Wo ist der Übergang von kämpfen zu peinlich?

    Es gibt doch was Beziehungen angeht, häufig den Begriff "kämpfen". Also um die Liebe eines Menschen kämpfen, darum kämpfen eine Beziehung zu retten und darum kämpfen jemanden zurück zu gewinnen.


    Es wird sicher von Mensch zu Mensch unterschiedliche Meinungen dazu geben, aber was bedeutet es für euch zu kämpfen? Und wo ist für euch der Übergang vom kämpfen zu "peinlich"?


    Ich habe selbst schon versucht um eine grade gescheiterte Beziehung zu kämpfen. Habe ihn einige Male versucht anzurufen, einen Brief geschrieben und noch ein Bild mit roter Schleife von uns beigelegt. Im Nachhinein habe ich das Gefühl ihn sicher bedrängt zu haben und ihm unangemessen hinterher gelaufen zu sein, obwohl ich schon von ganz anderen Aktionen gehört habe. Das reicht von Videos, Gedichten, Blumen, selbstgemalten Bildern, warten vor der Haustür, bis zu Geschenken, hunderten Anrufen, sms und vieles mehr.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in dem Moment gerne macht. Ich denke, sowas ist sicher für jeden eine große Überwindung. Ich hatte das Gefühl mich zu blamieren und zu mehr konnte ich mich nicht durchringen. Wo denkt ihr, ist der Übergang von liebenswerten Aktionen zu peinlich und erniedrigend? Zu wieviel wärt ihr bereit und wie würdet ihr um einen geliebten Menschen kämpfen?

  • 13 Antworten

    Die von Dir beschriebene Art zu "kämpfen" ist für mich eher der Versuch, jemanden zu überreden, jemanden breit zu schlagen. Wenn die Beziehung gescheitert ist, hat es einen Grund, und den kann man nicht mit Bildern, Videos, Gedichten, Blumen etc. wegwischen. Würde mich nach einer gescheiterten Beziehung jemand mit so etwas überhäufen, würde ich mich bedrängt und gestalkt fühlen. Es würde mich nerven und noch weiter von der Person weg treiben. Um mit jemandem wieder zusammenzukommen, müsste ich schon das Gefühl haben, dass sich bei ihm grundlegend etwas geändert hat. Wenn er noch derselbe ist wie vor der Trennung, aber nur mit Geschenken daher kommt, ist es sinnlos.


    Von den Leuten, die ich kenne, die sich auf solche Überredungsversuche eingelassen haben, hat bei den wenigsten die Beziehung danach lange gehalten. Es war nur ein Hinauszögern vom Ende.


    Also peinlich ist es spätestens nach dem zweiten Versuch ohne Antwort dann nicht zu kapieren, dass der andere einfach nicht mehr will. Alles, was danach kommt, ist aufdringlich. Meine Meinung.

    Gute Frage.


    Für mich persönlich ist die Antwort klar und simpel:


    Man kann um einen Menschen, bzw. um den Erhalt der Liebesbeziehung überhaupt nicht kämpfen.


    In einer Verbindung zwischen zwei Menschen welche auf wahren, reifen Empfindungen basiert, macht es sich der der beschlossen hat zu gehen, bestimmt nicht leicht.


    Der Partner, der beschlossen hat, seinen weiteren Weg ohne den Anderen zu gehen hat ja zu diesem Zeitpunkt bereits einen Prozess hinter sich.


    Den Schmerz den er dem Anderen damit vermutlich bringt, wird er nicht riskieren, ohne sich sicher zu sein.


    Ausnahme:


    Die Trennung ist nur ein Machtspiel, um dem Anderen "zu zeigen was er an einem hat" oder Ähnliches.


    Wenn ein Brief oder Anrufe, Blumen oder solche Aktionen den Anderen umstimmen, dann war es solch ein Fall. ;-)

    Zitat

    Wo denkt ihr, ist der Übergang von liebenswerten Aktionen zu peinlich und erniedrigend?

    ich hab die erfahrung gemacht, dass diese peinliche art des kämpfens etwas ist, das in der regel auftritt, wenn alles vorbei ist. man trauert dann ja um die beziehung und um die andere person. ergo treten auch gefühle wie leugnen, nicht loslassen-können auf. und die führen dann dazu, dass man sich manchmal in den wahn hinein steigert, durch irgendwelche romantischen tätigkeiten das ruder doch noch rum zu reissen. letztendlich akzeptiert man das ganze dann aber doch.


    ansonsten glaube ich auch nicht daran, dass eine glückliche beziehung aus kampf besteht. es ist vielleicht arbeit, manchmal auch anstrengend. ;-D aber ein kampf sollte es nicht sein.

    Kämpfen heisst, sich Mühe geben. Über den eigenen Schatten springen. Sich täglich überlegen, was man tun könnte, den Partner glücklich zu machen. Mal die eigenen Interessen hintenanstellen, die Faulheit überwinden, den inneren Schweinehund besiegen. Den Babysitter organisieren, Blumen mitbringen, freie gemeinsame Zeit schaffen, Zuhören, mal Ärger einfach runterschlucken, sich um die oder das kümmern um den Partner zu entlasten.


    Wenn sich der Ex-Partner schon getrennt hat, hinterherzulaufen und meinen, ihn mit 100 Briefen wieder umzustimmen kommt eh meist zu spät. Da hätte man vorher kämpfen müsssen.

    Zitat

    Zu wieviel wärt ihr bereit und wie würdet ihr um einen geliebten Menschen kämpfen?

    Ich glaube nicht, dass das die entscheidende Frage ist. Ich finde, dieses einseitige "kämpfen wollen" muss seine Grenzen finden an der Liebe zum anderen und der Akzeptanz seiner/ihrer Ablehnung, wenn auf der Seite des Gegenübers nachhaltig kein Interesse da ist, also diese Liebe, so gut sie auch gemeint sein mag, nicht erwidert wird.

    Zitat

    Wo denkt ihr, ist der Übergang von liebenswerten Aktionen zu peinlich und erniedrigend?

    Ich denke, der Übergang ist in der Art, Intensität und Dauer der liebenswert gemeinten eigenen Aktionen und - ganz wichtig - im Beachten der Rückmeldung von der angesprochenen Person. Also: in deinem Fall, wie er reagiert. Wenn auch er wieder den Kontakt zu dir von sich aus wünscht und sucht, besteht ja eine gewisse Aussicht. Ist dies aber nicht der Fall und gehen alle Aktionen von dir aus und ernten eher Kritik, Ablehnung oder Ignoranz, dann ist deine Zuneigung kein Liebesbeweis mehr, sondern ein egoistisches sich Durchsetzen wollen. So wird Liebe aber nicht funktionieren.


    Die Liebe zu sich selbst sollte es einem dann ermöglichen, nicht immer wieder weitere Ablehnung bei der Person zu suchen.

    Elizabeth Bennet

    Zitat

    Es wird sicher von Mensch zu Mensch unterschiedliche Meinungen dazu geben, aber was bedeutet es für euch zu kämpfen?

    Dass es keine Beziehung ist. Kampf und Beziehung lassen sich für mich nicht vereinbaren. Kampf ist gegen jemanden.

    Zitat

    Und wo ist für euch der Übergang vom kämpfen zu "peinlich"?

    Ich finde gewisse Verhaltensweisen, die so als Kämpfen bezeichnet werden respektlos und übergriffig.

    Zitat

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in dem Moment gerne macht. Ich denke, sowas ist sicher für jeden eine große Überwindung. Ich hatte das Gefühl mich zu blamieren und zu mehr konnte ich mich nicht durchringen.

    Wenn die Beziehung beendet ist und jemand sagt, es ist Schluss, dann ist es für mich kein "Kampf", sondern respektlos, ständig darüber hinwegzugehen, was jemand, den ich vermeintlich liebe, gesagt hat.


    Zu einer Beziehung gehört für mich unter anderem Respekt und Akzeptanz. Habe ich nur noch eine einseitige Beziehung, dann auch.

    Zitat

    Wo denkt ihr, ist der Übergang von liebenswerten Aktionen zu peinlich und erniedrigend?

    Nimm einmal Mr. Darcys Verhalten: er hat Elizabeth Bennets Abweisung akzeptiert und respektiert und aus Liebe zu ihr trotzdem Dinge getan, damit es ihr besser geht, ohne dass sie es erfahren sollte. Das wäre meine Definition von Liebe.

    Zitat

    Zu wieviel wärt ihr bereit und wie würdet ihr um einen geliebten Menschen kämpfen?

    Liebe und Beziehung sind nicht das gleiche. Ich kann jemanden lieben, auch wenn er keine Beziehung zu mir will. Auch können sich zwei lieben und trotzdem keine Beziehung führen können. Siehe Mr. Darcy.

    Ich finde "kämpfen" grundsätzlich peinlich. Entweder jemand will mich haben oder eben nicht. Wenn er nicht will, guck ich halt so schnell wie möglich, dass mich jemand anders will oder genieß mein Leben alleine. Ist mir sonst echt zu blöd. Wenn sich von mir jemand trennt, hasse ich den meist (außer es ist einvernehmlich). Ich könnte da nie ernsthaft noch 100e SMS schicken, ohne dass das böse SMS wären, die ja nu wirklich gar keine Effekt haben. Deshalb kann ich mir da auch alles sparen. Ich finde auch, dass ein Leben, was sich "Kampf" nennt, keinen Spaß macht. Wenn ich etwas als "Kampf" empfinde, sollte ich es sein lassen, denn wieso soll ich mich denn selbst quälen?

    Kleio,


    hast mir mal wieder Schreibarbeit abgenommen ;-).


    Mir fällt aber noch eine Ausnahme(situation) ein:


    Wenn der Trennende sich nicht deutlich genug geäußert hat. Das Ganze also in der Schwebe hängt. Gibt es ja auch nicht selten. Dass er eben sagt "Ich bin mir nicht mehr sicher" - "Ich brauche eine Auszeit" - "Kannst Dich aber auch gerne mal melden, ich will schon den Kontakt halten"....usw....also sozusagen eine "schwammige" Trennung.


    Ich persönlich würde mich dann (mittlerweile ;-)) zwar zurückziehen, sagen, dass er ja wiederkommen kann wenn er sich klar ist und ich bis dahin aber keinen Kontakt möchte (auch hier würde ich mir aber ein Ultimatum setzen). Der Erfahrung nach wird aber vom Trennenden meistens nur dann so verfahren weil er nicht den Mut zur klaren Aussage hat, Angst vor der eigenen Courage, ein Fitzelchen Unsicherheit....


    Ich kann es dann aber auch verstehen, wenn der (halb) Verlassene Überlegungen anstellt und auch in die Tat umsetzt - doch auch hier würde ich es nicht "Kämpfen" nennen, sondern eher einen (verzweifelte) Versuch zu einer Klarheit zu kommen.

    Ich finde schon, dass man um eine Beziehung im gewissen Sinne kämpfen kann. Aber nicht in Form von Telefon-oder SMS-Terror, sondern eher in dem Sinne, dass man reflektiert und sich Mühe gibt Dinge zu ändern, die die Beziehung belasten. Auch mal über seinen Schatten springen. Das verstehe ich unter kämpfen. Dass Kampf in einer Beziehung nichts zu suchen hat, finde ich auch, in dem Sinne, dass man nicht gegeneinander kämpfen soll. Zusammen FÜR etwas kämpfen lohnt sich aber durchaus.


    Überhäufungen mit Geschenken, Anrufe ect. verstehe ich aber nicht unter kämpfen, sondern eher unter Verzweiflungstaten.

    Felicitas11

    Zitat

    Ich finde schon, dass man um eine Beziehung im gewissen Sinne kämpfen kann. Aber nicht in Form von Telefon-oder SMS-Terror, sondern eher in dem Sinne, dass man reflektiert und sich Mühe gibt Dinge zu ändern, die die Beziehung belasten.

    Ob und was ich ändere, hat nichts mit einem anderern, auch nicht mit einem Partner zu tun. Ich ändere mich ja nicht ihm oder einer anderen Person zuliebe. Deswegen sehe ich keinen Zusammenhang zu einer Beziehung. Habe ich hingegen innere Kämpfe, dann kann es sein, dass ich gar nicht beziehungsfähig bin. Dann würde ich zumindest mal meine Kämpfe auflösen, bevor ich eine feste Beziehung eingehe.

    Zitat

    Ob und was ich ändere, hat nichts mit einem anderern, auch nicht mit einem Partner zu tun.

    Naja, mitunter kann es Mängel geben, die einem selbst nicht auffallen, dem Partner aber schon. Mängel, die, so man sie ändert, längerfristig nicht weiter einschränkend wirken müssen. Manchmal kann das Abstellen von Mängeln auch für einen selbst befreiend sein. Ich sehe externe Kritik und eine Reaktion darauf nicht unbedingt schlecht, auch wenn die Abstellung des Mangels Kraft und Anstrengung und damit auch Kampf erfordert.


    Und ich halte es auch für sinnvoll, über sein Leben nachzudenken, wenn man in einer Beziehung für Bedingungen sorgt, die die Liebe erkalten lassen können. Kämpfen bedeutet, Anstrengungen zu unternehmen, diese negativen Bedingungen abzustellen. Oft ist es aber schon zu spät, wenn die Liebe schon erkaltet ist, weil man dann nicht mehr als glaubwürdig wahrgenommen wird.


    Das betrifft z.B. Situationen, wenn man z.B. über längere Zeiträume die Frau oft mit der Hausarbeit oder der Kinderbetreuung alleine lässt, oder wenn man kaum noch gemeinsame Unternehmungen hat (dazu zählt auch der Sex) und das als fehlend wahrgenommen wird aber nichts dagegen unternommen wird und diesen Zustand längere Zeit, trotz zahlreicher Anmahnungen, so bestehen lässt.


    Ich glaube, dass Kämpfen um die Liebe bedeuten kann, Anstrengungen zu unternehmen, unbefriedigende Zustände in einer Beziehung (das Schleifenlassen aus Nachlässigkeit und vermeintlicher Bequemlichkeit), die letztendlich auch Liebe erkalten lassen kann, zu beenden. (Blumen oder Geschenke halte ich da diesbezüglich für überflüssig- das ist einfach nur gekauft und riecht nach einer Art Prostitution ...)


    Eigentlich müsste man es dazu gar nicht erst kommen lassen (??ich musste nie um Liebe kämpfen??) ...

    Der verlassende Partner wird schon seine Gründe haben, warum er sich zu diesem Schritt entschieden hat. Ich sehe deshalb keinen Sinn darin, ihm mit der immergleichen "lass es uns noch mal versuchen"-Arie auf den Lippen hinterherzulaufen.


    Ein Grund aufzugeben, ist das für mich noch nicht. Wenn es so nicht läuft, könnte man es anders versuchen. Aber wie? Vielleicht so wie bei Elizabeth Bennet?


    Sie schluckt den Ärger über einen Mann, der ihren Stolz verletzt hat, und sie erkennt ihre vermeintlich gute Fähigkeit, vom Verhalten ihrer Mitmenschen auf den Charakter zu schließen, als von Vorurteilen getrübt.


    Diese Erkenntnis ist mehr als nur eine einmalige Einsicht in einen Irrtum. Es ist ein Wandel des Charakters einer stolzen Frau zu einer demütigen Frau, die das Fehlverhalten eines Mannes verzeihen kann, weil sie auch ihre eigenen Fehler erkennen und verzeihen kann.


    Diese charakterliche Entwicklung gibt ihr neue Möglichkeiten, die Liebe dieses Mannes zu erlangen, auch wenn es noch eine lange und verwickelte Geschichte ist.


    Der Roman gibt der Leserin das, was sie will, eine Liebesgeschichte mit Happy End. Aber in Wahrheit ist der Ausgang offen, weil auch der Mann noch ein Wörtchen mitzureden hat.


    Wenn also die Wahl Deines Nicks mehr ist als nur ein Zufall, könnte die Romanfigur ein Vorbild für Dich sein.

    Zitat

    Wenn also die Wahl Deines Nicks mehr ist als nur ein Zufall, könnte die Romanfigur ein Vorbild für Dich sein.

    Ich habe den Nick zu der Zeit erstellt, wo ich das Buch gelesen habe. Ich konnte mich damals mit der Geschichte und den Figuren identifizieren und irgendwie kann ich es immer noch. Ich frage mich bei meinen (und auch anderen) zwischenmenschlichen Beziehungen oft, ob nicht alles viel einfacher sein könnte, wenn uns nicht so oft unser Stolz und unsere Vorurteile im Weg stehen würden. Aus meiner Sicht hatte Elizabeth von Anfang an zuviele Vorurteile gegen Mr Darcy und deshalb hatte er nie eine echte Chance. Und ihm stand sein Stolz im Weg, um wirklich auf sie zuzugehen und die vielen Missverständnisse zu klären. Als er dann irgendwann den Antrag gemacht hat, war das einfach zuviel des Guten und kam auch zu plötzlich, da die Situation schon so verfahren war.


    In Wahrheit stecke ich auch grade in einer Situation wo ich mich frage, ob es nicht gut wäre, auch mal den eigenen Stolz zu überwinden und auf jemanden zuzugehen. Damals gab es auch viele verletzende Situationen und Missverständnisse.