Wollte nie Beziehung/Sex - Ist das komisch?

    Ich steuere schon langsam auf die 30 zu und werde inzwischen von Freunden vollgenörgelt, wann ich denn endlich eine Beziehung/Sex haben werde. Meine Familie hat es sowieso schon aufgegeben, in ihren Augen bin ich ein "hoffnungsloser Fall". Für Dates/Sex muss man sich auch Zeit nehmen und das steht überhaupt nicht auf meiner Liste. Die meiste Zeit frisst natürlich der Job und das was an Freizeit noch übrig bleibt, verbringe ich lieber mit Sport, Freunde & Familie. Und ehrlich gesagt reicht mir das und das macht mich auch glücklich. Allerdings kauft mir das niemand ab. Alle denken, mit mir wäre irgendwas "kaputt", ich wäre feig, ich hätte Ängste bla bla. Hormonell ist bei mir alles in Ordnung, das habe ich schon checken lassen. An sozialen Fähigkeiten mangelt es bei mir ebenso nicht. Ich habe schlichtweg kein Bedürfnis danach. Macht sich mein Umfeld zurecht Sorgen?

  • 15 Antworten

    Hallo,


    Die einzige Frage, die Du Dir stellen solltest, ist eigentlich, ob Du einen Leidensdruck verspürst. Wenn ja, könntest Du Dich durchchecken lassen (Hormone usw.)


    Wenn nein: Lebe Dein Leben, wie es Dich zufrieden macht.


    Ich habe früher i intensive Beziehungen gehabt, aber irgendwie habe ich im Moment keinerlei Sinn dafür - seit 10 Jahren schon interessieren mich romantische Beziehungen einfach nicht mehr.


    Ich denke, es kann immer passieren, dass da doch etwas passiert. Aber, ich denke es gibt eine Menge Menschen die auch ohne romantische Beziehungen ein gutes Leben führen, ohne dass sie irgendwie einsam sein müssen.

    Zitat

    Und ehrlich gesagt reicht mir das und das macht mich auch glücklich.

    Warum schreibst Du dann hier?

    Zitat

    Allerdings kauft mir das niemand ab. Alle denken, mit mir wäre irgendwas "kaputt", ich wäre feig, ich hätte Ängste bla bla.

    Warum sollen sie denn das unbedingt?


    Bist Du Dir Deiner selber nicht sicher genug?


    Brauchst Andere die Dir sagen, ob Du glücklich und zufrieden bist?


    Ich habe auch bis ü30 gebraucht um das für mich zu erkennen ... ich bin anders als die Meisten ... und das sage ich inzwischen einfach Jedem, der mir sagen will, dass ich nicht "normal" bin und/oder doch mal versuchen soll "normal" zu sein.


    Ich bin ich und ich brauche keine "Normierung" um zu wissen, wann ich glücklich und zufrieden bin, wem ich so nicht gefalle, der soll sich eben nicht mit mir abgeben.


    Wenn es Dir leichter fällt, wenn Andere Dich in eine "Schublade" stecken ... dann gib ihnen eine ... oben stehen ja zwei passende "Schlagworte" ... asexuell oder aromantisch ... egal ob das nun 100% passt oder nicht.


    Es könnte dann allerdings passieren, dass mal jemand wirklich nachliest, was das denn bedeutet und mit Dir darüber diskutieren will, ob das denn wirklich auf Dich zutrifft oder nicht.


    Aber immer noch besser, als das ständige Verweisen auf "normal" ... weil Du nicht bist, wie die Meisten.


    Du bist trotzdem "normal" ... im Sinne von nicht krank und nur darauf kommt es an.

    Da kann ich Kurt nur zustimmen: ist denn nur das, was Durchschnitt ist, normal?


    Für mich nicht. Dazu kenne ich zu viele ganz tolle Menschen die ganz und gar keinen wie auch immer gearteten Standards entsprechen. Und das betrifft gerade auch Partnerschaft und Sexualität.


    Angehen tut das sowieso keinen was!

    Zitat

    Die meiste Zeit frisst natürlich der Job und das was an Freizeit noch übrig bleibt, verbringe ich lieber mit Sport, Freunde & Familie

    Das kann man sich natürlich gut einreden. Du kannst aber auch einfach so sagen, wie es ist: du hast eben kein Interesse an Beziehung oder Sex. Wenn es so wäre, würdest du dir die Zeit nehmen.


    Daran kein Interesse zu haben ist doch genauso normal oder unnormal, wie eben Interesse daran zu haben. Asexualität und Aromantik kommen gar nicht so selten vor, wie man immer denkt. @:)


    Dein Umfeld ist wahrscheinlich hauptsächlich sexuell und romantisch gepolt, aus der Sicht ist es durchaus ungewöhnlich, dass jemand so etwas alles nicht will. Solange du glücklich bist und nichts vermisst, ist alles in Ordnung. Nicht beirren lassen von sorgenden Verwandten und Freunden. ;-D

    Ich glaube auch, dass es das häufiger gibt. Ich kenne eine Menge Dauersingles (teilweise schon immer, teilweise seit Jahrzehnten) die von sich selbst sagen, kein Interesse an Partnerschaften (und Sex) zu haben. Das wird hier aber von allen so akzeptiert - Menschen sind verschieden.

    Paritu

    Zitat

    ist denn nur das, was Durchschnitt ist, normal?

    Ja. Eine Norm ist so definiert, dass nichts davon abweicht. Ein Norm-Gewinde etwa hat bestimmte Maße, damit Mutter und Schraube zusammenpassen.


    Warum sollte ein ungewöhnlicher "Lebenskünstler" mit Gewalt in eine Normal-Schublade gepresst werden? Gerade die individuellen Abweichungen machen eine Persönlichkeit aus.


    Normierte Schrauben haben keinerlei Persönlichkeit und sind austauschbar.


    Die Aussage "du bist normal" ist für mich fast eine Beleidigung, eine Ignoranz meiner speziellen Fähigkeiten und Marotten.

    Da hast Du vielleicht recht - nur sind Menschen ja keine Schrauben. Und es gibt keine zwei Menschen auf der Welt die wirklich absolut gleich sind. Insofern gibt es in meinen Augen einfach keine Norm für Menschen - nur gewisse Regeln, die gelten müssen, damit das Leben in einer Gesellschaft funktionieren kann.


    Das bedeutet für mich aber keinen "Norm- Menschen". Den kann man sich nur aus Statistiken zusammenrechnen, aber er ist kein gültiger Maßstab, an dem man gültige Normen ablesen könnte. Zum Glück.


    Ansonsten geht es mir wie Dir. Ich würde nicht einer vermeintlichen Norm entsprechen wollen.

    Hm kommt drauf an .... So generell kann man das nicht sagen.


    Ich mein ich weiss noch wie es bei mir mit 13/14 war... es gab keinen besonderen Grund aber auf einmal bin ich morgens aufgewacht und hatte nur noch Mädels im Kopf.. (Da ist wohl die Pubertät durchgebrochen) In dieser eher noch kindlichen Zeit wollte ich als sehnlichsten Wunsch unbedingt ne Freundin haben. Obwohl ich damals noch nicht wirklich wusste was ich damit anfangen soll.


    Trotzdem war da in mir , wie vermutlich bei den meisten in dem Alter ein brennender Drang eine Freundin zu finden. Da war einfach das Bedürfnis , dass jemand vom anderen Geschlecht sagt: Hey wir gehören zusammen... Da ging es also nicht um Sexualität sondern um emotionale Bindung an jemand.


    So mit 16-17 ist dass dann umgeschwankt und Beziehung war dann eigl. oft nur das Mittel zum Zweck


    Glaub so in der Zeit 16-22 wollt ich einfach alles ausprobieren ,hatte aber an sich kein Bedürfnis mich emotional an jemand zu binden.


    So ab 23 ist es dann wieder umgeschwankt und es folgen 7 Jahre in denen ich tatsächlich wieder Versucht habe jemanden zu finden mit dem ich meine eigene Familie gründen kann.


    Nachdem dann mit 30 nach 5 Jahren Beziehung meine große Liebe zerbrochen ist hatte ich erstmal 2 Jahre keine Lust auf gar nix mehr.


    Ich hatte von alldem genug.


    Ich hatte quasi 2 Jahre das was du vermutlich jetzt hast.


    Ich hatte in all den oben aufgeführten Phasen immer wieder Beziehungen , aber aus unterschiedlichen Beweggründen.


    Aus unterschiedlichen Verlangen heraus.


    Nun kannst du dich selber Fragen wenn du bald 30 wirst .


    Wie war das bei dir in den einzelnen Phasen.


    Möglichkeit 1:


    Asexuell oder Aromantisch


    Du hast von Kindheit über Teenezeit , Pubertät , junges Erwachsenensein bis hin zum 30 Lebensjahr niemals den starken Wunsch gehabt eine Partnerin(Oder wegen mir auch einen Partner zu finden) mit dem du dein Leben und deine Sexualität teilst , dann kann sein , dass du einfach asexuell bist.


    asexuell heisst aber nicht , dass du gar keinen Sexualtrieb hast (Wie der Name es vermuten lässt) sondern vielmehr , dass du kein Bedürfnis hast und niemals hattest deine Sexualität mit anderen Menschen zu teilen.


    Schätzungen sagen , dass dies auf ca. 2% aller Menschen zutrifft.... was bei 80mio "Deutschen" immerhin 1,6Millionen Menschen sind. Vielleicht bist du einer von ihnen


    Aromantisch dagegen heisst , dass du kein Bedürfnis nach emotionaler Interaktion mit anderen Menschen hast.


    Gefühle sind für dich eine Fremde Welt und du kannst nichts damit anfangen.


    Möglichkeit 2:


    Gewöhnung:


    Du warst was diese ganzen Beziehungssachen angehst in deiner Jugend relativ erfolglos , hast es akzeptiert und dich damit arrangiert.


    Ist halt so....


    Ich kann das nicht gut ... also lass ichs einfach gleich bleiben... komme auch so durchs Leben


    Diese Möglichkeit halte ich schon insofern wahrscheinlich , da du dir offensichtlich doch Gedanken machst ... sonst würdest du kaum hier im Forum schreiben.


    Habe mich vor einiger Zeit mal damit beschäftigt , weil ich einen sehr guten Kumpel habe , der nun im Mai wie ich 33 wird... und er hatte bisher in seinem Leben noch nie eine Freundin und noch nie Sex...


    Er hat noch nichtmal live im echten Leben eine Frau Nackt gesehen.


    Nun habe mit ihm schon öfter drüber geredet , da ich ihn seit der Schulzeit kenne.


    Er meint er habe sich das früher schon anders gewünscht aber nach einigen Jahren ohne Erfolg hat er sich einfach damit arrangiert... bisschen auf Feiern rumknutschen in der 10 Klasse wird auf immer sein sexuelles Highlight im Leben bleiben...


    Er kommt trotzdem ganz gut durchs Leben , hat einen guten Beruf , viele Freunde, unternimmt viel

    @ Kurt

    Ich habe bisher sehr gut ohne die Meinungen anderer gelebt und definiere mich auch nicht über deren Meinungen. Ich denke den Fehler, den ich gemacht habe war, dass ich mich mit meinem Umfeld verglichen habe. Deswegen ist dieser Faden hier entstanden und es gab plötzlich eine Unsicherheit, die ich sonst nie verspürt habe. Wieso mich mein Umfeld kritisiert weiß ich nicht. Ich nehme an, sie definieren ihr Glück rein über ihr Liebesleben und weil ich keine habe, glauben sie ich wäre unglücklich und sie müssten mir helfen? Das ist für mich die einzig logische Erklärung.

    @ Aszuwish

    Zu deinen Möglichkeiten: Bei mir ist es wohl eine Mischform. Meine Eltern sind Migranten und sie haben sich schwer getan hier Fuß zu fassen. Meine Teenager-Zeit habe ich großteils in Behörden verbracht. Während andere Jungs von einer Party zur nächsten gezogen sind, musste ich immer irgendwas für die Familie erledigen. Aber das hat mich nie gestört. Meine Eltern haben hart gearbeitet und jeden Cent in die Kinder und für deren Ausbildung investiert. Daher war es für mich selbstverständlich meinen Eltern auszuhelfen, wo es ging. So sind die Jahre vergangen. Als ich dann ausgezogen bin (das war mit Mitte 20), hatte ich dann einen Vollzeit-Job und meine Freizeit widme ich den Hobbys, die ich immer schon tun wollte und das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Was ich also sagen will, ich hatte irgendwie nie Zeit mich mit Beziehungskram zu beschäftigen und habe bis heute kein Bedürfnis danach. Über die Jahre haben sich natürlich sämtliche Freunde bei mir ausgeheult über ihr Liebes- und Beziehungsdrama. Ich habe nur zugehört und versucht sie zu trösten. Aber verstanden habe ich das nie und ich hatte echt andere Sorgen, als die Freundin, die nicht mehr antwortet. Innerlich dachte ich: Ich kämpfe gerade mit dem Finanzamt, ICH sollte derjenige sein, der heult... ;-D ;-D

    Ich finde es nicht so ungewöhnlich, dass man auch dann, wenn man selbst eigentlich zufrieden ist, doch Zweifel bekommt, ob "man richtig tickt", wenn scheinbar alle um einen herum einem einreden wollen, es müsse einem doch was fehlen. Dass man dann mal um Meinungen fragt, finde ich normal.


    Aber solange Dir nichts fehlt, besteht weder für Dich noch für andere Grund zur Besorgnis. "Zu Recht Sorgen" machen könnte sich das Umfeld, wenn Dein Nicht-Bedürfnis irgendwelche gesundheitsschädlichen Folgen hervorrufen würde… Aber das ist ja wohl nicht der Fall.


    Aber so sind (sehr viele) Menschen halt - wenn sie ohne (oder mit) etwas bestimmten nicht leben wollen (oder zu können glauben), können manche schwer fassen, dass es anderen nicht genauso geht. Weil man einfach gern von sich auf andere schließt.

    Zitat

    Ich denke den Fehler, den ich gemacht habe war, dass ich mich mit meinem Umfeld verglichen habe.

    Das ist kein Fehler, in einem sozialen Umfeld ist es ein Bedürfnis nicht unbedingt zu sehr aufzufallen, sich anzupassen.


    Du hast Dich davon nur verunsichern lassen, dabei gibt es dafür keinen Grund ... Du fühlst Dich wohl ... alles OK.

    Zitat

    Wieso mich mein Umfeld kritisiert weiß ich nicht. Ich nehme an, sie definieren ihr Glück rein über ihr Liebesleben und weil ich keine habe, glauben sie ich wäre unglücklich und sie müssten mir helfen?

    So krass würde ich es nicht formulieren, dass ihr Glück allein auf das Liebesleben basiert, nur, dass der Mensch, als soziales Wesen ein entsprechend starkes Bedürfnis nach Beziehung, Emotionen und nicht zuletzt Sexualleben hat.


    Deswegen schließen sie von sich auf Andere ... sie wären weniger glücklich odere sogar unglücklich ohne Beziehung, folglich "musst" Du das bei Dir wohl auch so sein und Du flüchtest Dich nur davor in Hobby/Sport ... und Du brauchst daher Hilfe.