• Wir können nicht miteinander diskutieren

    Oder anders gesagt: Mein Freund kommt nicht damit klar, wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Gestern gab es mal wieder eine dieser typischen Diskussionen. 'Mal wieder' heißt nicht, dass wir tagtäglich diskutieren würden, wir tun es sogar ziemlich selten, aber wenn, dann ist es symptomatisch. Es ging um ein philosophisches Thema und ein…
  • 186 Antworten
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    Was wäre schlimm daran, wenn einer oder besser noch beide sich neue Herangehensweisen als Option erarbeiten?

    Ich denke, dafür fehlt ihm der Horizont. Meine Einschätzung ist die, das die intellektuellen Unterschiede zwischen beiden (dazu gehört auf jeden Fall auch die Selbstreflektion) zu groß sind und das irgendwann nicht mehr gut geht.

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    Ich bleibe meiner Meinung nach sachlich, aber er findet, ich werte ihn ab, indem ich seine Argumente nicht annehme. Es fallen dann Sätze wie: "Du würdest mir eh nie zustimmen, weil es ja bedeuten würde, dass ich mal Recht habe und du nicht ALLES besser weißt". Da werde ich hellhörig, denn dann geht es offenbar um mehr

    Ja genau. Warum sagst du nicht einfach, dass er recht hat?


    Egal um was es geht :-) Es geht nämlich um mehr, um eure Beziehung. Wenn er einfach mal möchte, dass du ihm zustimmst, warum machst du es nicht einfach?


    Warum bist du eigentlich so überzeugt, dass du mit allem Recht hast?

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    Ich denke, dafür fehlt ihm der Horizont

    Ich weiß nicht, ich wäre da nicht so pessimistisch. ":/ Zum einen kommt mir das, was mir da vorschwebt gar nicht kompliziert vor, sodass ich das eigentlich so gut wie jedem Menschen zutrauen würde. :-D (Kann natürlich sein, dass einige das nicht wollen, aber an der prinzipiellen Fähigkeit dazu, scheitert es meiner Einschätzung nach normalerweise nicht. Ich glaube das kann jeder (lernen), der will.)


    Und zum anderen beschreibt Rain die Beziehung als eine Beziehung auf Augenhöhe und ich habe keinen Grund daran zu zweifeln und ihn für blöd zu halten, nur weil er kein Studium absolviert hat, tw. unsicher ist und einen Hang zum Rechthaben-Wollen hat.

    @ TE

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    Ich habe ihm auch gestern gesagt, dass ich verstehe, wie er zu der Sichtweise kommt, dass sich nichts geändert hat im Laufe der Menschheitsgeschichte und dass ich ihm auch in vielerlei Hinsicht zustimme. Nur sehe ich es eben nicht ganz so absolut wie er, ich sehe Fortschritte, aber er wollte unbedingt, dass ich am Ende sage: Ok, stimmt, du hast Recht, ich sehe es haargenau so wie du.

    Und DAS zu sagen fällt dir ja unglaublich schwer, nicht wahr? ;-) Warum?

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    Und DAS zu sagen fällt dir ja unglaublich schwer, nicht wahr? ;-) Warum?

    Na, vermutlich weil's einfach Blödsinn wäre und zweitens auch noch gelogen. ;-D Ich könnte auch nicht zustimmen bei der Behauptung, dass sich die Menschheit so rein gar nicht weiterentwickelt hat. Und wenn ich doch sagen würde "du hast recht", dann wäre das eine glatte Lüge. Und Lügen finde ich nich besonders erstrebenswert.

    @ Lola X5

    Was ist denn daran wichtig (in einer Diskussion mit dem Freund), ob man es wirklich so findet oder nicht? Damit wird man weder die Menschheit noch die Geschichte ändern, wenn man auf seiner Meinung und seinem vermeintlichen "Ich habe aber doch Recht" beharrt. Aber wenn man mal sagt "Ich glaube, du hast recht" kann man einen anderen Kick in seine Beziehung bringen. Die Frage ist, was einem mehr wert ist.


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    Was ist denn daran wichtig (in einer Diskussion mit dem Freund), ob man es wirklich so findet oder nicht?

    Ich finde es extrem wichtig, wahrhaftig zu sein. Unabhängig davon, wem gegenüber. Ich würde einfach nicht vorgeben einen andere Meinung zu haben als es tatsächlich der Fall ist. (Extremsituationen wie das Leben in einer Diktatur, wo von so einer Lüge das eigene Leben oder das Leben der Angehörigen abhängen kann, mal ausgeklammert.)

    Zitat

    Damit wird man weder die Menschheit noch die Geschichte ändern, wenn man auf seiner Meinung und seinem vermeintlichen "Ich habe aber doch Recht" beharrt.

    Doch ich glaube schon, dass man Dinge ändern kann, wenn man zu seinen Überzeugungen steht und sie argumentiert. Nicht jeder wird eine Schlüsselfigur der Menschheit werden, aber im Kleinen ist es auch schon viel wert, nicht völlig ohne Grund herumzulügen...

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    Aber wenn man mal sagt "Ich glaube, du hast recht" kann man einen anderen Kick in seine Beziehung bringen. Die Frage ist, was einem mehr wert ist.

    Also für mich wäre es kein positiver Kick, sondern ein Todesstoß für eine Beziehung, wenn ich das Ego meines gegenüber streicheln müsste, indem ich mich blöd stelle und meine Überzeugungen verleugne. :-o


    Ich stimme sofort zu, wenn jemand etwas sagt, dass ich für richtig halte (was auch die TE mit ihrem Partner schon oft so gehalten hat!), aber ich heuchle nicht Zustimmung, wenn sie nicht da ist. :|N Und schon drei mal nicht, wenn ich sogar vom exakten Gegenteil überzeugt bin.

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    Also für mich wäre es kein positiver Kick, sondern ein Todesstoß für eine Beziehung, wenn ich das Ego meines gegenüber streicheln müsste, indem ich mich blöd stelle und meine Überzeugungen verleugne. :-o

    Lol, es ist schon interessant, wie unterschiedlich man das sehen kann ;-D ich sehe das nicht als Ego des Gegenüber streicheln, sondern mein eigenes Ego mal nicht so wichtig nehmen.


    Davon abgesehen, warum sollte es denn so sein, dass ich recht habe, nur weil ich denke, dass ich recht habe?


    Damit mache ich ja dann auch nichts anderes als mein Gegenüber. Er soll dann gefälligst ja auch mir zustimmen, um MEIN Ego zu streicheln. Hab ich eben nicht nötig ;-)

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    Lol, es ist schon interessant, wie unterschiedlich man das sehen kann ;-D ich sehe das nicht als Ego des Gegenüber streicheln, sondern mein eigenes Ego mal nicht so wichtig nehmen.

    Das eigene Ego nicht allzu wichtig zu nehmen finde ich auch gut. Aber das zu tun, indem man lügt, käme mir nicht in den Sinn. Und vorallem käme es mir nicht richtig vor. :|N

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    Davon abgesehen, warum sollte es denn so sein, dass ich recht habe, nur weil ich denke, dass ich recht habe?

    Muss nicht so sein, natürlich kann man sich irren. Aber deswegen diskutiert man das Thema ja, um es auszuloten und aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. So lange man mir keine Aspekte auf zeigt, die meine Ansicht abändern, bleibt es eben vorerst bei der bislang entwickelten Meinung.

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    Damit mache ich ja dann auch nichts anderes als mein Gegenüber. Er soll dann gefälligst ja auch mir zustimmen, um MEIN Ego zu streicheln. Hab ich eben nicht nötig ;-)

    Nein. Rain sagt ja, dass sie gut die zwei Ansichten gleichwertig nebeneinander stehen lassen kann. Aber selbst wenn man wie ich (und der Partner von Rain) stärker auf die argumenatitive Entscheidung/Klärung, was denn nun (eher) richtig ist, ausgerichtet ist, muss das nicht mit dem Ego zu tun haben. Mir geht es in solchen Diskussionen um die Sache und daher ist es NICHT egal, welche Sicht nur näher an der Wahrheit ist. Ich will das inhaltlich diskutieren, gerne auch als Streitgespräch. Über meine Ansicht zu lügen käme jedenfalls nicht in Frage. Hab ich nicht nötig. ;-) Und es widerspricht meinen Werten.

    Ich kann mit der ganzen Ego-Streichelei nichts anfangen, nicht in diesem Zusammenhang. "Wenn du mir nicht zustimmst bist du gegen mich"-Narzissmus ist sowas von anstrengend. Ich diskutiere dann eben gar nicht oder verstopfe meine Ohren vor dem Gegreine, leider habe ich damit auch Erfahrung. Ich habe mein Heil im nicht Erwidern gesucht, mit anderen Worten, ich habe ihn reden lassen und meinen Senf höchstens ansatzweise dazu gegeben, um des Friedens willen und weil mir letztendlich ja nicht wichtig ist, derselben Meinung zu sein. Das wäre übrigens auch mein Tipp an die TE, einfach nicht diskutieren. Nicht dass das ideal wäre, aber immerhin eine funktionierende Strategie.


    Schlussendlich aber kann ich nur mit einem Mann leben, mit dem ich mir im Großen und Ganzen einig bin, außer in für mich unwesentlichen Dingen und umgekehrt.

    Lola

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    Mir geht es in solchen Diskussionen um die Sache und daher ist es NICHT egal, welche Sicht nur näher an der Wahrheit ist. Ich will das inhaltlich diskutieren, gerne auch als Streitgespräch.

    Ok, aber wie läuft das dann bei dir, wenn jeder meint, er wäre im Recht?


    Glaubst du denn dann, dass es tatsächlich eine Wahrheit gibt, die du dann inne hast, wenn dir "näher" an der Wahrheit nicht reicht? Oder verstehe ich dich jetzt völlig falsch?

    Zitat

    Ok, aber wie läuft das dann bei dir, wenn jeder meint, er wäre im Recht?

    Wenn zwei halbwegs vernünftige Menschen beide meinen, dass sie Recht haben, dann ist das normalerweise auch so. ;-D Soll heißen beide haben in dem Teilaspekt, der aus ihrer Sicht (und/oder für sie) entscheidend ist, tatsächlich recht (bzw. benennen irgendeinen Teil von Wahrheit). In der Regel lässt sich daraus eine komplexere Wahrheit zusammensetzen als sie in den Einzelmeinungen abgebildet ist.

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    Glaubst du denn dann, dass es tatsächlich eine Wahrheit gibt, die du dann inne hast, wenn dir "näher" an der Wahrheit nicht reicht? Oder verstehe ich dich jetzt völlig falsch?

    Ich bin da bei Karl Popper, dh. ja ich glaube, dass es eine Wahrheit gibt. Die Schwierigkeit, liegt nur daran, dass sie schwer und niemals mit letzter Gewissheit zu erkennen ist. Die ganze Wahrheit ist eben so komplex, dass sie ein Mensch allein wohl nicht gepachtet haben wird. Was nicht heißt, dass ich meine Meinungen nicht für richtig halten würde. Ist ja auch logisch: Wenn ich sie für falsch halten würde, hätte ich sie ja nicht. ;-D

    Rain81, nachdem ich heute die Nachrichten hier im Internet überflog kam mir der Gedanke, dass Dein Freund mit seiner Ansicht eher richtiger liegt als Du – zumindest was es die eingangs geschilderte Frage betrifft. Die Menschheit entwickelt sich eher zum Negativen hin denn zu einem positiven Miteinander. Wenn ich die bekannten vierzig bis sechzig Jahrhunderte betrachte, dann ist dies mein Eindruck.


    Wenn euch an der Beziehung etwas liegt, dann nehmt Hilfe in Anspruch.