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    Das Verhalten muss nicht alleine Missgunst sein... Meine Mutter sah schon immer alles negativ. Sie macht das auch mit Nachbarn etc. Ich habe jetzt nicht erlebt, dass sie sich mit einer Freundin über etwas freut etc.

    Genau DAS kann ich von meiner bestätigen. Ich habe meine Mutter über Jahrzehnte nur missgelaunt und unentspannt erlebt. Ich vermute heute, sie kam mit ihrer Verantwortung als "Erwachsene" nicht klar. Was sie arme Frau doch alles erdulden musste: ihrem Manne war sie hörig, musste arbeiten, musste Kinder versorgen und und und. Sie war das geborene Opfer und hat sich in Selbstmitleid gesuhlt. Die Last der ganzen Welt ruhte auf ihren Schultern. Aber bis ich das begriffen hatte, vergingen natürlich Jahre.


    Mit ihrer Demenz und den Umzug ins Pflegheim ist sie jegliche Verantwortung los. Sie ist ein anderer Mensch. Sie kann singen und lachen.

    @ Jan74

    Ich kann Choupette_Finnian nur beipflichten, ich hatte nie das Bedürfnis, andere mit runterzuziehen. Wozu auch? Wenn man andere runterzieht, dann ist man ja nicht mehr allein in der Opferrolle. Ich habe mich lange (viel zu lange) als Opfer gesehen.


    Heute fühle ich mich keineswegs minderwertig.


    Allerding wenn etwas wirklich schiefläuft, frage ich mich (entgegen jeder Vernunft) immer noch, warum das gerade wieder MIR passiert. Ich habe aber gelernt, damit umzugehen. Entweder es lohnt sich nicht, sich mit dem Umstand näher zu beschäftigen oder ich knalle anderen ihren Mist vor die Füße, schreibe einen bösen Brief oder tue, was auch immer mir in dem Moment angebracht erscheint. Da mir das Abhaken zugegebenermaßen selten gelingt, bin ich schon so manches Mal über das Ziel hinaus geschossen.

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    Genau DAS kann ich von meiner bestätigen. Ich habe meine Mutter über Jahrzehnte nur missgelaunt und unentspannt erlebt.

    Ich auch :-( Vor allem, als ich noch zu Hause gewohnt habe, war es ganz schlimm. Sie ist ständig ausgeflippt, komplett. Jetzt wirkt sie fast ausgeglichen, ich frage mich oft, wann und wie das kam. So, als hätte sie irgendwie ihren Frieden mit ihrem Leben gemacht. Sie ist aber trotzdem noch der gleiche Mensch, denkt nicht nach, bevor sie (vermutlich unabsichtlich) einem ihre Gemeinheiten reindrückt.


    Ich hatte lange Zeit Minderwertigkeitskomplexe, eigentlich hat es sich erst in den letzten zwei Jahren gebessert, v.a. durch meinen Freund - sein Wesen, sein Selbstwertgefühl, und natürlich auch die Bestätigung, die er mir gibt.

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    Mit ihrer Demenz und den Umzug ins Pflegheim ist sie jegliche Verantwortung los. Sie ist ein anderer Mensch. Sie kann singen und lachen.

    Das kommt öfter vor. Nimmt ein bisschen den Schrecken vor Demenz. Aber leider ist das nicht bei allen so.

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    Die Last der ganzen Welt ruhte auf ihren Schultern.

    Jaaaah, so sehen sich meine Eltern beide! Sie haben es ja soo schwer, vor allem im Job. Wenn man abends nach Hause kommt, kann man nichts mehr machen außer ab und an auf die Toilette zu gehen. Ich als Tochter musste, nachdem ich um fünf Uhr aus der Schule kam, jeden Tag waschen, trocknen, aufräumen, putzen, staubsaugen, dann Hausaufgaben, Referate und Co. machen und Tee kochen, Brote schmieren und alles auf den Tisch vorm TV stellen und auf Wunsch Tee nachholen. Weil sie haben es ja so schwer und laufen tagsüber so viel und haben ja dolle Stress und so weiter. %-| Jetzt wo ich das aufschreibe, kriege ich noch nachträglich die Krise. Mir fehlt schon wieder der infantile Kotz-Smilie.


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    Nimmt ein bisschen den Schrecken vor Demenz. Aber leider ist das nicht bei allen so.

    Äh, stimmt. Meine Oma hat versucht sich und evtl. andere (wir wissen bis heute nicht so ganz genau was sie mit dem Fleischermesser vorhatte) umzubringen und unsere Fotos zerrissen und Hass-Botschaften draufgeschrieben, zusätzlich zum normalen Terror. Letztes Jahr ist sie nach 7 Jahren Demenz-Krankheit verstorben, an meinem Geburtstag war dann die Beerdigung.

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    Ich als Tochter musste, nachdem ich um fünf Uhr aus der Schule kam, jeden Tag waschen, trocknen, aufräumen, putzen, staubsaugen, dann Hausaufgaben, Referate und Co. machen und Tee kochen, Brote schmieren und alles auf den Tisch vorm TV stellen und auf Wunsch Tee nachholen.

    Krass :-o :-o


    Ich musste auch viel mithelfen, gefühlt deutlich mehr als andere Kinder. Am Schlimmsten fand ich aber, dass ich ständig so gegängelt wurde.


    Ein Trauma ist bei mir auch das Geschirrabwasches nach dem sonntäglichen Festessen, habe ich glaube ich schon mal hier im Forum erwähnt. Das Geschirr musste mit der Hand abgewaschen werden, meine Mutter hat abgewaschen, ich habe abgetrocknet, was natürlich länger dauerte, und wenn ich mit dem Abtrocknen nicht nachkam, durfte ich den ganzen Haufen alleine zu Ende abwaschen UND abtrocknen, während meine Eltern ihrem verdienten Mittagsschlaf nachgingen. So ging das Sonntag für Sonntag. Ich habe es gehasst.. seitdem weigere ich mich, Geschirr abzutrocknen, wenn dann wasche ich ab.

    Jaah, dieses "verdiente Soundso". %-| Meine Eltern hatten natürlich immer alles verdient, während ich faule Schülersau ja eh nichts zu tun hatte und dann noch eine auf den Deckel bekommen habe, wenn ich mir mal einen Moment Ruhe gegönnt habe in Form von Mittagsschlaf, Buch lesen o.ä.


    Wenn ich mal eine von den täglichen Aufgaben nicht gemacht habe gabs dann noch Streit dazu und wenn mein Vater mal anfängt, dann hört der unter zwei Stunden nicht mehr auf. Teilweise brüllt er so rum, dass er husten muss. %-|


    Am Wochenende hatte ich ja angeblich mehr Zeit und konnte entsprechend mehr machen. Unkraut kratzen, Laub fegen usw. Beim Rasenmähen hörte es dann für mich auf und als er mir erklären wollte, dass man niemals das Messer anfassen darf, wenn der Stecker steckt, habe ich so doof getan, dass ich es nicht machen musste. Nie. Weil er Angst hatte, dass ich doch das Messer anfasse und meine Hand verliere. ;-D Das hätte mir eigentlich auch mit den anderen Aufgaben einfallen können, aber dazu war ich dann auch wieder zu stolz. ;-)

    Wobei das schlimme eher die Zeiteinteilung meiner Eltern war, die sie mir meinten vorgeben zu müssen. Ich würde das handhaben à la "Schietegal wann, hauptsache heute". Nein, meine Eltern haben mich jeeedes mal angeblubbert wenn etwas dann-und-dann (willkürlich) nicht erledigt war. Die haben mich sogar angebrüllt als ich meine Wäsche - als ich in der Ausbildung war und am WE noch daheim war - erst Samstags gewaschen habe statt schonmal Freitagabend wenn ich um 19.00 Uhr nach Hause kam, weil manche Wäschestücke noch Sonntag feucht waren und ich sie dann bei mir trocknen musste. Damit hatten sie zwar gar nichts zu tun und es könnte ihnen völlig latte sein, aber sie haben lieber einen Aufstand gemacht. %-|

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    Nur abwarten: Mal sehen, wie es sein wird, wenn Deine Eltern im Alter auf Dich angewiesen sind und sonst niemanden haben, der sich um sie kümmert.

    Ich fürchte, Selbstreflektion ist bei solchen Eltern Fehlanzeige. Meine Mutter würde auch nie im Leben darauf kommen, dass mein abweisendes Verhalten ihr gegenüber etwas mit ihrem Verhalten mir gegenüber zu tun haben könnte... :-/

    @ Choupette

    Das ist heftig, was du mit deinen Eltern erlebt hast. Hiervon blieb ich zum Glück verschont.


    Meine Mutter hatte sich all die Jahre nur auf meine Schwester und ihre Familie konzentriert. Es drehte sich alles um sie. Meine Schwester war täglich mit den Kindern da, weil sie sich selbst mit den Kindern nicht beschäftigen konnte. Sie tranken gemeinsam Kaffee, verstanden sich super.


    Bei mir sah meine Mutter von Anfang an alles negativ. Vermutlich lag es daran, weil ich im Haus wohnen blieb und somit angreifbar war. Meine Schwester genoss ihre Monopolstellung, weil sie große finanzielle Vorteile dadurch hatte.


    Wie kannst du Choupette mit deinen Eltern noch normal umgehen? Aber ich kenne es von mir. Ich habe jahrelang alles geschluckt, weil es Normalzustand war.


    Andere wollte ich nie mit runterziehen - im Bezug auf die Meinung von Jan. Ich habe mein Leben gelebt, ohne Tratsch und Missgunst auf andere. Irgendwie war mir meine Mutter eine Warnung. Auch versuche ich meiner Tochter ihr Leben leben zu lassen. Sie soll ihre eigenen Erfahrungen machen. Im Hinterkopf habe ich hier meine Mutter. Allerdings so einen Kontrollwahn wie meine Mutter hatte ich noch nie. Ich wollte auch noch nie über das Leben aller Mitmenschen bestimmen, wie sie. Sie lästert heute noch täglich über Nachbarn, sogenannte Freundinnen etc.


    Meine Schwester steht nun auch in ihrer Missgunst. Damit hatte ich nie im Leben gerechnet. Erleichtert bin ich, dass meine Mutter mich nicht anruft. Ich kann nur vermuten, dass sie nur zu gut weiß, was sie in ihren Tobsuchtsanfällen gegen mich gebrüllt hat.


    Ich freue mich mit meiner Tochter. Meine Mutter hat sich nie mit mir gefreut. Aber all das ist nun außen vor. Durch den Auszug habe ich Abstand und dieser Abstand tut mir unwahrscheinlich gut.

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    Wie kannst du Choupette mit deinen Eltern noch normal umgehen? Aber ich kenne es von mir. Ich habe jahrelang alles geschluckt, weil es Normalzustand war.

    Genau, das war normal und soo viele Vergleiche hatte ich auch gar nicht. Somit wusste ich gar nicht großartig wie er bei anderen läuft. Außerdem zog immer die Nummer, dass sie mir ein schlechtes Gewissen machen konnten. Ich konnte irgendwann selber nicht mehr richtig, hab mein Abi nicht gemacht (hab also quasi nur Fachabi weil ich vorher freiwillig von der Schule gegangen bin) weil ich einfach das viele Lernen zusätzlich nicht mehr gepackt habe und war überfordert. Aber meine Eltern wollten immer mehr und wenn ich eine Aufgabe nicht erfüllt habe kam wieder die Gewissens-Nummer. Sie arbeiten ja soo viel und hart. %-|


    Das ich so überfordert war und Grenzen ziehen musste, würde mir aber auch erst jetzt klar. Früher hab ich immer das geglaubt, was meine Eltern gesagt haben: ich wäre faul und könnte dadurch nichts leisten. Mir ist erst viel später klar geworden was ich für ein Pensum abzureißen hatte und dass das Gymnasium und die tägliche Hausarbeit bei erst 100 qm und dann 250 qm kein Zuckerschlecken ist. Egal wie sehr meine Eltern es so hinstellen wollten.


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    Wenn mir etwas gutes passiert, können sie sich auch nicht für mich freuen. Sie sagen zwar vielleicht mal was nettes, aber im nächsten Halbsatz kommt dann irgendwas, das mir zeigen soll, wie es anders noch viel besser wäre. Das ist so ein Punkt, den ich bis heute richtig ätzend finde.

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    Wenn mir etwas gutes passiert, können sie sich auch nicht für mich freuen. Sie sagen zwar vielleicht mal was nettes, aber im nächsten Halbsatz kommt dann irgendwas, das mir zeigen soll, wie es anders noch viel besser wäre. Das ist so ein Punkt, den ich bis heute richtig ätzend finde.

    Das kenne ich so gut...


    Stichwort unsere Ferienhütte.. Sie: "Wann könnt Ihr denn nach dem Winter wieder dorthin?" Ich: "So nach Ostern.." (und denke, oh, jetzt freut sie sich tatsächlich mal für uns). Sie: "Schimmelt es da nicht im Winter?"


    Ich weiss, ist eine Kleinigkeit, aber SO typisch.

    @ Choupette

    Sei froh, dass du mit 25 erkannt hast, dass du deinen Eltern Grenzen setzen musst und das es nicht an dir liegt. Das sind die Vorteile vom Internet. Ich kam zu dieser Erkenntnis erst jetzt mit 45 Jahren.


    Mal ehrlich: Du brauchst es nicht, dass sich deine Eltern mit dir freuen. Ja, es wäre schön. Aber lebe dein Leben. Sie werden sich nicht ändern. Sie haben in dir eine billlige Arbeitskraft gesehen. Haben sie damals mit dir Ausflüge gemacht? Mit dir gelacht? Eine schöne Kindheit hatte ich. Wir waren viel bei meinem Onkel oder der Verwandtschaft. Mein Onkel hat oft mit uns Karten gespielt. Es war eine lustige Runde. Sein Ende war dann tragisch. Er musste viel leiden und wurde keine 70 und hier hatte meine dominante Mutter einen großen Anteil. Aber das ist Vergangenheit.

    Hast du Geschwister?


    Deine Situation ist sehr ähnlich wie meine, nur bin ich ca 2 Jahre jünger. Bei mir war vorallem der Vater das Problem. Er konnte nicht loslassen und die einzige Möglichkeit mich an ihn zu "binden" war in seinen Augen, mir einzureden dass ich alleine nicht klar kommen kann. Darum wurde alles schlecht gemacht. Er fragt jetzt noch ob Miete etc bezahlt sind und die Reifen gewechselt und so, aber immerhin beschimpft er mich nicht mehr. Deshalb melde ich mich auch öfters bei ihm und lass ihn an meinem Leben Teil haben..

    Zitat

    Nur abwarten: Mal sehen, wie es sein wird, wenn Deine Eltern im Alter auf Dich angewiesen sind und sonst niemanden haben, der sich um sie kümmert.

    Ich hab meinen "knallhart" gesagt, dass ich sie nicht pflegen würde. Das ist auch eine krasse Emotion irgendwie. Aber, in der Tat, nach allem was war, nein; das mache ich nicht. Ich hab mich auch wenig um Oma gekümmert als sie alt und krank war. Mich hat auch ihr Tod emotional relativ kalt gelassen (Oma ist sozusagen eine der Keimzellen des Unheils in der Familie).


    Ich finds irgendwie schon bitter, so zu empfinden, aber man merkt, der Wunsch "mit alledem einfach nichts mehr zu tun haben" in mir ist halt wirklich ziemlich groß.