Ich würde es jetzt einfach so dabei belassen und nichts sagen.


    Vielleicht hat es sich ja damit erledigt, und er nähert sich Dir nicht mehr.


    Erst wenn es weiterhin zu solchen "Nettigkeiten" kommt, würde ich mir überlegen, wie ich das in Zukunft unterbinden kann.

    Hallo und vielen Dank für eure Meinungen.


    Nach dem Arbeitstag heute glaube ich, dass mein Chef einfach nur nett sein wollte und vielleicht war es wirklich nur der Beschützerinstinkt, den ihr erwähnt habt. Er hat sich heute noch einmal nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Das war alles.


    Jetzt wo ich so nachdenke, fällt mir einfach auf, dass es ab und zu Gesten und Worte gibt, die für mich nicht so einfach zu interpretieren sind. Aber vielleicht ist genau das das Problem: dass ich zu viel überlege. Zun Beispiel habe ich vor kurzem einen Auftrag erledigt und per Mail an ihn geschickt und die Antwort war: "Du bist ein Schatz". Solange es dabei bleibt, verstehe ich es als Wertschätzung. Ich denke, er sieht so das kleine Mädchen in mir.


    Naja, jetzt wird es meine Aufgabe sein für mich die Grenzen abzustecken. Und ich muss versuchen diese "nett" zu verteidigen...

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    Ein "Das ist bestimmt nett gemeint von dir, aber ich möchte nicht massiert werden und empfinde das als übergriffig." und gleichzeitig mit deinen Händen seine Hände von deinen Schultern wegdrücken löst das in der Situation schnell, eindeutig und kollegial, ohne verletzend zu sein.

    Die Kritik des Verhaltens des Chefs als "übergriffig" finde ich schon ... relevant. Daher würde ich mich dem "Griff" zunächst entziehen und künftig auf Distanz gehen. Erst wenn sowas dennoch nochmal vorkommt würde ich "heftiger" reagieren. Allerdings ist das wie gesagt eine Gratwanderung. Zuwenig kann auch verkehrt sein, wie das Beispiel von parazellnuss zeigt.

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    Wie gesagt, eine Affäre am Arbeitsplatz kommt nicht infrage. Dafür möchte ich meine Karriere nicht aufs Spiel setzen.

    Und ich habe dich bewusst gefragt wie es wäre wenn es keine "Affaire am Arbeitsplatz" wäre. Dass sie das nicht wollen haben schon viele gesagt,und dann kam es doch dazu. "Sicherer" ist es wenn sie auf den Betreffenden von vornherein nicht stehen.

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    Ich sehe keinen Aspekt von sexuell. Und was Belästigung ist, entscheidet sie. Wenn sie sagt, ihr war es in der Situation nicht unangenehm, ist es keine Belästigung.

    Ich finde das Verhalten des Chefs hochgradig unprofessionell - weil es die TE eben irritiert.

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    Aber was soll das ändern? Es geht nicht um seinen Umgang mit anderen.

    Sagen wirs mal so: Wenn der Chef an allen Frauen herumgrapscht, ist er halt ein Grapscher. Wenn er nur an der TE herumgrapscht und bei allen anderen Distanz hält könnte das ein Indiz dafür sein dass er es speziell auf die TE abgesehen hat.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Meinst du, ob ich mir eine Affäre außerhalb meines Arbeitsplatzes mit ihm vorstellen könnte? Ich kann die Frage nicht mit einem eindeutigen Nein beantworten. Aber da wir in derselben Abteilung arbeiten kommt es nicht für mich in Frage und ich signalisiere - so hoffe ich - kein Interesse.


    Da ich nicht weiß wie lange ich in dieser Abteilung bleibe, möchte ich das einfach nicht riskieren. Das könnte ganz blöd ausgehen..

    Ja, mich hat interessiert, was genau dich daran hindert, was mit ihm anzufangen. Das könnte sein:


    * dass es jemand ist mit dem du beruflich zu tun hast


    * dass es dein Chef ist


    * dass er verheiratet ist


    * dass du ihn als Mann nicht attraktiv findest.


    Sicher vor einer Affaire wärst du nach meiner Erfahrung nur solange Punkt 4 zutrift ;-)

    Also der Hauptgrund wieso ich mich davor hüte ist, dass wir beruflich miteinander zu tun haben.


    Ich mag ihn. Und ich habe schon das Gefühl, dass er die Nähe zu mir sucht, aber ich denke, dass da auch Schluss ist. Ich glaube nicht wirklich, dass er seine Ehe für so etwas aufs Spiel setzen würde. Vielleicht ist es auch so, dass ich nur Situationen schönrede, die mir zeigen, dass er vielleicht doch was will. Und vielleicht bewerte ich diese über. Mir fehlt der neutrale Blick von Außenstehenden. Da habt ihr mir schon geholfen. :)_

    ZiaMia, kann es sein, dass du schon auch irgendwie verknallt in ihn bist? Und ängstlich?

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    Aber da wir in derselben Abteilung arbeiten kommt es nicht für mich in Frage und ich signalisiere - so hoffe ich - kein Interesse.

    Bisher habe ich aber auch kein Desinteresse gesehen. Und seine eigenen Signale auf Hoffnungen basieren zu lassen finde ich eine eher zurückhaltende und schwer lesbare Variante.

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    Ich finde das Verhalten des Chefs hochgradig unprofessionell - weil es die TE eben irritiert.


    -- CoteSauvage

    Ich finde das Verhalten von ZiaMia naiv, weil sie sich irritieren lässt. Und sich ihm gegenüber nicht eindeutig positioniert. Bis jetzt habe ich keine Grenze gesehen, die sie gesetzt hat, noch keine Ablehnung von ihrer Seite. Was ihn im unklaren lässt: gibt es Grenzen? Wenn ja, wo sind die? Und so kann es sein, dass er diese weiter ausloten wird.


    Sein Verhalten finde ich aus ihren Beschreibungen menschlich und gut durchschaubar. Aus ihren Beschreibungen fühlt er sich wohl in ihrer Nähe, kümmert sich um ihr Wohlbefinden, setzt sich für sie ein, wirbt um ihre Sympathie, macht halt Annäherungsversuche und schaut auf ihre Reaktionen. Aber es ist ja "nur" das, was sie über ihn schreibt, und falls sie schon verliebt wäre, klar, dann würde sie diese Seiten seines Verhaltens betonen.

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    Aber was soll das ändern? Es geht nicht um seinen Umgang mit anderen.

    Sagen wirs mal so: Wenn der Chef an allen Frauen herumgrapscht, ist er halt ein Grapscher. Wenn er nur an der TE herumgrapscht und bei allen anderen Distanz hält könnte das ein Indiz dafür sein dass er es speziell auf die TE abgesehen hat.

    Ich vermute, sie sticht heraus in der Gruppe. Das macht sie attraktiv. Wenn er nur an der TE "herumgrapscht" (er hat massiert, nicht gegrapscht), kann es ein Indiz sein, dass sie da allein weiblich, jung, ungebunden und neu in der Gruppe ist, und noch nicht mit Ablehnung auf die Zuneigung des Chef-Kollegen reagiert.


    Mit einer kleinen Bemerkung kann sie ihn an sich recht leicht eine Grenze setzen: "Ich danke dir für deine väterliche Unterstützung und den väterlichen Trost gestern." Das Wort väterlich beinhaltet eine Menge - und das in einem Wort. Es macht ihn alt, negiert seine potenziell auch sexuellen Absichten, und setzt ihm die Grenze, gibt ihr die Aura von kindlicher Unschuld und Naivität. Und macht gleichzeitig deutlich, welche Unterstützung sich ZiaMia wünscht: den Beistand des Chefs, die Unterstützung in der neuen Abteilung bei den sozialen Spannungen unter den Mitarbeitern (es gab ja eine Streitsituation vorher), aber gleichzeitig ein indirekter Wunsch an einen Chef-Kollegen, dass der bitte schön sein Testosteron im Zaum halten soll und sich da keine Hoffnungen machen soll.

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    Ich finde das Verhalten von ZiaMia naiv, weil sie sich irritieren lässt. Und sich ihm gegenüber nicht eindeutig positioniert. Bis jetzt habe ich keine Grenze gesehen, die sie gesetzt hat, noch keine Ablehnung von ihrer Seite. Was ihn im unklaren lässt: gibt es Grenzen? Wenn ja, wo sind die? Und so kann es sein, dass er diese weiter ausloten wird.

    Was du über ihr Verhalten bzw ihre Reaktion schreibst, mag zutreffen, das ändert meiner Meinung nach aber nichts daran, dass sein Verhalten unprofessionell ist. Klar, wenn er mit ihr was anfangen will, ist das eine ganz andere Baustelle. Aber auch dann würde ich persönlich nicht mit "Massieren" anfangen.

    Zitat

    Ich vermute, sie sticht heraus in der Gruppe.

    Woraus schließt du das?

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    Wenn er nur an der TE "herumgrapscht" (er hat massiert, nicht gegrapscht),

    Das kommt für mich auf dasselbe heraus: eine zwischen Chef und Mitarbeiterin unpassende körperliche Annäherung (es sei denn es soll mehr draus werden, dann s.o.).

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    ungebunden

    Sie hat doch geschrieben dass sie gebunden ist.

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    Mit einer kleinen Bemerkung kann sie ihn an sich recht leicht eine Grenze setzen: "Ich danke dir für deine väterliche Unterstützung und den väterlichen Trost gestern." Das Wort väterlich beinhaltet eine Menge - und das in einem Wort. Es macht ihn alt, negiert seine potenziell auch sexuellen Absichten, und setzt ihm die Grenze, gibt ihr die Aura von kindlicher Unschuld und Naivität.

    Das finde ich schon besser als Ansagen, die das Wort "übergriffig" beinhalten. Wenn sie allerdings "Karriere" machen will, sollte sie alles tun, ihrem Chef gegenüber nicht kindlich und unschuldig zu wirken.


    Apropos:


    Was war das für ein "Streit" unter Kollegen, der dich, ZiaMia, beinah zum Heulen gebracht hätte?

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    Ich vermute, sie sticht heraus in der Gruppe.

    Woraus schließt du das?

    Hieraus:

    Zitat

    Wir sind ein kleines Team und dutzen uns alle. Wir gehen alle sehr freundschaftlich miteinander um.

    Je kleiner die Gruppe, desto abnehmender die Wahrscheinlichkeit, dass es noch eine zweite Person mit ähnlichen Eigenschaften gibt.

    Zitat

    Sie hat doch geschrieben dass sie gebunden ist.

    Als ich meinen Text schrieb (das hat etwas gedauert), stand das noch nicht da und ich habe das eingesetzt, was der für mich gefühlte Beziehungsstatus für sie war. Ja, das passte dann offenbar nicht zusammen. Und jetzt wo ich das so lese, steht da "wir sind beide vergeben" finde ich: so richtig enthusiastisch die bisherige Partnerschaft (ganz gleich welcher Form, als Ehe, Langzeitbeziehung, Kurzzeitbeziehung, Fernbeziehung) vertretend finde ich das nicht. Ich finde, sich "vergeben" fühlen, drückt etwas unfreiwilliges und beklemmendes aus. Und einen Wunsch, die eigene Freiheit wieder mehr zu spüren. Schaut man in ZiaMias andere Threads gibt's da noch einen Parallelfall vor 3 Jahren.

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    Das finde ich schon besser als Ansagen, die das Wort "übergriffig" beinhalten.

    Ja, und es passt auch besser zu ihrem Wort "väterlich", was sie selbst verwendete. Zumal sie es ja gar nicht übergriffig fand. Das Wort übergriffig kann sie sich trotzdem schon mal merken, finde ich. Für Männer ist es sicherlich das angenehmere Wort, bevor eine Frau ausdrückt, dass sie sich sexuell belästigt gefühlt habe.

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    Wenn sie allerdings "Karriere" machen will, sollte sie alles tun, ihrem Chef gegenüber nicht kindlich und unschuldig zu wirken.

    Da gebe ich dir Recht. Aber es ist ein Rat, was sie nicht tun sollte. Was sollte sie denn stattdessen tun? Erwachsen und verantwortungsbewusst (für sich selbst und andere) agieren?


    Und inwiefern können sich Menschen für die Karriere verstellen oder verändern? An Führungsstärke, Souveränität, Durchsetzungsvermögen erinnert mich ihr Verhalten aus dem bisher geschriebenen eher nicht, aber es war ja auch nur ein Ausschnitt aus dem Leben.


    Ich glaube, Karriere ist ein Prozess, ein langer Prozess. Wenn sie da seit ein paar Monaten in der Abteilung arbeitet, klar kann man da von der Karriere träumen. Aber so richtig realistisch wird das erst mit Erfahrung, Wissen, sicherem zwischenmenschlichem Umgang, einer starken Psyche und irgendwo mindestens einem gestählten Ellenbogen. Einer inneren Stärke, die nicht auf der Abwertung anderer beruht. Einer Stärke, die keine Angriffe braucht, aber ein klares Abwehrvermögen verkörpert für den Fall, dass andere es mit Übergriffigkeiten versuchen.