Meine Stiefmutter hat nur dann für mich Geld ausgegeben, wenn sie es auch von sich aus wollte. Da beide arbeiten und nicht schlecht verdienen, war das ziemlich einfach zu trennen. Ich denke, wenn es nur ein Gehalt gibt und wenn noch ein eigenes Kind dazu kommt wird das schwieriger, aber vielleicht gibt es auch da Wege.


    Setzte dich nicht zu sehr unter Druck. Liebe lässt sich nicht erzwingen und solange du gut zu ihnen bist und sie nicht schlecht behandelst, ist sie auch nicht unbedingt notwendig, denke ich. Vielleicht kommt sie mit der Zeit. Vielleicht auch nicht. Sowas kann man nie wissen. Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages ein besseres Verhältnis zu meiner Stiefmutter habe, als zu meiner leiblichen Mutter, hätte ich denjenigen wahrscheinlich ausgelacht ;-D

    Ich würde mir nicht zu viele Gedanken machen. Dass die Kinder Dich angenommen haben, akzeptieren und mögen, zeigt, dass Du offenbar das meiste richtig machst. Mehr geht nicht. Auch leibliche Eltern sind nie perfekt, viel von dem, was Du als Problem beschreibst, erfahren leibliche Eltern genau so. Man ist regelmäßig genervt von den Kindern, wünscht sich Zeit zu zweit ohne die Kinder, man fühlt sich in seiner Intimsphäre gestört, wenn die Kinder ins Ehebett kriechen. Natürlich kann man als liebende leibliche Eltern da viel mehr ertragen, ich kuschel zu gerne mit meinen Kindern im Bett, aber niemand verlangt von Dir, dass Du zu einer 100% leiblichen liebenden Ersatzmutter mutierst. Und glaube nicht, dass bei Eltern immer alles wieder gut ist, nur weil einen das Kind anlächelt. Oh nein!


    Wichtig ist, genau wie in einer Partnerschaft mit eigenen Kindern, dass man diesen die Grenzen aufzeigt, wo ihr Bereich endet und die ungestörte Zweisamkeit beginnt. Das muss nicht nur räumlich sein, zeitlich ist auch eine Option. So etwa wie "bis 7 gehört das Schlafzimmer uns, ab 7 kann mit uns gekuschelt werden" - zur Not stehst Du dann auf.


    Wovor man nie gefeit ist, ist die Möglichkeit, mit dem neuen Partner plötzlich Kinder neben sich zu haben, mit denen man gar nicht klar kommt. Wie bei erwachsenen Menschen, gibt es durchaus auch Kinder, die einem unsympatisch sind. Frech, schlecht erzogen oder was weiss ich. Sieh es als großes Geschenk an, dass es bei Euch so gut läuft! Das Alter ist da eine Hilfe, mit einem pubertierenden 14 jährigen hättest Du mehr "Spass".

    Es kann keinen moralischen Zwang geben, die Stiefkinder lieben zu müssen.


    Aber es ist möglich, die Stiefkinder wie eigene Kinder zu lieben.


    Das hat nach meiner Ansicht auch nicht mit Zeit und Gewöhnung zu tun.


    Wenn du sie nicht liebst, wird das auch in 5 Jahren nichts werden.


    Lieben kann man nur, wenn man sich gegenüber einem Menschen öffnet.


    Geht man mit dem Kopf an die Sache ran und dem Vorsatz "ich möchte die Kinder gerne haben oder lieben", wird das nichts.


    Oder "Ich versuche mich sehr zu bemühen, sie hier in unserer Wohnung willkommen zu heißen, dass sie sich hier Zuhause fühlen."


    Das ist doch total verkopft. Kinder fühlen sich dann zu Hause, wenn sie total angenommen werden.


    Ich an deiner Stelle würde mich fragen, was mich daran hindert, mein Herz ganz zu öffnen.


    Die Erziehungsprobleme sind nach meiner Ansicht nur Symptome, aber nicht die Ursache.

    Zitat

    Beispiel: der Große mit 6,5 Jahren isst einfach nicht vernünftig. Er schmatzt, hat die Finger im Mund, es fällt ihm alles aus dem Mund, es ist alles verschmiert, er schmiert dann die dreckigen Finger und Mund überall hin, ist mit den Händen, lümmelt auf dem Stuhl mit Füßen am Tisch.


    Es ist nämlich nicht so, dass er es nicht kann. Wenn er mag, kann er ganz normal essen.

    Zitat

    Wenn es mein Kind wäre, würde ich ihn mit seinem Teller in sein Zimmer schicken.

    Glaubst du wirklich, dass man das Problem löst, wenn man das Kind auch noch ausgrenzt beim Essen?


    Du schreibst selbst, dass er eigentlich anders essen kann.


    Was ist dann die Ursache dafür, dass er es nicht macht, sondern genau das Gegenteil?


    Wenn Erwachsene den Knopf suchen um Probleme abzustellen, kommt immer der Spruch "Kinder brauchen Grenzen und Regeln".


    Ich glaube NICHT, dass Kinder künstliche Erziehungsregeln und -grenzen brauchen.


    Grenzen und Regeln gibt es schon von Natur aus ohne Ende für Kinder.


    Kinder brauchen Verständnis und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse.


    Kinder haben sehr feine Antennen dafür, ob sie wirklich vorbehaltlos geliebt werden oder nur für gutes Benehmen gemocht werden.


    Wenn dich das Verhalten bei Tisch nervt, wenn es dich sogar ekelt, spürt der Junge das und wiederholt das unbewusst wieder und wieder. Kinder machen einem Erwachsenen die eigenen Unzulänglichkeiten bewusst.


    Lieben ist keine Anstrengung, es ist ein Sich öffnen und das Gegenüber ins Herz lassen.

    Ohlala... Wir verzweifeln auch regelmässig an den Tischmanieren unsrer Kinder. Unsere sind mitunter schlicht zu bequem, mit Messer und Gabel zu essen oder ordentlich am Tisch zu sitzen. Im Ergebnis fällt dann ständig etwas auf den Sitzbezug oder die fettigen Finger hinterlassen Spuren. Hier ist Kreativität in der Erziehung gefragt, Strichliste im Geiste, für die Kinder hörbar mitzählen. "3. Ermahnung wegen Füßen auf dem Tisch - heute keinen Nachtisch" wirkt da z.B. sehr schnell. Bei Stiefkindern ist es eine heikle Frage, ab wann man sich in die Erziehung mit einmischt. Die kleinen werden es einfordern. Sie testen ihre Grenzen und wenn Du sie nicht setzt, testen sie eben weiter. Bis auch Deine Grenze erreicht ist. Nach alledem, was Du schreibst, bist Du soweit integriert, dass Du da ruhig auch mit erziehen solltest. Zumindest bei Dingen, die Dich unmittelbar tangieren wie das Benehmen bei Tisch, wenn Du mit isst.


    Ansich sollte man meinen, dass dem Freund das vor seiner Partnerin peinlich ist, dass er einschreitet. Dem kann man gerne nachhelfen. "Ist das bei Euch üblich, mit den Füssen auf dem Tisch zu essen?" Aber Du schreibst ja selber, dass dein Freund eher inkonsequent ist in Erziehungsfragen. Hier ergänzt ihr zwei Euch gut bzw Du ihn. Du musst nur aufpassen, dass ihr am Ende an einem Strang zieht. Sonst spielen die Kinder Euch gegeneinander aus oder ihr fangt das Streiten an über das richtige Maß an Konsequenz. Und wenn einer immer den bösen Cop miemen muss und der andere ist der gute, dann ist das auch Mist.


    All das gehört zum Leben mit Kindern dazu. Du musst sie nicht lieben. Ich bezweifle auch, dass man fremde Kinder je wirklich lieben kann. Aber Du kannst lernen mit ihnen zu leben.

    Zitat

    Ich bezweifle auch, dass man fremde Kinder je wirklich lieben kann.

    Ralph_HH warum sollte das nicht möglich sein?


    Man liebt ja auch einen Partner, der einem bis zum Kennenlernen völlig fremd war.

    Zitat

    Ich hoffe du glaubst mir, dass ich mich dessen echt schäme. Denn es ist in der Tat so, dass sich emotional nicht soo viel bewegt hat, wie ich es eigentlich gerne hätte. Ich bin ansich eine sehr herzliche, emotionale Person die Menschen schnell in ihr Herz schließt. Was also blockiert mich da so?

    Ich glaube dir, aber: ich finde nicht, dass du dich schämen musst, wofür denn genau? Gefühle kann man weder steuern noch erzwingen. Sie zu hinterfragen und ergründen zu wollen, ist nie verkehrt und kann für dich ein wichtiges Puzzlestück deiner Selbstreflexion sein.


    Vergiss dabei aber eines nicht: du machst es mit den Kindern sehr gut. Du gibst dir Mühe, behandelst sie liebevoll und bist für sie da. Dass dahinter gemischte Gefühle stehen ist allein die emotionale Ebene. Damit musst in erster Linie du selbst zurechtkommen, das ist der springende Punkt.


    Wohl scheinst du dich damit ja nicht zu fühlen, sonst hättest du vermutlich kein Bedürfnis es zu thematisieren.

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    Was also blockiert mich da so?

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    Das hat am Ende sicher weniger mit den Kindern selbst zu tun, sondern mit Sicherheit tiefgehendere Gründe. Aber was genau?

    Was dich blockiert? Welche tiefergehende Gründe es hat? Puh, das können hunderte sein. Persönliche Gründe, die allein mit dir selbst und deinem Lebensweg zu tun haben. Angst, Unsicherheit, Selbstschutz...?


    Emotionale Gründe im Bezug auf deine Partnerschaft (Eifersucht, Unsicherheit was deinen "Platz" in dem Familiengefüge betrifft, Enttäuschung darüber, dass er sich nicht deutlich(er) zu dir bekennt,...). Beziehungsdynamische Gründe hinsichtlich der "Großfamilie", von der du dich im Vergleich zu der Exfrau weniger akzeptiert fühlst und in der du in den Jahren nicht deinen Platz finden konntest.


    Am Ende ist es wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrere Gründe. Du selbst legst ja auch schon ganz gezielt den Finger auf einige Punkte, zum Beispiel hier:

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    Manchmal - und gerade auch im Zusammenhang mit seiner kompletten Familie - traue ich mich nicht. Wenn wir mit der ganzen Familie zusammen sind, dann verhalte ich mich oft wie eine Fremde, aus Angst, etwas falsch zu machen. Als würden mich die Kinder nichts angehen und als würde ich nicht regelmäßig mit ihnen zusammen leben. Wahrscheinlich kommt das bei denen dann auch total falsch an, weil sie dann wiederum denken, ich würde mich gar nicht mit einbinden

    Eine schwierige Position, die du da eingenommen hast bzw. dir zuteil wurde. Vor allem weil es sich zum Kreislauf entwickelt. Du bist unsicher und traust dich nicht, wirkst damit auf die anderen vielleicht distanziert und unbeteiligt, was im Kontrast zu der beliebten Ex nicht gerade Pluspunkte bringt. Das wiederum spürst du, fühlst dich nicht integriert und gemocht, was deine Unsicherheit nur noch vergrößert und es für dich richtig schwierig macht, im Beisein der "Beobachter" entspannt und unbefangen mit den Kindern umzugehen.


    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich auch das bessert, wenn euer gemeinsames Kind da ist. Dass du, so merkwürdig es klingen mag, als vollwertiges Familienmitglied empfunden und damit besser integriert wirst.

    Zitat

    Es ist aber tatächlich so, dass es mir viel besser geht, wenn ich alleine mit den Kindern bin. Ich merke dann, dass ich entspannter und oft auch weniger streng bin :-o Irgendwie bin ich dann mehr mein eigener Herr und stelle meine Regeln auf, ohne dass ich jemandem etwas beweisen muss o.ä. Das klappt meist sehr gut und ich bin alleine vielleicht manchmal überfodert (eine ganzer Tag alleine mit Kindern, was mache ich nur den ganzen Tag ;-D ), fühle mich aber in meiner Verantwortung viel besser und sicherer und bin demnach entspannter. ":/ Gute Erkenntnis, nur wie bekomme ich die jetzt auf das Zusammenleben mit allen hin?

    Das ist zunächst ganz normal, wenn man unsicher ist. Wenn man unbeobachtet ist, fällt das Gefühl weg, bewertet zu werden. Wenn man sich ohnehin nicht richtig wohl fühlt, kann es ganz schön hemmend sein, wenn man das Gefühl hat, alles was man tut, wird genau unter die Lupe genommen und einer Wertung unterzogen.


    Vielleicht kommt da mit deinem eigenen Kind mehr (Selbst)Sicherheit. Der Umgang mit deinem eigenen Kind wird sich für dich irgendwann ganz selbstverständlich und natürlich anfühlen und da rücken auch Gedanken daran, was andere wohl davon halten, in den Hintergrund.


    Aber um nicht alles an deinem eigenen Mutterwerden festzumachen: du kannst auch aktiv etwas machen. Du schreibst, dass du eigentlich ein offener und herzlicher Mensch bist. Wie ist das gegenüber der Familie? Ist da noch Luft nach oben? Kannst du dich voll und ganz auf sie einlassen, ihnen offen begegnen?


    Du sagst, dass du bei Anlässen der Kinder gar nicht eingeplant wirst. Ich finde das schade und nicht okay, aber vielleicht ist es auch nicht der richtige Weg, darauf zu warten, bis sie dich einbinden und nichts zu tun. Vielleicht wirkt das desinteressiert und gleichgültig? (Meine Spekulation)


    Warum nicht einfach in der nächsten Zeit den Versuch wagen und deinem Freund sagen, dass du gern dabei sein möchtest. Vielleicht ist es für die Familie ein Signal, das noch gefehlt hat. Vielleicht lohnt es sich über den eigenen Schatten zu springen und einen aktiven Schritt nach vorne zu machen?


    Natürlich weiß ich nicht, ob das ein guter Ratschlag ist. Er beruht nur auf Vermutungen, vielleicht ist die Familiendynamik bei euch auch ganz anders und meine Ausführungen passen überhaupt nicht.

    Zitat

    Darf ich fragen, wie lange du gebraucht hast, bis du deine Balance gefunden hast? Bis dein schlechtes Gewissen weg war? Bzw. wenn besser, weg ist es wahrscheinlich nie? Wann war das Leben so "ok" für dich und auch wieder gut? Mal denke ich, die 3 Jahre sind doch arg lang, dann sehe ich mich wieder mit meinen Gefühlen und denke wieder, es braucht einfach Zeit? o:)

    Puh, das ist schwer zu sagen. Es war eine schwierige Trennung, aber keine hässliche. Wir haben es uns beide nicht leicht gemacht und wegen der Kinder lange versucht, einen Weg für ein weiteres Zusammenleben zu finden. Leider hat es nicht geklappt und auch wenn ich vollkommen sicher bin, dass es die richtige Entscheidung war, wir es wirklich gut hinbekommen haben und heute alle sehr glücklich sind, ist es etwas worum ich immer "trauern" werde. Ich hätte es mir einfach anders gewünscht.


    Der Punkt, an dem ich sozusagen meinen Frieden mit der Situation gefunden habe, war, als es sich mit den Kindern endlich eingespielt hatte und ich gespürt habe, dass sie sich bei mir genauso Zuhause fühlen, wie bei ihrer Mutter und es für sie nicht mehr fremd und ungewohnt ist wie eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer.


    Mit am schlimmsten war für mich nämlich anfangs, dass sich meine eigenen Kinder an unseren gemeinsamen Tagen und Wochenenden wie "unbekannte Besucher" angefühlt haben. Es hat gefühlsmäßig nicht zusammengepasst, die ganze Situation war so merkwürdig und unnatürlich. Da waren die zwei kleinen Personen, die mir so vertraut und nahe sind und trotzdem gab es so ein fremdartiges Gefühl, wenn wir zusammen waren. Mit den beiden in meiner neuen Bude zu sein oder nur zu dritt etwas zu unternehmen. Das gab es vor der Trennung zwar auch, aber das war natürlich ganz anders.


    Ich musste meine Rolle ganz neu ausloten, denn obwohl wir uns von Anfang an bemüht haben, uns die Elternrolle so gleichberechtigt wie möglich zu teilen und gleichermaßen intensiv um die Kinder zu kümmern, hatte ich erst nach der Trennung, dass Gefühl alle Aspekte des Elternseins abdecken und ebenso vollwertig für sie da sein zu können wie meine Exfrau. Und das, obwohl ich sie (leider!) viel weniger sehe, als früher.


    Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, bis es sich wieder richtig und gut angefühlt hat. Es wurde auch besser, weil sie älter wurden. Mein Großer war zum Zeitpunkt der Trennung zweieinhalb, die Kleine nur 9 Monate. Das hat es anfangs sehr schwer gemacht, eine gemeinsame Routine zu finden. Es war zum Kotzen, sie nicht mehr jeden Tag zu sehen und ich hatte Angst, dass die Bindung darunter leidet oder kaputtgeht.


    Das wurde besser, weil ich gemerkt habe, dass ich mich in der gemeinsamen Zeit viel intensiver mit ihnen beschäftige als zuvor im Familienalltag. Die Beziehung wurde dadurch inniger und tiefer. Die Kinder haben bei mir ihr zweites Zuhause, auch der Aspekt war für uns alle extrem wichtig und hilfreich.


    Trotzdem bleibt es traurig, dass wir nicht jeden Tag zusammen verbringen können und ich auch so einiges verpasse. Aber auch das wird besser, weil sie älter werden. Inzwischen mögen es beide sehr, über Face-Time zu telefonieren und das machen wir tatsächlich jeden Tag. So ist die Angst, wichtiges nicht mitzubekommen oder erst viel später zu erfahren, nicht mehr so groß wie früher und wann immer richtig wichtiges ansteht, bin ich selbstverständlich dabei.


    So viel zu meinen Erfahrungen. Der Unterschied ist, dass die Situation nicht mit eurer vergleichbar ist. Meine Freundin und meine Kinder kennen einander nicht, was sich vorerst auch nicht ändern wird. Das heißt, dass es im Zusammensein mit meinen Kindern nur ihre und meine Bedürfnisse gibt, die im Optimalfall unter einen Hut gebracht werden sollen.


    Kommt noch eine Person mit in das Gespann, noch dazu eine, die selbst eine starke, aber gänzlich unterschiedliche Beziehung zu dem Vater hat, ändert das die ganze Dynamik. Es spielen zwischenmenschlich plötzlich so viele verschiedene Dinge zusammen und das Geflecht aus unterschiedlichen Gefühlen ist so komplex, dass man es nur unter Höchstanstrengung aufdröseln kann.


    Dass du es gerne möchtest, verdient viel Respekt! Nicht viele machen sich die Mühe und lassen sich darauf ein.

    Abschließend: vielleicht ist es für dich in erster Linie wichtig, auszuloten und herauszufinden, was du eigentlich möchtest?


    Theoretisch kann es auch gut und ausreichend sein, wenn alles so bleibt wie es ist. Wie gesagt: du bist gut zu den Kindern, du verbringst Zeit mit ihnen, du magst sie.


    Aber richtig gut scheint es dir damit nicht zu gehen? Ist es vor allem, dass du dich manchmal unwohl fühlst, was dich stört? Wünscht DU dir ein engeres, besseres Verhältnis? Oder hast du das Gefühl, deiner Rolle in den Augen anderer nicht gerecht zu werden? Was wünscht du dir von anderen (deinem Freund, seiner Familie,...), was von dir?

    Guten Morgen *:)


    Wir sind quasi in der selben Situation, nur das unser gemeinsames Kind schon geboren ist. ;-)


    Ich denke, dass die Antwort "nein" ist. Ich habe oft die selben Gedanken und Zweifel wie Du. Wirklich. Und auch ich bin oft strenger als mein Mann. Wir haben die beiden Kinder alle 2 Wochenenden und in den Ferien. Je länger sie da sind (zB in den Ferien 4 Wochen), desto mehr gewöhnt man sich daran. Es ist nicht so, dass man dann genervt ist und hofft es ist schnell vorbei. Wenn es aber vorbei ist, dann ist man dennoch etwas erleichtert und gleichzeitig fehlt wieder etwas.


    Keiner kann verlangen, dass man genauso die Stiefkinder liebt wie das eigene. Das ist möglich bei einigen Menschen, aber ich finde nicht dass es ein MUSS ist. Anders als Du, bin ich dennoch zu allen Feiern eingeladen. Schon von Anfang an. Ich denke das es bei Dir auch ein Knackpunkt ist - Du wirst ja teils ausgeschlossen vom Leben der Kinder. Das macht es nicht unbedingt einfacher :- Wieso ist das denn so? Gibt es einen Grund dafür? Zeit mit den Eltern schön und gut, aber Du gehörst nun auch zu den Elternteilen, wenn Du auch keine Vormundschaft hast, so bist Du ja dennoch für sie auch verantwortlich. Ebenso ist es bei mir, ich habe die Kinder auch oft alleine. Und oft habe ich auch keine Wahl und mache das, weil es verlangt wird, obwohl ich vielleicht gerade sogar Ruhe gebrauchen könnte, weil ich ein Baby habe und mich das enorm fordert. Bei uns war dieser Punkt schon oft ein Diskussionsthema. Habt ihr darüber mal gesprochen? Wie das ist, wenn euer Baby da ist? In der Babyzeit kommt man schon oft auch mal an seine Grenzen. Das ist normal. Je nach dem vielleicht auch wie dein Freund sich einbindet.


    Den Spagat zwischen den eigenen Kindern und den Stiefkindern kennen sicher viele Stiefeltern. Keinen benachteiligen zu wollen und es allen recht machen. Darum bemühe ich mich auch oft.


    Ich kann Dir nicht sagen ob es sich irgendwann "bessert". Ob man sie tatsächlich wirklich lieben lernt. Ich vermute aber, dass man sie nie so liebt wie seine eigenen. Vielleicht sehr viel später. Und doch hab ich sie unheimlich lieb, auch wenn ich unsere Wochenenden zu dritt mag. Eine schwierige Situation mit der man leben lernt und versucht das Beste daraus zu machen.


    Zwing Dich nicht zu irgendwas. Ich schäme mich ebenso oft für meine Gedanken, doch versuche sie größtenteils für mich zu behalten, da mein Mann zB sehr sensibel ist, wenn es um seine Kinder geht. Ich würde ihm nie das Gefühl geben wollen, dass ich sie nicht will. So ist es ja auch nicht.


    Vielleicht wachsen wir mit den Jahren daran. Irgendwann sind alle Kinder (egal ob Stiefkinder oder die eigenen) so alt, dass sie uns kaum noch brauchen. Vielleicht bereuen wir dann irgendwann alles und wünschen uns die Zeit intensiver gelebt zu haben.

    Hallo liebe Alias! @:) *:)


    Ich kann deine Situation mittlerweile recht gut verstehen. Auch ich habe einen Freund mit Kind (das allerdings schon älter ist) und habe teilweise dieselben ambivalenten Gefühle wie du. :-|


    Ich kann dir (noch) keinen Rat geben, wollte dir nur sagen, dass du auf mich einen sehr sehr empathischen und reflektierten Eindruck machst und deine Gefühle meiner Meinung nach total normal sind.


    Eines möchte ich noch schnell loswerden, bevor ich mich zurücklehne und weiterhin interessiert mitlese, weil ich hoffe, dass auch ich mir aus den Antworten etwas mitnehmen kann.


    Sommerkind hat dir das Brigitte Forum empfohlen.


    Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Bleib bloß hier, dort wird nämlich jede Nachfolgerin eines (noch nicht) geschiedenen Mannes gesteinigt und geteert und das musst du dir wirklich beim besten Willen nicht antun, da ich finde, dass du alles richtig machst. :)_


    Weiterhin alles Liebe! @:)

    Zitat

    Sommerkind hat dir das Brigitte Forum empfohlen.


    Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Bleib bloß hier, dort wird nämlich jede Nachfolgerin eines (noch nicht) geschiedenen Mannes gesteinigt und geteert und das musst du dir wirklich beim besten Willen nicht antun, da ich finde, dass du alles richtig machst.

    Das tut mir leid, dass du mit dem Forum schlechte Erfahrung gemacht hast, mir hat es damals sehr geholfen als ich in der Situation war. Vor allem, mich selbst und meine Gefühle besser zu verstehen.


    Ich hatte eher das Gefühl das die bösen Exfrauen dort geteert und gefedert wurden und die geschiedenen Männer gleich mit, während sich die "Zweitfrauen" gegenseitig Mut und Verständnis zugesprochen haben. :_D


    Wenn man nämlich im echten Leben keine Freundinnen hat die einen gebrauchten Mann haben, denkt man oft, die eigenen Gefühle wären unangemessen oder falsch. Im schlimmsten Fall hat man dann noch einen romantisch-verklärten Mann, der in seiner Wunschwelt denkt, seine Kinder wären so toll, die müsse jeder sofort und vollautomatisch so sehr lieben wie er sie liebt. Man nehme eine sehr einnehmende Erstfamilie und Exschwiegereltern dazu, und schon ist man "zu Gast" im Leben einer anderen Familie. Und alle außenstehenden denken, wo ist denn das Problem, sie wusste doch, auf was sie sich einlässt. ":/

    Zitat

    Das tut mir leid, dass du mit dem Forum schlechte Erfahrung gemacht hast, mir hat es damals sehr geholfen als ich in der Situation war. Vor allem, mich selbst und meine Gefühle besser zu verstehen.

    Sommerkind, du kannst doch nix dafür, dass ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich wollte Alias nur diesen Hinweis geben, da ich für mich feststellen musste, dass mir die Diskussion dort keineswegs weitergeholfen hat, mich und meine Gefühle zu sortieren.


    Eher hatte ich den Eindruck, dass ich als "Next" - wie es dort bezeichnet wird - ohnehin nichts richtig machen kann.


    Habe ich kundgetan, dass ich mich um ein gutes Verhältnis zur Tochter meines Freundes bemühen möchte, hieß es, ich hätte keinen Anstand, zuerst hab ich der Ex den Mann weggenommen und dann möchte ich mir auch noch die Tochter krallen, gab ich meine ambivalenten Gefühle zu, hieß es, ich sei eifersüchtig und nur auf meinen eigenen Vorteil bedacht.


    Das wollte ich nur zu bedenken geben.


    Hier hingegen habe ich mich viel besser verstanden und aufgehoben gefühlt. :)_ :)_ :)_

    Zitat

    Habe ich kundgetan, dass ich mich um ein gutes Verhältnis zur Tochter meines Freundes bemühen möchte, hieß es, ich hätte keinen Anstand, zuerst hab ich der Ex den Mann weggenommen und dann möchte ich mir auch noch die Tochter krallen, gab ich meine ambivalenten Gefühle zu, hieß es, ich sei eifersüchtig und nur auf meinen eigenen Vorteil bedacht.

    ;-D Ein klassischer Fall von: Egal wie du es machst, machst du es falsch. Ich glaube das geht vielen Frauen so, vor allem Müttern: Wenn du zu viele Leute nach ihrer Meinung fragst, bekommst du ne Menge Schrott zu hören.


    Da kann man sich wohl nur ein dickes Fell wachsen lassen und die Ratschläge von Menschen mitnehmen, die einem wirklich wohlgesonnen sind.

    alias


    es ist ja wirklich schon wahnsinnig viel gesagt worden... was ich noch nicht so ganz rausgelesen habe ist, was du mit deinem freund bezüglich des umgang ausgemacht hast? inwieweit du mit"erziehen" darfst/sollst/willst? ob du auch deine regeln einbringen darfs?


    mein mann und ich haben nämlich sehr schnell gemerkt, dass unser patchwork-gedöns nur dann funktionieren kann, wenn wir das klären und immer mal wieder drüber reden, wie es dem jeweils anderen geht.


    bei uns war die situation irgendwie anders, weil uns die kinder des jeweils anderen quasi schon immer kannten, die kinder untereinander sich schon immer als geschwister gesehen haben und genug liebe für alle schon vorher da war. als wir dann aber zusammen gezogen sind, gab es durch diese "statusänderung" schon erstmal kleine versuche, grenzen zu testen.