Instinkte müssen nicht genetisch programmiert sein wie bei Enten, die nach dem Schlüpfen gleich schwimmen können. Instinkte können auch erlernt worden sein. Als Eltern hat bringt man all die Erfahrungen mit, die man als Kind selber gemacht hat. Hat man einen liebevolle Erziehung genossen, bringt man ein großes Repertoire an Möglichkeiten mit, viel mehr als ein Elternteil, das als Kind zu Hause vernachlässigt wurde weil die Eltern nie da waren. Wer als Kind viel für das Dasein als Elternteil mitgenommen hat, der kommt dann auch ohne die ganzen Ratgeber und Bücher aus, weil er intuitiv richtig handelt. Ob man das nun Instinkt nennt oder Intention oder Erfahrung ist doch Wurst.

    Die eigenen Eltern, besonders die Mutter, spielen eine wichtige Rolle. Nicht zu vergessen sind aber auch die Themen Schwangerschaft, Geburt, Prozess vor dem Schwangerwerden, schwangerschaftsdepression. Das kann so manches ins Wanken bringen.

    Von dem ach so wichtigen angeblich hormongesteuerten Mutterinstinkt lese ich fast nur bei med1.


    Ich nenne das weder Instinkt noch hormongesteuert noch Erfahrung, sondern einfach gesunden Menschenverstand und Beobachtungsgabe.


    Da ich als Kind eine ziemlich lieblose Erziehung genossen habe (ein Kind müsse gewaschen, gefüttert, angezogen werden, mehr braucht man als Mutter nicht zu tun), habe ich da gar nichts mitbekommen.


    Wir haben unsere Kinder damals die 1-3 Wochen, die ich je in der Klinik war, tagsüber alle 4 (oder war das nur alle 6?) Stunden für vielleicht 30 min zum Stillen in die Hand gedrückt bekommen und nachts überhaupt nicht.


    Aber ich liebe so kleine Würmchen einfach und habe auch bei Babys im Bekanntenkreis keinerlei Berührungsängste.


    Nur, die Bedürfnisse unserer Kinder erkennen, konnte mein Mann genauso gut, wie ich. Er war ab dem ersten Tag zu Hause in die Betreuung mit eingebunden. In der ersten Zeit konnte er das sogar besser als ich – außer Stillen natürlich.


    Hat er jetzt meine Hormone mitbekommen, oder den "Instinkt" geerbt? Oder was?


    Ich kenne keine einzige Frau, die da von ihren Mutterinstinkten redet.


    Von daher gehe ich schon davon aus, dass der TE das Kind genauso gut betreuen kann. Die Frau muss es nur zulassen.

    Eben! Und als Begründung, warum viele das nicht schaffen mit dem Zulassen (Loslassen), wird ja eben gern dieser ominöse Mutterinstinkt angeführt


    ??Der bei mir auch nicht automatisch angesprungen ist übrigens, aber ich hatte vielleicht Glück und hab das einfach als Tatsache zur Kenntnis genommen.??

    Zitat

    Ob man das nun Instinkt nennt oder Intention oder Erfahrung ist doch Wurst.

    Naja, Instinkte wirken dadurch, dass sie genetisch mitgegeben werden, ziemlich starr, und müssen auch nicht erlernt werden. Offenbar sind sich aber viele Neurologen mittlerweile einig, dass gerade beim Menschen die individuelle Erfahrungswelt von klein auf an (schon im Mutterleib) verbunden mit Lerneffekten ziemlich prägend ist. Die Wirkung sogenannter Instinkte ist beim Menschen eher schwach ausgeprägt.

    ja freilich. Ralph_HH schrieb ja auch

    Zitat

    weil er intuitiv richtig handelt.

    und ging auf den Lerneffekt ein.


    Den "Vaterinstinkt" sehe ich ja auch so.


    Das Beschützen, die Sensibilität für bedrohliche Situationen mag Instinkt sein, der liebevolle Umgang mit dem Nachwuchs hat aber sicher auch Wurzeln in der eigenen Erfahrungswelt.


    Die eigenen Erfahrungen können andererseits ja auch Instinkte unterdrücken, das kann gut oder schlecht sein.

    Zitat

    Und als Begründung, warum viele das nicht schaffen mit dem Zulassen (Loslassen), wird ja eben gern dieser ominöse Mutterinstinkt angeführt

    Ich kann verstehen, wenn es einer Mutter schwer fällt, ihr Kind loszulassen, aber was ich nicht verstehe, warum sie überhaupt nicht will, dass zumindest der Vater eine ausreichend fundierten Umgang mit seinem Kind erlernt.


    Für mich war es eine Horrorvorstellung, dass mit mir etwas passiert und mein Mann keine Ahnung von seinem Kind hat. Deswegen wurde er von Anfang an mit eingebunden und ich konnte mir immer sicher, dass er weiß, was er zu tun hat. MEIN Mutterinstinkt hat mir gesagt, dass er als Vater genauso in der Lage sein sollte sich um unser Baby zu kümmern wie ich als Mutter.


    Ich finde es sehr schade, wenn sich Männer da etwas weg nehmen lassen, nur weil ihre Frauen ihnen nichts zutrauen. Am Ende können nämlich nur alle profitieren. Keiner muss nur Eltern sein, wenn man das Kind auch von anderen betreuen lässt.


    Aber manche Frauen wollen nur das sein: Mutter. Dafür ist ihnen jedes Mittel und jede Ausrede recht.

    Ich hatte einen Arbeitskollegen, der vor einigen Jahren, als er Vater wurde, einen Teil der Elternzeit und- parallel mit der Mutter auch noch unbezahlte Freistellung nahm. Begründung: das Kind solle nicht durch die enge Bindung an die Mutter dem Vater "entfremdet werden". Fand ich ziemlich extrem. Gut, der war eh etwas special, Nerd.

    Zitat

    wenn es einer Mutter schwer fällt, ihr Kind loszulassen

    Ich sehe das nicht selten schwerwiegender schädigend für das Kind, da das Kind nicht als eigenständige Person gesehen und behandelt wird, sondern als persönliches Eigentum der Mutter. Mit Liebe für das Kind hat das eher wenig zu tun. 8-(

    Zitat

    Mit Liebe für das Kind hat das eher wenig zu tun.

    Ich denke, daß kann man so pauschal nicht sagen.


    Das kommt ja immer auch auf das Verhalten des Vaters an, und das Verhältnis der Eltern zueinander. Sicher ist da in bestimmten Fällen eine gewisse Vorsicht und auch Misstrauen seitens der Mutter angebracht.

    Ich bin eine Glucke, hatte aber auf keinen Fall von Anfang an einen "Mutterinstinkt".


    Ich war total gern schwanger, besonders beim ersten Mal, liebte das Baby in meinem Bauch schon ganz schön doll und wusste wann es schläft, wann es turnt und wann es besonders empfindsam für Streicheleinheiten war.


    Das Baby, was man mir dann in den Arm gelegt hat, war mir völlig fremd. Ich konnte die erste Zeit nicht stillen, sie lehnte die Brust komplett ab, ich konnte sie kaum trösten wenn sie schrie und das Band, von dem ich sicher war, es in der Schwangerschaft geknüpft zu haben, war weg. Ich musste sie tatsächlich irgendwie lieben lernen, das nur zum Mutterinstinkt.

    Ich glaube, dass biologische und erlernte Aspekte so eng ineinandergreifen, dass man sie nicht auseinanderdröseln kann. Steht ja auch alles in Wechselwirkung zueinander, und ein neugeborenes Kind ist kein unbeschriebenes Blatt, auf das man dann seine Erziehung draufschreibt, die es vollkommen definiert. Ganz viele Anlagen sind schon da, und dazu kommen bei jedem Menschen - sogar innerhalb derselben Familie - ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen.


    Der Kinderwunsch, wie ich ihn erfahren habe, scheint mir schon eine starke biologische Komponente zu haben, das war obsessiv, obwohl ich weder den Wunsch noch zu dem Zeitpunkt wirklich ein Kind haben wollte. Vieles funktioniert über biologische Mechanismen, und seien es nur Wehentätigkeit und Milcheinschuss. Meine Schwester ekelt sich vor Babys und leidet unter Tokophobie (Schwangerschaftsphobie). Ich fand die Schwangerschaft großartig, finde Babys ein bisschen rührend, aber eher langweilig (Hundewelpen dafür großartig) und Kleinkinder lustig und prima. Ich bin recht sicher, dass meine Schwester auch als Erstgeborene anders geworden wäre als ich und ich als Zweitgeborene anders als sie, wir waren schon als Babys extrem unterschiedlich, die Tokophobie ... hm. Weiß nicht. Ein biologisch angelegtes Phänomen oder vor allem psychologisch? Keine Ahnung. Ob sie, wenn sie ganz anders aufgewachsen wäre, Kinder hätte haben wollen? Schwer vorstellbar für mich, aber auch tatsächlich nicht zu beantworten.

    Zitat

    Das kommt ja immer auch auf das Verhalten des Vaters an, und das Verhältnis der Eltern zueinander. Sicher ist da in bestimmten Fällen eine gewisse Vorsicht und auch Misstrauen seitens der Mutter angebracht.

    Um diese Fälle geht es doch gar nicht. Das wird auch gar nicht als Argument genommen, sondern, dass ein Baby die ersten Monaten an der Mutter kleben muss und deswegen der Papa nicht mit dem Kind alleine spazieren darf. Und wickeln macht er auch falsch.

    Zitat

    Aber Du hast Deine Tochter trotzdem nicht abgelehnt, sie nicht in die Babyklappe geschafft.

    Das nennt man Verantwortung übernehmen.