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    Den Ausspruch mit den Nebelkerzen kenne ich gar nicht, habe dazu auch gerade nichts im WWW gefunden. Was meinst du denn damit?

    Kurzer OT-Einschub:


    Nebelkerzen wurden im Krieg verwendet. Sie machen das, was der Name vermuten lässt, nämlich eine riesen Menge dicken Nebel (oder Rauch). Man versteckte sich dahinter vor dem Feind und konnte sich so ungesehen zurückziehen, neu aufstellen, vordringen...


    /OT


    Gemeint habe ich das als Bildnis für Dein Verstecken hinter erdachten Geschichten. Und das hast Du nicht nötig.


    Man hat Dir offenbar sehr detailliert eingetrichtert (btw, auch vorgelebt?), wie "man" zu funktionieren hat. Ein Mensch ist aber kein Rädchen in einem Getriebe, das nur dann gut ist, wenn es möglichst geräuschlos eine eng definierte Funktion erfüllt. Das ist eine Sichtweise, mit der ich überhaupt nichts anfangen kann, denn sie verleugnet unsere Menschlichkeit. Sei stolz auf das was Du bist - als Mensch, nicht als Zahnrädchen! @:) :)*

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    Ja, diese erzwungenen Unterbrechungen sind immer doof, aber da kann man halt nichts machen, wenn man krank ist. Wie nehmen die Leute um dich herum solche Antworten denn auf, wenn ich fragen darf?

    Das Problem lag bzw. liegt da ganz viel bei mir. ICH kann noch nicht akzeptieren, dass ich nicht so leistungsfähig bin wie andere und versuche und versuche es immer wieder, um letztendlich doch so halb kläglich zu scheitern, weil irgendwann alles einstürzt und ich auf der Strecke bleibe.


    Ich fange erst so laaangsam an, das zu akzeptieren. Das war ein riesiger Kampf, dass ich mir überhaupt erlaubt habe, das Studium zu unterbrechen und ganz oft knabber ich da immer noch dran, gerade, weil so manche meiner Kommilitonen, mit denen ich angefangen habe zu studieren, jetzt ihre Bachelorarbeit schreiben.


    Aber ja, so ist das halt, wenn man krank ist.


    Mir fällt es nur schwerer, das zu akzeptieren, weil es bei mir eine rein psychische Krankheit ist. Hätte ich mir irgendwas gebrochen, wäre ich weniger streng mit mir. Auch, wenn ich rational gesehen weiß, dass das Quark ist ;-) .


    Die Leute um mich herum nehmen das eigentlich ganz gut auf. Besser als ich zumindest. Ich habe schon immer extrem viel Zuspruch gebraucht, dass das, was ich tue, das Richtige ist. Das brauche ich auch heute noch. ??Bekomme ich bloß immer weniger, weil ich so langsam mal lernen sollte, selbst Entscheidungen zu treffen??


    Ich studiere aber auch ein soziales Fach und da sind alle noch einmal um einiges lockerer. Also mein ganzes Umfeld, Teile meiner Familie lasse ich da jetzt raus. So langsam lerne ich, die Witze zu ignorieren, die mir manchmal an den Kopf geworfen werden. Aber meine Kommilitonen, denen natürlich aufgefallen ist, dass ich schon ein ganzes Semester nicht in der Uni bzw. sogar nicht in der Stadt war, fragen gar nicht groß nach. In dem Umfeld gehe ich aber auch wesentlich offener damit um als mit meiner Familie.


    Ich denke, es kommt immer darauf an, wie das Umfeld so drauf ist? Die Akzeptanz psychischer Krankheiten ist in meinem Studiengang einfach unabdinglich, sonst wären die Menschen da falsch. Aber wie gesagt, bei meiner Familie ist das ein bisschen anders.

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    Ja, wobei ich vielleicht erstmal nur die Gesundheit erwähne, weil das andere mir doch zu intim ist. Denkt ihr, das ist schlimm/eine Lüge? Ich würde sowas sagen, wie (habe ich mir jetzt überlegt):


    Ich hinke mit meiner Karriere etwas hinterher, weil ich chronisch krank bin. Das ist nicht weiter tragisch, nur bin ich dadurch eben oft müde und nicht so leistungsfähig. Deswegen stecke ich mir meine Ziele eher etwas langfristiger.


    Vielleicht feile ich daran auch noch, aber da weiß der andere ganz grob, wie es bei mir ausschaut, und wenn man sich besser kennt oder versteht, kann ich ja noch weiter ins Detail gehen.

    Ich finde nicht, dass das eine Lüge ist. Du musst ja nicht alles ausbreiten und ich würde auch nur das sagen, was ich mit mir selbst vereinbaren kann. Meine Aussage ist da ganz ähnlich zu Deiner. Dass ich eben gesundheitlich Probleme habe (falls ich überhaupt dazu sage, dass es psychisch ist, das kommt immer darauf an) und ich dadurch öfter mal in Kur war. Also das sage ich bei ganz Fremden oder Bekannten. Eigentlich ist das ja sogar wirklich gelogen, was ich gar nicht gerne tue, aber anders könnte ich einfach niemandem mehr in die Augen schauen.


    Ich denke eben wirklich, dass man nur so sehr ins Detail gehen muss, wie man selbst das aushalten kann. Es bringt Dir ja nichts, wenn du alles erzählst, Dich dabei aber schrecklich unwohl fühlst und bereust, dass du es gesagt hast.


    Wenn mir Menschen dann wirklich sympatisch sind und sich da eine Freundschaft raus entwickelt, dann werde ich auch immer offener, aber so zu Beginn bin ich da einfach sehr bedeckt und ich glaube, dass das okay ist und nicht wirklich eine Lüge.


    Ich finde, du machst das toll! :)*

    Cinnamon4

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    Puuuh... und jetzt kann ich gerade meinen eigenen Erwartungen gar nicht mehr entsprechen und euch allen Antworten. Ich mache hier mal einen persönlichen Cut

    In den zwei Sätzen spiegelt sich gut deine bisherige Entwicklung wider. Einmal die eigenen Erwartungen, ein strenger fordernder Maßstab mit dem du eigenes Unglück erzeugst. Das Ich das du irgendwann hinter dir lassen wirst.


    Und auf der anderen Seite der Cut. Die gelassene realistische Vernunft die dich entlastet ohne Andere zu belasten. Das wo du hin willst und hin kommen wirst, zumindest großteils. Auch Gelassenheit ist nicht perfekt und steht nicht immer auf Abruf zur Verfügung. :-)


    Hohe Erwartungen und Perfektionismus machen selten glücklich und oft unglücklich. Und Andere legen weit weniger Wert drauf als du vielleicht denkst. Menschen die von dir viel erwarten tun dir nicht gut. Sie bemessen deinen Wert nur nach Taten. Solche Menschen schaden dir. Halte dort Abstand wo möglich. Und finde für dich heraus wo dein wahrer Wert liegt.

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    Ehrlich, wie kann man nur so unsensibel sein?!


    ich wünsche dir echt, dass du niemals krank wirst!


    Wobei du dadurch vielleicht wenigstens Empathie lernen würdest...

    Guten Morgen Cinnammon.


    Ich bin nicht unsensibel. Und wie ich sehe, kannst du gut kämpfen. Das ist gut. Ich kenne deine Situation recht gut und kann deinen Schmerz nachempfinden. Das mit der absoluten Ehrlichkeit deinem Werdegang gegenüber habe ich schon ernst gemeint. Ehrlichkeit bedeutet in dieser Situation, dass du keine zusätzliche Kraft verbrauchen mußt, um Geschichten darüber zu erfinden. Die eingesparte Kraft kannst du dann dazu verwenden wieder in deine Spur zu kommen. Und du musst dir keine Absolution einholen. Von keinem. Es ist schließlich dein Leben.

    Ich würde dir empfehlen, sofern realisierbar (klingt ja nicht danach), Abi-Studium->Job. Im Job fragt dann niemand mehr nach dem Abi oder der Zeit davor. Auch fällst du an der Uni nicht auf mit deinen gehobeneren Alter.

    Hallo Cinnamon,


    ich habe jetzt deinen Faden durch und möchte dir auch gerne mit Ratschlägen helfen.


    Erst einmal glaube ich, dass du den Wert des beruflichen/chulischen Erfolges für das Schliessen von Freundschaften überbewertest. Für mich, und ich denke so geht es vielen, spielt es keine Rolle, was jemand von Beruf ist, wenn ich mich mit ihm anfreunden will.


    Nur um es dir deutlich zu machen (es geht nicht daum mich selbst hier heraus zu stellen.); Ich bin Akademiker und meine besten Freunde sind Hausmann und ein Metzger. In meiner Freizeit treffe ich beim Sport Arbeitslose, einen Schmied, einen Lebesnkünstler, Autoverkäufer etc.


    Nicht zuletzt habe ich eine Freundin, die auch mit ihrem Berufsweg hadert, auch unter noch nicht diagnostzierten Krankheiten leidet und in Ansätzen ähnlich (falsch) denkt wie Du.


    Ich sehe es so. Es gibt Menschen die dazu geboren sind berufliche Karriere zu machen und es gibt Menschen die dazu geboren sind anderen Menschen Dinge zu schenken, die man nicht erlernen kann: Menschliche Wärme, Soziale Kompetenz etc.


    Hadere nicht mit deiner Vergangenheit. Du kannst sie nicht ändern. Frage dich, was du wirklich willst und verfolge dieses Ziel konsequent. Ein Bildungsabschluss ist ein Stück Papier und ich kenne Abiturienten und Akademiker, die sind größere Hohlblöcke als Hauptschulabsolventen.


    Wähle dein Ziel unter Beachtung deiner aktuellen Leistungsfähigkeit ( wenn es dir dann besser geht, gut) und unbeeinflusst vom Status den dein zukünftiger Beruf vielleicht hat.


    Ich muss dir auch ehrlich sagen, dass ich Probleme habe damit, dass du dir auf möglichen Fragen nach dem was du machst, eine Standardantwort parat legst und auch mit der Formulierung. Das zeigt, dass du deine eigene Situation noch nicht angenommen hast und immer noch glaubst du musst auf diese Frage eine Antwort geben, die Andere erwarten. Das musst du nicht! Wichtig ist, dass es für dich die richtige Antwort ist.


    Meine Kritik am Inhalt deiner Standardantwort ist das Wort Karriere. Vielleicht habe nur ich das Problem ,aber Karriere assoziere ich immer damit, dass jemand Top of the Top sein möchte. Ich würde lieber von Berufsweg sprechen.


    Ich verstehe sehr gut, dass es für dich wie ein Makel aussieht ,wenn du als Schwer(Behindert) eingestuft wirst. Aber diese Einstufung wird dir helfen, bei der Findung eines Ausbildungsplatzes etc.. Arbeitgeber werden gefördert, wenn sie (Schwer)behinderte einstellen und man wird dann eben auch Rücksicht darauf nehmen können, dass du nicht Vollzeit arbeiten kannst oder länger für deine Ausblildung brauchst.


    Ich wünsche dir wirklich, dass du Kraft findest voll und ganz zu dir selbst zu stehen, ein Ziel für dich findest sowie nette Freunde findest, für die keine Rolle spielt, was du beruflich machst sondern an dir als Menschen Interesse haben.

    Wo suchst Du denn nach neuen sozialen Kontakten?


    Ich finde das ein bisschen ungewöhnlich, was Du erzählst. Wenn ich Menschen kennenlerne, üblicherweise über ein gemeinsames Interesse, dann dreht sich alles vor allem um dieses Interesse. Also Bücher, Filme, Sportart, Vereinsarbeit, Ehrenamt, was auch immer - man kratzt zwar mal an der familiären Situation und dem Berufsweg, aber im Prinzip dreht sich doch alles um das gemeinsame Interesse.


    Ich war auch mal in einer tollen gemischten Theatergruppe - da waren Freiberufler, Beamte, Angestellte, Hausfrauen, Harz-IV-er, Studenten... Da hat sich kein Schwein für den Beruf interessiert. Außer, wenn eben bestimmte Termine / Aufgaben wahrzunehmen waren, da hat man natürlich aufgrund der beruflichen Situation direkt bestimmte Leute als Erstes angesprochen, ob sie Zeit haben.


    Wenn man ein starkes gemeinsames Interesse hat, dann ist der berufliche/familiäre Hintergrund egal. Dann definiert man sich nicht über ähnliche Karrierestufen oder sowas, weil das gemeinsame Interesse alles andere überlagert.


    Im Moment hast Du ja scheinbar viel zu tun, vielleicht hast Du keine Zeit, Dich regelmäßig in einer bestimmten zusätzlichen Sache zu engagieren. Aber das wäre in meinen Augen der sicherste Weg, um Leute kennen zu lernen, denen schnurzegal ist, was Du beruflich machst.

    Cinnamon4, ich lese dich ja auch schon eine Weile hier aktiv im Forum. Und ich bin jetzt wirklich überrascht. Man hat ja so ein Bild von den Leuten, die man hier liest. Und bei dir lag ich sowohl im Bildungsweg als auch im Alter total daneben. Reflektiertheit und Ausdruck lassen auf alles andere schließen als einen Schulabbruch in der 8. Klasse. Du hast also Potenzial, was dich als Menschen auszeichnet. Ich weiß nicht, ob du dir dessen bewusst bist, aber wenn ich dich jetzt mit Azubis mit Abitur vergleichen würde, dann sähe ich in dir eine gute Reife, die nicht jeder in dem Alter hat.


    Chronisch krank zu sein ist natürlich kacke, aber ich kann dich nur ermuntern, in deinem jungen Alter Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn du jetzt 40 wärst würde ich sagen: hmmm, naja, nimm, was du hast und lebe. Aber mit Anfang 20? Da hast du doch kaum was verpasst. Ich wünsche dir, dass du da viel Energie reinbringen kannst und wenigstens eine ordentliche Mittlere Reife schaffst. Zusammen mit deiner Außenwirkung und dem angenehmen schriftlichen Ausdruck sehe ich da kein Problem, einen ordentlichen Ausbildungsplatz zu bekommen. Danach ist das vorher alles sowieso vergessen - du tust es mehr für dich als für andere und wie berufliche Laufbahnen verlaufen, kann niemand sagen. Vieles ist möglich, wenn man etwas Glück und viel Willen hat, nicht stehenzubleiben. Die Schule ist da nur der erste Schritt. Bleib dran. :)^


    Zu deiner eigentlichen Frage: wenn du schon einen Cut mit sozialen Kontakten hast, kann ich dir nur empfehlen, ehrlich zu sein. Dann weißt du auch direkt, ob Bekanntschaften und Freundschaften kompatibel sind und du als Mensch wichtiger bist als deine Zeugnisse. Meine Frau und ich haben beide Abitur und einen "soliden Job", aber im Freundeskreis haben wir auch einen Schweißer und einen Staplerfahrer, die beide im Leben viel Pech hatten. Es sind aber einfach gute Kerle, es passt menschlich klasse. Wir wissen von vielen Problemen und haben auch prekäre Lebensstandards kennengelernt. Aber das ist kein Grund, sich abzuwenden. Eine andere Freundin ist Gärtnerin bei einer Stadtverwaltung. Sie ist eine der interessantesten und tiefgründigsten Menschen, die ich kenne und jedes Treffen ist eine Bereicherung.


    Wenn du offen bleibst und deine bisher eher schlechte Erfahrung im Leben einfach mal mutig wegwirfst, dann wirst du feststellen, dass es immer irgendwo einen Platz gibt, wo man man selbst sein darf. :)z

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    jetzt kann ich gerade meinen eigenen Erwartungen gar nicht mehr entsprechen und euch allen Antworten.

    ;-D Wegen mir müsstest du dich da jetzt nicht stressen. Ich fände es ok, wenn du nur auf konkrete Fragen eingehen würdest oder Dinge posten würdest, die wichtig für die Diskussion sind.

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    Ich finde es deshalb fast doof, dass so früh nach dem Job gefragt wird bzw. mache ich das selber nicht so gern. Oft passen Charakter und Jobsituation nämlich gar nicht zusammen. Vielleicht sehe ich das aber auch zu eng und die Frage nach dem Job ist ja eigentlich auch nur reine Interesse und keine Charakterkunde.

    Die Frage nach dem Job ist für mich (die Menschen gehen halt von sich selber aus ;-) ) eine harmlose Frage, mit der man gut ins Gespräch kommen kann. Außerdem finde ich das interessant. Aber einen Anfang 20Jährigen würde ich (auch da geh ich wieder von mir aus, ich hatte da noch gar keinen Job) diese Frage wohl so gar nicht stellen.

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    Ich hinke mit meiner Karriere etwas hinterher, weil ich chronisch krank bin. Das ist nicht weiter tragisch, nur bin ich dadurch eben oft müde und nicht so leistungsfähig. Deswegen stecke ich mir meine Ziele eher etwas langfristiger.

    Das klingt jetzt auch für mich zu defensiv und zu rechtfertigend. Vielleicht lieber so:


    "Ich musste meine Schule abbrechen weil ich eine schlimme Krankheit habe - die Ärzte wissen leider noch nicht mal was es ist". Das weitere Gespräch ergibt sich dann von selbst. Natürlich wirst du dann auch Mitleid bekommen, aber das finde ich nichts Schlimmes.


    Ich finde es auch nicht schlimm, wenn du dir so eine Standardantwort zurechtlegst, im Gegenteil. Du fühlst dich in Kontakten dann einfach sicherer.


    So

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    "Es ist durch unglückliche Umstände und durch Krankheiten in meinem Leben einiges anders gelaufen, als ich mir das gewünscht habe. Aber ich ARBEITE DARAN und ich bin sehr zuversichtlich, auf einem guten Weg zu sein. Einzelheiten möchte ich dazu noch nicht sagen."

    ginge es auch, nur würde ich die beiden letzten Sätze (Rechtfertigungen) jedenfalls zunächst weglassen.

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    Ich habe nur Sorge, dass ich mich dann psychisch total hängen lasse, wenn ich als schwerbehindert gelten sollte %:| . So nach dem Motto: "Dann ist es ja eh egal." Sorry, wenn das jetzt doof klingt, ich will hier niemanden angreifen, der schwerbehindert ist. Nur assoziere ich, gerade in meinem Alter, damit irgendwie, dass das Leben vorbei ist.

    Dazu hast du ja schon kundige Antworten bekommen. Ich habe mehrere Kollegen, die "schwerbehindert" sind (weil sie mal Krebs oder einen Herzinfarkt hatten), die arbeiten mindestens so gut und engagiert wie die anderen. Das ist bei uns absolut kein Makel (wenn man es von einzelnen überhaupt weiß), sondern dient nur dazu, dass diese Leute, die es wegen ihrer Krankheit schwerer haben, mehr Rechte bekommen, um diese Schwierigkeiten etwas aufzufangen.

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    Nur irgendwie habe ich so eingetrichtert bekommen, dass nichts aus mir werden wird, wenn ich nicht mit 18 Abitur mache, mit spätestens 19 studiere und dann in den Job einsteige. Aber anscheinend stimmt das gar nicht?

    Nein, das stimmt natürlich nicht. Ich habe Kollegen mit ganz spannenden Lebenswegen. Ich habe auch großen Respekt davor, wenn jemand seinen Weg macht, ohne dass er so wie ich von seinen Eltern alles vorne und hinten reingeschoben bekommen hat.

    Ich bin schwerbeindert mit einem GdB von 40 und bin gleichgestellt. Da war mal eher ein Trick, um einen gewissen Schutz zu haben. Mittlerweile ist es einfach ein Fakt - und die Erkrankung aktuell sehr im Hintergrund. Für ich war es nie mit Hängenlassen verbunden, sondern mit formeller Anerkennung der Schwierigkeiten, die ich faktisch hatte. und so erlebe ich alle Menschen, die den GdB nicht haben, um einfacher an Rente zu kommen, sondern schlichtweg sagen: Ich habe ein Baustelle, die mich täglich zum normalen Alltag fordert. Es gibt doch so viele Aspekte: Eltern schulpflichtiger Kinder haben oft Vorteile bei der Urlaubsplanung im Betrieb bzgl. Ferien etc. Warum dann nicht einen fairen Nachteilsausgleich für die einschränkungen einfordern? Leistung erbringen muss man trotzdem und Schutz vor Kündigung in der Probezeit bietet der GdB auch nicht. Aber er kann Basis sein, sich nicht mehr völlig zu verstecken mit dem Problem. ??Der GdB bezieht sich bei mir auf ein kaputtes Knie; mittlerweile Kunstgelenk. Im Studium 15 OP's, die einfach beeinträchtigt haben.??

    Ehrlich gesagt mag ich es persönlich überhaupt nicht, wenn man mir schon die Frage stellt "Was machst/ machen Du/ Sie beruflich?" Da bin ich schon fast geneigt zu sagen "Geht Dich/ Sie nix an", was aber auch unhöflich meinem Gegenüber wäre. Meist kommt diese Frage auch noch von Menschen die ich kaum kenne, z.B. der Friseur. Und wenn ich dann ehrlich sage, was ich aktuell mache, wird dann auch noch weiter gebohrt. Als ich Verwaltungsangestellte war, fragte man mich noch "Ist doch bestimmt langweilig, den ganzen Tag im Büro zu hocken und Gesetze zu wälzen, oder?", "Was macht man da? Kaffee kochen?" Oder als ich arbeitslos war, kamen solche Kommentare wie: "Sicher langweilig den ganzen Tag zu Hause zu hocken.", "Fällt Dir/ Ihnen da nicht die Decke auf den Kopf?" Als ich sagte, dass ich aktuell krank sei, kam dann nur ein "hm..." und Thema wurde schnell gewechselt und jetzt, wo ich neben aktueller gesundheitlicher Probleme auch freiberuflicher bildender Künstler bin kommt die Standartfrage: "Kann man davon überhaupt leben?"


    Ich finds einfach nur noch zum ko*zen und bin auch fast geneigt zu lügen, wenn mich jemand fragt, was ich aktuell mache. Aber das ist ja auch keine Lösung...

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    Als ich Verwaltungsangestellte war, fragte man mich noch "Ist doch bestimmt langweilig, den ganzen Tag im Büro zu hocken und Gesetze zu wälzen, oder?", "Was macht man da? Kaffee kochen?" Oder als ich arbeitslos war, kamen solche Kommentare wie: "Sicher langweilig den ganzen Tag zu Hause zu hocken.", "Fällt Dir/ Ihnen da nicht die Decke auf den Kopf?" Als ich sagte, dass ich aktuell krank sei, kam dann nur ein "hm..." und Thema wurde schnell gewechselt und jetzt, wo ich neben aktueller gesundheitlicher Probleme auch freiberuflicher bildender Künstler bin kommt die Standartfrage: "Kann man davon überhaupt leben?"

    Hehehehe ;-D


    Ich vermute, manche Menschen glauben immer, dass es irgendwer anders besser haben könnte. Und deswegen gruscheln die dann nach einem Haar in der Suppe, was sie finden können, und dann sind sie wieder zufrieden.

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    "Nix, ich liege meinen Eltern auf der Tasche und ob ich jemals arbeiten werde, steht in den Sternen. Außerdem könnte ich zwar Abi machen, mache aber doch nur den Hauptschulabschluss."

    Es ist ja nicht so, dass du nichts machst (und slebst wenn, dann ist das eben so).


    Ich fände erstmal wichtig zu klären, was du denn gesundheitlich genau hast.

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    Dazu habe ich auch noch eine Stoffwechselerkrankung und eine weitere Erkrankung bisher unbekannter Art (Habe klare Symptome, die noch kein Arzt genau zuordnen kann), die mich einfach von der Leistungsfähigkeit her einschränken.

    Du wirst doch über deine Symptome gegoogelt haben und hast schon eine Idee, was es sein könnte?


    Wenn du, zusätzlich zu einer z.B. Diabetis nich Borreliose/CFS hast, kann man das doch so sagen? Und aufgrund dessen, bzw. deren Symptome warst/bist du eben nict so Leistungsfähig wie Gesunde. Da brauchst du dich nicht schämen.

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    Tja… und wie begegne ich jetzt fremden Menschen? Was erzähle ich ihnen? Ich will nicht, dass sie Mitleid mit mir haben. Ich will, dass sie einfach "mich" sehen.

    Genau so. Sachlich erzählen und gleich dazusagen, dass bitte kein Mitleid aufkommen soll. Wenn du das gerade heraus sagst, ist das schon tough und wird auch akzeptiert.