Zu viel Nähe zerstört Beziehung

    Hallo zusammen,


    ich bin seit gut 2 Jahren mit meiner Freundin zusammen und vor 3 Monaten sind wir zusammengezogen. Der Haushalt usw hat sich eigentlich ganz gut eingespielt, jeder hat seine Aufgaben, denen nachgekommen wird. Zwischenmenschlich ist es aber eine Katastrophe.


    Wir müssen beide seit Mitte März von zuhause aus arbeiten, da unsere Büros aufgrund von Corona geschlossen sind. Wir hängen also fast 24/7 in der Wohnung rum und gehen uns auf die Nerven. Wir haben fast jeden Tag Streit, Harmonie gibt es kaum noch, Intimität und Zweisamkeit gibt es seit Wochen gar nicht mehr, wenn überhaupt küssen wir uns mal zum Abschied, ist aber auch eher selten der Fall. Wir leben einfach nur noch nebeneinander her und für mich existiert kaum noch ein Beziehungsgefühl. Die Beziehung hat sich definitiv um 180 Grad ins negative gewandelt.


    Wir versuchen schon möglichst in getrennten Räumen zu arbeiten, aber das kann man ja nicht mit einem normalen Arbeitstag vergleichen. Meine Freundin ist zudem sehr unglücklich in ihrem aktuellen Job, weswegen da auch häufig schlechte Laune in der Luft liegt.


    Natürlich gehen wir auch unseren Hobbys nach, treffen unsere Freunde und Familie, aber wenn man dann mal ein paar Stunden weg ist, macht das ja leider auch nicht all zu viel aus. Wir würden auch gerne mal wieder etwas zusammen unternehmen, aber vieles fällt ja auch weg. Beispielsweise sind wir gerne ins Einkaufszentrum gegangen, wenn man da aber die ganze Zeit mit Maske rumlaufen muss, macht es ja auch keinen Spaß. Und jegliche Aktivität sind aufgrund der Sommerferien auch absolut überlaufen.


    Es ist einfach zu viel Nähe, die die Beziehung in allen Belangen zerstört und ich habe keine Idee wie ich aus der Situation rauskommen soll.


    Habt ihr noch Tipps oder Ideen für mich? Danke euch

  • 25 Antworten
    Heiko100 schrieb:

    wenn man da aber die ganze Zeit mit Maske rumlaufen muss, macht es ja auch keinen Spaß

    Blöde Ausrede. Als wärt ihr dort wegen der guten Luft hingegangen?!


    Mitten in der Coronakrise zusammengezogen? Was habt ihr euch dabei gedacht? Oder war das schon viel, viel länger geplant?!


    Einen Tipp habe ich nicht. Denke aber, dass es ohne Corona nicht anders gelaufen wäre. Hätte vielleicht nur länger gedauert. ;)

    Spazieren, wandern, Kino, Essen gehen und wenns nur auf nen Eisbecher ist. Zusammen ein Puzzle machen, ein Spiel, es gibt einiges was ihr tun könnt.

    Jedoch muss da doch generell was im Argen liegen. Home office hin oder her, aber wie schafft ihr es jeden Tag zu streiten? Worüber?

    Heiko100 schrieb:

    Beispielsweise sind wir gerne ins Einkaufszentrum gegangen, wenn man da aber die ganze Zeit mit Maske rumlaufen muss, macht es ja auch keinen Spaß.

    Wenn der Besuch im Einkaufszentrum zu den schönsten gemeinsamen Aktivitäten zählt, wäre es für mich an der Zeit, gemeinsam mal die Vorstellungen von Nähe zu überdenken.


    Das muss nicht heißen, dass man sich jetzt trennen muss. Aber ihr solltet erkennen, was euch tief im Inneren nervt. Was man sich wünscht, und was man ausprobieren möchte. Man hat ja nicht immer direkt eine Patentlösung parat und schon schwuppt es wieder. Manchmal muss man in der Tat erst eine Ahnung haben, und dann in dieser Richtung Dinge probieren.


    Ich möchte wetten, dass es auch ohne Corona ähnlich gelaufen wäre. Ich halte es für unstimmig, dass ihr gern mal wieder was gemeinsam unternehmen wollt, wo ihr euch doch schon stundenlang gegenseitig auf den Keks geht. Die Corona-Einschränkungen sind der ultimative Check, sich selbst genug zu sein. Insofern seid froh, dass der Warnschuss jetzt so krass ist. Und nutzt die Zeit zum Reden und Ausprobieren, anstatt zu streiten.

    Verhueter schrieb:

    Blöde Ausrede. Als wärt ihr dort wegen der guten Luft hingegangen?!


    Mitten in der Coronakrise zusammengezogen? Was habt ihr euch dabei gedacht? Oder war das schon viel, viel länger geplant?!

    Wieso „Ausrede“? Habe Allergiebedingt Asthma, weswegen ich nach 2 Minuten Maske kaum Luft bekomme und mir schwindelig wird.


    Haben den Mietvertrag schon im Dezember unterschrieben. Da wussten wohl nicht mal die blöden Chinesen, was sich dort entwickelt.

    Fiorentina2017 schrieb:

    Spazieren, wandern, Kino, Essen gehen und wenns nur auf nen Eisbecher ist. Zusammen ein Puzzle machen, ein Spiel, es gibt einiges was ihr tun könnt.

    Jedoch muss da doch generell was im Argen liegen. Home office hin oder her, aber wie schafft ihr es jeden Tag zu streiten? Worüber?

    Ja, das sind aber alles keine Aktivitäten um großartig etwas zu erleben. Dann gehen wir mal eine Stunde Eis essen und sitzen danach wieder in der Wohnung rum. Weißt du was ich meine?


    Warum sollte da etwas im Argen liegen? Würde ich meine Freunde jeden Tag 24/7 sehen, würde ich mit ihnen auch irgendwann aneinander geraten, das ist doch normal. Streit wegen irgendwelchen Kleinigkeiten.

    Comran schrieb:

    Wenn der Besuch im Einkaufszentrum zu den schönsten gemeinsamen Aktivitäten zählt, wäre es für mich an der Zeit, gemeinsam mal die Vorstellungen von Nähe zu überdenken.

    Das ist eine Aktivität, die wir gerne machen. Was ist daran so verwerflich. Hätte genau so gut wandern schreiben können, wäre das dann besser?

    Heiko100 schrieb:

    Habe Allergiebedingt Asthma, weswegen ich nach 2 Minuten Maske kaum Luft bekomme und mir schwindelig wird.

    Hellsehen kann ich natürlich nicht. Wieso lässt du dich dann nicht befreien?



    Heiko100 schrieb:

    Würde ich meine Freunde jeden Tag 24/7 sehen, würde ich mit ihnen auch irgendwann aneinander geraten, das ist doch normal. Streit wegen irgendwelchen Kleinigkeiten.

    Also Spaß am Streiten?! Nein, das ist nicht normal.

    Zusammen ziehen kann eine Beziehung schon ein bisschen durchrütteln, zudem noch in dieser Ausnahmesituation. Bei uns war es ähnlich. Wir haben uns viel darüber unterhalten und genau hingeschaut woher die Spannungen kommen. Viele Dinge waren der aktuellen Situation geschuldet und das halten wir uns vor Augen. Es kommt eben auch drauf an wieso man sich gerade annervt. Da solltet ihr ehrlich zu euch und auch euch selbst sein.

    Heiko100 schrieb:

    Es ist einfach zu viel Nähe, die die Beziehung in allen Belangen zerstört und ich habe keine Idee wie ich aus der Situation rauskommen soll.

    Ging einer Kollegin von mir so. Gerade noch vor dem Lockdown zusammengezogen, diesen Monat wieder eine eigene Wohnung gesucht, allerdings besteht die Beziehung nach wie vor. Sie haben einfach nur erkannt, dass das im Moment einfach nichts für sie ist, in einer Wohnung zusammen zu wohnen. Wäre also eine Alternative.


    Sonst gibt es ja genug Ratgeber und die wirst du/ihr doch kennen, wie man lernen kann zu Hause zu arbeiten. Die Frage ist also für mich eher, warum funktionieren diese Dinge bei euch nicht? Warum habt ihr so viel Nähe, wenn sie euch gar nicht gut tut.

    Man kann sich doch einfach zurückziehen und das im selben Zimmer, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen interessieren oder eben in unterschiedlichen Räumen. Wenn beide arbeiten und nur ein Raum zur Verfügung steht, ist es auch nur so, wie in der ARbeit, wenn man mit jemandem zusammensitzt. Da kann man umstellen und schon hat jeder seinen Freiraum. Was habt ihr also probiert, was dann nicht funktioniert hat und warum hat es nicht funktioniert?


    Dass deine Freundin mit ihrer ARbeit unzufrieden ist, ist schade, aber ihr Problem, es sei denn, sie hat auch sonst ihre Probleme aus der ARbeit mit nach Hause genommen.


    Heiko100 schrieb:

    Natürlich gehen wir auch unseren Hobbys nach, treffen unsere Freunde und Familie, aber wenn man dann mal ein paar Stunden weg ist, macht das ja leider auch nicht all zu viel aus. Wir würden auch gerne mal wieder etwas zusammen unternehmen, aber vieles fällt ja auch weg.

    Ihr habt die ganze Zeit die Chance etwas gemeinsam zu unternehmen und was ihr tut ist streiten. Woran liegt das? Kann doch nicht daran liegen, dass ihr nicht gemeinsam einkaufen gehen könnt. Wieso findet ihr keinen Spaß mehr am Leben miteinander oder überahupt am Leben? Dinge verändern sich und deswegen muss man seine Einstellung auch ändern. Mag ja sein, dass es vorher gewisse Dinge gibt, denen ihr keinen Spaß abgewinnen konntet, aber wieso sucht ihr nicht nach Dingen, die möglich sind und denen ihr Spaß abgewinnen könnt?

    Heiko100 schrieb:

    Ja, das sind aber alles keine Aktivitäten um großartig etwas zu erleben. Dann gehen wir mal eine Stunde Eis essen und sitzen danach wieder in der Wohnung rum. Weißt du was ich meine?

    Was würdet ihr denn machen, wenn ihr könntet?

    Heiko100 schrieb:

    Warum sollte da etwas im Argen liegen? Würde ich meine Freunde jeden Tag 24/7 sehen, würde ich mit ihnen auch irgendwann aneinander geraten, das ist doch normal. Streit wegen irgendwelchen Kleinigkeiten.

    Nö, das ist nicht normal. Ich würde doch niemals mit jemandem aufeinanderstecken, nur weil wir in einer Wohnung leben.


    Heiko100 schrieb:

    Warum sollte da etwas im Argen liegen? Würde ich meine Freunde jeden Tag 24/7 sehen, würde ich mit ihnen auch irgendwann aneinander geraten, das ist doch normal. Streit wegen irgendwelchen Kleinigkeiten.

    Weil Streit wegen Kleinigkeiten bei den meisten Leuten bedeutet, dass etwas größeres im Argen liegt. Weil irgendwas größeres nicht passt, was man entweder nicht ansprechen will oder dem man sich (noch) nicht bewusst ist und deshalb nach Alternativgründen sucht. Der klassische Streit über die Zahnpastatube.

    Heiko100 schrieb:

    Würde ich meine Freunde jeden Tag 24/7 sehen, würde ich mit ihnen auch irgendwann aneinander geraten, das ist doch normal. Streit wegen irgendwelchen Kleinigkeiten.

    Normal finde ich das nicht. Es wäre vielleicht eintönig, aber warum ist es normal, dass man aneinandergerät?


    Ich lebe mit meiner Frau nun 27 Jahre zusammen und durch den Lockdown waren wir schlagartig seit März im Homeoffice. Wir empfinden das zwar als "anders", aber irgendwie hat es auch einen gewissen Komfort. Wir planen anders, aber wir gehen uns nicht auf den Kittel deswegen. Auch wir haben mehrere Wochen kaum Freunde gesehen, Ausgehen fiel flach. Natürlich haben wir uns durch die längere Beziehung natürlich schon "zusammengerauft" und ausgerechnet jetzt zusammenzuziehen ist natürlich eine größere Herausforderung. Aber ich finde es nicht normal, Streit bei zu viel Nähe als normal anzusehen.


    Heiko100 schrieb:

    Das ist eine Aktivität, die wir gerne machen. Was ist daran so verwerflich. Hätte genau so gut wandern schreiben können, wäre das dann besser?

    Wandern hätte zumindest den Vorteil, dass diese Gemeinsamkeit absolut Lockdown-kompatibel gewesen wäre und Bewegung an der Luft der Psyche auch gut tut. Ein Einkaufscenter ist - wenn man schon auf zu viel Nähe allergisch reagiert - doch nur Enge in anderen vier Wänden mit noch mehr Menschen.


    Verwerflich ist nichts daran. Ich hoffe nur, dass euch noch mehr eint, als Besuche im Einkaufscenter zu machen. Irgendwas muss doch für euch auch jetzt machbar sein? Was gibt es noch? Mal in den Biergarten, aus zum Essen oder auf ein Eis (OK, wenn das Wetter wieder wird). Das geht ja schon länger wieder, sogar sehr Corona-konform. Was gibt es an Hobbies? Warum nicht tatsächlich wandern und neue Orte gemeinsam ergründen und den Moment teilen?

    Strei, bei mehr Nähe, ist nicht normal. Was macht ihr denn, wenn einer krank wird oder den Job verliert und so mehr Zuhaus ist? Und zieht man nicht gerade deswegen zusammen? Um sich öfter zu sehen? Und wie war das mit euren Eltern, gab es da auch immer Streit?

    Und zum Punkt, dass ihr nichts mehr machen könnt: Ich selber hatte jetzt über Corona, wie viele andere auch, Geburtstag und konnte den kaum feiern. Normalerweise wäre ich mit meinem Freund, zu einem Konzert gefahren, hätte mit ihm in einer anderen Stadt übernachtet, sprich ohne Corona hätten wir ein lustiges Wochenende gehabt, das ging nicht. Dadurch war ich ziemlich geknickt und mein Freund lies sich dann deswegen was einfallen. Zu meinem Geburtstag besorgte er Bier und eine Aufzeichnung eines Konzerts, einer Band, die wir zuletzt gemeinsam live gesehen hatten. Wir setzten uns beide auf die Couch, er lies die DVD über den Beamer laufen und wir sahen sie uns gemeinsam an, sprachen über die Band, was uns an der Aufzeichnung gefiel, sangen mit und es wurde trotz Corona ein lustiger Abend. Was ich damit sagen will, ja es ist nicht wie früher aber mit etwas Kreativität kann man trotzdem eine schöne Zeit zusammen haben.

    Dann nimm dich doch einfach mal raus aus dem Geschehen und schau dir deine Freundin einfach mal an. Z.B. wenn sie ihre Türe zu ihrem Zimmer offen hat und sie arbeitet.

    Dann schau hin und frage dich: Ist das die Frau mit der ich die nächsten Jahre meines Leben verbringen möchte. Und dann kommt die spannende Frage was da so alles für Gedanken aus deinem Inneren kommen. Aber sie sind die Antwort. Oft lautet dann die Antwort nein, aber oft ist man dann auch zu feige dazu es sich und dem Partner einzugestehen, dass es so ist. Ist zumindest mir schon so gegangen. Drum sag' ichs'.