Wir können nicht miteinander diskutieren

    Oder anders gesagt:


    Mein Freund kommt nicht damit klar, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind.


    Gestern gab es mal wieder eine dieser typischen Diskussionen. 'Mal wieder' heißt nicht, dass wir tagtäglich diskutieren würden, wir tun es sogar ziemlich selten, aber wenn, dann ist es symptomatisch. Es ging um ein philosophisches Thema und ein bisschen um unsere jeweilige Weltanschauung. Anlass waren die Nachrichten. Im Großen und Ganzen war mein Freund der Meinung, dass sich die Menschheit nie ändern wird und sich kein Stück entwickelt hat. Ich war der Meinung, dass "wir" uns durchaus entwickelt und bestimmte Dinge hinter uns gelassen haben, es natürlich aber noch viele Missstände gibt und ich auch die Gefahr sehe, dass alles wieder über den Haufen geworfen wird, aber ich sah es grundsätzlich einfach einen Tick positiver und optimistischer als er. Soll hier auch nicht weiter darum gehen, denn mir ging es von Anfang an dabei nicht um die Frage, wer von uns beiden denn nun Recht hat oder tendenziell richtiger liegt. Wir sehen das einfach unterschiedlich und ich fand es interessant, mich darüber zu unterhalten, seine Sichtweise kennenzulernen und so hätte ich es dann auch stehen lassen können.


    Für ihn geht es bei Diskussionen aber um Sieg oder Niederlage, um Recht oder Unrecht. Wer hat die besseren Argumente und "gewinnt" am Ende. Er will mich dann immer überzeugen und erst Ruhe geben, wenn ich sagen würde: Ok, du hast Recht, ich sehe es jetzt so wie du.


    Das konnte und wollte ich in dem Fall aber nicht. Nicht weil es mir wiederum um's Rechthaben gegangen wäre, aber ich sehe nicht ein, weshalb Diskussionen so verlaufen bzw. enden müssen. Man kann doch auch einfach mal unterschiedlicher Meinung sein und zwei Sichtweisen nebeneinander stehen lassen. Das kann er aber nicht. Er redet sich in Rage, wird laut, immer lauter, rennt auf und ab. Ich sitze währenddessen ruhig da und sage: Ich weiß gar nicht was du hast, wieso bringt dich das denn jetzt so auf die Palme? Ich verstehe deine Argumente, aber ich teile sie nicht. Ich sehe es halt anders. Er kommt damit aber nicht klar und behauptet immer dann, wenn ich ihm nicht zustimme, dass ich ihn nur nicht (richtig) verstehen würde. Er will es dann bis zum Erbrechen ausdiskutieren, wobei ausdiskutieren bei ihm eben heißt, dass am Ende einer von beiden überzeugt ist und dem anderen zustimmt. Erst wenn ich sagen würde, ja Schatz, du hast Recht, ich habe mich geirrt, ich sehe es jetzt wie du, wäre er zufrieden.


    Das Ganze haben wir jetzt innerhalb der letzten Jahre so 4-5 mal durch und langsam bereitet es mir Sorge. Wir führen zwar selten solche Diskussionen, aber ich denke, dass sie symptomatisch sind. Irgendwas läuft auch schief, weil er es total persönlich nimmt. Ich bleibe meiner Meinung nach sachlich, aber er findet, ich werte ihn ab, indem ich seine Argumente nicht annehme. Es fallen dann Sätze wie: "Du würdest mir eh nie zustimmen, weil es ja bedeuten würde, dass ich mal Recht habe und du nicht ALLES besser weißt". Da werde ich hellhörig, denn dann geht es offenbar um mehr. Ich habe ihn gefragt, wie er das meint und er sagt, er fühlt sich dumm neben mir, wenn ich ruhig bleibe und er sich so in Rage redet und ich wolle damit meine Überlegenheit demonstrieren :-(


    Ich hoffe, wenn ich nun hier so darüber schreibe, entsteht dieser Eindruck nicht auch, denn ich fühle mich ihm nicht überlegen. Ich sehe uns beide auf Augenhöhe, wir sind nur in mancher Hinsicht eben verschieden. Aber ich schaue deshalb nicht auf ihn herab und ich möchte auch nicht, dass er zu mir aufsieht. Das tut er aber manchmal, indem er sich abwertet. Er hat ein Problem mit seinem Selbstwert, denn er sagt Dinge wie: Jaaaaa, ich weeeeeeeiß, ich hab kein Abitur und du schon und ich hab nicht studiert und du schooooon. Dabei finde ich das total nebensächlich in der Hinsicht. Als ich ihn kennengelernt habe, war ich noch in der Ausbildung. Ich habe gerade mein Abitur gemacht und danach mein Studium begonnen. Er arbeitete hingegen schon seit seinem 16. Lebensjahr und das mit Leib und Seele, was mir sehr gefiel. Er wusste schon früh, in welche Richtung es gehen soll und hat auch genau darauf hingearbeitet :)^ Ich finde, er macht seinen Job klasse und oft denke ich sogar, er leistet für die Gesellschaft entschieden mehr durch seinen Job, als ich durch mein geisteswissenschaftliches Studium. Er scheint aber damit zu hadern, dass ich einen "höheren" Bildungsabschluss habe, wohingegen ich lediglich von einem anderen Bildungssabschluss reden würde und ich glaube, es stört ihn auch, dass ich mehr verdiene.


    Soweit so gut bzw. schlecht. Meint ihr, ich interpretiere das fälschlicherweise hinein und stelle mich dadurch tatsächlich über ihn? Mir liegt das fern, ich sehe ihn wie gesagt absolut auf Augenhöhe und meine Meinung zählt für mich nicht mehr als sein – aber eben auch nicht weniger und ich würde mir wünschen, dass sie gleichwertig nebeneinander stehen können. Ich weiß nicht, wie oft ich solche Diskussionen noch aushalte, auch wenn sie selten vorkommen.

  • 186 Antworten
    Zitat

    Ich habe ihn gefragt, wie er das meint und er sagt, er fühlt sich dumm neben mir, wenn ich ruhig bleibe und er sich so in Rage redet und ich wolle damit meine Überlegenheit demonstrieren

    Wenn ihn das stört, hat er es doch selbst in der Hand, das zu ändern. Oder sollst du dich auch in Rage reden, damit er sich besser fühlt? ;-D


    Hat er denn manchmal auch tatsächlich die besseren Argumente? Stimmst du ihm gelegentlich zu?

    Zitat

    Meint ihr, ich interpretiere das fälschlicherweise hinein und stelle mich dadurch tatsächlich über ihn?

    Nein, sehe ich nicht so.

    Zitat

    Ich habe ihn gefragt, wie er das meint und er sagt, er fühlt sich dumm neben mir, wenn ich ruhig bleibe und er sich so in Rage redet und ich wolle damit meine Überlegenheit demonstrieren

    Er hat doch schon erkannt woran es liegt. Wer die Sachebene einer Diskussion verlässt, wird weniger glaubwürdig.


    Aus deinen Threat kann ich nicht erkennen, dass Du Etwas falsch machst. Wenn Du sagst du redest mit ihm auf Augenhöhe dann ist das sein Problem wenn er sich nicht auf Augenhöhe fühlt,oder?

    Zitat

    Wenn ihn das stört, hat er es doch selbst in der Hand, das zu ändern.

    Eben! Das find ich daran auch so seltsam, ich zwing ihn doch nicht, sich so aufzuführen, er könnte ja genau so ruhig wie ich bleiben. Er meint aber, dass er eben ehrlich/authentisch auftritt und wirft mir vor, manipulativ zu handeln, indem ich mich nach außen gelassen gebe, um ihn bloßzustellen %:|

    Zitat

    Oder sollst du dich auch in Rage reden, damit er sich besser fühlt? ;-D

    Ja wahrscheinlich und wer dann am lautesten brüllt, bekommt am Ende Recht oder so %-|

    Zitat

    Hat er denn manchmal auch tatsächlich die besseren Argumente? Stimmst du ihm gelegentlich zu?

    Ja, es gab auch schon Diskussionen, in denen er mich tatsächlich überzeugt hat. Da hat er dann einen Aspekt genannt oder näher ausgeführt, den ich nicht bedacht hatte und da konnte ich dann auch wirklich voller Überzeugung sagen: Du hast Recht, hast mich überzeugt, ich sehe es jetzt auch wie du, ich hatte das und das zunächst nicht bedacht...


    Dann ist zwar Ruhe, aber negativ aufgefallen ist mir da auch schon, dass er das als Triumph empfindet und Dinge sagt wie: Konnte ich dir also auch mal was sagen/beibringen, hast du also auch mal was von mir gelernt.


    Ich bin da durchaus offen für, aber mir gefällt nicht, wenn es auf dieser "wer hat dem anderen etwas beigebracht/wer hatte Recht"-Ebene abläuft. Wir sind doch erwachsene Menschen und sollten uns eigentlich auf Augenhöhe unterhalten können. Er hat mir umkehert bei solchen Diskussionen übrigens noch nie "Recht gegeben" ;-) Muss er auch nicht, weil es mir wie gesagt nicht darum geht, ihn zu überzeugen und wenn er etwas nun mal anders sieht als ich, dann soll er das so sehen, why not. Aber ich glaube, er könnte das auch tatsächlich nicht über sich bringen, weil er es als persönliche Niederlage empfände. Lieber schmollt er dann und sagt, ich hätte ihn ja nur nicht richtig verstanden.


    Das geht mir besonders auf den Zeiger, dass er nicht unterscheiden kann zwischen: Ich verstehe nicht was er sagt/wie er es sieht/wie er es meint meint UND ich verstehe es schon, aus seiner Perspektive, sehe es aber für mich trotzdem anders.


    Ich habe ihm auch gestern gesagt, dass ich verstehe, wie er zu der Sichtweise kommt, dass sich nichts geändert hat im Laufe der Menschheitsgeschichte und dass ich ihm auch in vielerlei Hinsicht zustimme. Nur sehe ich es eben nicht ganz so absolut wie er, ich sehe Fortschritte, aber er wollte unbedingt, dass ich am Ende sage: Ok, stimmt, du hast Recht, ich sehe es haargenau so wie du.

    Rain81

    Zitat

    Mein Freund kommt nicht damit klar, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind.

    Dann geht es aber nicht darum, dass ihr nicht miteinander diskutieren könnt, sondern, dass er Deine Meinung nicht respektiert.

    Zitat

    Da werde ich hellhörig, denn dann geht es offenbar um mehr. Ich habe ihn gefragt, wie er das meint und er sagt, er fühlt sich dumm neben mir, wenn ich ruhig bleibe und er sich so in Rage redet und ich wolle damit meine Überlegenheit demonstrieren

    Daran, dass er sich dumm fühlt, daran kannst ja Du nichts ändern, sondern nur er. Wenn er sich dumm fühlt, nur weil jemand anderes etwas weiß, was er nicht weiß, dann macht er sich ganz schön viele Probleme.

    Zitat

    Er hat ein Problem mit seinem Selbstwert, denn er sagt Dinge wie: Jaaaaa, ich weeeeeeeiß, ich hab kein Abitur und du schon und ich hab nicht studiert und du schooooon.

    Offensichtlich hat er ein Problem mit seinem Selbstwert.

    Zitat

    Soweit so gut bzw. schlecht. Meint ihr, ich interpretiere das fälschlicherweise hinein und stelle mich dadurch tatsächlich über ihn?

    Nein, für mich klingt es nicht so.

    Zitat

    Ich weiß nicht, wie oft ich solche Diskussionen noch aushalte, auch wenn sie selten vorkommen.

    Tja.

    Zitat

    Du hast Recht, hast mich überzeugt, ich sehe es jetzt auch wie du, ich hatte das und das zunächst nicht bedacht...

    Ja, aber damit wird es auch unsachlich, wenn Du es so formulierst. Er hat Dich überzeugt und nicht das Argument (das hätte ja von Micky Mouse auch kommen können - überspitzt ausgedrückt).

    Zitat

    Dann ist zwar Ruhe, aber negativ aufgefallen ist mir da auch schon, dass er das als Triumph empfindet und Dinge sagt wie: Konnte ich dir also auch mal was sagen/beibringen, hast du also auch mal was von mir gelernt.

    Nona.

    Zitat

    Dann ist zwar Ruhe, aber negativ aufgefallen ist mir da auch schon, dass er das als Triumph empfindet und Dinge sagt wie: Konnte ich dir also auch mal was sagen/beibringen, hast du also auch mal was von mir gelernt.

    Bist Du darauf mal eingegangen? Im Sinne: Natürlich – ich lerne von jedem Menschen, natürlich auch von Dir. Jeder weiß etwas, was ein anderer nicht weiß. Wir lernen nie aus – es geht Dir doch sicher auch so?

    Anstrengend. ;-D


    Das scheint mir schon so, dass dein Freund da einen kleinen Minderwertigkeits-Komplex pflegt und sich in einer Konkurrenz-Situation zu dir sieht.


    Habt ihr denn schon mal über seinen Diskusstionsstil gesprochen?

    Rain81

    Zitat

    Nur sehe ich es eben nicht ganz so absolut wie er, ich sehe Fortschritte, aber er wollte unbedingt, dass ich am Ende sage: Ok, stimmt, du hast Recht, ich sehe es haargenau so wie du.

    Zitat

    Er meint aber, dass er eben ehrlich/authentisch auftritt und wirft mir vor, manipulativ zu handeln, indem ich mich nach außen gelassen gebe, um ihn bloßzustellen %:|

    Es ist vielleicht nicht hilfreich, aber ich kann dich nur ermutigen, in dieser Hinsicht keine Zugestaendnisse zu machen. Du wirst ihm nicht Recht geben um des lieben Friedens willen (aber durchaus, wenn du tatsaechlich mal ueberzeugt bist), und du wirst nicht akzeptieren, dass er dir vorwirft, manipulativ zu sein, wo du das nicht bist. Ich glaube, es ist wichtig, dass er weiss, dass er auf diese Weise nichts erreicht. Alles andere liegt dann bei ihm. Entweder er bringt es fertig, mit Geduld, sich da ein bisschen zu aendern, oder eben nicht.


    Uebrigens, dein Freund ist mit seiner Haltung absolut nicht alleine. Viele lernen Disukssionen vor allem als "Kampf". Wenn man da drin ist, ist es schwer, da herauszukommen.

    Von hier:


    http://www.boag-online.de/papers-ap05.html


    "Ein Arbeitspapier für Diskussionsgeschädigte."

    Irgendwie kommt mir das bekannt vor.


    Wir haben uns zwar nicht über die großen Probleme der Welt gezofft sondern es ging um die Beziehung.


    Zum Glück haben wir einen relativ gleichen Bildungshorizont, ich habe aber nur Fachschulabschlus und sie ist Dipl. Ingenieur. Zusätzlich eine rel. identische Meinung zu den Dingen der Welt. Können uns gut unterhalten ohne zu zoffen.


    Ich kann dir ja nichts raten weil ich in der Pos. Deines Freundes bin. Kann also nur sagen wie ich es gelöst habe.


    War immer das gleiche Thema. Ich sagte was mir nicht passte. Sie antwortete ruhig und sachlich, für mich in klassischer Frauenlogik. Ich, "dass kann sie doch jetzt nicht ernst meinen", also nochmals ran allerdings schon etwas bestimmenter, sie wieder ruhig Frauenlogik. Na ihr könnt euch vorstellen wo es hingeführt hat. Laut wurde es, eißiges Schweigen für ein paar Stunden, dann kam einer von uns beiden angekrochen, "sind wir wieder gut?"


    Irgendwann habe ich mir gedacht, so kann das nicht weiter laufen und habe für mich beschlossen, Frauen- und Männerlogik sind nicht kompatibel, sehe es locker. Also beim nächsten Mal ruhig geblieben, "aha so siehst Du es". Ich ganz ruhig, "ich sehe es so". Etwas verkürzt die Schilderung.


    Ja und dann passierte ein Wunder, plötzlich hatte meine Frau dazu gelernt und brachte eine Logik auf den Tisch die einem Mann alle Ehre macht. Oder habe ich da was falsch verstanden und ich habe die Frauenlogik begriffen ??? :=o


    Aber das hilft der TE ja leider nicht. Da müsste ihr Freund ja was ändern wollen. :)_

    Zitat

    Ja, aber damit wird es auch unsachlich, wenn Du es so formulierst. Er hat Dich überzeugt und nicht das Argument (das hätte ja von Micky Mouse auch kommen können – überspitzt ausgedrückt).

    Sehe ich nicht so. Der Begriff "überzeugt" beinhaltet doch automatisch, dass es ein Argument gab, das sich entsprechend ausgewirkt hat. "Du hast mich überzeugt" ist also m.E. nur eine Kurzform von "Du hast da ein Argument vorgebracht, das mich überzeugt hat."


    Zum eigentlichen Fadenthema:


    Auch wenn eigentlich er sich ein Beispiel an deinem Diskussionsverhalten nehmen könnte (und sollte :=o ) ging mein erster Gedanke genau in die Gegenrichtung: Wie wäre es denn, wenn du das nächste mal in so einer Situation testweise alle Leidenschaft und Tendenzen zur Rechthaberei auftreiben würdest, die du in dir finden kannst, um IN SEINEM DISKUSSIONSSTIL mit ihm über das Thema zu debattieren?


    Irgendwie schein es ihn ja zu stören, dass du so ruhig bleiben kannst. Vielleicht fühlt er sich viel besser, wenn du so mit ihm diskutierst wie er mit dir. Ja, dann ist es eine Art Wettstreit darüber, wer recht hat. ;-D :=o Aber ich finde nicht, dass das per se was Schlechtes ist.

    o:) Vielleicht fallen ihm sogar inhaltliche Zugeständnisse dann leichter, wenn du dich (wie gesagt: testweise) seines Diskussionsstils bedienst?

    Rain81

    Ich finde es ziemlich ausgefallen von euch, quasiphilosophische Diskussionen zum Abendprogramm zu führen. Dein Partner macht den Nietzsche mit "der Wiederkunft des ewig gleichen", du spielst den Hegel mit "deiner These – Antithese – Synthese".


    Richtig putzig!


    Ich denke wenn dein Mann das schon seit vielen Jahren so macht, dann ist es Teil seiner Persönlichkeit und unheilbar. Es ist quasie eine seiner Macken, die du ihm nicht abgewöhnen wirst. Was dir bleibt ist ihn so zu nehmen wie er ist und nachsichtig mit ihm umzugehen.


    Vielleicht fühlt er sich aufgrund deines Bildungsabschlusses dir unterlegen und versucht dir durch endlose Diskussionen zu beweisen, wie klug er doch ist. Nimm es ihm das bitte nicht so schwer. Es gehört halt zu seinem Wesen.


    Liebe ihn stattdessen von ganzen Herzen so wie er ist und verzeihe ihm die eine oder andere kleine Schwäche!


    Wenn das seine einzige Macke ist, dann lohnt es sich. :p>

    Zitat

    Uebrigens, dein Freund ist mit seiner Haltung absolut nicht alleine. Viele lernen Disukssionen vor allem als "Kampf". Wenn man da drin ist, ist es schwer, da herauszukommen.

    Sehe ich auch so. Es gibt Menschen, für die es in einer Diskussion einen "Sieger" geben muss, sie argumentieren, weil sie ihre vorgefertigte Meinung durchsetzen wollen. Das heißt natürlich, dass ihre Argumente dazu dienen, den Gesprächspartner zu überzeugen, falls er eine andere Meinung hat.


    Hilft nur nicht, wenn man selbst dieser Art des Schlagabtausches gar nichts abgewinnen kann. Ich z. B. lasse mich auf solche Diskussionen auch nicht ein. Ich setzte zwar den Schlagabtausch als Mittel ein, weil ich eben weiß, wie solche Leute eben sehr schnell ausgeklinkt werden können, indem man ruhig bleibt, hier und da das richtige einwirft, dass das Gegenüber auf schnellstem Wege explodiert - eben als Werkzeug und Voraussetzung dafür ist, dass ich da gefühlsmäßig nicht involviert bin. In einer Partnerschaft wäre es für mich ein nogo.

    Zitat

    Sehe ich nicht so. Der Begriff "überzeugt" beinhaltet doch automatisch, dass es ein Argument gab, das sich entsprechend ausgewirkt hat. "Du hast mich überzeugt" ist also m.E. nur eine Kurzform von "Du hast da ein Argument vorgebracht, das mich überzeugt hat."

    Das entspricht für mich nicht dem Bild, dass die TE von ihrem Freund gezeichnet hat.


    Ich habe von ihm ein Bild im Kopf, der in einer solchen Diskussion als Sieger herausgehen will – Recht haben will und der nicht zwischen seinem Argument zum Thema und ihm selbst differenziert. Er ist es, der überzeugt und nicht sein Argument. Die Differenzierung, dass es das Argument war, das auch ein anderer Gesprächspartner hätte erwähnen können, das wäre wieder eine Beleidigung und so jemand macht diese Differenzierung eben anders – bei Sieg und Niederlage, von Du hast etwas von mir gelernt. So jemand, der nimmt mir dann z. B. auch übel, wenn ich sage, ich lerne von allen, egal ob groß oder klein. Es fehlt ihm die Aufwertung, weil er es persönlich nimmt und seine persönlichen Wert durch einen Sieg in einer solchen Diskussion gesteigert empfindet. Ein ich habe aus meiner Sicht recht und Du aus Deiner Sicht – das macht so jemanden, den ich mir gerade aufgrund der Angaben der TE vorstelle, nicht besonders glücklich und das reicht ihm auch nicht, da er will, dass jemand ihm das auch reflektiert: Du hast recht, ich habe von Dir gelernt – Du bist mehr Wert als ich, aber zumindest gescheiter.


    Klar kann die TE sich diese Art des Schlagabtausches anlernen, nur inwieweit das wieder zufrieden macht, wenn sie ihm doch auch ohne den Schlagabtausch den Respekt erweist, seine Meinung zu akzeptieren, ist fraglich, vorausgesetzt, dass sie überhaupt etwas ändern will. Das sind eben zwei unterschiedliche Herangehensweisen und inwieweit sie miteinander vereinbar sind, ohne dass einer der beiden etwas an ihren Einstellungen ändern, ist wiederum fraglich. Die TE schreibt ja, dass sie nicht weiß, wie oft sie diese Art des Schlagabtausches noch aushält.

    @ TE

    Wie hier schon mehrfach geschrieben worden ist, so sehe ich deinen Partner auch als mit zu wenig Selbstbewusstsein ausstaffiert und dazu noch ein ordentlicher Rechthaber.


    Diskutiert er mit anderen Leuten auch so?


    Wie kommt es dort heraus?


    Könnte er dort seine paar Ecken und Kanten abrunden?

    Zitat

    Das entspricht für mich nicht dem Bild, dass die TE von ihrem Freund gezeichnet hat.


    Ich habe von ihm ein Bild im Kopf, der in einer solchen Diskussion als Sieger herausgehen will – Recht haben will und der nicht zwischen seinem Argument zum Thema und ihm selbst differenziert.

    Das finde ich zu schwarz gemalt und auch nicht sehr plausibel. Er hat offensichtlich argumentiert, wenn er irgendwelche Aspekte vorgebracht hat, an die die TE noch nicht gedacht hatte. Und nach meiner Einschätzung argumentiert man nur, wenn man auch glaubt, dass Argumente Gewicht haben. Sonst könnte man die Argumente ja auch weglassen. ;-D Hat er nicht gemacht, also wird er m.E. sehr wohl zwischen sich und einem Argument unterscheiden können.

    Zitat

    Er ist es, der überzeugt und nicht sein Argument.

    Das gibt aus meiner Sicht der Begriff "überzeugen" gar nicht her, dass in einer Sachdiskussion die Person überzeugt ohne dass gute Argumente im Spiel wären. (Natürlich kann eine Person an sich "überzeugen", aber damit ist dann ja nur das Auftreten und die empfundene Autentizität gemeint. Das ist ein ganz anderer Kontext als der Kontext einer inhaltlichen Diskussion. In einer solchen ist Überzeugen für mein Wortverständnis ausschließlich durch Argumente (und/oder neue Informationen) möglich.)

    Zitat

    Die Differenzierung, dass es das Argument war, das auch ein anderer Gesprächspartner hätte erwähnen können, das wäre wieder eine Beleidigung und so jemand macht diese Differenzierung eben anders – bei Sieg und Niederlage, von Du hast etwas von mir gelernt. So jemand, der nimmt mir dann z. B. auch übel, wenn ich sage, ich lerne von allen, egal ob groß oder klein

    Bei dir ist anscheinend ein extrem negatives Bild von ihm entstanden. ":/ Ich lese das so extrem nicht aus der Beschreibung heraus. Dass er nicht sagt "in dem Punkt hast du recht", muss ja z.B. nicht heißen, dass er sich das nicht vielleicht insgeheim denkt es nur nicht so offen zugeben mag.

    Zitat

    Das sind eben zwei unterschiedliche Herangehensweisen und inwieweit sie miteinander vereinbar sind, ohne dass einer der beiden etwas an ihren Einstellungen ändern, ist wiederum fraglich.

    Was wäre schlimm daran, wenn einer oder besser noch beide sich neue Herangehensweisen als Option erarbeiten? Ich finde nicht, dass es ein Verlust für die TE wäre, wenn sie mit ihm auch mal in eine stärker "Wettkampf"-orientierte Diskussion einsteigen würde. Sonst müsste man ja jeden Debattierclub für einen Hort des Bösen halten, nur weil dort auf diese Art diskutiert wird.


    Und für ihn wäre es sicher auch kein Schaden, wenn er sich Gelassenheit bei unterschiedlichen Ansichten erschließen könnte.


    Positiv betrachtet könnte man sagen, dass beide etwas von anderem lernen können, statt beide ihr Leben lang bei genau einem Gesprächs- bzw. Diskussionstil zu bleiben...

    Zitat

    Die TE schreibt ja, dass sie nicht weiß, wie oft sie diese Art des Schlagabtausches noch aushält.

    Im Moment ist es doch gar kein Schlagabtausch, was ja vielleicht genau das Grundproblem darstellt. ;-D Wenn man mit dem anderen Schach spielen will, dann ist es gar nicht so toll, wenn der andere dann seine Mensch-ärger-dich-nicht-Figuren auspackt, aufs Spielbrett stellt und sagt: Du hast deine Figuren, ich meine, sind doch beide super, wo ist das Problem? :=o


    Ich glaube es wäre für die beiden gut, wenn sie sich den Stil des anderen als Fremdsprache aneignen könnten und so in Zukunft beide Arten von Gesprächen führen könnten. :)^ Sowohl solche Gespräche, wo sie sich nur über unterschiedliche Sichtweisen austauschen als auch solche, wo sie mal darüber streiten, wer in einem bestimmten Punkt recht hat.

    Zitat

    Das finde ich zu schwarz gemalt und auch nicht sehr plausibel.

    Aber genau aus dem Grund hat die TE doch den Faden eröffnet. :-/

    Zitat

    Aber genau aus dem Grund hat die TE doch den Faden eröffnet. :-/

    Ist vielleicht eine Wahrnehmungssache, aber ich finde die Interpretation von Kleio negativer und extremer als ich die Beschreibung von Rain81 empfinde.