Böse These - Ein typischer Folgeschaden narzisstischer Eltern ist, dass die Kinder auch nicht anders werden. Und sich in internet-Foren an anderen Leuten hochziehen, indem man sie (subtil oder auch brachial) nieder macht, ist eh weit verbreitet. Es wäre seltsam, wenn sowas hier mit Sicherheit nicht stattfinden würde.


    Ich bin, durch all das, sicherlich typischer "Gegentypus: Emotional abhängig, unsicher, wenig selbstbewusst". Wer also, zwecks narzisstischer Bereicherung, einen passenden "Opfertyp" sucht, mit dem er das machen kann, wittert bei mir da vermutlich gute Chancen. Ich hatte sowas schon sehr oft.


    Einiges, auch hier, scheint mir durchaus auf diese Art interpretierbar zu sein.

    Zitat

    Im mittleren Lebensalter sollte man als gesunder Mensch sein Selbstbild elternunabhängig definieren können.

    ist das übrigens sonst keinem aufgefallen? Wenn man so ein Elternhaus hat ist man kein gesunder Mensch. Das machts schon per se absurd, solche Dinge dazu zu sagen.


    (mal abgesehen wie gesagt von der impliziten These des nicht-elternunabhängigen Selbstbildes, welches ich gar nicht erkennen kann).

    Ich glaub auch irgendwie gar nicht dass man sich "von den Eltern gelöst haben sollte". Im Gegenteil. In einer gesunden Familie bietet diese Rückhalt und man hat gerne kontakt und unterstützt sich gegenseitig. Wenn alles ok ist, muss und will man sich gar nicht lösen. Ein selbstbestimmtes Leben führt man natürlich trotzdem (weil die Eltern das ja auch akzeptieren).


    Nur in diese kranken Konstellationen ist das notwendig, und da dann halt schwierig. Man merkt auch (finde ich zumindest), das was fehlt. Ich hätte gerne eine Familie, die mich auffängt. Es fühlt sich so isoliert an, wie eine Insel. Gut und gesund ist das irgendwie nicht.

    Na ich glaube, es gibt da schon etwas, was wie "lösen von den Eltern" ist.


    Normalerweise ist es ein Prozess, der sich über die ganze Kindheit zieht, in der Pubertät verstärkt stattfindet und in der Erwachsenenzeit seinen Abschluss findet.


    Schon kleine Kinder haben einen Drang dazu, selber über sich zu entscheiden. Die Eltern haben damit meistens Probleme und nennen das dann die "Trotzphase" des Kindes. Wenn ich da meine kleine Tochter beobachte (diese Windel will ich nicht, aber jene da, die ist gut %-| ), dann muss ich manchmal auch seehr viel Geduld und Ruhe aufbringen und natürlich: Zeit. Damit es nicht eskaliert und wir dann beide unglücklich sind. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Situationen, in denen sie nicht entscheiden kann und meine Entscheidungen akzeptieren muss. Das macht sie dann auch, ich denke, u.a. deswegen, weil sie weiß, dass ich sie oft auch selber entscheiden lasse.


    Also zurück: Kinder wollen über sich selber entscheiden und nicht immer die Eltern über sich entscheiden lassen. Wenn die Eltern dies im richtigen Maße zulassen, dann wird das Kind immer selbständiger werden, immer autonomer von den Eltern und "löst" sich insofern von den Eltern und der Abhängigkeit von ihnen.


    Wenn die Eltern diese Selbständigkeit nicht zulassen, dann reagieren manche Kinder mit Flucht und massiver Abwehr und andere mit Anpassung.


    Muss mal Kind Zähne putzen.....

    Wenn sich ein Kind dann von den Eltern als eigenständiges Wesen akzeptiert und respektiert fühlt und von denen auch als Gegenüber auf gleicher oder ähnlicher Augenhöhe akzeptiert wird, dann kann es zu einer "neuen" Beziehung kommen. Dabei können die Eltern ein Rückhalt sein, eine feste Größe, auf die man sich verlassen kann, die einen nicht verfolgen oder benutzen oder kleinmachen, sondern mit denen es ein Geben und Nehmen ist, welches beiden Seiten etwas bringt und jeder die für ihn nötige Distanz hat.


    Das wär der optimale Zustand und es gibt sicher Familien, in denen das so stattfindet.


    Wenn das mit den eigenen Eltern nicht so ist, dann besteht die Möglichkeit, dass man sich ein Netz aus Freunden, Bekannten, anderen Verwandten schafft.

    Aber das was Du beschreibst ist ein anderes loslösen, eher ein räumliches, die emotionale Bindung bleibt kontinuierlich erhalten (und es hat auch niemand Interesse daran, sie aufzubrechen).


    Bei narzisstischen Eltern ist aber genau das das, was gelöst werden muss. Optimalerweise muss man als Kind alle Gefühle gegenüber den Eltern verlieren (denn sie leiden, wenn das Kind nicht so ist wie es wunschgemäß sein soll, und dies muss man dann ertragen), und das ist was ganz anderes und m.M. nach ziemlich unnatürliches.


    Das normale Loslösen wiederum ist blockiert, verzögert, verhindert.. wenn ich da so an mich denke. Ich hatte keine Ablösungsphase in der Pubertät, es war eher andersrum. Ich hab mich unter den anderen Jugendlichen als Aussenseiter gefühlt und war viel lieber mit meinen Eltern zusammen. Und obwohl man denken würde, man sollte so früh wies geht ausziehen, war auch das nicht der Fall. Viel zu viel Angst und Einsamkeit. Ich bin erst mit 25 da raus. Es ist wirklich fast alles genau andersrum als es sein sollte.


    All das wird mir jetzt erst so richtig klar. Wie verdreht es ist, und wie sehr es auch exakt alles wie Puzzelteile zusammen passt und ein stimmiges (gestörtes) Bild ergibt.

    Zitat

    Ich hab mich unter den anderen Jugendlichen als Aussenseiter gefühlt und war viel lieber mit meinen Eltern zusammen. Und obwohl man denken würde, man sollte so früh wies geht ausziehen, war auch das nicht der Fall. Viel zu viel Angst und Einsamkeit. Ich bin erst mit 25 da raus. Es ist wirklich fast alles genau andersrum als es sein sollte.

    Wow, das erstaunt mich jetzt doch. Ich habe einige Wochen nach meinem 18. nach einem Tobsuchtsanfall meiner Mutter die Flucht ergriffen und bin für ein paar Tage zu Freunden in die WG gezogen. Ich hätte dort die drei Monate, bis ich mein Studium begonnen habe und eh ins Wohnheim gezogen bin, überbrücken können, aber mein Vater - Harmoniemensch durch und durch - hat mich am Telefon angefleht, zurückzukommen. Den Gefallen habe ich IHM getan.

    "normal" war da ja eh nix mehr. Ich hab ja mit 19 Jahren angefangen, mich jeden Abend zu betrinken als Ventil und um schlafen zu können, ging dann etwas über ein Jahr so, danach abrupt damit aufgehört (ging einfach gar nicht mehr, mir gings so dermaßen mies), danach war ich ziemlich lädiert. An "zielstrebig Studium oder Ausbildung" war da gar nicht zu denken. Ich war zwar immatrikuliert aber das war mehr Alibi. Eigentlich wars ein vierjähriges depressives von-Tag-zu-Tag-hangeln. Die normalen Dinge (Ausbildung, Job, Partnerschaft, eigene Wohnung) waren da in weiter Ferne.


    Wie gesagt, wie dermaßen kaputt das alles ist, und auch ich selber da war, wird mir jetzt erst so langsam klar. Total lädiert, auf voller Bandbreite, fast Alkoholiker noch bevor man 20 ist und quasi arbeitsunfähig (ich hatte auch noch nie einen "ganz normalen" Job, d.h. vollzeit zu normalen Zeiten im Büro vor Ort).


    Ich will nich rumjammern aber find das rückblickend wirklich selber alles ziemlich krass.

    ...So, jetzt habe ich auch die letzten Seiten nachgelesen.

    @ Jan:

    Ich finde den vorletzten Beitrag von Portland in grossen Teilen sehr hilfreich. Wenn Deine Laune wieder etwas besser ist und Du nicht mehr glaubst, dass Dir hier im Thread alle Böses wollen, dann lies ihn einfach noch mal.


    Ich kann allerdings - aus MEINER Perspektive - verstehen, dass ein radikaler Kontaktabbruch sich für Dich falsch oder unmöglich anfühlt. Allerdings glaube ich, wenn ich DEINE Eltern hätte, dann wäre ich so weit. (Auch bitter: Was mir meine Mutter angetan hat, war offensichtlich noch nicht schlimm genug.)

    Zitat

    Wem es hier zu langsam geht, bitte, der möge einfach fern bleiben!

    DAS kann ich nur unterschreiben. Für mich hat das auch nichts mit dem Alter zu tun!

    Ich find den besagten Beitrag völlig blödsinnig und seh das genauso wie snaiperskaja, das wird sich auch die nächsten Tage nicht ändern. Das, was sie schreibt (und ich direkt davor auch) ist das, was zutreffend ist. Portland sagt in etwa "wenn man ein Problem lösen will, darf man sich damit nicht beschäftigen, denn damit macht man es nur größer", und das ist, so pauschal, quark.

    Zitat

    Ich kann allerdings - aus MEINER Perspektive - verstehen, dass ein radikaler Kontaktabbruch sich für Dich falsch oder unmöglich anfühlt.

    Häh? Dieser besteht doch bereits (samt Androhung von Strafanzeige wenn sie sich trotzdem nähern). Es ist halt nur nicht so einfach.

    Rückhalt hatte ich von meiner Mutter nie. Ihren bedingungslosen Rückhalt hatte nur ihre Lieblingstochter. Ich schließe mich Portland an. Mir geht es besser mit dieser Einstellung. Jahrelang habe ich mich über die Ex von meinem Freund geärgert, weil ich ihr Verhalten als Mutter nicht nachvollziehen konnte. Aber dadurch hat sie sich nicht geändert und wird sich auch nie ändern.


    Mein Umzug hat mir insoweit geholfen, indem ich die Tobsuchtsanfälle meiner Mutter, welche sich nur gegen mich richteten, nicht mehr hautnah erleben muss. Ich habe Abstand und sehe vieles gelassener.


    Jeder hat einen anderen Weg damit umzugehen. Ich persönlich lasse die Vergangenheit ruhen. Wenn ich hier an die Zeit in der einen Firma denke, welche meine zahlreichen Hörstürze ignorierte. Heute ist mir meine Gesundheit wichtiger, aber mir persönlich bringt es nichts, wenn ich an diese schlimmen Jahre in dieser Firma zurückdenke. Einfach ist es sicher nicht. Mein Auszug kam sehr spät, aber er kam. Der Kontakt zu meiner Mutter wird nie normal werden. Sie liebt mich auf ihre Weise, hat aber jahrelang meine Schwester in hohem Maße vorgezogen. Das gehört zur NPS. Aber ich werde ihr gegenüber nie unbeschwert sein können. Vergessen werde ich das nie. Aber für mich zählt der Augenblick.


    Im Gegensatz zu dir verlief mein Leben in geregelten Bahnen. Aber trotzdem hatte ich nie eine Mutter, welche ernsthaft für mich da war. Aber das ist nicht zu ändern. Genugtuung verschafft es mir, weil ihre Lieblingstochter mittlerweile so behandelt wird wie ich all die Jahre.


    Jedenfalls habe ich den Auszug und den Arbeitgeberwechsel nie bereut. Wenn man Dinge nicht ändern kann, muss man handeln. Das ist für mich der richtige Weg. Was aber nicht heißt, dass das für jeden Menschen zutrifft.

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    Jeder Zweifel daran, ob die "wirklich so bescheuert sind oder ich ihnen nicht doch unrecht tue", kann alles ins Wanken bringen. Von daher müssen die Zweifel ausgeräumt werden, anders komme ich da nicht raus.

    Wie viele Beweise brauchst Du denn noch?


    Und auch, wenn Du momentan keinen Kontakt zu Deinen Eltern hast - hast Du ihn komplett, also für immer, abgebrochen, und ihnen das auch so kommuniziert? Versuchen sie es immer noch über Deine Freundin? Das ist de facto auch Kontakt.

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    Ich hab ja mit 19 Jahren angefangen, mich jeden Abend zu betrinken als Ventil und um schlafen zu können, ging dann etwas über ein Jahr so, danach abrupt damit aufgehört (ging einfach gar nicht mehr, mir gings so dermaßen mies), danach war ich ziemlich lädiert. An "zielstrebig Studium oder Ausbildung" war da gar nicht zu denken. Ich war zwar immatrikuliert aber das war mehr Alibi. Eigentlich wars ein vierjähriges depressives von-Tag-zu-Tag-hangeln. Die normalen Dinge (Ausbildung, Job, Partnerschaft, eigene Wohnung) waren da in weiter Ferne.


    Wie gesagt, wie dermaßen kaputt das alles ist, und auch ich selber da war, wird mir jetzt erst so langsam klar.

    Aber warum hast Du nicht DAMALS was dagegen getan? Ich habe mir auch mit 16 heimlich das Bier meines Vaters geschnappt, um meine Mutter einigermassen ertragen zu können. In den letzten Jahren, in denen ich Weihnachten noch zusammen mit meiner Mutter gefeiert habe, habe ich mich jedesmal betrunken. Mit ihr - für sie ist Alkohol ein total normales Genussmittel. Ich war nicht kurz vor dem Alkoholismus, aber gesund war das nicht. Im Studium bin ich zwar aufgeblüht, hatte aber auch jahrelang mit Depressionen zu kämpfen. Hätte ich mich nicht selbst aus dem Sumpf gezogen, wäre ich da heute noch. Kraft hat es gekostet, ja - IRRE VIEL Kraft. Die Gründe - meine Kindheit - waren mir damals nur im Ansatz klar, dank eines fähigen Psychiaters.