Aortendissektion: Verlauf, sinnvolle Nachbehandlung etc.

    Kennt sich hier jemand mit Aortendissektion und dem weiteren Verlauf nach OP aus bzw. hat Hinweise, worauf zu achten ist?


    Mien Onkel (76) hat Donnerstag Abend eine solche Aortendissektion erlitten. Wurde nach mehrstündiger Diagnostik im örtlichen Krankenhaus festgestellt; dann erfolgte mitten in der Nacht die Verlegung in die 80 km entfernte Uniklinik. Im RTW, da kein Rettungshubschrauber verfügbar war.

    In der Uniklinik direkt mehrstündige Not-OP; entgegen der Ankündigung im hiesigen Krankenhaus nicht mit offenem Brustkorb und ggf. Herz-Lungen-Maschine, sondern es wude "nur" mittels Leistenkatheter (beidseitig) ein Stent platziert.

    Der Verlauf soweit ist ja wohl ein Hinweis darauf, dass es (im Vergleich zu dem, was hätte passieren können) noch relativ glimpflich verlaufen ist. Wir haben ihn wenige Stunden nach der OP auch gesehen, er war wach und fit; litt allerdings unter ziemlicher Übelkeit & Erbrechen. Da auf der Intensivstation an dem Tag auch noch Noro festgestellt wurde, wurde er auch isoliert und wir durften (nach Verlassen das Raumes, als er sich übergeben hat), nicht mehr zu ihm.

    Die Oberärztin der ITS hat kurz mit uns gesprochen: Soweit alles gut, aber noch ca. 10 Tage ITS vor sich und er sei noch nicht sicher über den Berg. Keine näheren Infos, da "sie ja nicht die Gefäßchirurgin sei" (interdizsiplinäre IS).


    So wie es aussieht, hat ihn der Noro-Virus nicht erwischt und es war wohl nur Übelkeit nach OP/Narkose. Dennoch sind Besuche momentan nur sehr eingeschränkgt möglich und seine Partnerin war gestern und heute jeweils kurz da (insgesamt aber kopflos und überfordert).


    Ich bin natürlich auch erstmal völlig schockiert, aber sehe halt auch, wie glimpflich es bislang verlaufen ist- und schwanke zwischen Optimismus einerseits und Angst andererseits.

    Zudem fehlen mir einfach Infos, wie es nun weitergeht, worauf zu achten ist,... Mein Onkel ist fit, hat gestern normal gegessen und an der Bettkante gesessen; darf sich aber wohl nur wenig bewegen und bspw. angeblich nicht aus eigener Kraft im Bett aufsetzen, sondern nur mit Hilfe. Ist das wirklich so und dient das dem Schutz von Aorta/Stent in der Heilungsphase?


    Ich wäre über jegliche Info und jeglichen Tipp wirklich dankbar!

  • 85 Antworten

    Hallo sunflower73, keine gehaltvolle Antwort, aber aus dem was Du schreibst und wie Du es be-schreibst teile ich Deinen Optimismus, aber auch die Sorge. Der Optimismus überwiegt. Ich wünsche Dir und ihm, dass über die Feiertage alles gut ging.

    Ist der Stent denn die endgültige Lösung oder war das erstmal nur die Rettungsmaßnahme und irgendwann erfolgt nochmal eine größere OP wo das beschädigte Gefäß ausgetauscht wird? Soweit ich mich auskennen hat er wirklich Glück gehabt denn so ein Gefäßschaden gehört definitiv zu den Dingen die man nicht haben will.


    Aber Deine Fragen kann ich leider auch nicht beantworten. Denk aber mal, wenn der Stent sitzt und das wars dann mit OPs kann das Leben normal weitergehen.

    du bist hin und hergerissen, wie schlimm es nun wirklich ist. Ich kann da auch leider nicht viel zu sagen, ausser, dass es sehr gut ist, dass der katheter eingesetzt wurde und nicht eine op am offenen Herzen statt fand.


    Auf its ist es alles ein wenig hektischer. Schlimm, dass kein Arzt wirklich Auskunft geben kann.

    Unwissenheit ist grausam. Ist im Anschluss eine Reha geplant?

    Ich war heute wieder bei ihm und in dem Moment kam der Gefäßchirurg ins Zimmer, so dass einige Fragen geklärt werden konnten. Der Stent ist die finale Lösung. Er muss sich jetzt weiter stabilisieren und da er alleinstehend ist, hiße es "nach Normalstation Kurzzeitpflege oder Reha". Ich habe dann deutlich REHA gefordert und man wird es nach Silvester beantragen. Lt. Gefäßchirurg kann mein Onkel nach aktueller Genesung "ganz normal weitermachen". In ver Wochen erneutes CT und dann jährliche CT-Kontrolle. Grundsätzliches Rückfallrisiko, aber eben "Pech" und kein Einfluss irgendwelcher Risikofaktoren (mein Onkel hat Diabetes Typ 2 obwohl normalgewichtig etc.).


    Aktuell hat er eine eher schlechte Sauerstoffsättigung gehabt und es wurde kurz bevor ich kam eine Punktion durchgeführt und fast ein Liter Erguss aus dem Rippen-/Brustraum abgesogen. Da mein Onkel selber keine Atemnot verspürte, konnte er nicht sagen, dass sich durch die Punktion etwas deutlich gebessert hätte. Wenn die Sauerstoffsättigung sich bessert, soll er wohl zum Wochenende auf die Normalstation verlegt werden. Er muss noch aufpassen (kein Pressen bei WC-Gang bspw.), aber insgesamt wirkt er recht fit.


    Kurzum:

    Richtig Glück gehabt, aktuell noch nicht alles top aber im Griff und insgesamt guter Zustand. Bei ihm kommt allerdings einerseits an, dass es echt knapp war - und andererseits fühlt er sich wieder obenauf. Diskussion um Hausnotruf wurde abgewürgt, brauche er nicht. Das sehen wir noch!


    Bin gespannt, ob es jetzt wirklich so geradlinig weiter bergauf geht. Vor fünf Tagen noch akute Lebensgefahr und jetzt quasi "alles gut" - so schnell komme ich da nicht mit. Finde daher auch für meinen Onkel die Reha wichtig.

    Update:

    Leider scheint es so, als ob eine zweite OP erforderlich wird... Lt. MRT gestern ist die Stelle mit dem Stent nicht ausreichend versorgt, es gibt noch irgendwie ein kleines Leck. Genaueres weiß ich nicht und es is schwierig, über die Entfernung Infos zu bekommen. Mein Onkle hat kein Telefon, man kommt auf der Station z.T. schlecht durch.

    Und leider kränkeln wir hier de Reihe nach und auf der Station ist Noro auch noch nicht ausgemerzt, so dass man als Besucher sehr genau gefragt wird, ob man gesund ist. Ach Mensch, das klang erst so gut und jetzt wieder so große Sorgen...

    Ich weiß es eben nicht. Habe online ein wenig recherchiert und stoße auch immer nur auf Austausch des Arterienstücks... Wobei der Stent ja anfänglich funktioniert zu haben schien... Wenn die wirklich austauschen, wird das ja doch die befürchtete große OP mit Herz-Lungen-Maschine etc...

    Aber wie gesagt: Ich weiß es nicht. Seine "Partnerin" war gestern da und schrieb auf NAchfagen nur kurz per WhatsApp, dass eine 2. OP evtl. erforderlich wird. Er rief dann gestern meine Mutter an und erzählte von MRT & Undichtigkeit & 2. OP. Allerdings ist meine Mutter da gerade nicht die beste Ansprechpartnerin (sie baut extrem ab und viele Infos/Erzählungen, die von ihr kommen, stimmen einfach nicht mehr).

    Und ich erreiche auf der Intensivstation gerade niemanden, habe es schon x Mal versucht...

    Sunflower_73 schrieb:

    Wenn die wirklich austauschen, wird das ja doch die befürchtete große OP mit Herz-Lungen-Maschine etc...

    Ja stimmt, erstmal eine erschreckende Vorstellung, wird aber auch medizinisch häufig und routinemässig durchgeführt und geht in der Regel ja gut aus. Hatte mein Vater auch (bypass) und war irgendwie kein großes Ding, er war auch vorher nicht allzu down.

    Ist sicherlich auch so geplant und mit Vorankündigung besser als diese notfallmäßige Situation vor einer Woche, wo nachts alles schnell gehen musste. Dennoch für mich momentn schwer auszuhalten...

    Sunflower_73 schrieb:

    Ist sicherlich auch so geplant und mit Vorankündigung besser als diese notfallmäßige Situation vor einer Woche, wo nachts alles schnell gehen musste. Dennoch für mich momentn schwer auszuhalten...

    Herrje,das nimmst Du Dir wirklich sehr zu Herzen.


    Ich kenne schwere Belastungen, weiss wie schwer das auszuhalten ist. Ich habe es irgendwie geschafft,eine Mauer zu bauen.. Damit ging es mir besser. Ich weiß ja nicht, wie Du das könntest.

    So rein sachlich müsstest Du Dir, mit Deinem beruflichen Hintergrund, selber am besten raten können, was für Dich da hilfreich ist.


    Ich weiss es letztlich auch nicht. Das Leben ist halt manchmal so doof. Phasen von Angst und Anspannung gehören auch bei mir zu den meistgehassten Dingen überhaupt.

    @ Peddi:

    Was nehme ich mir denn zu sehr zu Herzen? Mein Patenonkel ist für mich quasi mein Zweit-Papa... das kam alles sehr erschreckend und ich finde es nun mal nicht undramatisch. Ich bin ein mifühlender Mensch, der sich durchaus abgrenzen kann - aber eine Mauer kann und werde ich nicht aufbauen. Die Dinge müssen eh verarbeitet werden, entweder direkt oder sie schleichen sich später ein.


    @ rr2017:

    Ich mag diese Unsicherheit und Ungewissheit einfach nicht - und mit graut auch davor, was auf mich zukommt, wenn ihm etwas passiert. Und es ist einfach so verunsichernd, wenn alles so glimpflich abgeht und man an Reha denkt - und plötzlich doch wieder das Thema OP auftaucht.

    Vermutlich ist es auch die Zerrissenheit wg. der Entfernung. Ich möchte öfter hin, aber ich habe auch noch ein Leben, es ist rd. eine Stunde Fahrt pro Strecke. Dann die Kränkeleien hier, Noro dort,... Wäre er hier, würde ich jeden Tag vorbeifahren und das würde mich selber mehr Ruhe geben.


    Und ich lasse hier auch das raus, was ich sonst nicht rauslassen kann, weil ich leider eben auch gerade in viel Verantwortung für das restliche Umfeld trage. Hier bekommt gerade niemand die Dinge wirklich geordnet, was ein ganz grundsätzliches Problem ist. Ich habe schlagartig mehr oder weniger den 3. Pflegefall innerhalb weniger Monate zu managen...