Und das bittere ist - Du lässt Dich weiterhin quälen. Weil es nur einen einzigen Ausweg gibt, und dieser ist der radikale Bruch, und auch der tut noch weh. Die einzige Variante, die nicht schmerzhaft ist, ist, radikal zu brechen und sich deswegen dann nicht schlecht zu fühlen. Keinerlei Gefühle mehr für die Eltern. Abgrenzung und keinerlei Leiden darunter, wenn die dann darunter leiden. Es ist hart, das zu erkennen, aber leider ist es nunmal so.

    Zitat

    Aber wie soll ich es "klären"?? Was meinst Du?

    Wie du es klären kannst, kann ich dir nicht sagen. Erstens steht mir das überhaupt nicht zu, zweitens kenne ich weder dich, noch deine Mutter. Ich kann dir aber sagen, wie ich es an deiner Stelle klären würde:


    Ich würde mir meine Mutter zur Seite nehmen, mindestens für einen ganzen Tag. Ich würde sie bitten mich nicht zu unterbrechen - und dann würde ich mir alles vom Herzen reden. Alles, was in mir drin ist, was mich bewegt, was mich fertig gemacht hat, was unausgesprochen war. Alles. Alle hässlichen Dinge. Alles, was in mir vorging oder vorgeht. Auch, dass es mich jetzt fertig macht, dass sie auf "Vergessen" und "Schwamm drüber" machen will - und ich nun der Böse sei, der das nicht kann. Ich würde sie genau das fragen, was du in einem deiner letzten Beiträge gefragt hast: Warum jetzt? Warum jetzt die späte Einsicht? Konnte das nicht vor 30 Jahren passieren? Was sollte das alles? Was hast du dir dabei gedacht? Was glaubst du, wie ich mich jetzt fühle? Was soll ich tun deiner Meinung nach? Was würdest DU tun, wenn du ich wärst? Und so weiter. Ich würde wahrscheinlich nicht so bald aufhören zu reden. Vielleicht wäre das auch schlecht, vielleicht wäre es zu viel und sie würde irgendwann abschalten. Aber wenigstens hätte ich gesagt, was ich sagen wollte. Danach würde ich hören, was sie zu sagen hat. Und je nach Fall Fragen stellen oder wieder was sagen. Vielleicht würde es so enden, dass wir uns nicht verstehen oder verkrachen. Ja, könnte passieren. Glücklich würde es mich nicht machen.


    Aber es wäre raus, wäre nicht mehr allein in mir drin um mich zu vergiften.

    Den Ansatz find ich zwiespältig.. zum einen kenne ich das auch, das Bedürfnis, alles mal rauszulassen, aber zum anderen..


    - also "reden" geht gar nicht, zumindest war das bei mir so. Die Reaktionen, die man bekommt, sind so haarsträubend verdreht und ungerecht dass einem nix mehr einfällt und/oder man rasend vor Zorn wird. Derartige Versuchen sind bei mir immer innerhalb von weniger als einer Minute in Geschrei bis hin zu Handgreiflichkeiten eskaliert. Hab das dann in Schriftform gemacht (was aber auch schriftliche unfassbare Verdrehungen als Reaktion zur Folge hatte).


    - es bringt auch nix. da stellt sich ja keine Einsicht ein.


    - man überschreitet da ggf die Schwelle, wo es kein zurück mehr gibt (wenn man WIRKLICH mal alles auspackt). Wenn jule nicht radikal brechen will, evtl. unklug


    Aber es gibt natürlich auch gute Gründe DAFÜR, sowas zu tun.


    Aber eigentlich bringt das alles nix. Man hat den Schmerz in sich und wird ihn nicht los, zumindest nicht bei den Leuten, die einem das angetan haben.

    Ihr Lieben,


    danke für Eure klugen Gedanken. Ich muss das alles erstmal sortieren - habe gestern von einem Todesfall im Freundeskreis erfahren und brauche erstmal ein paar Tage, um wieder einigermassen klar denken zu können.


    Wäre meine Mutter die einzige "Baustelle" - dann würde ich das vielleicht aktiv angehen. Aber mit der Krankheit, den nicht vorhandenen Zukunftsaussichten, Kinderwunsch etc. wird mir das gerade zu viel. Wie viel Zeit ich habe - keine Ahnung, sie redet schon seit bestimmt zehn Jahren davon, dass sie bestimmt bald stirbt.

    Mein Beileid Jule. Ich hatte vor einigen Monaten auch einen Todesfall im Freundeskreis. Es dauert seine Zeit bis man es verarbeitet hat.


    Und was deine Mutter betrifft und ihre Äußerungen, dass sie nicht mehr lange leben wird. Lass sie reden. Meine Mutter hat ihre künftiges Sterbebild im Hauseingang hängen! Seit meinem Auszug nehme ich vieles leichter. Es hat mich viel mehr gestört, als ich noch bei ihr im Haus gewohnt habe.

    Danke Euch allen @:)


    Ich habe gerade so viele Gedanken und Gefühle zu ordnen, dass für meine Mutter diese Woche einfach kein Platz ist.


    Mir geht es körperlich ziemlich schlecht, ansonsten stecke ich irgendwo zwischen Kondolenzkarte

    und Abwägungen, wie meine nächsten zwei Jahre gesundheitlich aussehen könnten ??habe unerwartet die Möglichkeit, an einer von zwei klinischen Studien teilzunehmen??.

    Zitat

    Meine Mutter hat ihre künftiges Sterbebild im Hauseingang hängen!

    Bitte, WAS? :-o


    Die nächsten Tage werde ich ausser schlafen, essen und Entscheidung fällen nichts tun, bin dazu gar nicht in der Lage. Hoffe, dass ich nächste Woche dann wieder klarer denken kann. Soviel Egoismus muss jetzt einfach sein, ich gehe auf dem Zahnfleisch.


    Ich wünsche Euch allen schon mal eine schöne Woche und ein schönes Wochenende. Es ist schön, sich hier in der virtuellen Welt verstanden zu wissen.

    Hier auch mal was neues..


    Mutter rief bei meiner Freundin an, sagte, es "gäbe neue Erkentnisse". Sie waren bei einem neuen Psychiater, haben ihm von mir erzählt und Mails von mir vorgelegt, er hätte unter Vorbehalt nun eine Ferndiagnose erstellt, was mit mir los sei, warum ich mich so verhalten würde.


    ich habe eine Borderlinestörung, eine soziale Phobie, Anflüge einer Psychose und Paranoia.


    Aber das könne man doch behandeln, aber bitte medikamentös, nicht per Psychotherapie, denn Therapeuten würden "Ihre Patienten immer aufwiegeln und umdrehen".


    Ob sie denn nicht in ihrem Sinne auf mich einwirken könne, damit ich mal in Behandlung begebe?

    Naja, er sagte ja, "unter Vorbehalt".


    Wobei ich "Tendenzen zu Psychose" auch merkwürdig finde. Wahnvorstellungen hat man oder nicht, aber nicht "tendenziell". Aber egal.


    ich finds nur wieder mal so bitter, zu erkennen, wie krank das alles ist.. ein Verhalten, welches sich dem gesunden Menschenverstand komplett entzieht.

    @ Jan

    Wow, wie extrem übergriffig und distanzlos Deine Mutter ist. Von Briefgeheimnis will ich jetzt gar nicht anfangen.... :=o


    Jan, ich habe schon viele Fäden von Dir interessiert mitverfolgt - Deinen Kampf, deine Auseinandersetzung mit Deinen Eltern.


    Ich komme nicht umhin, mich immer wieder zu fragen, warum Du nicht auf Distanz gehst in Deinem Alter? ":/


    Du wirst Deine Eltern nicht mehr ändern.


    So viele Gedanken, so viel Herzeleid, so viel vergebene Liebesmüh, soviel Focus und Energie.


    Soviel Kraftverschwendung....


    Der Wunsch nach Auseinandersetzung und Aufarbeitung ist m.E. bei Dir längst zum Selbstläufer geworden. :-|


    Ich selbst habe jahrelang mein Energiekontingent darauf verschwendet - viele Deiner Thematiken kommen mir sehr bekannt vor. :)z


    Vor 2 Jahren kam dann für mich der Entschluss: NEIN,keinen Bock mehr! >:(


    Jetzt gibt es nur noch alle 2-3 Wochen mal 5 Minuten Smalltalk am Telefon. Ich lasse da auch nix persönliches mehr raus. Treffen zu Geburtstagen und Weihnachten. ??trotz räumlicher Nähe??


    Selbst das Alkoholproblem meiner Mutter treibt mich nur noch selten um (neulich mal, musste ich kurz intervenieren, da ich einen Anruf von meinem Vater bekam. War eine Sache von 10 Minuten.


    Du glaubst nicht, was das - diese Distanz und emotionale Abnabelung - von meinen Eltern für eine unglaubliche Befreiung war!


    Es ist mir mittlerweile Wurscht, was sie über mich und mein Leben denken, von mir und meinen Entscheidungen halten.


    Vergangenheit lasse ich da wo sie ist - keine "Aufarbeitung" mehr.


    Meine Energie gehört wieder mir!! :)z


    Ich wünschte, ich werde diesen Schritt schon viel früher gegangen, und nicht erst mit Anfang 30!


    Deshalb wünsche ich dir wirklich von Herzen, dass Du das auch irgendwann schaffst.


    Einfach loslassen. :)*

    Wie genau definierst Du "Distanz"?


    Bei Dir ist der Fall aber grundlegend anders- das wird klar an

    Zitat

    Jetzt gibt es nur noch alle 2-3 Wochen mal 5 Minuten Smalltalk am Telefon. Ich lasse da auch nix persönliches mehr raus. Treffen zu Geburtstagen und Weihnachten.

    Sowas wäre nicht möglich. Wenn ich mich abgrenze, wird jeder Kontakt zu Krieg, von daher gibts nur "ganz oder gar nicht". Was vielleicht auch die Frage, warum mir das schwerer fällt als es von aussen verständlich sein mag, erklärt. Es gibt keinen "entspannten nicht-Kontakt". Wenn ich Grenzen ziehe, drehen die am Rad, akzeptieren es nicht, fallen in den Kriegsmodus (mit Aktivitäten wie den beschriebenen) und da hilft nur eine eiskalte "mir egal"-Haltung, und so eine Haltung den Eltern gegenüber einzunehmen, kommt mir schwierig vor (so ein krasses Ausmaß an Abnabelung.. sozusagen dass sie einem völlig egal werden, weil das die einzige Möglichkeit ist, mit der einem das alles nicht mehr weh tun würde).

    Bei mir war es so, dass die "egal"-Haltung dazu geführt hat, dass ich Kontakt halten konnte, wäre sonst nicht möglich gewesen ohne ständigen Ärger und Genervtsein. Das war aber dann vorbei, und Kontakt möglich, weil nichts mehr mich wirklich berührt hat, bzw. letzteres war im positiven Sinn dann auch zeitweilig da, vor allem, als es meiner Mutter schlecht ging.


    Jan, was wäre, wenn du gar keine Möglichkeit für Krieg gibts? Krieg ist ja gegenseitig.