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    Unsere Sorgen waren damals natürlich riesig und belasteten unseren Alltag schwer. Wir hatten über 3-4 Jahre eine schwere Zeit mit ihr. Das das eine lebensbedrohliche Erkrankung ist, ist mir bewusst. Um so mehr sind wir heute froh, dass sie das überstanden hat, inzwischen 1 Jahr im Ausland war und jetzt studiert. Es war jedoch eine Sucht und bei Suchterkrankungen kann es auch mal zu einem Rückfall kommen

    Entsetzlich!


    Eure Sorgen waren also riesig. Kann ich mir vorstellen. Wie groß waren denn die Sorgen eurer Tochter, vor allem, bevor sie anorektisch wurde? Hat sie jemals danach einer gefragt?


    Ihr hattet also eine schwere Zeit mit ihr. Bestimmt hattet ihr die. Und auch hier: Wie schwer muss die Zeit erst für die Tochter gewesen sein?


    Dass sie ein Jahr im Ausland war und jetzt studiert, bedeutet für dich also, dass sie "es" "überstanden" haben muss? Nun, ich denke, es bedeutet eher, dass sie zurzeit trotz ihrer Erkrankung recht stabil sein wird. "Überstehen" kann man diese Krankheit wahrscheinlich nie so richtig.


    Dass anorektische Mädchen sehr häufig überaus fleißig, ehrgeizig und leistungsstark sind, ist dir sicher bekannt. Durch das Studium wird also möglicherweise ein Grundmuster mit mächtigem Trigger-Potential aufrechterhalten. Wenn ich mich recht erinnere, studiert sie an einer (teuren) Privat-Uni? Das würde dann zusätzlich den Druck verstärken, der auf ihr lastet ("das teure Studium muss sich lohnen, ich muss beweisen, dass ich dieses Geld wert bin"), und der möglicherweise einer Art Druck aehnelt, die die Entstehung ihrer Anorexie wiederum damals begünstigt haben könnte.


    Dass du, wie NotMichaelCaine sehr schön herausgearbeitet hat, dafuer auch noch Dankbarkeit erwartest, macht dieses ganze Konstrukt noch gefährlicher.


    Und: auch wenn die Krankheit Magersucht heißt, hat sie mit einer (stoffgebundenen) Suchterkrankung wenig zu tun. Ein neuerliches Auftreten würde zwar in der Tat "Rückfall" heißen, das tut es aber bei sämtlichen anderen psychischen Erkrankungen auch.


    Ich wünsche eurer Tochter, dass sie es weiterhin schafft, durchzuhalten. Und dass sie jetzt und in Zukunft gut auf sich acht gibt.

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    Entsetzlich!


    Eure Sorgen waren also riesig. Kann ich mir vorstellen. Wie groß waren denn die Sorgen eurer Tochter, vor allem, bevor sie anorektisch wurde? Hat sie jemals danach einer gefragt?

    himmel... jetzt bleib mal fair! man muss ja nun nicht anfngen, dem Springer alles im mund umzudrehen :-/

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    himmel... jetzt bleib mal fair! man muss ja nun nicht anfngen, dem Springer alles im mund umzudrehen :-/

    Der Punkt ist doch die generelle Kommunikationstruktur zu erkennen, zu verstehen warum die destruktiv ist weil es ja in in Springers Interesse liegt das auch für mögliche zukünftige Beziehungen zu erkennen und gegebenenfalls zu ändern.


    Was Dorfnixe im Grunde genommen bemängelt ist, dass in der hier an den Tag gelegten Kommunikationsstruktur Empathie für die Situation des Leidenden im Faden generell nicht ausgedrückt wird. Das wird an die in vielen Dingen so "furchtbare" Ehefrau delegiert, die sich so wunderbar um die Kinder gekümmert hat. Verstehst Du?


    Dieses Verhalten kann sehr viele verschiedene Gründe haben unter anderem zum Beispiel, dass Springer unbewusst verinnerlicht hat, dass direkte Empathie für einen Leidenden extrem negativ - möglicherweise unmännlich - besetzt ist und zum Beispiel mit totaler Verantwortungsübernahme für das Leid des anderen einhergeht, was es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Das Paradoxe daran wäre dann beispielsweise, dass das zwar nicht ganz falsch ist (man kann die Verantwortung für psychisches Leiden beispielsweise nicht für einen anderen Menschen übernehmen - das ist systemimmanent), aber andere unterstützende Lösungsmöglichkeiten blockiert, weil die Haltung dahinter eine Schwarz - Weiss Haltung ist.


    Meine Vermutung ist dass Springer innerlich auch so mit sich selbst umgeht, unempathisch, blockierend, Leid verdrängend, was eine weitere Ursache für den Gesamtmix sein dürfte in dem er sich befindet. Er guckt bei anderen nicht hin, weil er Angst vor der Verantwortung hat, die er tatsächlich realistischerweise nicht übernehmen kann, aber er guckt auch bei sich nicht empathisch hin und diese Verantwortung bleibt ihm eben nun mal. Da kann er machen was er will. Statt dessen greift da bei ihm wieder das Kindheitsmuster: Wenns weh tut muss Mama das heilen. Funktioniert nicht. Wurde ihm aber wohl auch so von seinem Vater vorgelebt. Deshalb ist verständlich warum es zur Anwendung kommt.


    Dorfnixe greift das instinktiv auf, weil das hier nicht eine einzelne Bemerkung ist, sondern im ganzen Faden Methode hat das Leid des anderen auszublenden oder zu relativieren.

    Ich hatte ja auch schon kommentiert, dass Springer sehr bilanziert denkt - mit Soll und Haben. Er hat's ja auch ein bisschen durch seine Herkunft scherzhaft erklärt.


    Dennoch wäre ich vorsichtig, anhand geschriebener Beiträge, die mehr das Denken als das Handeln ausdrücken (so wie in diesem hier), auf den Menschen dahinter zu schließen.


    Es sind schon Beziehungen in eine Krise geschlittert, nur weil man geschriebenen Text anders interpretiert als gedacht. Und das von Menschen, die sich eigentlich kennen. Und niemand hier kennt Springer persönlich, daher ist es in meinen Augen zwar durchaus legitim, ihm mitzuteilen, wie er auf den Leser wirkt, aber nicht, daraus zu folgern, dass er tatsächlich so ist.


    Ein bisschen differenzieren - mit bloßen Vorwürfen und Drängen in eine Richtung ist wenig geholfen. :)z

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    Dorfnixe greift das instinktiv auf, weil das hier nicht eine einzelne Bemerkung ist, sondern im ganzen Faden Methode hat das Leid des anderen auszublenden oder zu relativieren.

    Genau.


    Und noch aus einem anderen Grund: weil der TE immer wieder "materielle" oder "formal positive" Aspekte herausstellt und sie als Belege für emotionale Sachverhalte anführt (Tochter bedankt sich für Auslandsaufenthalt = gute Vater-Tochter-Beziehung, Tochter studiert = ist gesund).


    Da entsteht bei mir der Eindruck einer bestimmten Haltung des TE, die viel mit Außenwirkung und wenig mit tragfähiger Substanz zu tun hat. Und die zu seiner Neigung, Verhalten gegeneinander aufzurechnen, durchaus passt (und zum Wegschauen bei Problemen ebenfalls): Hauptsache, formell hat alles seine Richtigkeit. Und mit dieser Haltung kann ich persönlich nichts anfangen, noch finde ich sie irgendwie hilfreich, weder in der aktuellen Situation des TE noch sonstwo oder -wann im Leben.


    Natürlich weiß hier keiner, ob der TE tatsächlich so tickt. Da können wir hier alle nur spekulieren. Dass er aber im analogen Leben seiner Frau und Familie gegenüber völlig anders auftritt, völlig andere Werte vertritt oder völlig andere Kommunikationsstrukturen aufweist, halte ich halt auch für unwahrscheinlich.

    Zitat

    Die Antwort darauf ist recht einfach. Ich habe vor ca. 25 Jahren beschlossen, keine Frau mehr zu tief in mein Herz zu lassen.

    Und mit so einer wichtigen Erkenntniss kommst du nach 27 Seiten raus...?




    Dann ist eure Ehe und dein jetziges Dilemma doch absolut nachvollziehbar. Du hast (von deiner Seite aus) eine Vernunftsehe geführt und der jetzige Zustand ist dann das Resultat...

    Hallo,


    nach einigen Monaten, will ich mal einen Zwischenstand geben. Mir haben viele Kommentare im April nichts mehr gebracht. Sie waren teils sehr vorwurfsvoll, teils haben sich hier User als Pseudo-Psychologen hervor getan. Ich habe dann mich einfach zurück gezogen.


    Wie ist der Stand heute? Nach dem unsere Ehe irgend wie dahin plätscherte, stellte ich mir weiterhin die Frage gehen oder bleiben. Meine Frau signalisierte mir jedoch ständig, dass sie auf keinen Fall eine Trennung will. Ich machte weiterhin mein "Ding". Ich arbeitete viel und pflegte meine Hobbies. Anfang Juni ist dann unsere Tochter zu einem mehrmonatigen Praktikum ins Ausland gereist. Unser Sohn ist mehr bei seiner Freundin als zu Hause. Vermutlich vereinsamte meine Frau immer mehr. Ihr tat auch immer mehr weh, war ständig beim Arzt und der hat ihr wohl ins Gewissen geredet. Seit etwa Mitte Juni macht meine Frau eine ärztlich begleitete Bodymed-Kur. Geschätzt 10 kg hat sie inzwischen verloren. Plötzlich hat sie Lust auf Fahrrad-Touren oder auch darauf, längere Spaziergänge zu machen, was noch im Frühjahr undenkbar gewesen wäre. Gestern sind wir gerade von einer verlängerten Wochenendreise zurück gekommen und am Freitag fahren wir schon wieder für 2 Tage weg. Meine Frau fühlt sich einfach wohler mit sich selbst. Das was ich auch als Schlüsselproblem gesehen habe, hat sie wohl auch erkannt und ist es angegangen. Das wirkt sich dann auch alles positiv aufs Liebesleben aus.


    Ich hätte es im April selbst nicht geglaubt, aber es hat sich doch sehr viel zum Positiven gedreht. Ich hoffe, dass es weiterhin Berg auf geht. Derzeit sieht es danach aus.