Wie viel soll ich über meine "berufliche" Geschichte erzählen?

    Hey liebe Leute,


    es geht mir um Folgendes:


    Ich habe für mein junges Alter schon eine recht bewegte Vergangenheit; Drogen haben da zwar keine Rolle gespielt, aber es gab im privaten und gesundheitlichen Bereich einige Baustellen, sodass ich heute meinem Altersdurchschnitt in einigen Punkten hinterherhinke. Ich habe mich auch lange von sozialen Kontakten zurückgezogen, zur Zeit gibt es da nur meine Eltern, meinen Partner und – euch :-D(mit zwei sehr lieben Frauen und einem netten Herren habe ich auch engeren Kontakt, wohnen aber alle leider weit weg)! Auf jeden Fall bin ich eigentlich gerne unter Menschen und möchte das auch gerne wieder vermehrt sein.


    Mein letzter Versuch in die Richtung ist aber leider gescheitert. Ich muss dazu sagen, dass das Umfeld eher elitär war, das war mir vorher aber nicht ganz klar. Zumindest war ich dann so… hm… überrascht irgendwie, dass ich gar nicht mehr ich selbst war und den Leuten in nichts nachstehen wollte. Alle taten so perfekt. Naja… aber es geht hier ja nicht um die anderen, sondern um mich. Zumindest habe ich dann behauptet, ich hätte gerade mein Abitur fertig und würde bald Schauspiel studieren, ha. Geschauspielert hatte ich ja wirklich .///. Zumindest kam ich aus der Nummer nicht mehr raus und ich kam mir auch so mies vor, unehrlich gewesen zu sein, konnte es aber auch nicht auflösen, sodass ich nicht mehr hingegangen bin. Die haben auch alle schon entsetzt geschaut, als ich meinte, dass ich nach meinem fiktiven Abi erstmal "nix" mache und "chille". Das ginge ja nicht und ich solle doch wenigstens ein FSJ machen oder so. Egal!


    Ich will mir jetzt ein entspannteres Umfeld suchen, habe aber Sorge, dass mir derselbe Fehler trotzdem wieder passiert. Ich will ehrlich sein können, ohne jedem gleich meine ganze Geschichte auf die Nase zu binden. Nur weiß ich nicht so Recht, wie? Die Wahrheit sieht derzeit so aus, und ich finde es auch schon schwierig, hier so ehrlich zu sein:


    Ich habe nach der 8. Klasse die Schule abgebrochen. Es gab zu der Zeit mächtig Stress mit meinen Eltern, mit der Familie allgemein, mit Gleichaltrigen – eigentlich mit allen ^^. Ich habe mich damals schrecklich allein gefühlt und bin da heute auch noch psychisch etwas angeknackst. Dazu habe ich auch noch eine Stoffwechselerkrankung und eine weitere Erkrankung bisher unbekannter Art (Habe klare Symptome, die noch kein Arzt genau zuordnen kann), die mich einfach von der Leistungsfähigkeit her einschränken. Ich hole gerade meinen Schulabschluss nach, es sollte eigentlich erst das Abitur werden. Das war dann aber leider aufgrund oben genannter gesundheitlicher Probleme nicht bewältigbar und ich musste auf Realschulabschluss umschwenken. Den schaffe ich jetzt vermutlich mit Ach und Krach, sonst muss ich nochmal ne Bildungsetage tiefer anklopfen. Wie ich eine Ausbildung schaffen soll, weiß ich noch nicht – ich hoffe sehr, dass ich mit einem etwaigen Betrieb eine Übereinkunft finden kann, sodass ich eine verlängerte Ausbildung mit Halbzeitarbeit machen kann. Ob ich je wieder ganz leistungsfähig werde, weiß ich auch nicht, meine letzte Hoffnung ist gerade die Alternativmedizin. Ich habe schreckliche Angst davor, dass mich kein Betrieb haben will oder nur einer, zu dem ich dann nicht will.


    Das wäre so die Wahrheit über meine Leistungen in beruflicher Hinsicht. Hinzu kommt, dass ich nicht mehr Zuhause wohnen kann (amtlich bestätigt), aber auch keine Leistungen erhalte. Meine Eltern kommen derzeit für meinen Lebensunterhalt auf, was ich schrecklich finde, aber wie gesagt bin ich derzeit gerade so leistungsfähig mit Unterstützung aller meiner Lieben, die Schule zu schaffen. Es nervt mich nur noch und ich mache mir ständig Selbstvorwürfe. Meine restliche Familie interessiert sich leider nen Dreck für mich, die sind echt fürn Arsch - das kratzt natürlich auch am Ego und man fragt sich: "Was habe ich falsch gemacht?"


    Vielleicht will ich diese Geschichte niemandem erzählen, weil ich nicht so gesehen werden will. Ich finde es schwierig, mich von dem Bild zu verabschieden, von dem, wie mein Leben hätte laufen sollen. Ich weiß, dass mir trotzdem noch viele Türen offenstehen und ich werde mich auch weiterhin bemühen, immer wieder ein bisschen fitter zu werden. Nur ist es nicht das, was ich immer wollte.


    Tja… und wie begegne ich jetzt fremden Menschen? Was erzähle ich ihnen? Ich will nicht, dass sie Mitleid mit mir haben. Ich will, dass sie einfach "mich" sehen. Wenn ich sie irgendwann besser kenne, kann ich ihnen immernoch solche Details verraten. Doch was sage ich, wenn es heißt: "Was machst du beruflich?" Man will dann ja auch nicht unhöflich sein oder aber sagen: "Nix, ich liege meinen Eltern auf der Tasche und ob ich jemals arbeiten werde, steht in den Sternen. Außerdem könnte ich zwar Abi machen, mache aber doch nur den Hauptschulabschluss." Ich meine, ich selbst habe mittlerweile so viel gesehen und erlebt, dass ich niemanden mehr danach beurteile, welchen Bildungsabschluss er hat. Es gibt das aber leider noch häufig und ich möchte nicht für dumm gehalten werden. Manchmal denke ich auch selber noch, ich bin einfach nur faul, auch wenn ich eigentlich weiß, dass das nicht stimmt.


    Naja… wenn jemand hier was dazu schreiben möchte – vielleicht auch jemand, der mich von anderen Beiträgen her kennt/ich ihn kenne – freue ich mich sehr. Alle konstruktiven Vorschläge sind heiß begehrt.


    Es grüßt euch und dankt euch fürs Lesen,


    Cinnamon

  • 56 Antworten

    Ach, noch was: Falls sich überhaupt jemand die Mühe macht, diesen Wust zu lesen:


    Es kann sein, dass ich ein paar Tage zum antworten brauche. Ich muss das auch erstmal verdauen, dass ich das überhaupt so öffentlich hier geschrieben habe, wo ein paar Leute vielleicht auch ein Bild von mir haben, auch wenn ich sicherlich nicht jedem bekannt bin.


    Wollte ich nur als Vorwarnung dazu schreiben.


    LG und bis bald

    Hallo Cinnamon4,


    Darf ich fragen, wie alt Du bist? Ist ja nicht ganz unwesentlich in Relation zu deinem vermeintlichem "Problem". ;-)


    Ich finde übrigens Nichts daran wirklich peinlich, da ja der gesundheitliche Aspekt eine große Rolle spielt in deinem "Werdegang", bzw. dein Gesundheitszustand ja mitverantwortlich ist für deine derzeitige Situation. :-)

    Du schreibst nicht wie alt du bist, aber ich ticke auf Anfang 20?! Also ein Alter, wo du noch einiges aufholen kannst, sofern dein Gesundheitszustand und ein paar Rahmenbedingungen mitspielen. Angesichts deines jungen Alters finde ich den Rückstand jetzt nicht sooo furchtbar schlimm, vor allem, weil es Gründe dafür gibt, die offensichtlich nicht "kein Bock" lauten. Nicht jeder hat die Chance, in einem Umfeld und unter Bedingungen aufzuwachsen, die die freie und volle Entfaltung der eigenen Fähigkeiten erlauben. Deshalb sehe ich im Grunde auch keinen Anlass für Scham, kann es aber vollkommen nachvollziehen (mir geht es in anderen Bereichen häufig so, da muss ich mir immer vor Augen halten, dass es an den Umständen und seinen Folgen lag und nicht an mir als Person).


    Zu deiner Frage: ich würde anfangs nur sagen, dass du langwierige und noch anhaltende gesundheitliche Probleme hattest/hast, die dich zurückgeworfen haben. Außerdem gab es massive familiäre Probleme, die ihr übriges beigetragen haben. Deshalb hast du jetzt noch mit den Folgen zu kämpfen, du ackerst dich aber durch und gibst nicht auf. Vielleicht noch, dass es dich manchmal selber nervt, dass du deshalb hinter deinen Fähigkeiten zurückbleiben musst, aber probierst trotz der Umstände alles herauszuholen.


    Also im Grunde sagst du etwas, ohne etwas zu sagen. Die Botschaft wäre: es gab und gibt mehrere massive, aber sehr private Gründe, weshalb du hinterherhinkst, aber du machst das Beste daraus und gibst nicht auf. :-)

    Da hilft nur eine Radikalkur. Sei ehrlich zu dir und zu den Menschen denen du begegnest. Sag, dass du nix gelernt hast und gut isses. Es gibt noch viel zu tun für dich. Du kannst eine Ausbildung machen, oder wieder zur Schule gehen. Mach dein ABI nach. Wenn du nicht ganz dumm bist, dann schaffst du das.


    Hier kannst du dir keine Absolution einholen.

    Zitat

    Zu deiner Frage: ich würde anfangs nur sagen, dass du langwierige und noch anhaltende gesundheitliche Probleme hattest/hast, die dich zurückgeworfen haben. Außerdem gab es massive familiäre Probleme, die ihr übriges beigetragen haben. Deshalb hast du jetzt noch mit den Folgen zu kämpfen, du ackerst dich aber durch und gibst nicht auf. Vielleicht noch, dass es dich manchmal selber nervt, dass du deshalb hinter deinen Fähigkeiten zurückbleiben musst, aber probierst trotz der Umstände alles herauszuholen.

    So ähnlich mache ich das auch.


    Durch Klinikaufenthalte musste ich sowohl die Schule unterbrechen und deshalb eine Klasse wiederholen, als auch das Studium aussetzen bzw. konnte erst viel später anfangen.


    Momentan fragen mich auch ganz viele, wie das weitergehen soll, wieso ich nicht in der Uni bin, usw., aber mit so einer ähnlichen Antwort wie die oben, weist du die Menschen nicht komplett ab, gehst aber allerdings auch nicht zu sehr ins Detail.

    %-| Also, sorry, Parazellnuss, mal abgesehen davon, dass in Deutschland Abitur weniger mit "dumm"/"nicht dumm" als mit der Korrelation von Bildungserfolg und sozialer Lage zu tun hat, schreibt Cinnamon

    Zitat

    Ich hole gerade meinen Schulabschluss nach, es sollte eigentlich erst das Abitur werden. Das war dann aber leider aufgrund oben genannter gesundheitlicher Probleme nicht bewältigbar und ich musste auf Realschulabschluss umschwenken. Den schaffe ich jetzt vermutlich mit Ach und Krach, sonst muss ich nochmal ne Bildungsetage tiefer anklopfen. Wie ich eine Ausbildung schaffen soll, weiß ich noch nicht – ich hoffe sehr, dass ich mit einem etwaigen Betrieb eine Übereinkunft finden kann, sodass ich eine verlängerte Ausbildung mit Halbzeitarbeit machen kann. Ob ich je wieder ganz leistungsfähig werde, weiß ich auch nicht, meine letzte Hoffnung ist gerade die Alternativmedizin.

    Und sie hat ja auch kein Problem damit, Menschen, die sie kennt und denen sie vetraut, davon im Detail zu erzählen, sondern sie will wissen wie sie beim Kennenlernen damit umgehen kann. Warum soll man jedem seine Biographie und privaten Probleme von Beginn an auf die Nase binden?! Klar, sie sollte es erläutern, weil es eben keine Faulheit oder ähnliches ist, aber die Details würde ich mir auch aufsparen.

    Zitat

    , dass in Deutschland Abitur weniger mit "dumm"/"nicht dumm" als mit der Korrelation von Bildungserfolg und sozialer Lage zu tun hat,

    Ist kacke formuliert. Bildungserfolg korreliert mit sozialer Lage, deswegen lässt ein Schulabschluss in D weniger Rückschlüsse auf die Intelligenz als auf den sozialen Background zu. Das aber nur am Rande, ist ja OT. Deshalb halte ich dazu jetzt meinen Schnabel.

    Hey Cinnamon,


    deine Geschichte muss dir nicht peinlich sein. @:)


    Sie hat dich zu dem gemacht wer du bist. Jeder hat seinen Lebensweg. Lernen zu dem zu stehen wer du bist und was dich so gemacht hat, ist ein schwerer Weg.


    Ich bin jetzt 27 und selbst mir fällt es manches Mal noch schwer meinen eigenen verkorksten Lebensweg so anzunehmen wie er ist. Es gibt viele Momente die ich bereue. An vielen Tagen zum Beispiel den damaligen Abbruch meines Studiums und andere teilweise unüberlegte Entscheidungen.


    Aber seitdem ich angefangen habe, mich damit auseinander zu setzen, was mich damals dazu bewogen hat, so zu handeln, teilweise auch zu lügen, komme ich besser damit und mit mir im Allgemeinen klar.


    Mit Anfang 20 ist noch gar nichts verloren. Du hast Leute die dich unterstützen und das Forum ist ja auch noch da.


    Ich habe dich immer als sehr kompetent und einfühlsam hier im Forum wahr genommen.


    Liebe Grüße

    Auch wenn die Arbeitsagenturen nicht viel taugen: Hast Du Dich mal informiert bzgl. Ausbildung in spezielleren Einrichtungen? Hast Du einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt?


    Ansonsten:


    Ich bleibe da (10 Jahre nach Studienabschluss und im Job) vage und sage immer nur "persönliche und gesundheitliche Probleme...". Dass die Sachen, die dann im Studium auftraten, gar nichts mit der Vorgeschichte zu tun hatten: Egal. ??Habe auch über lange Jahre einen eher schrägen Lebenslauf: Kein Schulabschluss, nachgeholter Abschluss mehrere Jahre später, Studienbeginn, Fachwechsel... Das alles ca. 7 Jahre später als "normal".??

    Zitat

    Da hilft nur eine Radikalkur. Sei ehrlich zu dir und zu den Menschen denen du begegnest. Sag, dass du nix gelernt hast und gut isses. Es gibt noch viel zu tun für dich. Du kannst eine Ausbildung machen, oder wieder zur Schule gehen. Mach dein ABI nach. Wenn du nicht ganz dumm bist, dann schaffst du das.


    Hier kannst du dir keine Absolution einholen.

    Lies doch den ganzen Beitrag, bevor du das Maul aufreißt, sorry. Bin jetzt echt am Heulen :°( !


    Aber gut, dann weiß ich wenigstens, dass ich scheiße bin, und du meine Beichte nicht abnimmst _ Ironie. Trotzdem finde ich sowas echt verunsichernd und alles andere als nett.


    Ehrlich, wie kann man nur so unsensibel sein?!


    ich wünsche dir echt, dass du niemals krank wirst!


    Wobei du dadurch vielleicht wenigstens Empathie lernen würdest...


    Und wenn es mir um Absolution ginge (wofür eigentlich? fürs kranksein? für ne scheißfamilie?), könntest du auch hier nachlesen, dass ich die durchaus bekommen würde, nur von dir empathielosen Nicht-Leser nicht! >:(




    Auf die anderen Beiträge antworte ich später. Danke euch erstmal @:) !

    Cinnamon,


    wir hatten noch nicht sehr viel miteinander zu tun, aber ich habe Dich stets als einfühlsame, kluge und (für Dein zartes Alter) lebenserfahrene Teilnehmerin erlebt, die sich dazu gut auszudrücken weiß. Du hast echt keinen Grund, Dich hinter Nebelkerzen zu verstecken, und ich nehme mal an, das ist es auch was parazellnuss, etwas unglücklich formuliert, sagen wollte.


    Sei Du selbst, und wer Dich nicht mag, ist selber schuld. Du musst ja nicht mehr in die Details gehen als Du magst, aber zu sagen, dass man es nicht leicht hatte im Leben und deshalb noch nicht alles erreichen konnte was man gewollt (und ganz sicher auch gekonnt) hätte, ist keine Schande. Wer das nicht akzeptieren kann, der soll Dich doch mal kreuzweise ]:D :)*