Zu wenig Zweisamkeit

    Hallo. Ich (32) bin seit drei Jahren mit meinem Freund (45) zusammen, im Sommer wollen wir heiraten. Jetzt ist es gerade so, dass wir seit ein paar Wochen kaum noch Zeit zusammen haben, und wenn, dann ist es nicht schön. Wir arbeiten beide recht viel, er hat zwei Jobs, ich bin selbstständig mit verschiedenen Aufträgen. Allerdings arbeiten wir beide z.T. von zu Hause aus, sehen uns also recht viel, aber meist ist jeder an seinem Schreibtisch. Nach (dem jeweils selbst festgesetzten) Feierabend möchte er meist entweder fernsehen oder schlafen, auch macht er gern stundenlang Mittagsschlaf, so geschehen dann z.B. am Sonntag, so dass ich dann alleine spazieren war und wir außer zusammen zu essen und abends einen Film sehen nichts zusammen gemacht haben. Noch bis einschließlich Freitag bin ich sehr mit einem Projekt beschäftigt, was mich seit Wochen sehr in Anspruch nimmt, dann wird es bei mir etwas ruhiger.


    Ich merke schon, dass ich durch die mangelnde Zweisamkeit regelrecht aggressiv werde, und ihn oft "anzicke" wie er es nennt. Ich nehme aber auch bei ihm ähnliches wahr, also er ist nicht sehr nett zu mir, wobei ich nicht weiß, ob das dieselbe Ursache hat. Sex hatten wir auch schon wochenlang nicht mehr, wobei das leider von Anfang an nicht gut lief...


    Ich habe ihn vorhin auf das Problem angesprochen, erklärte auch meine "Zickereien" mit meiner Unzufriedenheit. Er wollte/konnte das jedoch nicht verstehen und wollte auch nicht reden, meinte nur, ich solle halt aufhören zu zicken! Er könne es auch nicht ändern, dass wir wenig Zeit hätten. Ich sagte ihm, dass wir es dringend nötig hätten, mal einen Tag zusammen zu verbringen, schlug den kommenden Samstag vor und machte auch einen Vorschlag, was wir da zusammen machen könnten (hat mit unserer Hochzeitsvorbereitung zu tun). Doch er möchte gern zum Fußball! Das hat mich natürlich alles andere als erfreut, obwohl ich bisher nie etwas gegen seine (allerdings nicht sehr häufigen) Stadionbesuche gesagt habe. Der Tag wäre dann quasi "gelaufen", denn er würde mittags das Haus verlassen und irgendwann angetrunken zurückkommen. Am Sonntag muss er arbeiten, was also bedeuten würde, dass wir in den nächsten zehn Tagen wieder einmal kaum Zeit zusammen hätten. :-(


    Es ist irgendwie ein Teufelskreis: Je weniger schöne Zeit wir miteinander haben, desto mieser bin ich gelaunt. Und dann hat er natürlich erst recht keinen Bock auf mich! Kann ich verstehen, aber soll ich jetzt alles schlucken und mich zwingen, lieb und süß zu sein, nur damit er vielleicht mal wieder Interesse an mir hat? Das kann es doch nicht sein! Einfach mein eigenes Ding machen und schauen, wann er mal wieder ankommt? Das zwar vielleicht schon eher, aber eigentlich stelle ich mir eine Beziehung nicht so vor! WIe gesagt, wie wollen bald heiraten! Auch das habe ich ihm vorhin gesagt, daraufhin kam nur "Du hast ja noch etwas Zeit, zu überlegen!"


    Was mich besonders nervt, ist, wenn er immer wieder "wegläuft", d.h. aus dem Zimmer geht, um das GEspräch zu beenden. So wieder einmal vorhin geschehen mit der Begrüngung, ich solle aufhören zu "zicken". Doch wenn er wegläuft und mir das Gespräch verweigert, regt mich das noch mehr auf, ich laufe ihm hinterher und "zicke" noch mehr. Hab mich dann aber zusammengerissen und ihn seinen Mittagsschlaf machen lassen...


    Früher waren wir irgendwie viel mehr aufeinander abgestimmt, sind immer zusammen ins Bett gegangen (also nicht jeder für sich allein je nach Müdigkeit), haben meist abends nach der Arbeit irgendwann zusammen Feierabend gemacht, etwas gegessen und uns dabei unterhalten. Jetzt läuft meist der Fernseher, ich esse meine Brote davor oder am Schreibtisch, weil er oft nichts will. Und dann gehe ich z.B. schlafen, weil ich müde bin, er sieht noch fern, weil er ja mittags geschlafen hat, steht dafür morgens wiederum eher auf... Und so lebt man irgendwie nebeneinander her... >:( :°(

  • 33 Antworten

    Bei aller Liebe müssen in einer Beziehung die Lebensentwürfe schon grob zueinander passen. Wenn zwei Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wieviel Gemeinsamkeit, wieviel Nähe bzw. wieviel Freiraum man braucht und welchen Stellenwert man der Beziehung im Verhältnis zur Arbeit oder sinstigen Aktivitäten einräumt, dann ist das Gift für eine Beziehung.


    Wenn das schon nach nur drei Jahren eintritt, dann ist das ein Alarmzeichen. Wenn er dann noch dem Konflikt aus dem Weg geht, indem er einfach aus dem Zimmer geht, dann ist da keine Basis für eine Lösung des Problems. Ich würde mal die Hochzeit noch ne Weile auf Eis legen und das Zusammenleben noch eine Weile genauer unter die Lupe nehmen. Und dann frag Dich ehrlich, ist es das, was Du willst und wenn nicht, könnt ihr das gemeinsam ändern? Dauerhaft, nicht etwa mal nen Monat lang, wenn ihr euch zusammenreisst?

    Zitat

    Ich sagte ihm, dass wir es dringend nötig hätten, mal einen Tag zusammen zu verbringen, schlug den kommenden Samstag vor

    Wenn solche Verabredungen nötig sind, obwohl man zusammen lebt, dann stimmt was grunsätzliches ganz und gar nicht.

    Du könntest dich ja sonntags auch mit ihm zum Mittagsschlaf hinlegen. Wir machen das auch immer so ;-D


    Und das hier

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    Wenn solche Verabredungen nötig sind, obwohl man zusammen lebt, dann stimmt was grunsätzliches ganz und gar nicht.

    trifft es schon ziemlich gut auf den Punkt :)^

    Zitat

    Jetzt ist es gerade so, dass wir seit ein paar Wochen kaum noch Zeit zusammen haben

    Ist das nur vorübergehend oder wird diese Situation langfristig so sein?


    Ich kann mich sonst nur Ralph_HH anschließen:

    Zitat

    Wenn das schon nach nur drei Jahren eintritt, dann ist das ein Alarmzeichen. Wenn er dann noch dem Konflikt aus dem Weg geht, indem er einfach aus dem Zimmer geht, dann ist da keine Basis für eine Lösung des Problems. Ich würde mal die Hochzeit noch ne Weile auf Eis legen und das Zusammenleben noch eine Weile genauer unter die Lupe nehmen.

    Ihr habt keinen Sex, er will keine Zeit mit dir verbringen, eure Interessen scheinen sich nicht recht zu vertragen, ihr lebt nebeneinander her, ohne über das miteinander sprechen zu können, was euch gerade am meisten bewegt und weil das alles so gut klappt, wollt ihr euch noch aneinander ketten und im Sommer heiraten. ":/

    Nimmt er die fehlende Zweisamkeit nicht wahr oder stört es ihn einfach nicht?


    Ich denke man sollte da frühzeitig gegensteuern, sonst schaukelt es sich unnötig hoch. Soll heißen, die gemeinsamen Rituale wieder aufleben lassen. Wenn einer nichts essen will, kann man sich trotzdem zusammen an den Tisch setzen. *Aber* wie man an eurer Situation sieht, müssen dazu beide was zu beitragen. Und auch obwohl es erstmal so aussieht, als hängst du dich rein und er rauscht nur ab, sehe ichs nicht so einseitig – Schuldzuweisungen bringen eh nichts.


    Wenn er dich als zu zickig empfindet ist das so, hinterfragen kannst du das nur selbst und dich ggf. zurücknehmen bzw. mal einen anderen Ton/Umgang/Art und Weise anschlagen. Wenn du das nicht einsiehst, ist das natürlich auch völlig ok, aber dann musst du auch die Konsequenzen tragen.. Aus so einem Vorwurf und Genervtheit seinerseits hinaus ein gemeinsames Wochenende vorzuschlagen ist zum Scheitern verurteilt. Ja, auf der einen Seite könnte er für euch seinen Fußball 1x sausen lassen. Auf der anderen Seite kannst du ihm sein "Ritual" auch lassen und einen anderen Termin aussuchen, es ist ja nichts akutes was ausgerechnet dann sein muss. Aus so einer "Termin"findung einen Staatsakt zu machen sorgt nur für die nächsten Probleme.

    Zitat

    Je weniger schöne Zeit wir miteinander haben, desto mieser bin ich gelaunt. Und dann hat er natürlich erst recht keinen Bock auf mich! Kann ich verstehen, aber soll ich jetzt alles schlucken und mich zwingen, lieb und süß zu sein, nur damit er vielleicht mal wieder Interesse an mir hat?

    Ganz genau. Bzw. nein, du musst es nicht runterschlucken und ihm was vorspielen, sondern an dir arbeiten, dass du deshalb nicht so zu ihm bist. Auch in einer Beziehung muss jeder auch mit sich selbst klarkommen.

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    Das kann es doch nicht sein! Einfach mein eigenes Ding machen und schauen, wann er mal wieder ankommt?

    Andersrum hieße es für ihn: Nur weil sie das sofort will nur noch unser Ding machen, statt weiterhin auch mein eigenes? – auch nicht besser. Wehret den Anfängen...

    Ich glaube, sooo dramatisch ist es nun auch alles wieder nicht. Jedenfalls nicht so, dass wir nicht heiraten sollten. Vielleicht ist es auch gerade die Tatsache, dass wir heiraten wollen, die mich das alles so wahrnehmen lässt, also die Idee aufkommen lässt, dass es romantischer sein könnte zwischen uns beiden. Ich denke also schon, dass es sich um ein "normales" Alltagsproblem handelt, das man in den Griff kriegen kann, ohne dass man gleich alles hinschmeißen oder in Frage stellen muss...

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    Und dann frag Dich ehrlich, ist es das, was Du willst und wenn nicht, könnt ihr das gemeinsam ändern?

    Nein, das will ich nicht. Ich möchte es mit ihm zusammen ändern, aber zumindest das Gespräch heute hat ja nichts gebracht.

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    Wenn solche Verabredungen nötig sind, obwohl man zusammen lebt, dann stimmt was grunsätzliches ganz und gar nicht.

    Finde ich nicht. Was ist denn schlimm daran, wenn man sich verabredet, auch wenn man zusammen lebt? Ich finde das gerade gut! Man gewöhnt sich sonst viel zu schnell daran, dass der andere immer da ist - und merkt dabei vielleicht erst spät, dass man gar nicht wirklich ZUSAMMEN ist, sondern eben nur nebeneinander. Sich BEWUSST füreinander Zeit zu nehmen finde ich gar nicht schlecht!

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    Du könntest dich ja sonntags auch mit ihm zum Mittagsschlaf hinlegen. Wir machen das auch immer

    Habe ich schon oft gemacht. Es gab auch mal Tage, wo dann mehr draus geworden ist, als "nur" Schlafen. Aber ich möchte mich auch nicht immer anpassen. Er könnte ja auch mal mit mir spazieren gehen... Und was das reine Schlafen angeht, so schläft er halt lieber mittags und ich lieber morgens länger. Das ist ja grundsätzlich auch okay, solange man halt sonst noch Gemeinsamkeiten hat...

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    Ist das nur vorübergehend oder wird diese Situation langfristig so sein?

    Von mir aus eher vorübergehend. Wie gesagt, habe ich ab dem Wochenende wieder etwas weniger Arbeit. Aber irgendwas ist ja immer. Also finde ich, sollten sich beide Seiten um Zweisamkeit bemühen...

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    Nimmt er die fehlende Zweisamkeit nicht wahr oder stört es ihn einfach nicht?

    Genau das habe ich vorhin versucht, aus ihm rauszukriegen, aber leider ohne Erfolg...

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    Bzw. nein, du musst es nicht runterschlucken und ihm was vorspielen, sondern an dir arbeiten, dass du deshalb nicht so zu ihm bist. Auch in einer Beziehung muss jeder auch mit sich selbst klarkommen.

    Das will ich versuchen. Ist aber nicht so leicht. Ich fand mich eigentlich schon recht ruhig und reflektiert, als ich das Gespräch begonnen habe. Habe ihm ja auch erklärt, warum ich "zicke". Sehr schade, dass er das nicht verstehen will und dass da nur blöde Sprüche kommen. Vorhin, als er aufgestanden ist, kam er zu mir, küsste mich und sagte: "Nicht mehr zicken, okay?" %-| Das ärgerte mich schon wieder. Ich bin aber ruhig geblieben und habe gesagt: "Ich habe schon erklärt, warum das passiert und meine Bedürfnisse habe ich dir auch mitgeteilt." Darauf kam nichts mehr und er ging hinaus. Toll!


    Aber was soll es, in der Stimmung ist da wohl nichts zu machen. Ich konzentriere mich jetzt wohl am besten noch die nächsten Tage auf meine Arbeit und schaue dann mal weiter. Hoffe halt, dass auch von ihm mal was kommt...

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    Wenn in einer Partnerschaft das elementare Bedürfnis nach Nähe und Zweisamkeit nicht erfüllt ist, dann nutzt das nichts, an sich zu arbeiten... Das Bedürfnis kann man nicht wegerziehen.

    Na ja, ehrlich gesagt haben wir beide ziemliche Schwierigkeiten mit dem Thema Nähe. Ich auf jeden Fall. Mir ist es oft zu viel, deshalb bin ich auch in Bezug auf Sex oft abweisend. Habe eine sehr lange Therapie gemacht, vieles ist dadurch besser geworden, aber die Problematik wird wohl nie ganz weggehen. Was er genau für ein Problem hat, weiß ich nicht, aber allein die Tatsache, dass er mit mir zusammen ist, zeigt vielleicht, dass er auch Schwierigkeiten mit dem Thema Nähe hat (sagt mein Therapeut). Im Moment bin ich es halt, die da einen Mangel verspürt, oft schon war es umgekehrt. Dennoch glaube ich, dass wir das hinkriegen...

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    Ich glaube, sooo dramatisch ist es nun auch alles wieder nicht. Jedenfalls nicht so, dass wir nicht heiraten sollten.

    Das kannst nur du beurteilen.


    Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, mit einem Partner zusammenzuleben, der nicht mal gewillt ist, mein Problem anzuhören und mit mir darüber zu reden, gemeinsam zu überlegen.

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    Es gab auch mal Tage, wo dann mehr draus geworden ist, als "nur" Schlafen. Aber ich möchte mich auch nicht immer anpassen. Er könnte ja auch mal mit mir spazieren gehen... Und was das reine Schlafen angeht, so schläft er halt lieber mittags und ich lieber morgens länger. Das ist ja grundsätzlich auch okay, solange man halt sonst noch Gemeinsamkeiten hat...

    Ja, aber genau daran hapert es doch. Was sind das für Gemeinsamkeiten, für die ihr euch keine gemeinsame Zeit freischaufeln könnt?


    Dass ihr beide ein Problem mit Nähe und Sex habt? Ist das eine Basis für eine Beziehung? ":/

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    Ich bin aber ruhig geblieben und habe gesagt: "Ich habe schon erklärt, warum das passiert und meine Bedürfnisse habe ich dir auch mitgeteilt." Darauf kam nichts mehr und er ging hinaus. Toll!


    Aber was soll es, in der Stimmung ist da wohl nichts zu machen. Ich konzentriere mich jetzt wohl am besten noch die nächsten Tage auf meine Arbeit und schaue dann mal weiter. Hoffe halt, dass auch von ihm mal was kommt...

    Deine Hoffnung in allen Ehren, aber worauf gründest du sie? Ist er denn denn sonst auch so oder könnt ihr auch miteinander diskutieren?

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    Ich denke also schon, dass es sich um ein "normales" Alltagsproblem handelt, das man in den Griff kriegen kann, ohne dass man gleich alles hinschmeißen oder in Frage stellen muss...

    Für mich wären das in der Summe Probleme, die mich nicht zum Ja-Wort verleiten würden. Zu wenig Kommunikation, zu wenig Interesse an der Partnerschaft, zu wenig "gemeinsam". ":/

    Warum wir heiraten wollen? Weil wir uns lieben, weil unsere Beziehung - bis jetzt - wunderbar funktioniert hat und weil wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen wollen. Und weil wir auch noch Kinder wollen.


    Das Schönste unserer Beziehung war für mich immer die Basis - neben der Liebe eine tiefe Freundschaft. Dass wir über alles reden können. Konnten wir auch - immer. Ich weiß nicht, warum das seit kurzem anders ist. Hoffe aber, dass es sich wieder einrenkt.

    Zitat

    Konnten wir auch – immer. Ich weiß nicht, warum das seit kurzem anders ist. Hoffe aber, dass es sich wieder einrenkt.

    Vielleicht bin ich heute unsensibel. @:)


    Aber ich kann dein Problem dann nicht verstehen. Wenn du hoffst, dass sich das bald wieder einrenkt, warum dann der Faden? Nimm mir die Frage nicht übel, aber ich kann es gerade nicht verstehen.


    Für mich liest sich das wie folgt:

    Zitat

    Ihr habt keinen Sex, er will keine Zeit mit dir verbringen, eure Interessen scheinen sich nicht recht zu vertragen, ihr lebt nebeneinander her, ohne über das miteinander sprechen zu können, was euch gerade am meisten bewegt und weil das alles so gut klappt, wollt ihr euch noch aneinander ketten und im Sommer heiraten.

    Eine Beziehung hat immer ups und downs – das halte ich für ziemlich normal.

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    Das Schönste unserer Beziehung war für mich immer die Basis – neben der Liebe eine tiefe Freundschaft.

    Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber aus deinem ersten Posting konnte ich das nicht herauslesen.