Wie würdet ihr mit Eurer als Mutter überforderten Frau umgehen?

    Hallo zusammen,


    so langsam verlässt mich die Geduld :) Sicherlich wird es den einen oder anderen Vater geben, der ähnliches erlebt oder erlebt hat.


    Kurz zu meiner Situation:


    Unser Sohn ist jetzt 8 Monate alt und war so ziemlich von Beginn an ein sehr forderndes Baby. Er ist kerngesund und entwickelt sich prächtig - also wollen wir uns mal nicht beschweren. Schon vor der Schwangerschaft haben wir uns darauf verständigt (ganz konservativ), dass ich bis zum Kindergartenalter das Geld heranschaffe und meine Frau Elternzeit bis dahin nimmt (also bis der Lütte mit 2 oder 3 in den Kindergarten geht). Jetzt muss man sich um so ein Kind eben kümmer und das nervt auch manchmal - zumal natürlich auch noch Haushalt ansteht. Ich helfe so gut es möglich ist mit und kümmere mich wahlweise um Kind oder Haushalt (wobei ich hier sicher mehr machen könnte, aber im Rahmen meiner Fähigkeiten ist das schon in Ordnung).


    Da man unser Kind jetzt nicht in die Ecke legen kann und dabei die Füße hochlegen, sondern wahlweise tragen, spielen, spazieren gehen, füttern, umziehen, windel wechseln oder was auch immer tun muss, ist eben immer was zu tun. Genau darüber beschwert sich meine Frau, macht mir Vorwürfe wie gut ich es als Berufstätiger hätte (wobei mein Beruf mitbringt, dass ich viel zu Hause sein kann und auch während der Arbeitszeit mal helfen kann, was ich auch tue) und das ich meinen Job bitte kündigen soll, damit ich mich von nun an kümmern kann. Das wehre ich bisher einigermaßen erfolgreich ab, weil es aus rationalen Gründen auch keinen Sinn macht (ich verdiene überdurchschnittlich gut, so dass diese Konstellation überhaupt möglich ist / das Elternzeitmodell lässt sich nicht ausreichend anpassen, so dass ich meinen Job tatsächlich aufgeben müsste).


    Ich verstehe, dass meine Frau sich manchmal sehr beansprucht fühlt und das da vielleicht auch das ein oder andere Wort fällt, was so nicht gemeint ist. Trotzdem würde ich mir auf Dauer auch mal eine sachlichere Betrachtung der Situation wünschen und nicht immer alles abkriegen. Schließlich leiste ich mit meiner Arbeit und dem Verdienst des Lebensunterhaltes auch einen wichtigen Teil. Meine freie Zeit verbringe ich fast ausschließlich mit Frau und Kind und helfe wo ich kann (meistens nehme ich meiner Frau in meiner arbeitsfreien Zeit das Kind ab). Eigenen Interessen (Hobbies, Freunde treffen, Sport, ...) gehe ich seit der Geburt unseres Kindes fast gar nicht mehr nach (vielleicht einmal alle paar Wochen 2-3 Studen), weil dass auch wieder nur zu Diskussionen führen würde.


    Also nochmal zusammenfasst:


    - Ich verstehe die Gedanken meiner Frau


    - Meinen Job zu kündigen ist für mich aus verschiedenen Gründen keine sinnvolle Lösung (Halbierung des Haushaltseinkommens, ungewisse berufliche Zukunft da kein Schutz der Arbeitsstelle durch Elternzeit wie bei meiner Frau)


    - Die ewigen Vorwürfe, dass ich arbeiten gehe bin ich leid


    - Die völlige Ignoranz rationaler Argumente kann ich nicht verstehen. Man kann meiner Meinung nach nicht alles emotional betrachten


    Meine Güte - viel zu lang zum lesen vermutlich. Vielleicht hat ja trotzdem jemand einen guten Tipp für mich, wie ich hier den Haussegen gerade rücken kann und meine Frau darin bestärken kann, dass Sie ihre Aufgabe gut meistert, stolz auf sich sein kann (ich bin es) und nicht verärgert darüber zu sein braucht, dass sie sich um unser Kinde kümmern darf.


    Liebe Grüße


    Der Dude

  • 127 Antworten

    Ich kann deine Frau verstehen. Kündigen ist natürlich absoluter Quatsch!


    Aber da du ja sagst du nimmst ihr Kind ODER Haushalt ab:


    Wie wäre es wenn du mal beides machst und sie mal ausgehen kann?


    Ich kenne das leider auch und beneide meinen Mann dass er arbeiten und sich mit "normalen" Menschen unterhalten kann. Mein Tag dreht sich aktuell um windeln, spucken, füttern, Haushalt und wenn ich den Grossen von der Kita hole auch noch um superwings und Feuerwehrmann Sam. Intellektuelle Gespräche die einen fordern hat man nicht mehr wirklich.


    Würde ich mich nicht alle paar Tage mit Freunden treffen (Baby habe ich in dem Moment mit, aver nur weil sie pflegeleicht ist und sich auch mal mit sich selber beschäftigt. Bei euch klingt das ja anders) würde ich durchdrehen.


    Schick deine Frau mal raus. Kein Kind. Kein Haushalt. Nur sie :-)


    Im übrigen ist das erste was ich mache, wenn mein Mann nachhause kommt, ihm das Baby in den arm zu drücken und ihn zum spielen mit dem grossen zu verdonnern. Ich trinke dann in Ruhe eine Tasse Kaffee. Und nach 15-20 minuten "Batterien aufladen" bin ich wieder Mama und er kann sein Zeug machen:-)

    @ Honey91_Mit_Minis

    Das ist eine sehr gute Idee, wird aber abgelehnt. Meine Frau ist der Meinung, dass 1 Person mit dem Nachwuchs überfordert sein muss. Daher überwiegt Ihre Angst uns alleine zu lassen vor dem Wunsch sich mit anderen Menschen zu treffen. Angebote diesbezüglich haben wir unglaublich viele, werden aber einseitig alle abgelehnt. Wenn Sie es dennoch mal wagt, dann ist Sie hinterher sehr unglücklich darüber, ihr Kind zurück gelassen zu haben. Meinetwegen kann meine Frau jeden Abend ausgehen, wenn es ihr hilft. Ich sehe das ja genau so wie Du...

    Habt ihr denn manchmal einfach nur Zeit für euch? Also abends, oder sogar mal einen ganzen Tag? Mittlerweile dürfte das Kind ja groß genug sein um einen Nachmittag bei Oma (oder Babysitter) zu sein. Ich glaube deiner Frau würde es gut tun mal 2 Tage komplett raus zu kommen. Danach sind vlt. auch sachliche Gespräche möglich. Es kann ja nicht so ganz ihr Ernst sein, dass du kündigst und ihr euch zu zweit um den Kleinen kümmern sollt.


    Ist es denn tatsächlich so, dass es so anstrengend ist oder ist es eher eintönig/öde/trist oder sie will alles zu perfekt machen? Auch da könnte man ansetzen. Hat sie im Freundeskreis andere Mütter (mit Kindern im ähnlichen Alter)? Der Austausch hat mir immer sehr geholfen.


    Vielleicht würde sich die Situation auch entspannen, wenn er mit einem Jahr (oder 1,5 Jahren) in die Krippe kommt und sie wieder arbeiten geht. Arbeiten scheint ja für sie aktuell Entspannung zu sein. Dann ist für deine Frau die Zeit nicht mehr so lang und ein Ende in Sicht.

    Klingt irgendwie, als ob es ihr wirklich nicht gut ginge. auch diese Überforderungsgefühle und dieses Zerrissenensein zwischen Überforderung und Nicht-Abgeben-Können können Zeichen von postnataler Depression sein.


    Vielleicht wäre es wichtig, wenn du sie in ihrer Emotionalität wirklich mal ernst nehmen würdest. Also nicht im Sinne von: Wann denkt sie denn mal wieder rationaler? Sondern so, als ob sie gerade wirklich nicht anders könnte, als sich so zu fühlen.

    Also, so ganz verstehe ich das nicht. Den Frau möchte, dass Du dich noch mehr einbringst - also Job kündigst. Aber dich mit dem Kind alleine lassen möchte sie auch nicht? Sie ist also der Meinung, dass man mindestens 2 Personen braucht, um sich adäquat um das Kind kümmern zu können. ":/


    Ich persönlich glaube, sie ist extrem unzufrieden mit irgendetwas bzw. hat ggf. ein psychisches Problem. Aber so lange sie darüber nicht redet ist es extrem schwer für Dich etwas richtig zu machen. Oder sie redet darüber und Du bemerkst es nicht, weil Du es als "Gemecker" abtust.


    Vielleicht machst Du in ihren Augen zu wenig? Du schreibst ja, dass diesbezüglich noch "Luft nach oben ist" für dich.

    Ich habe auch so den Verdacht in Richtung Depression. Ein gewisses Abgrenzen von der Außenwelt passt dazu ganz gut ins Bild. Nach der Geburt gab es auch Ereignisse außerhalb der Familie, die sehr aufs Gemüt geschlagen haben bzw. es noch immer tun. Das meine Frau da ein Problem haben könnte, sieht sie eher nicht so - vielmehr wird bei allen anderen Menschen nach Verhaltensmustern gesucht, die ihr "Genervtsein" verursachen.

    @ hikleines:

    Guter Punkt, aber wie stelle ich das am besten an?

    In die schon von Shojo und hikleines angesprochene Richtung habe ich auch direkt gedacht - ich finde es alarmierend, dass deine Frau auf der einen Seite mit der Situation völlig unzufrieden und überfordert ist, aber es auf der anderen Seite nicht ändern will bzw. kann, weil sie das Kind nichtmal dir ohne schlechtes Gewissen anvertraut. Sie befindet sich dadurch in einem Kreislauf, aus dem sie vielleicht ohne Hilfe von außen nicht mehr so einfach rauskommt. Habt oder hattet ihr eine Hebamme, die man dahingehend mal kontaktieren könnte? Das wäre jetzt meine Idee, um es vielleicht erst einmal behutsam ansprechen zu können.

    Ans Abgeben des Kindes muss man sich am Anfang auch gewöhnen. Ich fand es bei den ersten Malen nicht so super wie gedacht, hab mich da aber durchgeschlagen, und dann wurde es super.


    Hast Du schon mal alles übernommen und gesagt, sie hat jetzt frei und soll in die Wanne gehen oder so? Was sagst Du, wenn sie behauptet, einer allein könne sich nicht kümmern?

    Zitat

    Meine Güte - viel zu lang zum lesen vermutlich. Vielleicht hat ja trotzdem jemand einen guten Tipp für mich, wie ich hier den Haussegen gerade rücken kann und meine Frau darin bestärken kann, dass Sie ihre Aufgabe gut meistert, stolz auf sich sein kann (ich bin es) und nicht verärgert darüber zu sein braucht, dass sie sich um unser Kinde kümmern darf.

    Die Aufgabe, sich tagsüber allein ums Kind zu kümmern, ist für viele Leute tatsächlich nicht erfüllend, und niemand braucht dafür "dankbar" zu sein, das schmink Dir mal bitte ruckartig ab. Ich fand das erste halbe Jahr SO abgrundtief scheiße und beklemmend, dass unser Kind ein Einzelkind bleiben wird, weil ich ums absolute Verrecken und gottverdammt noch mal nie wieder so ein Babyjahr mitmachen werde. Und das zweite halbe Jahr war besser, aber keineswegs so exorbitant schön, dass es das wieder "geheilt" hätte. Ich kann stundenweise was mit Babys und ganz kleinen Kindern anfangen, aber wenn es länger dauert, ödet es mich maßlos an. Diese Ödnis musste ich im ersten Jahr ständig aufbrechen, mir Ausgleich suchen, sonst hätte ich den Verstand verloren. Ich hätte Arbeiten gehen als "dürfen" empfunden, das Jahr zu Hause zu bleiben war hingegen ein "müssen". Und ich war viel unterwegs - das hat es aber nicht schön gemacht, sondern nur erträglich. Trotzdem fiel es mir anfangs oft schwer, mich zu lösen, weil ich den Eindruck hatte, das wäre jetzt nun mal meine Aufgabe, das könne ich niemand anderem auflasten. Zum Glück haben mein Mann und meine Mutter und auch eine Freundin mir da sehr geholfen und mich mit sanftem Nachdruck dazu gebracht, loszulassen, indem sie mir versichert haben, ich sei keineswegs unersetzlich und sie keineswegs aus Zucker, sie kämen bestens klar. Schwierige Zeit.


    Erwarte nicht von Deiner Frau, dass sie die Zeit genießt, sie tut es offenbar nicht, und das ist okay. Ihr müsst jetzt gemeinsam überlegen und Strategien entwickeln, wie ihr euch die Zeit erleichtert und sie möglichst gut übersteht.


    Was ist mit Krippe, ist das denkbar? Tagesmutter ab dem vollendeten ersten Lebensjahr? Wieso erst mit zwei oder drei Kindergarten? Tagesmutter geht oft auch für zwei oder drei Vormittage die Woche. Was ist mitr Verwandtschaft, die entlasten könnte, gibt es da jemanden? Haushaltshilfe? Deine Frau muss aus der Gedankenschleife raus, dass sie unentnehrlich und somit in einem Leben gefangen ist, das sie nicht will. Wenn man da drinnen ist, fühlt es sich nicht an, als würde es je anders werden, es ist wie lebenslänglich. Sie braucht Hilfe, und sie braucht Unterstützung dabei, sich wieder selbst helfen zu können.

    Zitat

    Trotzdem fiel es mir anfangs oft schwer, mich zu lösen, weil ich den Eindruck hatte, das wäre jetzt nun mal meine Aufgabe, das könne ich niemand anderem auflasten.

    Es kann auch sein, dass sie erst recht so schlecht sagen kann: hier nimm du das Kind, weil sie auch irgendwo ein schlechtes Gewissen hat. Sie genießt die ganze Sache ja nicht so, wie sie sich das vermutlich vorher ausgemalt hat. Und schon gar nicht so, wie du dir das für sie vorstellst. Sie merkt ja wahrscheinlich auch, dass du dir denkst, sie könnte das doch nun auch mal positiver sehen.


    Dann fällt es erst recht schwer, etwas abzugeben, wenn man den Eindruck hat, man bekäme es nicht hin.

    Ich habe nicht die Erwartung, dass es für meine Frau eine große Freude ist, sich um all die Dinge zu kümmern. Unterstützung haben wir durch meine Eltern jede Menge. Unterstützung von Freunden ist angeboten, wird aber abgelehnt. Da meine Frau vom Fach ist, lehnt sie es "eigentlich" ab, das Kind früh in die Kita zu geben.


    Natürlich sind da viele Gewissensbisse vorhanden und es ist schwierig. Aber ich habe hier schon gute Anregungen gefunden, die ich mangels Offenheit bisher übersehen habe. Ich werde meine Frau mal in die Richtung "beraten", sich doch langsam und öfter wieder um sich selbst zu kümmern.

    Zitat

    Da meine Frau vom Fach ist, lehnt sie es "eigentlich" ab, das Kind früh in die Kita zu geben.

    Moment...sie ist selbst Erzieherin, möchte aber nicht, dass das Kind in die Kita kommt? Das verstehe ich nicht.