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    Ich habe von einem interessanten Fall gehört (bei TED, ich weiß leider nicht mehr, worum es eigentlich ging) bei dem ein Großteil der ranghöheren Männchen einer Schimpansengruppe getötet wurden. Daraufhin entstand ein stabiles Matriachat, das der Bonobo-Lebensweise nicht unähnlich war. Auch unter den verbliebenen Männchen ging die Gewalt zurück, stattdessen wurde beobachtet, wie sie regelmäßig gegenseitig Körperpflege betrieben, was wohl sonst unter erwachsenen Schimpansenmännchen kaum vorkommt.


    Biologismus ist eine so einseitige und platte Betrachtungsweise des Lebens. Kultur findet sich nicht in den Genen, aber sie ist es, die unser Leben am Ende doch am meisten bestimmt.

    Ich glaube, der kardinale Denkfehler vieler Leute ist, dass sie "die wahre Natur" des Menschen identifizieren und benennen wollen. Als gäbe es die. Beim erfolgreichen Werdegang unserer Spezies (wenn man massenhafte Verbreitung mal als "Erfolgsmerkmal" nimmt) spielt gerade unsere ungeheure Flexibilität eine ganz zentrale Rolle. Kellerasseln sind auch sehr erfolgreich und kulturell/sozial vermutlich überhaupt nicht flexibel, da kommt man mit so einer schlichten Herangehensweise ziemlich weit, schätze ich. Beim Menschen ist die nach seiner einen und einzigen "wahren Natur" jedoch eine, die nicht nur nicht zielführend ist, sondern blind macht für die Tatsache, dass gerade eine ungeheure Flexibilität innerhalb weniger fix gesetzter Parameter unser wahres Wesen ausmacht. Nicht nur innerhalb der Spezies an sich, sondern auch innerhalb jedes einzelnen Individuums. Wir wollen uns immer so glasklar definieren, das ist auch alles ganz putzig, aber es ist halt Quatsch.
    Matriarchale Strukturen sind in der Menschheitsgeschichte selten, aber prinzipiell ebenso möglich wie patriarchale. Es ist aufgrund unserer Flexibilität immer und überall eine Frage der Umstände. Und gerade der Flexibilität wegen befindet sich auch immer alles im Umbruch und in Bewegung, entwickelt sich. Es ist so albern, wenn dann jemand auf einen bestimmten Punkt dieser Entwicklung zeigt und sagt: "HA! Sag ich ja, am Ende passiert immer das und das, darauf entwickelt sich alles hin, weil Menschen nun mal so sind!"
    Ja nu - und zehn Jahre später sieht alles schon wieder anders aus. Keiner dieser Zeitpunkte ist "wahrhaftiger" als der andere - es sind alles Möglichkeiten, die realisiert werden und realisiert werden können, nur wird es dann auch immer eine Frage der Stabilität. Und die wiederum hängt immer mit der Frage zusammen, inwieweit die Angehörigen einer Gemeinschaft den Status quo so wollen und pflegen oder ob sie sich dagegen wehren.


    Entsprechend kann es keine wirklich stabile Gesellschaft geben, solange jemand an den Rand gedrängt wird. Da menschliche Bedürfnisse aber unterschiedlich sind und es auch immer gierige Leute gibt, die nie zufrieden sind, wird es auch immer zumindest potenziell destabilisierende Elemente geben. In uns allen arbeitet die Entropie fleißig, und wir müssen ihr aktiv entgegenwirken. Da gibt es keinen "natürlichen Zustand" - außer den der Bewegung.

    Sehr, sehr guter Beitag von Shojo. :)= Könnte die Moderation den eventuell irgendwo anpinnen, damit ihn jeder lesen, verstehen und am besten auch noch auswendig lernen kann? Die komplexe Wirklichkeit ist ja auch so unendlich viel interessanter als die ewig gleichen, höchst dümmlichen biologistischen Thesen!

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    In uns allen arbeitet die Entropie fleißig, und wir müssen ihr aktiv entgegenwirken. Da gibt es keinen "natürlichen Zustand" - außer den der Bewegung.

    Öhm ... aber ist dann nicht der Drang zur Enthropie hin eben ein natürlicher Zustand ?

    Ja, aber ist ja nicht nur Menschen inhärent sondern dem ganzen Universum. Die Spezies Mensch stemmt sich da mit allem was sie hat ordnenderweise gegen ein Naturgesetz um, wenig überraschend, immer mal wieder den Kürzeren zu ziehen. ;-D ;-D

    @ danae87

    Danke.

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    Vielleicht verstehen wir ganz unterschiedliche Dinge darunter, aber ich will nicht gebraucht werden, nicht gut tun.

    Ich habe auch nicht von "gebraucht werden" gesprochen, sondern von "gut tun". Das ist in der Tat ein Unterschied. Du brauchst analog ja z.B. vielleicht auch keine Massage, wenn Du eine bekommst, tut sie Dir aber trotzdem gut.

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    Ich will einfach da sein, bei jemandem der ohne mich sein kann,

    Naja, das wäre dann ja auch kein Partner, sondern ein Kind, oder?

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    Wachsen und lernen kann man an vielen Aufgaben, dazu braucht es keine Liebe.

    Liebe hat viele Gesichter. Es gibt auch Liebe zu einer Sache, Liebe zum Leben, Liebe zur Wahrhaftigkeit (ich vermeide hier mal absichtlich das Wort "Wahrheit"), Liebe zu sich selbst. Ohne Liebe zu einer Sache kann ich diese Sache nicht so ausführen wie wenn ich darin aufgehe (insbesondere bei den "schönen Künsten" wird das ein sensibles Publikum z.B. sofort merken...). Ohne Liebe zu sich selbst wird sich niemand selbst hinterfragen, weil er sich dessen nicht für wert hält, wenn er sich nicht liebt. Usw.

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    Ich finde das Bild der völlig zweckfreien Liebe schöner und für mich passender.

    Ich nehme an, Du meinst eine Paarbeziehung ohne Kalkül und Manipulation. Ganz klar... Nur, wenn "Liebe" einen Zweck erfüllen muss, wäre das meinem Verständnis nach sowieso keine Liebe (mehr). Liebe an sich "erfüllt" keinen Zweck.

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    Irgendwie klangst du in den zwei Threads so frustriert, so als würdest du nicht mehr an "gute Männer" glauben.

    Doch, tue ich. Aber die kriegen erfahrungsgemäß immer die anderen und ich darf mir dann von Typen wie Arno2015 in diesem Faden unterstellen lassen, dass ich daran selber schuld bin. Komisch, es gibt immer jemanden, der das behauptet - allerdings immer nur von den Leuten, die mich nicht selbst kennen.

    @ Arno2015

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    Aber jetzt mal ernst: Emotionale, du bist wahrscheinlich so Mitte 30, oder? Jedenfalls beobachte ich immer häufiger, dass Frauen sich erst mit Mitte oder Ende 30 anfangen Gedanken über Kinder zu machen.

    Lieber Arno,


    da liegst Du bei mir völlig daneben.


    Ich mache mir seit ich 30 bin einigermaßen intensiv Gedanken um dieses Thema (mal davon abgesehen, dass ich, seit ich etwa 27 bin weiß, dass ein hormonelles Ungleichgewicht eine Empfängnis u.U. erschweren könnte und mir dessen seitdem sehr bewusst bin) und hätte sich die Beziehung davor (von 27 bis 30) anders entwickelt, hätte ich gerne auch schon mit 29 eins gekriegt. Ich finde es unverschämt, dass auch Du hier nach dem Selber-schuld-Motto daherredest.


    Es gab genug Gründe, warum die drei Beziehungen zwischen 31 und 35 in die Brüche gegangen sind, und die wenigsten lagen bei mir. Ich habe nur gelernt, nicht zu lange bei jemandem zu bleiben, wenn es nicht passt. Und ich weiß, dass die Leute, die mich am besten kennen und mögen, mir von Herzen wünschen würden, dass es endlich mal klappt und passt.

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    Wenn man sich schon mit 25 Gedanken darüber macht, hat man einfach 10 Jahre mehr Zeit um das Ziel zu erreichen.

    Mit 25 hatte ich gerade mal 1 1/2 Jahre meinen ersten Freund. Die Gründe dafür liegen mitnichten in meinem Aussehen, sondern in meiner Vergangenheit. Ich habe aber keine Lust, das jetzt jemandem zu erläutern, der so laut die "Selber-schuld"-Trompete bläst - am Ende bin ich wohl auch noch schuld, dass die Männerwelt zu einem für mich mittlerweile deutlich wahrnehmbaren Prozentsatz aus Arschlöchern besteht, na vielen Dank & du mich auch.

    P.S.


    Zum Ausdruck "das Ziel zu erreichen": DAS klingt wiederum so, als hätte das Kinderkriegen für eine Frau das Einzige zu sein, DAS ZIEL eben, nicht wahr? Ups, jetzt bin ich bestimmt die ganz, ganz pöse "Karrierefrau", wenn ich das schreibe... - bin ich aber gar nicht. Nicht mal das bin ich (mal davon abgesehen, dass ich mein Geld selber verdiene und so halbwegs das tue, was mir gefällt). So was Dummes aber auch.

    Männer, die das Männermagazin gelesen haben, werden sich ihren Kinderwunsch gut überlegen.


    Ich persönlich bin vasektomiert und lebe sehr gut ohne Kinder. Meine Karriere ist mir wichtiger. Und an meinem Geldbeutel bedient sich niemand!


    Die aktuelle Gesetzeslage im Familienrecht leisten ihren Beitrag zur Kinderlosigkeit.


    Aus meinem Freundeskreis sind auch drei Freunde vasektomiert. Das kam eher zufällig raus, aber alle mit der gleichen Intention: keine Kinder, kein finanzieller Ruin.


    Ich finde, dass sich tatsächlich viele Männer im "Zeugungsstreik" befinden. Das Wort trifft es ganz gut.

    Ich kenne kaum Männer, die keine Kinder wollen.


    Ich finde es übrigens sehr vernünftig, dass man erstmal eine gewissen finanzielle Stabilität haben möchte und sein Leben "gelebt haben will". Mit Kindern ändert sich halt alles und ich finde, man sollte sowas nicht übereilen.


    Aber mach dir keine Sorgen, ein Mann wird mit der richtigen Partnerin und zur richtigen Zeit auch einen Kinderwunsch verspüren.

    Zitat

    Aus meinem Freundeskreis sind auch drei Freunde vasektomiert. Das kam eher zufällig raus, aber alle mit der gleichen Intention: keine Kinder, kein finanzieller Ruin.

    Das finde ich völlig legtim und konsequent. Es gibt ja auch genug Frauen ohne Kinderwunsch, die werden es euch danken, dass sie sich um diese Sorge nicht kümmern müssen. Frauen tun sich da auch viel schwerer, einen Arzt zu finden für diesen endgültigen Schritt.


    Ich dachte allerdings bisher, das wäre bei Männern auch nicht so einfach.