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    Er kann nicht angestellt arbeiten, weil er niemanden über sich haben kann. Ist ok, aber um diese Einstellung zu haben, muss man auch die Ideen und die Power haben, das zu leben.

    Als Selbständiger hast du massenweise Chefs. Nämlich jeden einzelnen Auftraggeber. Dass man als Selbständiger frei ist, ist ein Trugschluss. Man handelt schließlich ausschließlich auf Anweisung, etwas zu tun.

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    Als wir uns kennen gelernt haben hat er gerade sein Abitur nachgemacht. Danach hat er studiert wollte aber studium und selbstständigkeit zusammen machen. Dann wurde nur noch nebenbei studiert und dann studium abgebrochen für die selbstständigkeit

    Und wie hat er damals sein Leben finanziert?

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    Als Selbständiger hast du massenweise Chefs. Nämlich jeden einzelnen Auftraggeber. Dass man als Selbständiger frei ist, ist ein Trugschluss.

    Absolut! Und je nach Gewerbe kannst du dir vielleicht nicht erlauben, einen Kunden abzulehnen und musst auch die nehmen, die du blöd findest. Wer da nicht mit dem richtigen Dienstleistungsgedanken rangeht, hat's schon schwer.

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    Als Selbständiger hast du massenweise Chefs. Nämlich jeden einzelnen Auftraggeber.

    Richtig. In meiner Branche spricht für die Selbständigkeit, dass man sich die Arbeitszeiten aussuchen und Aufträge ggf in Nachtschichten abarbeiten kann. Als Bodenschleifer geht das wohl nicht so.


    Überhaupt: Nix gegen Handwerk, aber das "große Geld" gibts da auch erst, wenn man Leute für sich arbeiten lässt. Davon ist dein Freund weit entfernt, wenn die Auftragslage nichtmal reicht, ihn zu ernähren.


    Seien wir ehrlich: Selbständig unter 100k€ Umsatz pro Jahr lohnt nicht, wenn man davon leben und nebenher auch krankenversichert sein will. Der 10k-Auftrag, auf den er wartet, reißt das nicht raus. Tropfen, heißer Stein. Auf sowas setzt man im ersten Jahr, wenn man das im vierten noch braucht, hat man verloren.


    Es gibt in der Startup-Szene den Grundsatz "fail fast". Sieh möglichst schnell ein, dass was nicht funktioniert und lass es dann lieber. Der ist klug. Was dein Freund da macht, wird nix mehr. Lass es ihn zuverdienstmäßug weitermachen, wenn er denn dringend will, aber frag deutlich, wo in den nächsten Monaten die Kohle herkommen soll.

    Mal als Beispiel:


    Vollzeit bei Lidl an der Kasse (vulgo: ungelernt) landest du bei etwa 24k brutto im Jahr. Selbständig kommt da mindestens drauf:


    20% Arbeitgeberanteil Sozialversicherungen


    15 % Urlaub und Krankheit


    Sind zusammen 33,5k, besser und runder 35. Das muss als "Gewinn" in der Einkommensteuererklärung stehen, damit es letztlich halbwegs über Hartz4 kommt. Von "großem Geld" ist da noch keine Rede.


    Vorher gehen noch ab: Bodenschleifmaschine; Firmenwagen plus Steuer, Versicherung , Parkplatz (man will die Bodenschleifmaschine ja nicht zum Einsatz tragen, die ist schwer); Büromiete, Werbung, Computer, Telefon, Handy, Telefonkosten, Handykosten, Buchhaltungssoftware, ggf Buchhaltungspersonal.


    Zumindest, wenn man das professionell machen will. "Ich kauf mir mal eine Schleifmaschine und warte, ob einer fragt" ist Hobby. Kann man ja machen. Man braucht dann allerdings ein weiteres Standbein, das die Kohle zum Leben reinbringt.