Wird die Entscheidung gegen Kinder irgendwann ein Problem?

    Leider war die Zeichezah im Titel zu kurz: Mir geht es konkret um den Kinderwunsch bzw. die Entscheidung gegen Kinder in einer Beziehung.


    Eine Freundin von mir meinte einmal, dass sich alle ihre Bekannten, die sich bewusst gegen Kinder in ihrem Lebenslauf entschieden haben, diese Entscheidung immer auf Neue treffen mussten, weil im Laufe der Jahre doch immer wieder Zweifel und/oder ein Kinderwunsch durchkamen.


    Was denkt ihr: Wird man in unserer Gesellschaft zu oft mit der Schwierigkeit konfrontiert, sich mit einer einmal getroffenen Entscheidung immer wieder auseinandersetzen zu müssen - sei es durch eigene Entwicklungsprozesse oder das Umfeld?


    Was, wenn sich die Meinung eines Partners ändert und das die Beziehung belastet? Muss man zu einer getroffenen Entscheidung immer stehen und sich arrangieren? Oder steht dann unweigerlich eine Trennung bevor? Wie kann man damit umgehen oder lernen damit umzugehen?


    Der Fall betrifft mich selbst nicht, es ist eher eine allgemeine Beobachtung aus meinem erweiterten Umfeld.

  • 44 Antworten

    Wie soll sich sowas allgemeingültig beantworten lassen?


    Es gibt Paare, die bleiben ein Leben lang bei ihrer Entscheidung, andere werfen sie über den Haufen und wollen dann doch, und klar, gibt es den Fall, dass nur einer dann plötzlich doch will. Da sucht man dann gemeinsam nach einer Lösung, wie auch immer die aussieht.


    Freunde von uns wollten nie Kinder, irgendwann haben sie die Entscheidung bereut und wollten dann doch. Hat aber leider nicht mehr geklappt, die Ehe ist bis heute kinderlos und beide sind traurig drüber...

    Das Thema als solches lässt sich nicht undifferenziert betrachten, weil es unterschiedliche Lebensphasen gibt, in denen man sich befindet.


    Es gibt natürlich Menschen, die aus ganz handfesten Gründen die Entscheidung gegen eigenen Nachwuchs getroffen haben und lebenslang ohne Probleme damit klar kommen. Gründe könnten massive Probleme in der eigenen Kindheit sein, Erbkrankheiten, psychosoziale Gründe, fehlende stabile Partnerschaft, Leben für den Beruf o. ä. mehr. Je stabiler die Motivation ist, weil die rationale Ebene weiß, 'nein ich will/kann nicht', desto leichter lebt es sich damit oder die Einstellung zur Kinderlosigkeit.


    Manchmal kann diese Einstellung allerdings kippen. Sei es, weil die Beziehung als solche sich verändert, dass Bewusstsein, dass man viel erreicht und aufgebaut hat und es gewissermaßen nicht an Kinder weiter vererbt wird, entsteht. Die Angst im Alter familiär allein zu bleiben, wenn Eltern versterben, Kontakt zu leiblichen anderen Verwandten wenig intensiv besteht. Emotionale Defizite entstehen und nicht durch Freunde oder Partner ausgeglichen werden können.


    Zudem kommen natürlich auch Reaktionen aus dem sozialen Umfeld, die regelmäßiger nachfragen "wann es denn endlich soweit wäre" usw., weil sie die Gründe gegen Kinder nicht akzeptieren oder wenig sinnreich finden.


    Ich denke schon, es kann (muss nicht in jedem Einzelfall so sein) im Verlauf des Lebens ein erneutes Hinterfragen entstehen und man beleuchtet die Gründe immer wieder neu, als Partner untereinander und auch für sich allein. So lange die Entscheidung von beiden gemeinsam einvernehmlich weiterhin getragen wird, keinen Nachwuchs zu wollen, wird es bei dem Entschluss bleiben.


    Probleme tun sich meist dann vermehrt auf, wenn einer der Partner diese Entscheidung komplett über den Jordan schickt und widerruft.

    Zitat

    Eine Freundin von mir meinte einmal, dass sich alle ihre Bekannten, die sich bewusst gegen Kinder in ihrem Lebenslauf entschieden haben, diese Entscheidung immer auf Neue treffen mussten, weil im Laufe der Jahre doch immer wieder Zweifel und/oder ein Kinderwunsch durchkamen.

    Meiner Erfahrung nach hinterfragen auch die meisten Eltern ihre Entscheidung im Laufe des Lebens irgendwann. Die lässt sich dann zwar nicht mehr ändern/rückgängig machen, aber zu reflektieren und vielleicht sogar zu dem Schluss zu kommen, dass es besser gewesen wäre, man hätte anders gehandelt, halte ich für ganz normal. Der einzige Unterschied zur Kinderlosigkeit ist nur, dass man da bis zu einem gewissen Zeitpunkt noch die Möglichkeit hat, sich anders zu entscheiden.


    Ich selbst merke bei mir, dass in der Hinsicht eigentlich immer das gleiche biologische Programm abläuft, sprich: Verliebtheit -> Liebe -> Kinderwunsch. Wenn ich dem dann aber nicht nachgebe, versiegt er auch wieder und heute bin ich ganz froh darüber. Wobei ich sicher auch glücklich mit Kindern geworden wäre. Ich war da nie derart festgelegt und konnte mich deshalb gut den jeweiligen Gegebenheiten in der Partnerschaft anpassen.

    @ sub divo

    Zitat

    Ich war da nie derart festgelegt und konnte mich deshalb gut den jeweiligen Gegebenheiten in der Partnerschaft anpassen.

    Das geht mir ähnlich. Ich habe Kinder, was aber nie so von dem Gedanken besessen, unbedingt welche haben zu müssen. Ich denke heute, hätte ich einen anderen Partner gehabt, wäre ich sicher auch ohne Kinder glücklich gewesen. Ich hätte dann eben mein Leben anders gestaltet.


    Interessant finde ich, dass du meinst, dass sicher auch viele Eltern ihre Entscheidung, Kinder zu bekommen, hinterfragen. Darüber habe ich mir so nie Gedanken gemacht. Das ist sicher richtig. Ich von mir kann das zwar (noch) nixcht behaupten, aber meine Kinder auch noch klein. ;-)

    @ DieDosismachtdasGift

    Zitat

    Das Thema als solches lässt sich nicht undifferenziert betrachten, weil es unterschiedliche Lebensphasen gibt, in denen man sich befindet.

    Natürlich, da hast du Recht. Pauschal lässt sich das nicht sagen und man muss immer die Lebensumstände bedenken, in denen sich die jeweiligen Personen befinden.


    Mich würde einfach mal eure Erfahrung, eure Beobachtungen zu dem Thema interessieren.

    Ich denke, dass man auch ohne Kinder glücklich gewesen wäre, sagt sich recht leicht, wenn man welche hat bzw. problemlos welche bekommen konnte.


    Mit 25 dachte ich auch noch: Naja, wenn ich mal keine Kinder habe, ist es auch nicht so schlimm. Jetzt, knapp 15 Jahre später mit 5 Fehlgeburten im Nacken und keiner Hoffnung auf ein eigenes Kind mehr vor mir, sehe ich das de facto anders. Der unerfüllte Kinderwunsch hat mein Leben zerstört und ich weiß, dass ich schon irgendwie weiterleben kann und werde, aber niemals glücklich.


    Das ist nun keine Antwort auf Deine Frage, dazu denke ich, dass ein gewisser Anteil der Paare die sich angeblich bewusst gegen Kinder entscheiden entweder keine bekommen können oder es tatsächlich irgendwann bereuen. Andererseits gibt es sicherlich auch Menschen, die sich tatsächlich bewusst dagegen entscheiden und ein Leben lang bei der Entscheidung bleiben und damit glücklich sind. Das ist einfach sehr individuell. Eine Freundin von mir hat sich beispielsweise sterilisieren lassen, damit sie auf keinen Fall schwanger wird und ich denke, da lag schon einiges an Überlegung dahinter und ich glaube (bzw. hoffe), dass sie es nie bereuen wird.

    @ Nike Zoê

    Zitat

    Eine Freundin von mir hat sich beispielsweise sterilisieren lassen, damit sie auf keinen Fall schwanger wird und ich denke, da lag schon einiges an Überlegung dahinter und ich glaube (bzw. hoffe), dass sie es nie bereuen wird.

    Nun, ich weiß ja nicht wie alt deine Freundin ist, aber das finde ich schon einen sehr mutigen Schritt.


    Zu deiner Antwort bzgl. Kinderwunsch und Fehlgeburten: Natürlich, wenn ein Kinderwunsch da war und der unerfüklt bleibt, ist das natürlich traurig und ich habe im engen Verwandtenkreis auch erlebt, was das für Folgen haben kann. Aber darum ging es mit nicht. Wer keine Kinder bekommen kann, entscheidet sich ja nicht bewusst gegen sie.


    Mir ging es mehr um die Paare, die bewusst sagen, dass sie keine Kinder bekommen möchten.

    Die Frage, ob so eine Entscheidung ein Leben lang hält, oder ob man sie irgendwann umwirft oder bereut, kann nur jeder für sich und jedes Paar für sich beantworten.


    Ich selbst bin jetzt Mitte 40 und habe meine Entscheidung gegen Kinder nie bereut, ich würde sogar sagen, dass es die zentrale Lebensentscheidung ist, mit der ich mir absolut am sichersten bin.

    @ Katthult

    Entschuldigung, natürlich hast Du Recht, ich fürchte, ich kann derzeit meine eigene Perspektive nicht recht ausklammern, weil ich selbst so gar nicht verstehen kann, dass man sich bewusst gegen Kinder entscheidet.


    Dennoch ist das Ganze irgendwie auch ein Teil davon, denn ich kenne schon auch Leute, die sich angeblich bewusst dagegen entschieden hatten, dann doch noch wollten und dann hat es nicht mehr geklappt, was eine Katastrophe für sie war.


    Meine Freundin ist Ende 30. Bei sehr jungen Frauen würden die Ärzte so was wohl auch gar nicht so ohne Weiteres machen.


    Ich war trotz allem damals auch überrascht und habe sie mehrfach gefragt, ob sie sich das auch gut überlegt hat (wir sind sehr eng miteinander). Aber sie meinte ja, reiflich.

    Zitat

    Was, wenn sich die Meinung eines Partners ändert und das die Beziehung belastet? Muss man zu einer getroffenen Entscheidung immer stehen und sich arrangieren? Oder steht dann unweigerlich eine Trennung bevor? Wie kann man damit umgehen oder lernen damit umzugehen?

    Natürlich passiert es, dass einer seine Meinung ändert, immerhin beträgt die Zeitspanne, in der man realistischer Weise Kinder bekommen kann, bei Frauen mindestens 20 Jahre, bei Männern ist sie noch länger. In der Zeit können sich natürlich Prioritäten ändern - wer mit 30 sicher war, keine Kinder zu wollen, hört mit 35 vielleicht seine biologische Uhr ticken, und wer mit 25 noch Karriere und Auslandsreisen wollte, hat mit 40 vielleicht keine Lust mehr auf die berufliche Tretmühle. Und bei manchen Paaren, die sich am Anfang ihrer Entscheidung noch sicher waren, macht dann vielleicht einer einen Kompromiss, weil ihm die Beziehung wichtiger ist, und ein anderer trennt sich, weil die Kinderfrage für ihn plötzlich existenziell ist. So, wie sich Menschen eben auch aus anderen Gründen trennen.

    @ Nike Zoê

    Du musst dich nicht entschuldigen, war kein bisschen als Vorwurf oder dergleichen gemeint.


    Klar gibt es auch den Fall, dass man erst später als Paar entdeckt, dass man doch Kinde rmöchte und dann funktioniert es nicht mehr. In dem Fall ist es natürlich auch sehr schade.


    Übrigens tut mir dein Verlust sehr leid. Ich hatte auch eine Fehlgeburt und kann in winzig kleinen Teilen ein bisschen nachvollziehen, wie es dir gehen muss.

    @ Nilpferd

    Danke für deine Erfahrungen. Ich kenne auch einige Leute, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben und das ist fein! Schließlich soll ja jeder nach seiner Facon glücklich werden.


    Ich will da auch gar nicht reininterpretieren. Aber meinst du, dass es vielleicht mal im hohen Alter sein könnte, dass du denkst: Vielleicht wären Kinder doch ganz schön gewesen?

    Zitat

    Aber meinst du, dass es vielleicht mal im hohen Alter sein könnte, dass du denkst: Vielleicht wären Kinder doch ganz schön gewesen?

    Natürlich kann ich das nicht sicher ausschließen. Aber da ich nie einen eigenen Kinderwunsch hatte und für mich die Vorstellung, für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein, geradezu beängstigend war und ist, und auch fremde Kinder bei mir nie diese Bemutterungsgefühle ausgelöst haben wie bei anderen Frauen, weiß ich, dass ich mit Kind ein unglücklicheres Leben geführt hätte bzw. führen würde. Auch, wenn ich zur Zeit kein spannendes anderes Lebensmodell mit Karriere, Abenteuerreisen oder aufwändigen Hobbies dagegen setzen kann.


    Der am häufigsten genannte Kommentar, wenn man keine Kinder hat, ist meiner Erfahrung übrigens nicht "bist Du damit nicht unglücklich?" oder "magst Du keine Kinder?" oder "kannst Du keine Kinder bekommen?", sondern "wer kümmert sich dann um Dich, wenn Du alt bist?". Natürlich wäre es schön, im Alter jemanden zu haben, der sich um einen kümmert, aber ich kenne auch genug Eltern, die sich entweder mit ihren Kindern zerstritten haben, oder mit den Schwiegerkindern, oder deren einziges Kind im fernen Ausland lebt, oder deren Kinder einfach egoistisch sind.

    Ich denke, es kommt auf den Typ drauf an.


    Der eine Mensch ist ein Familienmensch, der schon zu Hause bei den Eltern gerne zu Hause war und mit der Familie gefeiert hat, gespielt hat, die Zeit gemeinsam genossen hat. Der andere ist der, der schon immer mit diesen gemeinsamen Abenden nichts anfangen konnte und selbst Heiligabend noch mit dem Kumpel um die Häuser gezogen ist. Viel davon überträgt sich ins Erwachsenenalter, wo man dann ähnliche Erfahrungen aus der Kindheit reproduzieren möchte oder eben nicht.


    Wir hatten zu Hause ein sehr schönes Familienleben und nachdem beide Kinder ausgezogen sind, waren meine Eltern allein zu Haus. Nun haben die viele Freunde, aber man wird ja auch älter und wenn dann so Anfang 80 doch viele Freunde gestorben sind, dann ist es schön zu sehen daß meine Eltern sich in der Familie der Kinder und Enkelkinder gut aufgehoben fühlen.


    Ich finde den Gedanken seltsam, Kinder vorsorglich in die Welt zu setzen, damit sie einen im Alter pflegen. Aber man darf sich darauf freuen, dass, wenn alles gut geht, man mit Kindern den Rest seines Lebens Bezugspersonen hat, die einem nahe stehen.


    Ich respektiere die Entscheidung von Leuten, die keine Kinder wollen, gleichzeitig tun sie mir leid ob all dem, was sie verpassen.

    Ich wollte eigentlich keine Kinder. Jetzt habe ich 3. Das Kleinkindalter habe ich nicht besonders genossen. Ich fand es sehr einengend und anstrengend.


    Auch die Übermuttis um mich rum könnte ich nicht leiden. Man geht ja nicht weg, um sich über Kinder zu unterhalten.


    Daher kann ich durchaus verstehen, warum manche Leute keine Kinder haben wollen. Die meisten meine Freunde haben keine.


    Jetzt da meiner langsam erwachsen werden, finde ich es sehr schön.


    Die Freiheit ist wieder da und man kann sich auch mit denen sinnvoll unterhalten (meistens - wenn meiner Grosser nicht gerade auf die Piste war). Irgendwann werden sie eher zu Freunde. Aber das dauert eben mindestens 14 Jahre bis es so weit ist.


    Ich merke allerdings, es nervt wahnsinnig, wenn Leute ständig über ihre Kinder reden. Und ich kann inzwischen mit Kleinkinder wenig anfangen.


    Also ich kann beide Seiten verstehen.

    Zitat

    Ich respektiere die Entscheidung von Leuten, die keine Kinder wollen

    Bleibt dir auch nix anderes übrig ;-D

    Zitat

    gleichzeitig tun sie mir leid ob all dem, was sie verpassen.

    Das passt irgendwie nicht mit deiner (für mich gut nachvollziehbaren) Typtheorie zusammen. Jemand, der kein Familienmensch ist, verpasst da gar nix, glaub mir ;-)

    Zitat

    Ich respektiere die Entscheidung von Leuten, die keine Kinder wollen, gleichzeitig tun sie mir leid ob all dem, was sie verpassen.

    Ich respektiere es, wenn Frauen Kinder bekommen, obwohl die Erde heute schon überbevölkert ist.

    Zitat

    Bleibt dir auch nix anderes übrig ;-D

    eben.