...ich werde erst nach Ostern zum Nachlesen der vorherigen Beiträge kommen, aber wollte mich schon mal bedanken. Das mit den Schuldgefühlen und vor allem einem permanent schlechten Gewissen ist auch bei mir ein grosses Thema.


    Was mir persönlich am meisten geholfen hat, ist mein Freund. Er hält überhaupt nichts vom Begriff "Schuld", und wenn ich wieder mal mit Sätzen komme wie "Das war aber jetzt nicht meine Schuld" oder "Willst Du jetzt sagen, dass das meine Schuld ist?". Dann pflaumt er mich nämlich jedesmal ziemlich an, dass es überhaupt nicht um Schuld geht und Schuld für ihn völlig irrelevant ist. Gleiches gilt für schlechtes Gewissen, DAS hat er mir wirklich schon komplett aberzogen! Ich habe mittlerweile kaum noch ein schlechtes Gewissen, und wenn, dann sage ich es sofort, damit man es mir ggf. nehmen kann. Aber in den meisten Fällen sage ich mir: kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben! Oft hatte ich auch ein schlechtes Gewissen mir gegenüber, selbst das ist mittlerweile deutlich besser geworden. Mein Motto: Alles, was gut tut, ist erlaubt, ohne schlechtes Gewissen.


    Nein sagen kann ich sehr gut, komischerweise. Ich glaube, ich habe das im Job gelernt (und habe Kunden gegenüber Service trotzdem gross geschrieben)!


    Nur Zurückpflaumen muss ich noch lernen. Meist bin ich da einfach nicht schlagfertig genug, ausserdem ist es mir ein Rätsel, wie Menschen so unverschämt sein können, ich kann und will mich nicht auf deren Niveau begeben. Sollte ich vielleicht mal öfter machen, aber es bieten sich nicht so viele Gelegenheiten. Einmal hab' ich's geschafft, aber da hatte ich genug Zeit zum Überlegen, insofern ist das eine andere Geschichte. War ein unheimlich gutes Gefühl ??ich habe tatsächlich meinen völlig unverschämten damaligen Nachbarn angezeigt, sowas hätte ich mir nie zugetraut??.

    Zitat

    und nun geht es Deinen lieben Eltern schlecht".

    Entweder du reagierst auf solche Bemerkungen nicht (so habe ich es bei meiner Mutter gemacht und das Leben war damit deutlich einfacher) oder du entgegnest ihr, dass jeder für sein Leben selber verantwortlich ist. Bei meiner Mutter hätte das nichts gebracht, weil sie immer Gegenargumente hatte. Sie wusste immer alles besser und auf alles eine Antwort. Auch, wenn dann alles erlogen war. Keine Ahnung, ob ich sie zu Ostern anrufe.


    Meine Lösung war jedenfalls bösartige Kommentare zu überhören.

    Meine. Fresse.


    Meine Eltern reagieren auf mein Zurückziehen mit Aggressionen, vor allem meine Mutter. Ich habe den Eindruck mein Vater versucht immer öfter zu kitten, was sie fabriziert, wenn er keine Möglichkeit hat einzuschreiten. Z. B. wenn sie mir über ihr Handy SMS schickt.


    Heute gabs ein tolles Beispiel: Sie hat mich beschimpft, weil sie mir gestern Mittag eine SMS geschickt hat, auf die ich nicht geantwortet hatte (Arbeit) und abends habe ich einen Anruf nicht angenommen (private Termine und dann früh ins Bett). Daraufhin meinte sie heute morgen um halb neun - hab ich also auf der Arbeit bekommen - in einer SMS, ich hätte etwas zu verbergen (!), weil ich mich ja nicht zurückmelden würde. {:( >:(


    Was soll man dazu noch sagen!?

    tjo naja, so ist das halt. Wie das mit krankhaften Narzissten so ist.

    @ autumn-like

    Das hilft leider nicht, weil mir das ja nicht gesagt wird (also, wirds natürlich auch, aber das ist nicht der wunde Punkt), sondern eine Stimme in mir selber ist.

    Jan, aus deinem Link trifft vom Verhalten viel zu. Aber diese 'Nebensymptome' nicht. Mein Vater definiert sich zwar auch ziemlich über Besitz und Job und diese Eifersucht (er war mal tierisch verletzt als ich mit Onkel und Tante im Auto gefahren bin statt mit meinen Eltern für die gleiche Strecke von 5 Minuten Fahrt - da hat er mich sogar für angebrüllt- da war ich bereits 23) und so sind auch da, aber von Depressionen und dem ganzen aufgelistetem Kram kann ich als Laie nichts erkennen. Zumindest nicht wie ich mich erinnere. ":/


    Ich erkenne in vielem aber auch meine jetzt verstorbene Oma wieder (Mutter meines Vaters).


    Aber mal ehrlich, habe ich wirklich gleich zweimal in die Schei... gegriffen und bin mit zwei Elternteilen geschlagen, die ne narzisstische PS haben!? Oder kann ein Elternteil sich sowas erlernen? Und was ist wenn sowas auch in mir schlummert oder ich unbemerkt schon so bin? Wobei ich bei mir häufig feststelle, dass ich mich eher sehr in die Denkweise und Gefühle von anderen hineinversetze, statt sie zu übergehen. Früher noch mehr als heute, heutzutage kämpfe ich mehr für mich und lasse mir nicht so viel gefallen weil ich mir selbst Dutzende Beweggründe vorstelle, warum XY das jetzt gerade getan oder gesagt hat.

    Zitat

    kämpfe ich mehr für mich und lasse mir nicht so viel gefallen weil ich mir selbst Dutzende Beweggründe vorstelle, warum XY das jetzt gerade getan oder gesagt hat

    das kenne ich gut. Man hat für alles und jeden Verständnis und vergisst darüber, für die eigenen Bedürfniss einzustehen.


    Wenn man es schafft, da eine gute Waage zu finden, und für sich selber einzustehen, dann bleibt als positives das Einfühlungsvermögen übrig.

    Gegen Gedanken wie "nun geht es meinen Eltern schlecht" hat mir sehr geholfen, mir klar zu machen, dass die Eltern es ja auch ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nehmen, dass es mir schlecht geht. Es ist ihnen scheißegal. Warum also sollte ich mir andersherum Gedanken über ihr Wohlbefinden machen? So, wie sie (auch nonverbal) von mir fordern, dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht, habe ich genau dasselbe Recht, den Anspruch an sie zu stellen. Sie haben keine Rechte, die ich nicht auch habe. Tun sie nicht? Ja, dann ich halt auch nicht. L.M.A.A.

    Es wird halt dann perfide, wenn die Eltern sagen: dir geht es gar nicht so schlecht, du steigerst dich da nur rein, du machst uns was vor. Wir, wir leiden wirklich, das kannst du gar nicht nachvollziehen.

    Na, da muss einem dann eben der Verstand sagen: "Meine Eltern reden Quatsch."


    Was solche Eltern ihrem Kind einprogrammieren ist ja, dass sie keine eigenen emotionalen Bedürfnisse haben dürfen, oder anders, dass es unnormal ist, als ein Kind, dem es ja soooo gut geht, negative Gefühle zu haben. Eigentlich verlangen die Eltern von dem Kind das, was im Normalfall das Kind von den Eltern erwartet (und zwar zu Recht!): Stell deine eigenen Befürfnisse ganz weit hinten an und kümmere dich nur um mich.


    Das Kind lernt, dass es auf rein emotionaler Ebene den Eltern gegenüber die Elternrolle übernehmen muss. Die Eltern suchen Ersatzeltern für ihre eigenen vermutlich auch ziemlich verkorksten Eltern leider ausgerechnet im eigenen Kind.


    Und das muss dem Kind erstmal klar werden. Es hat dasselbe Recht auf die Erfüllung emotionaler Bedürfnisse wie alle anderen auch. Wenn man das erst einmal verinnerlicht hat, wird es leichter, auch mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen "Schluss, kümmert euch um euch selber".

    Solche Eltern vermitteln ihrem Kind ja auch, dass sie und nur sie zu beurteilen und zu entscheiden haben, wie das Kind sich fühlt bzw. fühlen darf. Da findet ein Widerspruch im Kopf des Kindes (mir geht es aber schlecht, auch wenn das aus eurer Sicht gar nicht sein kann) gar nicht statt. Die elterlichen Beurteilungsrichtlinien werden gar nicht hinterfragt. Und genau das gilt es zu lernen.

    Ach so, und dann gilt es noch, damit klar zu kommen, dass man den Eltern die eigene Empfindung nicht übermitteln kann, sie nicht überzeugen kann, ihnen nichts beweisen kann, sie nicht "läutern" kann. Das Bedürfnis hat man ja... "versteht mich doch"... Nö, tun sie nicht und werden sie nie.

    @ Choupette_Finnian

    Ich denke, es ist kein Zufall, dass in der Regel beide Elternteile einen Sprung in der Schüssel haben. Narzissten suchen wohl ihren passenden Komplementärpart und können mit "gesunden Normalos" in der Regel gar nix anfangen (und gesunde Normalos meiden von sich aus eher Narzissten), insofern findet sich da wohl meistens ein "System", nicht nur ein einzelner kranker Mensch.


    Ich merk das auch an mir selber, ich neige auch dazu, solchen Menschen auf den Leim zu gehen.


    Und dass das Böse auch in mir schlummert, das macht mir in der Tat auch Angst, aber immerhin haben wir eine gewisse Reflektiertheit und den Austausch hier im internet, das machts schonmal deutlich besser. Unsere Eltern haben das ja beides nicht und dazu nicht mal den Ansatz der Einsicht, dass da was nicht stimmen könnte.

    @ LichtAmHorizont

    Problem ist, dass alle rationale Einsicht NICHT HILFT, denn die Dämonen schreien aus der Ecke der Gefühle, und da hilft der Verstand wenig bis gar nicht. Man kann erkannt und verstanden haben soviel man will, weh tuts trotzdem.

    Zitat

    Ach so, und dann gilt es noch, damit klar zu kommen, dass man den Eltern die eigene Empfindung nicht übermitteln kann, sie nicht überzeugen kann, ihnen nichts beweisen kann, sie nicht "läutern" kann. Das Bedürfnis hat man ja... "versteht mich doch"... Nö, tun sie nicht und werden sie nie.

    Das dürfte einer der Kerne des Pudels sein, und ist sooo schwierig.. finde ich.