Wie sollte ich weiter machen?

    Hallo,


    nun ist dies also der xte "Ich bin so und so alt und hatte noch nie eine Freundin"-Thread. Ich bin allerdings nun an einem Punkt, wo ich etwas Feedback und Rat von Außenstehenden benötige.


    Ich bin mittlerweile 27 und überschreite in Kürze die 28 und - wie oben erwähnt - hatte ich bisher noch keine Freundin bzw. eine feste Beziehung (Sex ebenfalls nicht). In früheren Zeiten (so im Alter von 16-20) fiel mir der Umgang mit Frauen vergleichsweise leicht und in meiner Bundeswehrzeit war ich sogar ein richtiger Frauenschwarm. Die Chancen damals habe ich aber nicht genutzt - einfach, weil ich kein Interesse hatte und mir das ganze Beziehungsthema egal war. Selbst Sex interessierte mich nicht wirklich. Später versuchte ich dann Frauen kennenzulernen, doch jedes Mal, wenn es ernster wurde, stieg ich aus oder brachte die Frauen durch mein Verhalten dazu, auszusteigen. Ich weiß, ziemlich dreckig. Im Nachhinein sehe ich den Grund dafür darin, dass ich Angst hatte, mich zu öffnen, einen anderen Menschen emotional so nah an mich heranzulassen und dadurch verwundbar zu werden. Ja, das war feige.


    Während meines Informatikstudiums wurde es dann zunehmend schwerer, überhaupt mit Frauen in Kontakt zu treten, da in meinem Jahrgang lediglich zwei Frauen eingeschrieben waren. So legte ich das Thema erst einmal ad acta und konzentrierte mich auf den erfolgreichen Abschluss des Studiums und das Gelingen des Berufseinstieges.


    Nach der Graduierung zog ich dann in die Single Hauptstadt Nr. 1 Hamburg und mit diesem Umzug verlor ich auch einen großen Teil meines sozialen Umfeldes. Mein erstes Projekt bei meinem Arbeitgeber hatte ich dann für 2,5 Jahre in Süddeutschland, sodass ich pendeln musste und aus dem Koffer bzw. im Hotel lebte. Daher ergab es sich auch nicht, mir hier ein neues Umfeld aufzubauen und Fuß zu fassen. Ich lebe also weitgehend sozial isoliert.


    Erschwerend hinzu kam, dass ich gegen Ende meines Projektes aufgrund eines Ereignisses eine soziale Angststörung entwickelte. Dadurch wurde der Umgang mit anderen Menschen - von Frauen will ich gar nicht sprechen - extrem schwer für mich. Schon das morgendliche Fahren mit der U-Bahn oder ein Einkauf im Supermarkt wurden zur Tortur für mich. Das äußerte sich mit Symptomen wie Herzrasen, Druck- und Engefefühl in der Brust, Schweißausbrüchen am Körper, Erröten des Kopfes bis hin zu Panikattacken. Ich habe davon niemandem erzählt - weder Freunden noch Familie. Ja, selbst der Umgang mit meinen engen, noch verbliebenen Freunden war sehr anstrengend und ich erfand immer Vorwände, warum ich sie nicht treffen konnte. Was - verständlicherweise - für Unmut sorgte.


    Eine Therapie begann ich nicht, sondern versuchte, auch dies selbst zu lösen. Ich machte also autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Atemübungen und brachte mich selbst in Konfrontationssituationen. Zusätzlich begann ich mit Sport. Zunächst mit Laufen. Dann kam ich zum Krafttraining/Body Building. Ich trainierte anfangs zu Hause mit Kurz- und Langhantel, da ich mich natürlich davor fürchtete, mich im Studio anzumelden, wo ich mich und meinen Körper quasi den anderen Menschen präsentieren müsste. Die Blicke, das Lachen über mich - den Lauch wollte ich nicht ertragen. Nach dem ich dann mit meiner "Eigentherapie" genügend Fortschritte machte, fasste ich den Mut, mich in einem Fitness Studio anzumelden. Ich weiß, viele von euch werden bei Body Building innerlich lachen und denken "Kompensationssport usw." - ja, das ist vielleicht auch so. Aber ich erwähne das, weil mir der Sport mittlerweile sehr wichtig geworden ist und mich weiter gebracht hat. Das Besondere daran ist, dass man keinen Gegner außer sich selbst hat. Man kann fehlende Fortschritte nicht auf andere Schieben, man ist allein selbst dafür verantwortlich, dass es weiter geht. Es hängt nur von der Selbstdisziplin und dem, was man bereit ist, zu investieren, ab, wie weit man kommt.


    Ich trainiere nun 4 mal die Woche und so habe ich in den letzten Monaten 15kg Muskelmasse und Selbstbewusstsein aufgebaut.


    Und nun zurück zum eigentlichen Thema: Inzwischen bin ich kaum noch in der Lage außerhalb des Beruflichen mit Frauen normal umzugehen. Zumal sich in meinem Freundeskreis kaum Frauen befinden, sodass ich nicht mal den unverfänglichen Umgang mehr beherrsche. Neulich hat mich ein befreundetes Paar mit einer Single Frau bekanntgemacht. Sie haben uns dann "zufällig" alleingelassen, anstatt eines ungezwungenen Gesprächs haben wir uns allerdings nur angeschwiegen, da ich keine Ahnung hatte, wie ich mich mit ihr unterhalten sollte.


    Ich habe es nun auch ziemlich satt, alleine zu sein. Wenn ich abends nach Hause komme, ist dort niemand, der auf mich wartet, keiner der fragt, wie es einem geht, wie der Tag war. Es klingt jetzt etwas heulsusig, aber es ist die Realität: Mittlerweile nagt es auch an mir, ständig alles mit selbst ausmachen zu müssen, jedes Problem, jede Entscheidung, aber auch die schönen Dinge lassen sich mit niemanden teilen.


    Das sah ich als Aufhänger, an meiner Situation etwas zu ändern und da ich mich, was meine Angststörung angeht, als weitgehend geheilt ansehe, beschloss ich, die Hilfsmittel des modernen Internetzeitalters zu nutzen und mich bei einschlägigen Dating Apps anzumelden.


    So kam es, dass ich eine Frau bei Tinder kennenlernte. Wir verschrieben zunächst und verstanden uns ausgesprochen gut, kommunizierten auch bald auf einer tiefergehenden emotionalen Ebene. Ich erzählte ihr alles (bis auf das Thema Angsstörung) unbeschönigt und mit maximaler Offenheit und Ehrlichkeit und trotzdem wollte sie sich mit mir treffen. Auch sie ließ mich im Vorfeld nah an sich heran. Da das mein erstes Date seit 7 Jahren war, könnt ihr euch vorstellen, wie nervös ich war. In der U-Bahn sitzend hatte ich einen gefühlten Puls von 300 und transpirierte ausgiebig. Obwohl ich mich sehr anstrengte, ihr ein gutes Gefühl zu geben und sie gut zu unterhalten, lief das Date eher schlecht. Von ihr kam sehr wenig und ich - als sehr introvertierter Mensch - war gezwungen, die Unterhaltung aufrecht zu erhalten. Sie verhielt sich sehr passiv, verschränkte teilweise die Arme und meidete auch direkten Blickkontakt. Danach meldete sie sich einen Tag nicht und dann kam eine Nachricht, in der sie schrieb, dass sie sich gut unterhalten fühlte, aber keinen weiteren Kontakt möchte. Bis heute ist mir nicht klar, was ich falsch gemacht haben könnte. Ich war sehr traurig, da wir uns vorher wirklich gut verstanden haben und wenn es in der Realität genauso gewesen wäre, wäre es toll gewesen. Jedenfalls hat mich das etwas getroffen; ihr kennt dieses eklige Gefühl, als würde sich der Magen umdrehen.


    Ich versuche natürlich weiterzumachen; bin aktiv bei Tinder, Spotted und Lovoo unterwegs, habe Machtes und Chats und wahrscheinlich auch bald wieder ein paar Dates. Sicher bin ich mir aber nicht mehr, ob das der richtige Weg für mich ist und ob ich nicht doch auf andere Weise Frauen kennenlernen sollte. Die Hemmschwelle Frauen in der Realität anzusprechen, ist für mich auch noch extrem hoch - da ich auch eher etwas unterdurchschnittlich aussehe. Aufgrund meiner sozialen Isolation kommt es auch nicht dazu, dass ich am Wochenende in die Clubs oder Bars, um in alkoholbedingter Enthemmung Frauen anzusprechen.


    So, ich musste das einfach mal niederschreiben und hoffe auf eure Gedanken, Ratschläge und Tipps


    Danke,


    Franco Culombu

  • 28 Antworten

    Was die Frauen aktuell von dir abschreckt, kann dir niemand sagen, außer den abgeschreckten Damen selber.


    Bitte doch dein letztes Date mal um knallhart ehrliche Worte.


    Ich vermute die soziale Phobie, welche du beschreibst, als Ursache.


    Wenn man nicht mal 3 Minuten sich mit jemand Fremden unterhalten kann, welcher im selben Raum sitzt...


    Auch deine physischen Reaktionen im Vorfeld von Treffen mit anderen Menschen sprechen da für eine ausgeprägte Störung.


    Nervosität mag ja am Anfang immer da sein, aber rasender Puls und extremes Schwitzen...ne...


    Mein Rat?


    Triff dich viel mit Frauen von deinen ganzen Flirtapps. Auch und grade mit Mädels, welche du auf den ersten Blick gar nicht Daten würdest. Zum einen kann grade da auch die Frau fürs Leben dabei sein, und zum anderen übt das ungemein für alle weiteren Dates.

    Zitat

    Was die Frauen aktuell von dir abschreckt, kann dir niemand sagen, außer den abgeschreckten Damen selber.


    Bitte doch dein letztes Date mal um knallhart ehrliche Worte.

    Das ist schwierig bzw. nicht möglich, denn nach dem sie klar stellte, dass aus uns nicht mehr werden würde, äußerte sie den Wunsch, doch trotzdem gern weiter - auf einer anderen Ebene - Kontakt zu haben, da sie mich menschlich schätzte, was für mich nicht wie eine typische "Lass uns doch Freunde bleiben Floskel"-klang; ich aber dennoch ablehnte. Es wäre für mich mit der berühmten Friendzone geendet. Wobei ich gestehen muss, dass mir mein Gefühl damals eigentlich sagte, dass ich darauf eingehen sollte.

    Du magst recht haben. Die Nervosität verflog aber schnell nach der Begrüßung, die ich mit einer herzlichen Umarmung einleitete. Ich konnte frei sprechen, war der Aktive und bildete mir ein, uns souverän durch den Abend zu navigieren, holte die Getränke und hielt die Unterhaltung am Laufen. Teilweise hatte ich sogar den Eindruck, dass sie recht überschwänglich über manche Dinge redete und lachte auch über meine schlechten Witzversuche - auf der anderen Seite aber auch dieses Passive, leicht luLstlose.


    Vielleicht klaffen hier aber auch Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander und man konnte mir mehr anmerken, als ich jetzt denke und in Erinnerung habe. Es heißt ja immer wieder, Frauen würden so etwas 10 Meilen gegen den Wind riechen. Zu einer abschließenden Bewertung dieses Dates bin ich jedenfalls noch nicht gekommen.

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    Triff dich viel mit Frauen von deinen ganzen Flirtapps. Auch und grade mit Mädels, welche du auf den ersten Blick gar nicht Daten würdest. Zum einen kann grade da auch die Frau fürs Leben dabei sein, und zum anderen übt das ungemein für alle weiteren Dates.

    Wahrscheinlich ist das richtig und ich muss erstmal mehr Routine und Skills entwickeln. Ich habe derzeit sogar einige Interessenten in der Pipeline und vermutlich sogar noch diese Woche das eine oder andere Date. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht wirklich viel Lust dazu habe, wenn ich im Vorfeld schon weiß, dass sehr wahrscheinlich nichts daraus wird, weil ich die Frau nicht attraktiv finde.


    Außerdem empfinde ich es auch als unfair, diesen Frauen gewisse Hoffnungen zu machen, dass mehr daraus werden könnte. Es ist ja so, dass ich selbst diese Erfahrung gemacht habe, wenn einem jemand so einen Schlag in die Magengrube versetzt. Das ist ein Gefühl, dass ich niemandem eigentlich bescheren möchte.

    Und wenn du nichts falsch gemacht hast, sondern einfach nicht ihr Typ bist? Manchmal merkt man doch recht schnell, ob Luft nach "oben" da ist - man sich also potentiell verlieben könnte - oder eher nicht. Das muss doch gar nicht an deinem Verhalten gelegen haben. Und lass dir mal nicht einreden, dass Schüchternheit so grundsätzlich ein Problem darstellt. Ich persönlich finde es z. B. eher schwierig, von jemand, den ich zum ersten Mal treffe, umarmt zu werden.


    Es gibt solche und solche :-)

    Erst mal..


    Eigentlich finde ich das ziemlich klug, sich erst auf das Studium/Berufliche zu konzentrieren und alles Weitere kann ja jetzt kommen.. Und ich finde es auch gut, dass der Sport dein Selbstbewusstsein aufbaut & du dich dadurch besser fühlst. Dennoch klingt das nach einer ziemlich starken Sozialphobie, die man mit einem Therapeuten wirklich sehr gut besprechen kann.


    Ich würde mir da nicht allzu viel draus machen, dass dein erstes Date (seit 7(!) Jahren) nicht so lief wie erhofft. Meiner Erfahrung nach, und auch der Erfahrung einiger Freundinnen von mir, hat man erst ein paar schlechte Dates bevor man dann jemanden trifft, mit dem es super passt. (Meine Erfahrung nach auch :-) )


    Ich weiß, es fällt schwer, wenn man sich unbedingt jemanden an seiner Seite wünscht, aber genau das strahlt man dann auch aus. Frauen merken sofort, dass du unbedingt eine Beziehung haben möchtest.. Also vielleicht beim nächsten Date einfach alles ein bisschen lockerer angehen ;-D Führ viel Smalltalk und dann sieht man eh sofort, ob sich daraus mehr entwickeln könnte.

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    Und wenn du nichts falsch gemacht hast, sondern einfach nicht ihr Typ bist? Manchmal merkt man doch recht schnell, ob Luft nach "oben" da ist - man sich also potentiell verlieben könnte - oder eher nicht. Das muss doch gar nicht an deinem Verhalten gelegen haben. Und lass dir mal nicht einreden, dass Schüchternheit so grundsätzlich ein Problem darstellt.

    Das kann sein und ich versuche auch, so gut es geht, daran zu glauben, dass es so war.

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    Ich persönlich finde es z. B. eher schwierig, von jemand, den ich zum ersten Mal treffe, umarmt zu werden.

    Ja, das ging von mir aus und ich fand es in der Situation angemessen. Ich denke, auch ihr ging es so. Bei der Verabschiedung war es umgekehrt und sie suchte die Umarmung.

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    Dennoch klingt das nach einer ziemlich starken Sozialphobie, die man mit einem Therapeuten wirklich sehr gut besprechen kann.

    Ich weiß nicht, ob es in meinem Text nicht deutlich rübergekommen ist, aber ich habe aktuell in normalen Situationen keine Probleme. Ich fahre entspannt mit der U Bahn, kaufe ein, treffe meine Freunde wieder, kann Präsentationen halten vor Menschen halten - ja sogar unvorbereitet und in englischer Sprache. Sowas hätte mich früher gekillt und ich habe alle Situationen vermieden, wo ich "anderen ausgeliefert" war. Klar, das mit dem Date war noch mal ein anderes Kaliber und hat mich sehr nervös gemacht. Ich glaube aber nicht, dass ein Therapeut meine aktuelle Situation noch als pathologisch bezeichnen würde.

    Erstmal Hallo! :)


    Also zum Thema Soziale Phobie; du bist nicht alleine, wahrscheinlich muntert es dich nicht wirklich auf aber ich kann dir sagen, wie ich das Problem bei mir löse/gelöst habe. Als erstes habe ich meinen Freunden und meiner Familie erklärt, dass es sowas wie,, sich mal treffen '' nicht gibt. Ich plane solche treffen ziemlich sorgfältig, so dass ich nicht ins Schwitzen komme oder vor dem Treffen Absage. Deswegen habe ich auch für mich beschlossen, mich mit Freunden zu treffen auch wenn ich mir denke, dass ich es nicht schaffe (ich sage mir einfach, dass ich gehen kann wann ich möchte und das tue ich, wenn ich das Gefühl habe, dass es reicht). Außerdem hilft es mir ungemein jeden Tag die Zeitung zu lesen, so habe ich immer genug Themen für ein Smal-Talk. ;-) Und so wirklich gebessert hat es sich seit ich ADs nehme :=o Sie lassen mich nicht mehr in den Panik zustand verfallen ":/


    Zu deinem Date: ich hatte auch schon Dates mit Männern aus diesen Portalen und es ist eben so, dass es manchmal nicht passt. Man merkt es und na ja, dann kann man nicht viel dagegen machen. Aber du kannst die Frau natürlich nach ihren Gründen fragen und erfragen wie du auf Frauen wirkst. Vielleicht ist es doch nicht so schlimm wie du denkst :)_

    Viel Glück für das Treffen! :-D


    Ja, berichte weiterhin wie es bei den Treffen so läuft. :-)


    Ich denke auch, dass die Chemie einfach passen muss, und das wär echt ein Zufall gewesen, wenn es gleich beim allerersten Date voll gepasst hätte. ;-)

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    Ich weiß, es fällt schwer, wenn man sich unbedingt jemanden an seiner Seite wünscht, aber genau das strahlt man dann auch aus. Frauen merken sofort, dass du unbedingt eine Beziehung haben möchtest.. Also vielleicht beim nächsten Date einfach alles ein bisschen lockerer angehen ;-D Führ viel Smalltalk und dann sieht man eh sofort, ob sich daraus mehr entwickeln könnte.


    Mila90

    Dieses Punkt kann ich auch zu 100% unterschreiben. Viele hatten mir das vorher gesagt und ich wollte es nicht glauben, bis ich es bei mir selbst bemerkte.


    Meine Tips: Sei nicht zu desperate, sei auch bitte nicht zu lieb, nett und zuvorkommend. Es ist eher von Vorteil etwas arschloch zu sein. Aber das wichtigste ist erstmal überhaupt Kontakt zu Menschen des anderen Geschlechts zu haben. Für mich waren damals sehr radikale Schritte notwendig (Umzug in ein anderes Land, neuer Job etc).

    Da ich mittels fadenscheiniger Ausrede versetzt wurde, kann ich leider nichts berichten. Ich muss gestehen, dass mich langsam auch etwas die Motivation verlässt.

    Zitat

    Meine Tips: Sei nicht zu desperate, sei auch bitte nicht zu lieb, nett und zuvorkommend. Es ist eher von Vorteil etwas arschloch zu sein.

    Eher etwas Arschloch? Und wie mache ich das? Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, möglichst wenig zu schauspielern. Am Ende kommt ja dann doch heraus, wie die wahre Persönlichkeit aussieht.

    Zitat

    Eher etwas Arschloch? Und wie mache ich das? Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, möglichst wenig zu schauspielern. Am Ende kommt ja dann doch heraus, wie die wahre Persönlichkeit aussieht.

    Mein Tipp: Vergiss das mit dem Arschloch, sei einfach wie du bist! :)_


    Ich kann mir vorstellen, was MatzeBerlin meint. Vermutlich hat er es einfach etwas unglücklich ausgedrückt. Wichtig ist, dass man seiner eigenen Bedürfnisse Herr bleibt. Das heißt, du verstellst dich nicht und lässt andere deine Grenzen nicht überschreiten, nur um zu gefallen. Wenn du keine Zeit hast, sag ab. Wenn du keine Lust hast, sag ab. Wenn dir etwas gegen den Strich geht, äußere dies.


    Das ist auch für deinen Gegenpart unheimlich wertvoll. Diese Reaktionen nicht unhöflich, sondern gehören zur zwischenmenschlichen Kommunikation dazu und sind auch dringend notwendig, damit beide zufrieden sind und das Gefühl haben, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Je mehr du buckelst, desto weniger Respekt hat man vor dir, weil deine Persönlichkeit verschwimmt. Bleib bei dir.


    Das wird von vielen als "Arschlochtum" verstanden, hat aber rein gar nichts damit zu tun. Das ist gesund und notwendig.


    Ich musste das auch erst schmerzhaft lernen. Vorher konnte ich nicht nein sagen und habe viele Dinge gemacht, auf die ich keine Lust hatte - das war nicht nett, sondern dumm. Dadurch habe ich viele Menschen bei mir behalten, die mich ausgenutzt haben.


    Wenn du nein sagst und dich jemand trotzdem schätzt, kannst du dir sicher sein, dass man dich wirklich mag.

    Ich leide übrigens auch unter einer sozialen Phobie. In meiner Verhaltenstherapie habe ich das gut in den Griff bekommen.


    Die einzige Lösung ist, dich mit deinen Ängsten zu konfrontieren. An sich zu arbeiten, ist sehr unangenehm, aber der einzige Weg.


    Ich musste Fremde ansprechen, Vorträge halten etc.


    Nach ca einem Jahr habe ich keine größeren Probleme mehr damit. Natürlich ist die Angst da, wenn man schon lange nicht mehr mit einem Fremden gesprochen hat. Das wird auch nie weggehen, aber je öfter man sich dem stellt, desto besser wird es.


    Was ich toll fand, war, jeden Menschen, der an mir vorbeiläuft, anzusehen. Das war die ersten Tage der extreme Horror, aber heute ist das selbstverständlich für mich geworden. So habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass sich fast niemand in der Öffentlichkeit für mich interessiert. Dass viele auch solche Ängste haben und sich nicht trauen. Das war ein großer Gewinn.

    Wenn du eine dauerhafte Beziehung willst, dann sei wirklich so, wie du eben bist.


    Bringt ja nichts wenn du beim Date ein tolles Programm ablieferst und dann quasi gezwungen bist, im Zweifel den Rest deines Lebens so weiterzuschauspielern, damit die holde Dame gut unterhalten wird.


    Mein erstes "Date" war in der Mitte unserer zwei Wohnorte, wir kannten uns dort nicht aus und waren beide sehr aufgeregt, jedenfalls am Anfang. War allerdings auch eigentlich noch nicht dazu gedacht, eine Beziehung anzubahnen, mehr so zum "Internetbekanntschaft kennenlernen". Wir sind einfach ein paar Stunden durch die Stadt getigert und haben uns unterhalten wie vorher schon monatelang per ICQ.


    Das hat jetzt immerhin schonmal 10 Jahre gehalten, obwohl unsere Dating-Fähigkeiten sicher unterirdisch sind. Es muss eben irgendwie passen zwischen beiden, dann wird das schon.