Wie viel dürfen Eltern sich bei erwachsenen Kindern rausnehmen?

    Hallo Foris!


    Ich (25) komme gerade von einem Restaurantbesuch mit meinem Freund und meinen Eltern wieder und es war wie jedes mal einfach grauenhaft.


    Ich kann von mir behaupten, dass ich eine vernünftige Frau geworden bin. Ich bin zum Glück nicht perfekt, aber ich fühle mich gut so wie ich bin und ich bin glücklich mit meinem Leben. Chronologisch: Ich habe Fachabi, nie Mist gebaut als Jugendliche (kein Alkohol, keine Drogen, keinen anderen Ärger), arbeite in einer Kanzlei im Notariat, meine Chefs sind mit mir sehr zufrieden, ich habe einen tollen Freund, der mir das wichtigste ist, wir haben eine gemeinsame Wohnung, Haustiere, und für dieses oder nächstes Jahr sind Haus und Kinder in Planung.


    Meine Eltern halten jedoch nichts von mir. Gar nichts. Das ist mir erst heute wieder bewusst geworden, im Grunde geht es aber bei jedem Treffen in den letzten Monaten so, seit ich mit meinem Freund zusammengezogen bin und nicht mal mehr am Wochenende bei ihnen bin und keine Verbindung mehr in diese seltsame Welt habe, die sie sich zusammengebastelt haben. Vorher hatte ich ein paar Jahre eine eigene Wohnung, war aber am WE und wenn ich Urlaub hatte bei meinen Eltern (aus diversen Gründen, jeweils aber Kleinigkeiten, die sich nur summiert hatten, größtenteils aus Nostalgie, da sie an dem Ort wohnen, in dem ich aufgewachsen bin und den ich sehr mag).


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    Egal was ich tue, es ist immer falsch und/oder nie genug.


    Ich habe Schiss vor dem Autofahren (hab ich inzwischen im Griff, aber momentan fehlt das Kleingeld) und deshalb keinen Führerschein, möchte aber einen machen, bevor wir ein Kind bekommen. Dennoch machen sie (wie auch andere Verwandte, was ich mittlerweile unterbinde) das ständig zum Thema, als ob Menschen ohne Führerschein niedere Menschen wären. Sie putzen mich dann verbal richtig runter mit Sprüchen, vergleichen mich mit meiner Tante, die in deren Augen ein absoluter Verlierer ist, tun so als müsste mein Freund alles für mich erledigen. Ich habe lange genug allein gelebt und bin nicht verhungert, mir hat es an nichts gefehlt. Ich laufe viel (freiwillig - bin eh zu moppelig, das tut mir außerdem gut weil ich einen Bürojob habe und den ganzen Tag drinnen hocke), auch zur Arbeit, ansonsten fahren hier alle 20 Minuten Busse in jede Richtung. Natürlich ist ein Auto praktisch, aber nicht lebensnotwendig. Ich "muss" mich seit mittlerweile 7 Jahren immer wieder diesbezüglich erklären und mir dumme Sprüche reindrücken lassen. Selbst wenn ich nichts sage wird ständig das Thema aufgetischt oder solange auf mich eingequatscht, bis ich etwas sage und in eine Verteidigungshaltung gehe, das schaffen sie aus irgendeinem Grund immer wieder.


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    Meine Eltern arbeiten in leitenden Positionen im Einzelhandel, halten sich für unentbehrlich und arbeiten seit Jahren 12 Stunden am Tag (wobei da die Pausenzeiten von 2, 2 1/2 Stunden mit eingerechnet sind soie die Zeit, die sie freiwillig dort bleiben), materiell fehlte es mir an nichts, aber an allem menschlichen schon. Ich habe in 25 Jahren selten Umarmungen bekommen, keine Entschuldigung erhalten, wenn meine Eltern sich unfair verhalten haben (das ist mir ein wichtiger Punkt, denn sie gestehen sich nie eigene Fehler ein und bestärken sich noch gegenseitig in ihrem Fehlverhalten), auch wenn es Kleinigkeiten waren.


    Mittlerweile stehe ich selbst im Berufsleben, teils wirds sehr stressig, ich habe schon im zweiten Ausbildungsjahr unser Notariat wochenweise alleine geschmissen, im Dritten sogar über mehrere Monate. Wenn ich dann auf irgendwas (ein Treffen, lange Telefonate oder sowas) keine Lust habe, wird meine Arbeit immer abgewertet. Das ist ja nur ein Bürojob, ach Gottchen du Arme. Mach mal das, was wir tun, DAS ist Arbeit! Und wenn ich schildere was ich tue und was an Tag XY alles los war, dann merken sie zwar, dass ich wirklich Stress hatte, dann kommt aber der Spruch, dass das alles ja trotzdem nichts wäre, ich müsse das erstmal 25 Jahre machen, dann käme ich auf ihr Pensum.


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    Dazu kommt dann, dass sie mir nichts zutrauen. Ich hatte aus einem bestimmten Grund über mehrere Monate eine Wohnung, die ich nicht mehr bewohnt habe, da ich mit meinem Freund zusammengezogen bin. Der Nachmieter wollte meine großen Möbel übernehmen, kurz vor Ablauf der Frist hat er dann einen Rückzieher gemacht und die Wohnung nicht genommen, weswegen ich die großen Möbel nicht fristgerecht aus der Wohnung holen konnte. Das war nicht schlimm, es gab keinen Nachmieter und mein Vermieter hat mir deswegen einen weiteren Monat zur Verfügung gestellt. Daraufhin haben meine Eltern mich übelst zusammengebrüllt (am Telefon, mein Freund saß daneben!), dass ich ja nie etwas rechtzeitig schaffe, dass die Möbel schon längst raus oder verkauft sein könnten (wären sie ja eigentlich auch gewesen) und dass ich nichts (!) auf die Reihe kriege.


    Desweiteren folgten noch zwei Themen (Behörden, Bank), bei denen ich ja angeblich schon längst hätte reagieren müssen und sollen, was totaler Quatsch ist. Ich habe noch zwei Wochen Zeit dafür und ich bin nun mal ein Mensch, der Dinge oft erst spät - aber im Rahmen - erledigt. Ich wüsste auch nicht, was meine Eltern das angeht, sie meinen aber grundsätzlich, dass ja "alles auf sie zurückfällt" und nehmen sich das Recht raus mich anzuschreien... %-|


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    An meinem 25. Geburtstag haben meine Eltern von unterwegs angerufen, keine Gratulation, nichts. Nur die Frage, ob unser Klo sauber ist, sie müssen mal pinkeln und wären gleich da. (Zur Erklärung: Wir haben Katzen, das finden sie eklig und setzen es gleich mit "bei denen ist es unsauber und stinkt"). Nach einer dreiviertel Stunde ist ihnen dann doch mal eingefallen, dass ich Geburtstag habe und haben mir immerhin gratuliert.


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    Heute haben sie den Vogel abgeschossen, als sie meinem Freund mehrere Aufträge mitgeteilt haben, die ich erledigen muss (was meine Angelegenheiten sind und die ich besser weiß als sie) und wo er quasi dafür sorgen soll, dass ich sie auch mache. Ich dachte ich höre nicht richtig, die haben quasi meinen Freund als meinen Betreuer eingesetzt. Als wäre ich nicht zurechnungsfähig und zu nichts in der Lage! :-o


    Die Krönung war, als meine Mutter einen Spruch abgelassen hat, als würde mein Freund bei mir unter der Knute stehen. Das hat mir zusätzlich noch gezeigt, dass sie unsere Beziehung null ernst nehmen.


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    Ich war heute richtig down. Es ist oft so, dass ich mich auf Treffen mit meinen Eltern freue, aber das erledigt sich oft innerhalb der ersten Minuten. Wir hatten schonmal für drei Wochen einen kompletten Kontaktabbruch und auch heute frage ich mich, warum ich mir das immer wieder antue. Sie haben mir in der Zeit gefehlt und es fühlte sich nicht richtig an, aber andererseits möchte ich meine Zeit nicht mit Menschen verbringen, die nichts von mir halten. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder irgendwann von ihnen beeinflusst werden; dass sie mich auch als Mutter nicht ernst nehmen werden und das Gegenteil von dem tun, was ich für meine Kinder möchte.


    Aber: Macht man das? Bricht man einfach so mit den Eltern? Gibt es kein Mittelding? Soll ich mich zusammenreißen? Bringt das überhaupt etwas, wenn doch meine eigenen Eltern mich für einen Versager halten?


    Es tat gut das runterzuschreiben, vielleicht liest es ja einer und hat einen Rat für mich... @:)

  • 546 Antworten

    Ich (28) kenne die Bevormundung in kleinerem Rahmen auch... und schon das nervt mich gewaltig...


    Hab ich das überlesen? Habt ihr denn schon mal miteinander gesprochen, wissen deine Eltern, was dich stört? Wie haben sie reagiert? Weil Kontaktabbruch kann ja nicht das erste Mittel der Wahl sein...

    Puh, geredet ja, aber nicht ruhig und besonnen oder sowas. Das findet bei uns nicht statt. Meine Eltern halten sich für unfehlbar, blocken ab oder gehen direkt an die Decke. Zudem bestätigen sich gegenseitig in ihrem Verhalten und Denken, da komme ich nicht gegenan. Dazu kommt, dass ich Einzelkind bin, ich habe also niemanden, der mich dahingehend unterstützen könnte, der ihr alltägliches Verhalten auch kennt.


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    Der Krempel bezieht sich übrigens nicht nur auf "inneres", sondern auch viel auf Äußerlichkeiten. Seit dem Kindergarten bin ich in ihren Augen zu dick, in Streitsituationen wurde das auch gern mal als "fett" betitelt, mit 17 kam mal der Spruch (witzigerweise am Tag vor einer Verabredung, was sie aber nicht wussten), dass ich sowieso zu fett wäre um einen Freund zu finden und was der denn auch seinen Eltern erzählen sollte, wenn er mich vorstellt (so nach dem Motto: wie könnte er so ein dickes Ding seinen Eltern erklären). Ich sah als Kind übrigens normal aus (und selbst wenn ich dick gewesen wäre, habe ich nie Unterstützung zum Abnehmen erfahren), als Teenie habe ich zugenommen, aber ich wurd nie mit faulem Obst in der Stadt beworfen, also konnte es so schlimm nicht sein. %-|


    Gibt noch ein paar andere Äußerlichkeiten, an denen sie sich ständig aufhängen, aber wenn ich das alles schreibe müsst ihr denken ich sähe aus wie ein fetter Gollum... %-|

    Vielleicht beneiden deine Eltern deine Situation, weil du nicht jeden Tag 12 Stunden arbeitest und trotzdem gut klarkommst? Oder sind eifersüchtig auf deinen Freund, weil er ihnen "die Tochter wegnimmt"?


    Klingt jedenfalls nicht nach angenehmen Eltern. (Da fällt mir wieder auf, wie froh ich über meine Eltern sein kann!)


    Aber warum wissen sie denn über die ganzen Details bescheid, die eh nur zu Ärger und Stress führen? Behalte z.B. die Bankangelegenheiten doch für dich. Und was du mit deinem Vermieter über Wohnungsräumungen vereinbarst, ist doch auch nicht so wichtig, wenn man sich eh schon denken kann, was die Eltern dazu sagen. Wenn du dann irgendwann einen Führerschein hast, müssten ihnen doch langsam die Themen ausgehen. ]:D


    Klar, man will vielleicht auch mal berichten, was man so erlebt… Aber wenn es eh nur als Anlass zum Meckern genommen wird… Dann erzähle halt in Zukunft nur noch die ganz unzweifelhaft positiven Dinge.


    Ich weiß, dann finden sie irgendwas anderes. Da hilft vermutlich nur, das nicht an sich heran zu lassen. Wenn das nicht klappt, die Anzahl der Besuche reduzieren. Und wenn sie bei dir auf Toilette wollen (haha) sag eben, dass du gerade keine gesteigerte Lust auf ihre Anwesenheit hast. Oder dass die Katze das Klo vollgepinkelt hat. :=o

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    Vielleicht beneiden deine Eltern deine Situation, weil du nicht jeden Tag 12 Stunden arbeitest

    Das habe ich tatsächlich auch schon überlegt, auch wenn ich diesen Neid-Gedanken nicht gern in Erwägung ziehe und oft zu weit hergeholt finde. Aber in dem Fall werten sie ja fast jeden anderen Beruf ab, es gibt quasi niemanden, der so hart und lange arbeitet wie sie. %-| ;-)

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    Aber warum wissen sie denn über die ganzen Details bescheid, die eh nur zu Ärger und Stress führen?

    Ich habe die Angewohnheit mehr zu erzählen als gut ist. Wobei sie eigentlich in jedem Fitzel etwas zu mäkeln finden. Ich hab kein Talent für Smalltalk und erzähle immer irgendeinen Kram, der in meinem Leben passiert oder der grad wichtig ist. Teilweise geht sogar noch Post zu ihnen, im Grunde belangloses Zeug, aber eben auch ein Aufhänger für sie, da sie grundsätzlich meine Privatsphäre ignorieren und eben z.B. meine Post öffnen. Mir war es bisher nicht wichtig meine unwichtige Post umzumelden (was wichtig ist geht selbstverständlich zu mir), aber das ist eben mittlerweile ein Aufhänger um noch mehr meine Unfähigkeit hervorzuheben.

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    Ich weiß, dann finden sie irgendwas anderes.

    Ja. Ich sehe es schon kommen bzw. erlebe es ja jetzt schon. Plötzlich ist mein Beruf doof und ich soll auf ne Behörde wechseln (das wird ja jetzt schon gesagt), dann wird wieder von denen bereut, dass ich nicht studiert habe. Dann kommt dieses, dann kommt jenes. Mir ist die letzten Male einfach immer mehr bewusst geworden, dass ich es ihnen NIE recht machen könnte - was ich nicht will, denn dafür lebe ich nicht. Aber eine friedliche Co-Existenz mit gelegentlichen netten Worten sollte eigentlich drin sein. Ist es aber derzeit nicht und ich wüsste auch nicht, wie sich das ändern sollte. Ich bin kein Mensch, der Fehler zuerst bei anderen sucht! In diesem Falle wüsste ich aber nicht, was ich noch machen sollte, welche Fehler ich angeblich mache. Was die beiden kritisieren sind zu 98% Angelegenheiten, die sie nicht betreffen und die sie nichts angehen, warum sollte ich sie also ändern? ":/

    Mein Beileid @:)


    Das Verhalten deiner Eltern finde ich nicht in Ordnung und destruktiv. Einen Mittelweg zwischen so weitermachen und Kontaktabbruch gibt es schon, ich denke darüber derzeit aus persönlichen Gründen selbst nach, weil mir der Kontakt mit meiner Familie insgesamt nicht gut tut; es gibt ein paar angenehme bis neutrale Dinge und dann passiert etwas, das nicht neu aber doch "einschlagend" ist und nachdem mir vieles wieder einfällt, was worauf ich vorher gedanklich irgendwie keine Zugriff gehabt habe. So als hätte jemand den Weichzeichner entfernt vom Bild. Brauche nach manchen (nicht allen) Besuchen bei ihnen bzw. nach sowas auch eine Weile bis ich wieder auf dem Stand vor dem Besuch bin von meinem Selbstbewustsein & Selbstvertrauen her. Ein wenig hat mich dein Beitrag an meine Eltern erinnert - auch wenn da nochmal Unterschiede bestehen. Aber das Grundmuster scheint mir ähnlich zu sein.

    Zitat

    Aber: Macht man das? Bricht man einfach so mit den Eltern? Gibt es kein Mittelding? Soll ich mich zusammenreißen? Bringt das überhaupt etwas, wenn doch meine eigenen Eltern mich für einen Versager halten?

    Den Kontakt notfalls ganz abzubrechen halte ich für ok und sinnvoll wenn man sich anders nicht helfen kann bzw. der Kontakt einen so belastet. Für mich persönlich ist das zwar in seltenen Momenten ein sehr reizvoller Gedanke, aber nicht wirklich eine Option. Der Kontakt ist dafür insgesamt wieder "zu gut"/nicht schlecht genug.


    Wie du dein Mittelding ausgestaltest, kannst du frei bestimmen (im Rahmen deiner Möglichkeiten).


    - Kontakt sehr reduzieren, z.B. seltener besuchen, Kontakt eher per Telefon (Vorteil: Mehr Distanz und du kannst auflegen/das Gespräch jederzeit abbrechen)


    - eher sie besuchen als andersherum, weil du dann bestimmen kannst, wann du wieder gehst


    - sehr deutlich deine Grenzen aufzeigen und ihnen unmittelbar etwas dazu sagen, wenn sie wieder


    "übergriffig" werden. Wenn sie darauf nicht reagieren, räumlich-faktische Grenzen ziehen statt nur verbale. (Darauf müssen sie reagieren bzw. können nicht weitermachen bei vielen Einflussversuchen).


    - keine Gespräche über persönliche Themen; nur Gesprächsstoff, den sie nicht gegen dich verwenden können -> schließ sie aus deinem (Alltags-)Leben so weit aus, wie es dir möglich ist


    - den Kontakt als eine Zweckbeziehung betrachten und emotionslos rational Kosten-Nutzen bewerten und deine Vorteile daran nutzen ohne viel dafür geben zu müssen. Vor allem auf emotionaler und psychischer Ebene


    ... es gibt noch mehr Tipps und auch ausführlicher. Findet man, wenn man danach googelt; das oben ist spontan zusammengestellt. Das Stichwort ist in allen Konstellationen Abgrenzung, notfalls radikal.

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    es gibt ein paar angenehme bis neutrale Dinge und dann passiert etwas, das nicht neu aber doch "einschlagend" ist und nachdem mir vieles wieder einfällt, was worauf ich vorher gedanklich irgendwie keine Zugriff gehabt habe.

    So ist es bei mir auch, so fühle ich mich nach jedem Treffen. Als würde ich nach dem Treffen wieder etwas sehen, das dann aber - vielleicht aus Selbstschutz? - einen Schleier drüberlegen.

    Zitat

    sehr deutlich deine Grenzen aufzeigen und ihnen unmittelbar etwas dazu sagen, wenn sie wieder "übergriffig" werden.

    Da haben sie momentan eine neue Strategie entwickelt seit dem Kontaktabbruch neulich: Sie reißen ein Thema an und drücken mir einen fiesen Spruch/ laden ihre Kritik ab, brechen im gleichen Atemzug aber das Thema ab nach dem Motto, dass das ja nicht ihr Bier ist/ jetzt nicht von Belang ist/ man darüber jetzt nicht reden oder streiten will usw. Sie werden also ihre Kritik los und beenden das Thema direkt darauf, dass ich nicht reagieren kann, mit dem Vorwand, dass man ja nicht streiten will und tun dabei so, als wäre ihnen bewusst, dass es sie nichts angeht. Das ist es aber nicht, das ist es nie. Sie meinen sie haben das Recht auf alle Details in meinem Leben


    Meine Eltern sind solche Menschen, die im Kinderzimmer jede Schublade durchsuchen und das Tagebuch lesen, weil sie meinen sie hätten das Recht dazu, denn sie haben das ja alles bezahlt. (Den Spruch haben sie mir an den Kopf geworfen - und auch immer danach gehandelt -, als ich irgendwann mit 15, 16 mal gebeten hatte, dass sie an der Zimmertür klopfen, bevor sie ins Zimmer stürmen.)


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    Ich finde dieses Abgrenzen sehr schwierig. Ich habe bereits ein bisschen die Informationen, die ich rausgebe, reduziert. Oft beziehen sie sich aber ja auf Dinge, die nunmal bekannt sind. Z.B. was die Arbeit angeht. Ich kann ja nicht meinen Job verschleiern und wenn ich Stress auf der Arbeit und daraus bedingt keine Lust auf längere Telefonate habe, ist das ja auch wieder ein Thema, auf das sie abgehen wie ne Kuh auf Glatteis. :-|


    Einfach mal beim telefonieren auflegen, ja, dazu hatte ich kürzlich große Lust. Als sie mich vor meinem Partner angebrüllt haben wie ein kleines Kind. Das war echt eine Frechheit und eine riesige Grenzüberschreitung...

    Ich kann mich Snaiperskaja nur anschließen.


    Um deine Frage zu beantworten: Nein, Eltern haben nicht das Recht sich soviel herauszunehmen.


    Ich kann da nur denken: so geht man doch nicht mit seinem Kind um! Schon gar nicht mit dem einzigsten Kind! Was ist denn bei denen kaputt, dass sie das so auf dir abladen müssen!


    In echt, ich denke, bei denen ist wirklich etwas kaputt.


    "Gute" Eltern möchten das Beste für ihr Kind im Sinne von: Selbstbewusstsein, Glauben an sich selber. "Gute" Eltern stehen hinter ihrem Kind und unterstützen es. Freuen sich, wenn etwas gut läuft im Leben des Kindes, suchen dessen Stärken und heben sie hervor (statt auf den Schwächen herum zu hacken).


    Kinder sind doch der Stolz und die Hoffnung ihrer Eltern!


    So wie es bei dir läuft, so sollte es nicht sein!


    Igendwas muss bei deinen Eltern seht schief gelaufen sein. Vermutlich haben sie selber nie erlebt, wie es ist, liebevolle Eltern zu sein.


    Mein Glückwunsch dazu, dass du merkst, dass das nicht OK ist und so nicht sein sollte.


    Das ist der erste Schritt.


    Meistens hat man die Eltern doch so auf einem Sockel stehen und will nichts schlechtes über sie denken. Davon muss man in so einem Fall aber los kommen.


    Ich sehe auch: Das Wichtigste ist für dich: Abgrenzung!


    Das muss kein Kontaktabbruch sein, dabei ist die Gefahr, dass du dir andere Personen suchst, die dasselbe mit dir machen wie deine Eltern, viel zu groß, finde ich.


    Ich würde dir raten: Lerne prompt zu reagieren und sofort, wenn etwas Verletzendes von ihnen kommt.


    Das braucht natürlich Übung und will gelernt sein und oft merkt man erst Stunden später, was schon wieder schief gelaufen ist.


    Muss mal eben mein Kind zu Bett bringen (superspät wegen Sylvester gestern).......

    Zitat

    Das braucht natürlich Übung und will gelernt sein und oft merkt man erst Stunden später, was schon wieder schief gelaufen ist.

    Oh ja, da hast du leider Recht! :-(


    Meine ganze Familie überschreitet gern Grenzen, aber daran arbeite ich, das gelingt mir, denke ich, auch immer besser. Meine Eltern stehen bei mir seit Jahren nicht mehr auf einem Sockel, dennoch fällt es mir bei denen schwerer.


    Mein Opa hat erst vor ein paar Tagen mal wieder mit dem Führerschein anfangen wollen, die Diskussion hab ich sofort höflich aber knapp unterbunden. Danach ging es mir viel besser. Bei meinen Eltern reagiere ich dann aber doch deutlich emotionaler bzw. aufgebrachter (weil da mehr zusammenkommt, denke ich) oder lasse es mir in gewisserweise gefallen.

    Zitat

    Mein Glückwunsch dazu, dass du merkst, dass das nicht OK ist und so nicht sein sollte.

    Ich habe meinem Freund offiziell die Erlaubnis gegeben mich bitte zu verkloppen, wenn ich so werde wie meine Eltern. ;-) Ich bin aber optimistisch, dass die beiden abschreckend genug waren, dass ich anders sein werde. Ich werde sicher dutzende Fehler machen, aber sicher nicht die meiner eigenen Eltern wiederholen, dafür sitzen die negativen Erfahrungen damit zu tief!

    Zitat

    Muss mal eben mein Kind zu Bett bringen (superspät wegen Sylvester gestern).......

    Ach, das muss auch mal sein! ;-D

    Ja super, da bist du ja schon prima auf dem Weg!


    Die Ratschläge von Snaiperskaja kann ich nur unterschreiben. Vor allem auch: woanders als bei dir treffen und dann gehen, wenn es dir zu bunt wird.


    Ja und so wie du es machst: Themen abbrechen, wenn es geht, höflich. Ich bin auch ein Freund von Ironie an dieser Stelle, nach dem Motto:


    "Habt ihr kein anderes Thema über das ihr reden könnt?" "so langsam wirds langweilig..." "Ja, ich weiß, ich werde das nieee so gut machen wie ihr...".


    Ist aber nicht jedermanns Stil.


    Und entweder, sie lernen, mit dir anders umzugehen, oder ihr stellt fest, dass ihr besser nichts miteinander zu tun habt, oder.... gibt viele Möglichkeiten.


    Der Vorteil: Du kannst dabei viel lernen, was dir später in anderen Situationen noch hilfreich sein wird.


    Das wird viel Arbeit sein, aber du solltest es dir wert sein!


    Und wenn du wieder erst im Nachhinein feststellst, was schlecht lief, dann überlege dir, wie du das nächste Mal damit umgehen könntest. Immer wieder, bis du es drauf hast.


    Und: glaube ihnen nicht, was sie über dich sagen, lass es nicht an dich ran. Wenn dein Freund dich dabei gut unterstützen kann, dann ist das eine prima Sache.


    Gerade auch im Hinblick darauf, dass du Kinder haben willst: Wie wird es deinen Kindern gehen, wenn sie erleben, dass die Großeltern die Mama so runterputzen.


    Deinen Kindern ist besser gedient mit einer Mutter, die selbstbewusst auftritt und sich verteidigen kann.

    Choupette_Finnian

    Hallo, also ich würde um solche Eltern auch einen großen Bogen machen. Ich meine wenn ihr euch nicht versteht, dann bringt es ja nichts sich ewig zu streiten. Besser ist dann das sich eure Wege trennen und man sich einfach noch selterner trifft.


    In meinem Leben gab es auch Phasen; wo ich meine Großeltern mütterlicherseits einfach nicht mehr besucht habe, auch nicht mehr mit ihnen gesprochen habe; ganz einfach weil sie nur noch gemein zu mir waren. Ihr Verhalten konnte ich damals einfach nicht mehr aushalten. Sie waren der Meinung, das ich zu ihnen ziehen sollte und habe mich deshalb nicht in Ruhe gelassen.


    Nach einigen Jahren der Kontaktlosigkeit, habe ich dann wieder angefangen sie zu besuchen. Sie waren zwar immer noch nicht gut zu mir; aber es ging dann schon. Den Abstand habe ich damals aber dringend gebraucht. Ohne den wäre ich damals wahrscheinlich durchgedreht.


    Ich wünsche dir noch alles Liebe.


    Herzliche Grüße! :)z

    Zitat

    Meine Eltern halten jedoch nichts von mir. Gar nichts. Das ist mir erst heute wieder bewusst geworden, im Grunde geht es aber bei jedem Treffen in den letzten Monaten so, seit ich mit meinem Freund zusammengezogen bin und nicht mal mehr am Wochenende bei ihnen bin und keine Verbindung mehr in diese seltsame Welt habe, die sie sich zusammengebastelt haben.

    Das ist vermutlich der Grund für ihr doch ziemlich heftiges Verhalten. Zum einen haben sie Angst, die Kontrolle über dich endgültig zu verlieren, zum anderen passiert genau das, wovor sie Angst haben. Du fängst aufgrund der größeren Distanz an, ihr Verhalten zu reflektieren, übrigens typisch für das Alter, in dem du dich gerade befindest. Bei mir hat das so ca. mit 25 endgültig eingesetzt, und ab dem Punkt war ich dann auch in der Lage, mich ernsthaft abzunabeln und klare Grenzen zu setzen, bis hierher und nicht weiter.

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    Natürlich ist ein Auto praktisch, aber nicht lebensnotwendig. Ich "muss" mich seit mittlerweile 7 Jahren immer wieder diesbezüglich erklären und mir dumme Sprüche reindrücken lassen. Selbst wenn ich nichts sage wird ständig das Thema aufgetischt oder solange auf mich eingequatscht, bis ich etwas sage und in eine Verteidigungshaltung gehe, das schaffen sie aus irgendeinem Grund immer wieder.

    Weil sie genau wissen, auf welche Knöpfe sie bei dir drücken müssen, damit du hochgehst. Mach dir die Automatismen bewußt, die da ablaufen, dann lernst du, sie zu umgehen. Ein ganz wichtiger Punkt ist, daß du ihre Angriffe sofort als das aufdeckst, was sie sind und gar nicht erst in die Defensive gehst oder einfach nur abblockst.


    Das wäre so ein Punkt, wo du ihnen sagen kannst, daß du so ja gar nicht leben willst. Was bringt es, 12 Stunden zu arbeiten, wenn dabei das Leben neben der Arbeit auf der Strecke bleibt? Denn du warst in deiner Kindheit offenbar nur "Beiwerk" und wurdest unter Ferner liefen behandelt. Tolle Eltern, ich muß schon sagen!

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    Das ist ja nur ein Bürojob, ach Gottchen du Arme. Mach mal das, was wir tun, DAS ist Arbeit! Und wenn ich schildere was ich tue und was an Tag XY alles los war, dann merken sie zwar, dass ich wirklich Stress hatte, dann kommt aber der Spruch, dass das alles ja trotzdem nichts wäre, ich müsse das erstmal 25 Jahre machen, dann käme ich auf ihr Pensum.

    Na und? Was kannst du dafür, daß du jünger bist und deshalb noch nicht ihr Pensum auf dem Buckel hast? Abgesehen davon würde ich ihnen gar nicht erst Munition liefern, indem du ihnen auch noch detailliert schilderst, wie dein Arbeitstag abläuft. Das geht sie nämlich gar nichts an. Ich würde mich eher auf die Position zurückziehen: "Ist mir doch egal, was ihr mit eurem Leben macht. Ich mache es anders, und das ist ganz allein meine Sache. Haltet euch gefälligst da raus." Bums. Dann kracht es eben mal. Damit haben sie selber ja auch kein Problem, dann gibt's eben mal eine Dosis ihrer eigenen Medizin! ]:D

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    Daraufhin haben meine Eltern mich übelst zusammengebrüllt (am Telefon, mein Freund saß daneben!), dass ich ja nie etwas rechtzeitig schaffe, dass die Möbel schon längst raus oder verkauft sein könnten (wären sie ja eigentlich auch gewesen) und dass ich nichts (!) auf die Reihe kriege.

    Nicht gefallen lassen. Erste verbale Warnung am Telefon, zweite Warnung... und dann legst du kommentarlos auf. Sie können sich gerne wieder melden, aber nur, wenn sie bereit sind, vernünftig zu reden. Anbrüllen sollte ein Grund sein, entweder den Hörer aufzulegen oder im persönlichen Gespräch aufzustehen und zu gehen. Nur so lernen sie, dich als Erwachsene zu respektieren. Das ist es nämlich, was fehlt bei ihnen, sie betrachten dich immer noch als Kind, das sie maßregeln und schulmeistern können, wie es ihnen paßt. Höchste Zeit, daß sie lernen, daß du dir das als erwachsene Frau nicht mehr bieten läßt!

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    Ich wüsste auch nicht, was meine Eltern das angeht, sie meinen aber grundsätzlich, dass ja "alles auf sie zurückfällt" und nehmen sich das Recht raus mich anzuschreien.

    Siehe oben. Mangelnder Respekt und du wirst immer noch als Kind betrachtet. Klare Grenzen setzen! Und wenn sie meinen, was sollen denn X und Y von uns denken, dann sag ihnen, die könnten sich dann getrost direkt an dich wenden, wenn sie dazu was zu sagen hätten. ]:D

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    Nach einer dreiviertel Stunde ist ihnen dann doch mal eingefallen, dass ich Geburtstag habe und haben mir immerhin gratuliert.

    Dazu hätte ich mir nen Spruch nicht verkneifen können, so in der Art: "Nett, daß euch das auch mal auffällt."

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    Ich dachte ich höre nicht richtig, die haben quasi meinen Freund als meinen Betreuer eingesetzt. Als wäre ich nicht zurechnungsfähig und zu nichts in der Lage!


    Die Krönung war, als meine Mutter einen Spruch abgelassen hat, als würde mein Freund bei mir unter der Knute stehen. Das hat mir zusätzlich noch gezeigt, dass sie unsere Beziehung null ernst nehmen.

    Hübscher Widerspruch in sich, fällt dir das auch auf? Einerseits behandelt sie dich wie eine nicht Zurechnungsfähige, andererseits soll dein Freund bei dir unter dem Pantoffel stehen? An der Stelle sollte dein Freund selber mal was dazu sagen und ihnen die Grenze setzen! Ich bin zwar im allgemeinen dagegen, daß der Partner die Schwiegereltern konfrontiert, aber wenn er in dieser Form mit reingezogen wird, sollte er sich wehren!

    Zitat

    Wir hatten schonmal für drei Wochen einen kompletten Kontaktabbruch und auch heute frage ich mich, warum ich mir das immer wieder antue. Sie haben mir in der Zeit gefehlt und es fühlte sich nicht richtig an, aber andererseits möchte ich meine Zeit nicht mit Menschen verbringen, die nichts von mir halten. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder irgendwann von ihnen beeinflusst werden; dass sie mich auch als Mutter nicht ernst nehmen werden und das Gegenteil von dem tun, was ich für meine Kinder möchte.

    Ob und inwieweit deine Kinder von ihnen beeinflußt werden, liegt in deiner Hand. Das bedeutet allerdings, daß du deine Kinder nicht bei ihnen lassen kannst, es sei denn stundenweise. Wenn sie bei euch zu Besuch sind, gelten eure Regeln, und die setzt du durch, notfalls indem du sie vor die Tür setzt. Seid ihr bei ihnen zu Besuch und sie werden übergriffig gegenüber dir bzw. machen dich vor deinen Kindern schlecht, dann nimm die Kinder und geh. Stell das vorher klar, damit sie wissen, wo der Hammer hängt. Das passiert einmal, vielleicht auch zweimal, beim dritten Mal dann nicht mehr. ]:D


    Die meisten Mütter, die ich kenne, werden zu Löwenmüttern, wenn ihre eigenen Eltern sowas versuchen. Das wäre der Punkt, wo ich anfangen würde, zu brüllen. ]:D

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    Bricht man einfach so mit den Eltern? Gibt es kein Mittelding? Soll ich mich zusammenreißen? Bringt das überhaupt etwas, wenn doch meine eigenen Eltern mich für einen Versager halten?

    Ob sie dich für eine Versagerin halten, kann ich schlecht von hier aus beurteilen. Aber sie halten dich definitiv nach wie vor für ein Kind, das nicht reif genug ist, sein Leben selber auf die Reihe zu bekommen, und daher versuchen sie immer noch, dich zu erziehen. Aber mit Mitteln, die nicht mal für eine pubertierende Göre von 15 angemessen wären, ganz zu schweigen von einer erwachsenen Frau, die arbeits- und beziehungsmäßig voll im Leben steht!


    Das Wichtigste ist, daß du ihnen klare Grenzen setzt, bis hierher und nicht weiter. Das wird einige harte Entscheidungen erfordern, auch mal im Restaurant aufstehen und gehen zum Beispiel. Laß es einfach nicht mehr zu, daß sie dich in dieser Form terrorisieren. Entweder sie akzeptieren, daß du dein Leben anders aufbaust als sie es getan haben oder du fährst die Verbindung zu ihnen immer weiter zurück. Kompletter Kontaktabbruch sollte das letzte Mittel sein, vorher gibt es andere Stufen.

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    Da haben sie momentan eine neue Strategie entwickelt seit dem Kontaktabbruch neulich: Sie reißen ein Thema an und drücken mir einen fiesen Spruch/ laden ihre Kritik ab, brechen im gleichen Atemzug aber das Thema ab nach dem Motto, dass das ja nicht ihr Bier ist/ jetzt nicht von Belang ist/ man darüber jetzt nicht reden oder streiten will usw. Sie werden also ihre Kritik los und beenden das Thema direkt darauf, dass ich nicht reagieren kann, mit dem Vorwand, dass man ja nicht streiten will und tun dabei so, als wäre ihnen bewusst, dass es sie nichts angeht.

    Das it genau der richtige Moment sie in ihrer Meinung zu bestärken:


    "Genau, da habt ihr Recht: das geht Euch nichts an!"

    Zitat

    Einfach mal beim telefonieren auflegen, ja, dazu hatte ich kürzlich große Lust. Als sie mich vor meinem Partner angebrüllt haben wie ein kleines Kind. Das war echt eine Frechheit und eine riesige Grenzüberschreitung...

    und warum hast Du es nicht getan? Notfalls mit der höflichen Bemerkung:


    "Ihr dürft wieder anrufen, wenn Ihr Euch beruhigt habt"


    Das wird sie im Zweifelsfall noch etwas mehr in Rage bringen, aber wenn Du das zwei-dreimal durchziehst werden sie es schon kapieren.

    Moin Choupette,


    es kann eine Lebensaufgabe werden, sich von seinen Eltern so zu distanzieren, dass sie dich nicht mehr verletzen können. Bisher lässt du diese Verletzungen zu und gibst ihnen die dafür notwendige Macht über dich. Es liegt tatsächlich nur in deinen Händen, ihnen die zu nehmen. Sie haben diese Macht nur, weil du sie ihnen überlässt.


    Deine Eltern können mit dieser Macht nicht umgehen, sie verhalten sich wie kleine Kindern, denen die Grenzen nicht gezeigt werden, trampeln alles kaputt und schreien geradezu danach: "Zeig mir meine Grenzen!" und diese Aufgabe hast du nun. Du kannst sie annehmen oder vertagen, du kannst verdrängen oder damit anfangen. Du hast die Wahl.


    Erste Übungen müssen relativ überschaubar sein. Nimm dir nicht zu viel vor, denn sie sind verdammt gut im Manipulieren, drehen den Spieß blitzschnell um. Vor allem aber sind sie ein extrem gut eingespieltes Team. Im offenen Schlagabtausch bist du chancenlos. Bis jetzt. Aber das kann sich ändern. Sobald du aufhörst ihnen die Macht über dich und dein Leben zu geben.


    Diese Macht gibst du ihnen mit jeder Erklärung und Rechtfertigung. Sie werfen etwas in den Raum, du erklärst dich und rechtfertigst dich. Damit ist das Machtgefälle dann manifestiert und sie können von oben auf dich herab schauen. Wer sich rechtfertigt, ordnet sich unter.


    Ein erster Schritt wäre also, sich nicht zu rechtfertigen, sondern zu sagen: "Eure Ansicht dazu kenne ich jetzt. Ich sehe das anders, werde aber jetzt nicht mehr mit euch darüber reden!" das "werde" ist wichtig, ein "möchte" reicht nicht. Denn was du möchtest ist ihnen wurscht. Wenn du aber nicht mehr redest, reden sie alleine und das wird langweilig.


    Natürlich liegt die einzige Lösung in der Abgrenzung, wie alle hier bereits geschrieben haben. Die Definition der Grenzen ist aber das eigentliche Problem. Die darf nicht zu kompliziert sein und muss sich zunächst auf einen sichtbaren Bereich beziehen. Dann ist es einfacher konsequent zu bleiben, sich auszuprobieren und auch die Erfolgserlebnisse zu genießen.


    Natürlich kann man das auch alles in einem tun. Das läuft aber dann auf völligen Kontaktabbruch raus. Den auszuhalten ist schon eine heftige Nummer. Die damit verbundenen Vorwürfe werden dich sehr belasten.


    Du könntest das also zunächst einmal an einem griffigen Thema ausprobieren und abarbeiten. Natürlich akzeptieren sie deine Grenze nicht und probieren die altbewährten Mechanismen. Darauf kannst du dich vorbereiten.


    Nach der Grenzdefinition durch das "ich werde mit euch jetzt nicht darüber reden!" könnte also ein Schwall an Vorwürfen kommen. Den muss man sich dann sozusagen mit wissenschaftlicher Neugier anhören. Dazu gehört eine innere Distanz. Die hast du noch nicht, die wirst du aber brauchen.


    Dein wichtigstes Instrument zur Bewältigung dieser Herausforderung ist also die "innere Distanz", die äußere ist dann nicht mehr wichtig. Die innere Distanz kannst du dadurch erreichen, dass du keine positiven Erwartungen mehr gegenüber deinen Eltern hast. Du weißt, dass sie das nicht können. Sie können nichts Positives zeigen – ob sie es fühlen, erfährst du erst später. Wenn du es nicht mehr erwartest, bist du nicht mehr verletzt, dass sie nichts Positives äußern. Es entsteht eine erste innere Distanz.


    Diese Distanz wird bei einem Redeschwall mit Vorwürfen auf die Probe gestellt. Du könntest dann versuchen, dir beim Zuhören vorzustellen, dass sie über jemand anderen reden als über dich. Nur mal probeweise ein kurze Zeit lang. Das erzeugt weitere Distanz, es lässt möglicherweise die eben angesprochene "wissenschaftliche Neugier" zu. "Ich bin gespannt, was sie jetzt für ein Register ziehen! Wie sie mit meiner Grenzziehung umgehen…"


    Vielleicht probierst du das mal. Mag sein, dass es ziemlich schwierig ist und auch weh tut, aber das ist vorübergehend. Das Erfolgserlebnis kann helfen, es weiter auszubauen und immer wieder eine klare Grenze zu definieren. Dann müssen neue Lösungen gefunden werden.


    Wenn dein Partner dabei sein sollte, kannst du dich anschließend auch mit ihm darüber austauschen, was jetzt anders war als sonst. Und darüber austauschen, wie sie verzweifelt versucht haben, das alte Machtgefüge wieder herzustellen.


    Aber erst mal anfangen. Und die Schritte nicht zu groß wählen. Ach ja. Natürlich musst du auch zu äußerer Distanz bereit sein, wenn es nicht anders geht. du müsstest also bereit sein aufzustehen, wenn sie nicht aufhören. Dazu das freundliche Angebot: "Wir können uns gern wieder treffen, wenn ihr mir etwas Schönes sagen wollt. Aber um mich einfach nur beschimpfen zu lassen, bin ich mir zu wertvoll!"