Ich würde es zwar nicht ganz so pathetisch ausdrücken aber ich sehe das eigentlich genauso wie willgesundsein.


    Mir kommt dieses "erstmal die eigenen Bedürfnisse" wie ein großer Fehler vor allem von Therapeuten vor, durch den lauter unzufriedene Egozentriker gezüchtet werden.

    und was "die eigenen Bedürfnisse" angeht - was sind denn tatsächlich (tatsächlich!) relevante eigene Bedürfnisse?


    Ich würde eher eine umgekehrte Formulierung wählen - lernen, abzugrenzen, und nichts zu tun, was den eigenen Bedürfnissen widerspricht. Nein sagen lernen.


    Also nicht Dinge TUN sondern Dinge VERHINDERN.


    Dann, und in Kombination mit der anderen Marschrichtung, erfolg das Erfüllen der eigenen Bedürfnisse meist automatisch und von selber.

    stimme mond+sterne zu. Ich denke ich hab in den letzten Jahren nochmal ordentlich an Egoismus zugelegt^^ und trotzdem scheint mir dass meine Mitmenschen jetzt irgendwie "mehr" von mir haben als früher (also wenn sie mir näher sind, ansonsten wenn ich halt grad Bock hab).

    Zitat

    nichts zu tun, was den eigenen Bedürfnissen widerspricht.

    gehört zu "eigene Bedürfnisse first" dazu.

    Ich hab das Gefühl, in "gesunden system" stellt sich die Frage derartiger Priorisierengen gar nicht. Jeder setzt seine Grenzen, hält die der anderen ein und die eigenen werden auch von den Mitmenschen respektiert.


    Wenn da etwas grundsätzlich in Schieflage ist, ist das ein Fehler, der natürlich behoben werden muss, und das kann sowohl sein, selber weniger egoistisch zu sein, als auch, selber mehr abzugrenzen.


    Ansonsten kann man es vielleicht eher als Tendenz betrachten - und da finde ich eine Einstellung, eher anderen zu dienen als auf die eigenen Punkte zu achten, konstruktiver. Sich selber und die eigenen Probleme, Frustrationen und (unerfüllten) Bedürfnisse etwas weniger stark zu gewichten, etwas distanzierter zu betrachten und stattdessen lieber schauen was man anderen gutes tun kann, scheint mir auch für einen selber insgesatm mehr zu bringen.


    Ein Problem ist ja auch, dass viele (reale oder vermeintliche) Bedürfnisse gar nicht, oder nur kurzzeitig, überhaupt erfüllbar sind. Da kann man sich dann endlos drauf konzentrieren und sich drüber grämen, oder es sich dann egal sein lassen und lieber um andere Dinge kümmern.

    Zitat

    stimme mond+sterne zu. Ich denke ich hab in den letzten Jahren nochmal ordentlich an Egoismus zugelegt^^ und trotzdem scheint mir dass meine Mitmenschen jetzt irgendwie "mehr" von mir haben als früher (also wenn sie mir näher sind, ansonsten wenn ich halt grad Bock hab).

    Vielleicht meinst Du inhaltlich das Gleiche. Aber das was Du schreibst, steht im klaren Widerspruch zu meiner Meinung.


    Du hast "ordentlich an Egoismus zugelegt^^", schriebst Du.

    Ich bin für Solidarität. Darunter verstehe ich: Jeder tut so viel für andere, wie er kann, ohne sich dabei ein Bein auszureißen.


    Ich möchte nämlich meine Beine behalten. Das ist mein Bedürfnis. Mit Egoismus hat das in meinen Augen nichts zu tun.


    Also, Widerspruch oder Zustimmung?

    Ich glaube man muss zwischen "Bedürfnissen" und "Dingen die ich gut fände und die es mir bequemer machen" unterscheiden. Das scheint vielen schwer zu fallen. Immer wieder höre ich sie würden ihr Smartphone brauchen, aber das stimmt allermeistens nicht. Sie wollen es gerne haben, finden es bequem und soweiter, aber brauchen tun sie es nicht wirklich.


    Bei Technik mag das doof sein und auf anderer Ebene problematisch, aber in zwischenmenschlichen Beziehungen wird das ganz direkt zum Problem. Am Beispiel hier: Es ist sicher ein grundlegendes Bedürfnis sich vom Partner geschätzt zu fühlen und dazu gehört beim Gegenüber ein gewisses Maß an Körperpflege. Wenn der Te hier aber jedes Haar kritisiert, dann geht es darum ihm das Leben innerhalb seiner Störung gemütlicher zu machen. Da geht es nicht um grundlegende Bedrüfnisse sondern um "nice to have". Und es wäre nichtmal für ihn gesund, wenn man sich dem nun völlig unterwerfen würde.


    Die Gewichtung ist sicherlich individuell, aber ich glaube grundlegend unterscheiden zu können wann man etwas will und wann man etwas braucht, dass ist schon eine wichtige Kompetenz um eine gute Beziehung zu sich selbst und zu anderen pflegen zu können. Denn während man das eine unbedingt ernst nehmen sollte, kann man bei dem anderen ganz beruhigt auch mal Abstriche machen und mehr gewinnen, durch die Freude die man damit dem Partner oder der Partnerin macht. Oder auch sich selbst, wenn man beispielsweise Zeit gewinnt weil man sich das Internet für eine Weile versagt. ;-)

    Man sollte sich auch fragen, ob man etwas wirklich braucht bzw einen etwas wirklich stört, oder ob es da lediglich um das (sich angegriffen fühlende?) Ego geht.


    zB kann man sich ja wunderbar über kleine Respektlosigkeiten anderer Leute aufregen, zB wenn sich jemand im Supermarkt vordrängelt oder einem die Vorfahrt nimmt.


    Da ist die Sache an sich eigentlich so banal dass sie einen nicht wirklich stört, in der Regel. Aber das Ego mag es nicht hinnehmen, da eine "Niederlage" eingesteckt zu haben. Da wird es dann als "Bedürfnis" empfunden, dem eigenen Ego genug zu tun und irgendwie zurückzuschlagen.


    Das ist dann aber ja kein echtes Bedürfnis, sondern pathologisch. Sich aber dann an sowas zu klammern macht einen klein und is genau das, was ich meine. Sowas sollte man loslassen. Lieber den Menschen hinter sich von sich aus fragen, ob er an der Kasse nicht vor möchte. Zum einen freut den das, zum anderen ist die positive Rückkoppelung für einen selber: Ich habe es gar nicht nötig, mein Ego von derlei Kram überhaupt abhängig zu machen.

    solche Nummern kommen sicher oft aus Egogründen vor, aber oft sind sie auch instrumentalisierte Aufregung, da wird kompensativ nichteingestandener Frust versucht loszuwerden, kann sogar Suchtcharakter annehmen. Auch net die allerschlauste Bedürfnisserfüllung^^ aber traurig oft beobachtbar.

    Zitat

    Also, Widerspruch oder Zustimmung?

    darfst dir aussuchen, bin heut so frei 8-)

    Nachtrag noch - also was z.B. ein Körperhaar zuviel angeht (das Beispiel war mir im Nachhinein eingefallen und ist so schön banal und einfach) - stört einen WIRKLICH das Haar (was selten der Fall sein dürfte) oder fühlt man sich durch die Tatsache, dass es (trotz anderem, geäusserten Wunsch) da ist, respektlos behandelt, hintenan gestellt? Ist also der wahre Grund, dass das Ego das nicht wegstecken mag, dass der eigene Wunsch nicht befolgt wird? Das wäre dann klein und narzisstisch (und das festhalten an solchen "Bedürfnissen" macht einen immer kleiner und dazu noch zickiger und weniger erträglich für die Mitmenschen).

    Zitat
    Zitat

    Also, Widerspruch oder Zustimmung?

    darfst dir aussuchen, bin heut so frei 8-)

    Das war die Frage danach, wie Du es gemeint hattest. Das kann ich mir nicht aussuchen.


    Aber von mir aus, vergiss es.

    @ rr2017

    Zitat

    Dazu sind das ja pathologische Bedürfnisse. Die Bedürftigkeit im Selbstwertgefühl ist ja ein krankhafter Zustand. Man sollte da lieber eine Lösung finden, die einen frei, stark und unabhängig von anderen macht (und im Umkehrschluss auch andere von der eigenen Manipulation befreit).

    Also rein erleuchtungsmäßig gesehen stimmt das natürlich, denn das Ego schützt uns Menschen vor dem Gefühl des Getrenntseins und damit der Sterblichkeit, aber das haben wir einfach mal (fast) alle. Insofern ist der Begriff pathologisch schon ein wenig hart oder?

    Zitat

    Mir kommt dieses "erstmal die eigenen Bedürfnisse" wie ein großer Fehler vor allem von Therapeuten vor, durch den lauter unzufriedene Egozentriker gezüchtet werden.

    Ich denke, dass die meisten das zu unbewusst angehen und den Absprung nicht schaffen.

    Zitat

    Ich würde eher abgrenzen, und nichts zu tun, was den eigenen Bedürfnissen widerspricht. Also nicht Dinge TUN sondern Dinge VERHINDERN. Dann, und in Kombination mit der anderen Marschrichtung, erfolg das Erfüllen der eigenen Bedürfnisse meist automatisch und von selber.

    Hast du ein paar konkrete Beispiele dafür?

    Zitat

    "gesunden system"

    Hab auch letztens gedacht, "ich als selbst Veranlagter soll in einer überwiegend narzisstisch und egoistisch geprägten Gesellschaft versuchen, einen auf Jesus zu machen, das sind sehr bescheidene Bedingungen!"

    Zitat

    Sich selber und die eigenen Probleme, Frustrationen und (unerfüllten) Bedürfnisse etwas weniger stark zu gewichten, etwas distanzierter zu betrachten und stattdessen lieber schauen was man anderen gutes tun kann, scheint mir auch für einen selber insgesatm mehr zu bringen.

    Sehe ich auch so. Was denn nun ???

    @ Mond + Sterne

    Zitat

    Ja? Ich würde sagen, zunächst einmal geht es darum, für sich selbst zu sorgen, seinen eigenen Bedürfnissen Vorrang zu geben. Erst wenn Du gut für Dich selbst sorgen kannst, kannst Du auch für andere sorgen. Dann hast Du eine Chance in die von Dir beschriebene "Engelsspirale" zu kommen.

    Ja, denn diese Engelsspirale gibt es auf jeden Fall. Und die kann man aber nur hinaufwirbeln, wenn man genug Kraft hat, was zu geben, indem man auch für sich selber sorgt, da hast du Recht!

    @ Danae87

    Zitat

    Ich glaube man muss zwischen "Bedürfnissen" und "Dingen die ich gut fände und die es mir bequemer machen" unterscheiden.

    :)^ Diese Unterscheidungsfähigkeit wird allerdings (wie alles andere auch) sehr vom Umfeld beeinflusst. Ich kenne auch so viele, die morgens "unbedingt nen Kaffee brauchen, sonst funktionieren sie ja mal gaaaaar nicht" %-|

    @ rr2017

    Zitat

    Man sollte sich auch fragen, ob man etwas wirklich braucht bzw einen etwas wirklich stört, oder ob es da lediglich um das (sich angegriffen fühlende?) Ego geht [...] Das ist dann aber ja kein echtes Bedürfnis, sondern pathologisch..

    Bist du wirklich so ein Hardliner?

    Zitat

    stört einen WIRKLICH das Haar

    Ja, wenn es nicht nur eins ist, kann das schon mal sein.

    Zitat

    oder fühlt man sich [...] respektlos behandelt, hintenan gestellt? Ist also der wahre Grund, dass das Ego das nicht wegstecken mag, dass der eigene Wunsch nicht befolgt wird?

    Ich glaube nicht, das ist in diesem (meinem) Fall einmal zu viel um die Ecke gedacht glaube ich. Auf einer andere Ebene allerdings hast du Recht. Da Ego ist beleidigt, weil die Haare nicht dem heutigen Wertekatalog entsprechen und der Ego-Besitzer ja offensichtlich nicht wertvoll genug ist, das Top-Level zu halten...

    Zitat

    :)^ Diese Unterscheidungsfähigkeit wird allerdings (wie alles andere auch) sehr vom Umfeld beeinflusst. Ich kenne auch so viele, die morgens "unbedingt nen Kaffee brauchen, sonst funktionieren sie ja mal gaaaaar nicht" %-|

    Ja, allerdings ist man ja erwachsen und kann sich auch dies Umfeld in einem gewissen Rahmen aussuchen und noch dazu kann man dann selbst gewichten wessen Aussagen wichtig für einen sind und welche nicht und soweiter. Es lebe das Großhirn, es schenkt uns die Freiheit. ;-D