Wie soll es weiter gehen?

    Meine Frau und ich sind 24 Jahre liiert, davon 21 Jahre verheiratet. Wir haben 2 Kinder (20/17).


    Seit wir Kinder haben geht unsere Ehe von Jahr zu Jahr ein Stück den Bach runter. Aus unserer Ehe ist mehr eine WG geworden. Meine Frau hat sich total auf die Kinder konzentriert, ich auf Beruf und Hobbies und wir finden nicht mehr zusammen. Nach Meinung meiner Frau müsste ich mich mehr in die Familie einbringen, mehr zuhören und mich nicht ständig aus Situationen heraus ziehen; ich bin der Meinung, dass wir als Paar mehr Paarzeit benötigen. Meine Frau ist jedoch nicht daran interessiert. Es kostet schon viel Kraft, dass sie mal mit mir spazieren geht oder sonst irgend etwas mit mir unternimmt. Meine Frau ist ein total sympathischer Mensch, was ich ihr auch sage, aber diese Trägheit. Nähe will sie auch nicht mehr. Schon bei jeder Umarmung habe ich Angst weggeschubst zu werden.


    Am Sonntag ist ein Streit eskaliert. Ich folgte meiner Frau ins Schlafzimmer, riss ihr die Decke weg und schrie sie an, warum sie noch nicht mal über unsere Probleme reden kann (aus ihrer Sicht müsse nur ich mich ändern etc. pp). Sie riss die Decke zurück, ich holte aus, wollte mit der Hand die Decke oder Matratze treffen, traf aber ihr Bein. Sie stand auf versuchte nach mir zu schlagen und schrie mich aus dem Schlafzimmer und ich zurück "ich hasse Dich".


    Die Stimmung ist natürlich unten. Wir haben zwar inzwischen 2 x in Ruhe gesprochen, aber meine Frau weiß nicht, was sie machen soll. Sie habe sich immer vorgenommen, sich von einem Partner sofort zu trennen, wenn er sie schlägt. Besonders weh tut ihr, was ich an den Kopf geworfen habe. Ich habe mich zwar schon x-Mal entschuldigt und kann mich selbst nicht mehr verstehen, weil ich eigentlich ein sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch bin und Gewalt total ablehne. Ich mache mir Vorwürfe. Was ich gemacht habe geht gar nicht.


    Letztlich zeigt mir der Vorfall aber, wo wir mit unserer Ehe gelandet sind. Die ganzen Enttäuschungen der letzten Jahre haben sich so aufgestaut, dass das wohl mal raus musste, ohne die Sache zu beschöningen. Durch den Vorfall habe ich natürlich ganz schlechte Karten. Ich bin auch völlig ratlos wie es weiter gehen soll. Meine Familie war immer mein ein- und alles, aber unsere Ehe ist nunmehr auf einem Tiefpunkt angelangt.

  • 409 Antworten

    In solchen Situationen ist es wohl normal, dass es zu einem heftigen Streit kommt, in dem Sachen passieren, die hinterher beiden leid tun. Das ist mit einer Entschuldigung und einem Strauss Blumen schnell aus dem Weg geräumt, wenn man denn bereit dazu ist. Die Bereitschaft zu verzeihen kann grenzenlos sein, wenn man sich liebt.


    Am wichtigsten ist in solch einer Beziehungskrise die Bereitschaft von beiden, über die Situation zu reden. Was erwartet ihr beide, was fühlt ihr, was bedrückt Euch, was ärgert Euch, was fehlt Euch. Meist hat man über die langen Jahre der eingefahrenen Routine verlernt, über so etwas zu reden.


    Oft hat sich auch einer der Partner längst mit der Situation arrangiert und will es gar nicht mehr anders. Wenn dann auch keine Liebe mehr da ist, wird es schwierig, denn damit fällt auch die Motivation, an der Beziehung zu arbeiten. Also klärt mal ganz dringend für Euch, ob ihr noch eine Beziehung wollt, und dann würde ich zu einer Paartherapie raten. Ein/e Therapeut/in kann aus neutraler Sicht Tips geben, vor allem aber kann sie moderieren zwischen Euch, wenn ihr zu zweit nicht mehr im Gespräch zusammen findet.

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    Besonders weh tut ihr, was ich an den Kopf geworfen habe. Ich habe mich zwar schon x-Mal entschuldigt und kann mich selbst nicht mehr verstehen, weil ich eigentlich ein sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch bin und Gewalt total ablehne. Ich mache mir Vorwürfe. Was ich gemacht habe geht gar nicht.

    Irgendwer hat neulich im Forum hier etwas schönes dazu geschrieben: Manch einer verwechselt Schuldzuweisungen mit Problemlösung. Zur Problemlösung gehört, dass beide erkennen, dass sie Fehler gemacht haben. Die nur bei einem zu suchen ist nicht zielführend, weil sie den anderen Partner davon abhalten, auch an sich selbst zu arbeiten.

    *Zur Problemlösung gehört, dass beide erkennen, dass sie Fehler gemacht haben. Die nur bei einem zu suchen ist nicht zielführend, weil sie den anderen Partner davon abhalten, auch an sich selbst zu arbeiten.*


    So sehe ich das auch. Meine Wut hat ja eine Ursache. Diese ständigen Ablehnungen... Keine Nähe, keine Unternehmungen.... das macht einen Kirre.


    Sie sieht das aber nicht. Sie kennt nur "Schuld hat der Andere". Meine Schwiegereltern sind auch geschieden. Von meiner Schwiegermutter hörte ich auch immer nur, dass alles Schuld des Mannes war. Meine Frau weiß nach 24 Jahren natürlich genau, was mich kränkt und wütend macht und ich habe teilweise den Eindruck, dass sie es bewusst so arrangiert, dass bei einer eventuellen Trennung alle auf mich zeigen.


    Änderungen müssen her, aber es kann doch nicht sein, dass alles nur im Sinne der Frau geändert wird.

    Wenn man den Eindruck hat, der Partner will nicht mehr, ist aber zu feige zur Trennung und ekelt einen lieber hinaus, dann sollte man das umso dringender klären. Entweder es gibt eine klare Bekenntnis zur Beziehung, zur Ehe, dann aber mit allen Konsequenzen: Paartherapie, Arbeit an der Beziehung, Arbeit durch beide, keine einseitige Schuldsuche. Oder aber diese Bekenntnis, diese Bereitschaft an der Ehe zu arbeiten gibt es nicht. Dann sollte man zum Selbstschutz vielleicht selber einen Schlussstrich ziehen.

    meine Vermutung als Frau:

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    Nach Meinung meiner Frau müsste ich mich mehr in die Familie einbringen, mehr zuhören und mich nicht ständig aus Situationen heraus ziehen

    sie wünscht sich das von dir und solange du da nicht auf sie zugehst, wird sie auch nicht auf deine Bedürfnisse eingehen.


    Du sagst, sie hat sich total auf die Kinder konzentriert, wenn sie den Eindruck hatte, dass du dich ganz rausnimmst, dann ist es ja nachvollziehbar, dass sie das macht.


    Nun sind die Kinder groß, sind ihre Wünsche an dich noch immer die gleichen?

    ich würde versuchen, diesen streit als chance zu begreifen: er hat gezeigt, wie explosiv all das ist, was sich angestaut hat - und wenn ihr beide versuchen wollt, eine neue beziehungsdynamik zuzulassen, ist es verdammt zeit dafür!


    aus deinen erzählungen höre ich nicht nur bei ihr verweigerung hinaus, sondern schon auch bei dir! ich finde ihre wünsche, du sollest dich mehr in den familienalltag einbringen genau so berechtig, wie deine wünsche nach "ehelicher zugewandtheit".


    und genau da könntet ihr mal anfangen: nicht die wünsche des anderen abschmettern mit "aber du tust ja dies und das auch nicht!", sondern mit konkreten überlegungen, wie ein wunsch auf dem anderen aufbauen könnte.


    wenn mein mann nach der arbeit seinen hobbies nachgehen würde und nur ab und zu zum vögeln zu mir käme (jetzt mal überspitzt gesagt), dann wäre das wohl bei mir auch ein problem. wenn er aber abends mit mir den tag revue passieren lässt, mit mir dabei lästigen haushaltskram gemeinsam erledigt, machen gemeinsame unternehmungen auch wieder spaß. weil man sich nah und vertraut bleibt!

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    Du hast geschrieben, dass eure Kinder 20 und 17 Jahre alt sind. D.h., es ist absehbar, dass sie bald aus dem Haus sind. Hast du deine Frau schon mal gefragt, wie sie sich eure Ehe danach vorstellt? Hat sie da selber schon mal drüber nachgedacht?

    Ich würde ein Gespräch über "die Zeit nach den Kindern" auch mal ansprechen. Ich bin sicher, dass sich Deine Frau diesbezüglich schon Gedanken gemacht hat.


    Wenn sich Deine Frau v.a. auf die Kinder konzentriert hat und Eure Beziehung ab Geburt der Kinder schwierig und belastet war, dann könnte der Auszug der Kinder auch das Ende der Ehe bedeuten.


    Über solche Dinge sollte man mal in einer ruhigen Situation sprechen. Auch über die Möglichkeit, sich zu trennen, bevor es wirklich hässlich wird. Wenn das Ende der Kinderaufzucht gleichzeitig die Auflösung der Ehe/des Gesamthaushaltes bedeutet, so muss dies nicht zwingend als Katastrophe oder Niederlage betrachtet werden. Es können sich für beide Elternteile nochmals neue Horizonte verschiedenster Art auftun, ausserdem besteht die Möglichkeit, als Eltern und ehemaliges Paar befreundet zu bleiben.

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    Nach Meinung meiner Frau müsste ich mich mehr in die Familie einbringen, mehr zuhören und mich nicht ständig aus Situationen heraus ziehen;

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    Meine Familie war immer mein ein- und alles

    Wie passt denn das zusammen? ":/ Wenn dir deine Frau vorwirft, dass du dich in der Familie zu wenig einbringst, dann scheinen Selbst- und Fremdwahrnehmenung ja ziemlich zu divergieren. :-/

    Danke für die Kommentare. Ich will pauschal darauf eingehen. 24 Jahre lassen sich nicht so einfach nieder schreiben.


    Als wir uns kennen lernten stand ich schon mit beiden Beinen im Leben und hatte schon eine längere Beziehung hinter mir. Meine Frau wohnte noch bei Mama. Ich merkte schnell, dass wir uns zwar mochten, aber unterschiedliche Lebensweisen hatten. Ich eher aktiv, viel unterwegs und sie eher passiv, meist zu Hause. Gegensätze ziehen sich an. Wir zogen schnell zusammen, haben geheiratet, haben ein Haus gebaut und bis die Kinder auf der Welt waren ging das auch ganz gut. Wir haben uns gut arrangiert, auch wenn unsere Interessen auseinander lagen. Ich hatte durch die Kinder plötzlich den ganzen Schuldenberg alleine zu tragen, habe daher viel gearbeitet und bin noch dem einen oder anderen Hobby nachgegangen und samstags habe ich noch Vorlesungen an der Uni gehalten. Meine Frau blieb zu Hause und managte hervorragend die Kinder und den Haushalt , hat sich jedoch dabei zum Teil gehen gelassen (30 kg zugenommen). Sie war lange Zeit eine Vollzeitmutter. Nach 6 Jahren begann sie Teilzeit zu arbeiten. Ich reduzierte Arbeitszeiten, legte meinen Job an der Uni nieder, übernehme seit dem am Wochenende die Hausarbeit und das Kochen. Zunehmend werden jedoch in den letzten Jahren meine "Hausarbeiten" kritisiert.


    In der Kindererziehung waren wir uns meist einig. Wie viel Zeit wir unseren Kindern widmen, ist jedoch gegensätzlich. Ein Beispiel. Unser ältestes Kind war bis vor einigen Monat zu einem Auslandsjahr in Übersee. Meine Frau meinte sie müßte jeden abend mit dem Kind skypen, mir langte 1 x in der Woche etwas vom Kind zu hören. Daher ist es kein Widerspruch, dass meine Familie mir sehr wichtig ist, ich bin nur der Meinung, dass man nicht ständig die Kinder behüten und ständig für sie da sein muss. Im Alter von 20/17 erst recht nicht. Am Wochenende mal gemeinsam weg fahren geht auch heute noch aus Sicht meiner Frau nicht, da die Kinder nichts zu essen hätten. Wohlgemerkt die sind 20/17 und könnten sich aus meiner Sicht auch mal eine Pizza in den Ofen schieben.


    Die Frage, was nach den Kindern kommt, beantwortet meine Frau mit einem Achselzucken. Wahrscheinlich wartet sie dann auf die Enkel, um die zu betütteln.


    Was sich ändern muß? Aus meiner Sicht haben wir über die Jahre vergessen, dass es auch noch ein Ehepaar gibt, das auch Zeit ohne Kinder gemeinsam verbringen sollte. Wenn wir dies mal geschafft haben, kamen wir uns auch näher.


    Unser gemeinsames Ziel ist es die Kinder groß zu ziehen. Fasst ist es geschafft. Ein Kind steht kurz vor dem Abitur, ein Kind studiert bereits. Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind, ist das Ziel erreicht. Dann könnte es eine neue Entwicklung geben.


    Meine Frau würde sich wahrscheinlich nie von mir trennen, außer sicherlich, ich werde wirklich zum Gewalttäter. Ihr fehlt ja scheinbar nicht viel. Also müßte ich gehen. Zur Zeit bin ich hier noch nicht bereit genug, da ich auch den Kindern nicht das Elternhaus nehmen will und weiß Gott warum, meine Frau immer noch sehr mag.


    Ich kenne ihr Ziel nicht. Vielleicht will sie mich, da sie sich nicht trennen will, hinaus ekeln. Bisher hat sie es nicht geschafft. Vielleicht will sie auch eine extreme Situation, dass sie dann einen rechtlichen Grund hat, mich vor die Tür zu setzen. Gestern deutete sie an, dass sie mich jetzt auch anzeigen könnte.


    Ja, der Vorfall von Sonntag könnte man auch als Chance sehen. Mein Handeln hat ja eine Ursache. Eine über Jahre aufgestaute Frustsituation. Ja, ich habe sicherlich auch einen Teil dazu beigetragen. Dass sich was ändert, müßten Beide dazu bereit sein. Derzeit sehe ich nur ständig neue Vorwürfe über mich und dass ich der "Schuldige" bin und aus Sicht meiner Frau alles an mir liegt. Ich müßte mich nur ihrem Lebensstil anpassen.

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    Die Frage, was nach den Kindern kommt, beantwortet meine Frau mit einem Achselzucken.

    Es scheint kein "wir" im Sinne von "Du und ich" für sie zu geben (wir könnten Reisen, gemeinsam ein neues Hobby pflegen, die Wohnsituation auf die neuen (Paar-)Bedürfnisse anpassen, die gemeinsame Zukunft planen, etc.).

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    Meine Frau würde sich wahrscheinlich nie von mir trennen, außer sicherlich, ich werde wirklich zum Gewalttäter. Ihr fehlt ja scheinbar nicht viel.

    Ich würde hinter beide Aussagen ein grosses Fragezeichen setzen.

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    Unser ältestes Kind war bis vor einigen Monat zu einem Auslandsjahr in Übersee. Meine Frau meinte sie müßte jeden abend mit dem Kind skypen, mir langte 1 x in der Woche etwas vom Kind zu hören..

    Wenn Du (oder Deine Frau) einige Zeit ins Ausland gingest, würde sie mit Dir bzw. Du mit ihr auch jeden Abend skypen? Hättet Ihr Interesse daran, Euch zu erzählen, was Ihr erlebt? Die Beziehung trotz räumlcher Trennung aktiv zu erhalten? Oder würde es Euch reichen, hin und wieder etwas "voneinander zu hören"?