Blutdruckentgleisungen/ Tachykardien (trotz kard. Behandlung)

    Guten Tag,


    ich wollte gerne mal hier meine nun doch schon etwas länger andauernde Leidensgeschichte schildern, vielleicht hat ja jemand einen brauchbaren Tip. Vorneweg: ich bin 26, 180 cm, 95 kg, seit ca. 1,5 Jahren Nichtraucher. Außerdem habe ich eine Aortenklappeninsuffizienz 1. Grades mit minimalstem Rückfluss.


    Ich versuche es kurz zu halten:


    Es begann 2007: Ich saß in der Schule und bekam plötzlich Herzrasen. Zum naheliegenden niedergelassenen Hausarzt, der den Blutdruck maß. Kann mich an die genauen Werte nicht erinnern, es lag so bei 200/100, also eine hypertensive Entgleisung. Etwas Nitro-Spray und 10 Minuten später war es wieder im Rahmen und der Arzt schickte mich Heim. Ich kam am nächsten morgen wieder, er diagnostizierte Bluthochdruck und verschrieb Betablocker (Nebilet). Diesen nahm ich das nächsten Jahr, bis ich Probleme wegen eines niedrigen Pulses bekam – ca. 50/Min – Daraufhin wurde er abgesetzt, da auch sonst der Blutdruck im Rahmen lag.


    Das nächstgrößere Event war 2009. Ich war auf einem Bundesligafußballspiel als Zuschauer und nach dem Spiel bekam ich wieder solch eine Entgleisung (ca. 210/100). Gleichzeitig entglitt auch der Puls auf ca. 130. Nach Betablockergabe i.v. und kurzem Ritt in ein Krankenhaus wurde ich mit guten Werten und der Bitte, mich bei einem Kardiologen vorzustellen entlassen. Daraufhin wurde ich kardiologisch mehrfach durchgecheckt, bis auf die Klappeninsuffizienz alles in Ordnung (LZ-RR, LZ-EKG, Belastung, Echo). Das Einzige, was damals schon auffiel, und was schon immer etwas hatte -selbst als ich noch sportlich war (mittlerweile so gut wie gar nicht mehr) – ist, dass mein Puls nach Belastung Ewigkeiten brauchte sich zu erholen. Also ca. eine halbe Stunde, um nach Belastung wieder die 100 zu erreichen. Ein Umstand, der das Sport treiben nicht gerade angenehm macht. Trotz dessen wurde ich dann wieder auf eine kleine Dosis Betablocker eingestellt, die nach kurzer Zeit unter ärztlicher Kontrolle wieder ausgeschlichen wurden, da Blutdruck OK und Puls zu niedrig. Seit dieser Zeit begleitet mich aber ein generelles Unbehagen, immer mal wieder Palpitationen, gefühltes Herzrasen, Schwindel, Unwohlsein.


    Dann im Sommer 2011 während eines Praktikums – exakt an dem Tag, an dem ich mit dem Fahrrad hingefahren bin, weil ich wieder sportlicher werden wollte, da ich durch diese Attacken den Sport aus Unbehagen und Furcht mehr oder weniger eingestellt habe (ich weiß, zuträglich ist das nicht) – bekam ich nach der Arbeit wieder eine Entgleisung und habe mir den Notarzt selbst gerufen. Wieder Puls ca. 130 und Blutdruck ca. 210/100. Ab ins Krankenhaus, dort eine Nacht überwacht und mit guten Werten und eingstellt mit Calciumantagonisten und Betablockern wieder entlassen. Diese wurden dann unter ärztlicher Aufsicht wieder stark reduziert, da RR und Puls sonst zu niedrig. Letztendlich war ich bei Metoprolol 23,75 angekommen. Bin dann zu einer Nephrologin, diese äußerte die Idee, dass nicht der Blutdruck das primäre Problem sei, sondern wahrscheinlich eher der Puls. Also bekam ich einen Eventrekorder, der jedoch in den aufgenommen Phasen (die ich zumindets als unangenehm empfand) nichts außergewöhnliches aufnehmen konnte, immer Sinusrhytmus, manchmal erhöht bei ca. 100/Min. Also blieb es bei der Behandlung mit Metorpolol 23,75 (1-0-0).


    Es blieb aber immer ein Gefühl des Unbehagens und der Angst vor wiederkehrenden Anfällen, die zu Einschränkungen meines Lebens führen. Vor allem den Sport habe ich nahezu auf 0 reduziert. Dann war ich im Sommer 2012 bei meinem Kardiologen zur Untersuchung. Dort saß ich auf dem Ergometer und das Problem des nicht runtergehenden Pulses nach Ausbelastung war so extrem wie noch. Bei 175 oder 200 Watt (wie gesagt, fit bin ich nicht mehr) war ich bei 185/Min. angekommen, nach der Belastung stieg der Puls jedoch noch mal auf bis zu 211 an und brauchte dann ca. 10 Min. um unter 160 zu gehen. Mein Kardiologe sagte, dass könnte eine AV-Knoten Reentrytachykardie sein (AVNRT) und überwies mich an ein elektrophysiologisches Zentrum. Diese bestätigten den Verdacht und machten eine EPU. Diese bestätigte die physiologische Anlage einer zusätzlichen Leitungsbahn, konnte jedoch keine Rhytmusstörung hervorrufen. Trotz dessen wurde der slow-pathway abladiert. Mein Betablocker wurde auf 47,5 (1-0-0) erhöht und mir ging es eigentlich auch ganz gut damit und solch ein extremes ansteigen des Pulses trat auch nicht mehr auf, wobei das Problem des sich langsam erholenden Pulses bei Belastung immer noch besteht (was mein Betreiben, Sport zu treiben arg reduziert).


    Bei der diesjährigen Kontrolle im Sommer 2013 versuchte mein Kardiologe mich auf Procoralan einzustellen, um die Spitzen bei Belastung abzufangen. Das klappte auch (max. Puls 160), jedoch vertrug ich Procoralan nicht und fühlte mich fahrig und schlecht, woraufhin wir zur alten Medikation (Meto 47,5) zurückgingen. Parallel begann ich eine Psychotherapie, weil diese diffusen Symptome vielleicht einen psychischen Ursprung haben können. Leider hatte ich im letzten Monat wieder zwei solcher Entgleisungen mit Notarzt. Einmal auf der Autobahn als Beifahrer und einmal vor dem Besuch eines Fußballspiels im Stadion (eine Woche zuvor erst ein Langzeit-RR gemacht: Durchschnittt 125/70, alles gut laut Arzt). Jedes mal RR wieder bei 210/100 und puls bei 120, beide male Betablocker i.v. Im Stadion der Arzt schickte mich ins Krankenhaus, weil er meinte, ich sei zu jung dafür und mein EKG gefiele ihm nicht. Die Ärztin im Krankenhaus fand das EKG tadellos, ebenso die Blutwerte. Nach diesen Vorfällen war ich nun wieder bei meinem Kardiologen und dieser


    sagte, er weiß auch nicht mehr weiter. Er findet diese extremen Spitzen seltsam und kann sie sich nur schwer erklären. Er empfiehl mir daraufhin die Vorstellung bei einem Endokrinologen, vielleicht könne der ewtas finden, weil ich ja offensichtlich extrem auf irgendwas evtl. stress-hormonelles reagiere (habe auch ein ausgeprägtes Weiskittelsyndrom). Dazu muss gesagt werden, dass 24h-Urin zur Klärung eines Phäochromozytoms sowie eine MRT der Nierenarteiren schon früher gemacht wurde, ohne Befund. Aber er sagte, vielleicht war ja irgendwas falsch und man solle halt noch mal nachschauen. Am Donnerstag habe ich nun den Termin beim Endokrinologen.


    Es bleibt zu sagen, dass ich mittlerweile ganz schön verängstigt und eingeschränkt bin, kaum noch etwas unternehme, aus Angst vor eben solch einer Attacke. Es schränkt mich sowohl psychisch als auch physisch erheblich ein. Vielleicht hat jemand in diesem Forum ja noch einen Tip oder eine passende Erfahrung.


    Besten Dank schon mal fürs Lesen und viele Grüße


    pupap

  • 34 Antworten

    Zusatz:


    Eine Auffälligkeit kann ich noch schildern. Bei zwei der Entgleisungen war ich stark verkatert. Und bei einer von diesen beiden (2009) war mein Blutzucker sehr niedrig (ca. 30, wenn ich mich recht erinnere). Ich hatte/habenallerdings nie Probleme mit Diabetes oder ähnlichem.


    Außerdem habe ich Migräne: sehr heftig (1-3 Tage völlig außer Gefecht), ca. 2 Mal im Monat.

    Du bist ja ein bisschen übergewichtig.. war das auch schon am Anfang so, als das alles losging, oder eher eine Folge des reduzierten Sports?


    Vielleicht ist es ja "multifaktoriell".. einen Haufen Beschwerden durch das, was nun bei der Ablation behoben wurde, aber das mangelnde Trainiertsein hat nun auch eine Eigendynamik entwickelt und beeinflusst das alles zusätzlich ungünstig.


    Ich könnt mir schon gut vorstellen, dass sich Deine Beschwerden bessern, wenn Du abnimmst. Ich schreib ansonsten ja immer was von Leptinen (Wiederholung hier nur auf Nachfrage), wenn Du generell ein vegetativ besonders sensibler Mensch bist, könnte ich mir schon gut vorstellen, dass dies, in Kombination mit dem Übergewicht und daraus resultierenden hormonellen Veränderungen, die Beschwerden, wenn schon nicht verursacht, zumindest zusätzlich anheizt.


    Ich hab bei mir zumindest eine deutliche Verbesserung von Dingen wie Tachykardien und hohem Blutdruck durch deutliche Gewichtsreduktion erreicht.

    Erst mal Danke für die Antwort. Ich bin eigentlich übergewichtig seit ich so 12 bin, auch immer so ungefähr in diesem Verhältnis. Nur muss ich sagen, dass es mit dem Übergewicht eigentlich besser geworden ist. In Zeiten, in denen ich mich noch besser gefühlt habe (2007-2010), hatte ich zwischen 8 -12 Kilo mehr als jetzt, trotz des Sports den ich damals noch betrieben habe. Als auslösenden Faktor würde ich es daher eher nicht sehen. Ein Kardiologe in einer Klinik sagte dazu 2011 zu mir, dass ich zwar übergewichtig sei, aber nicht in einem Ausmaß, das solche Entgleisungen rechtfertigen sollte. Wie gesagt, mein Hauptproblem ist eigentlich, dass die Werte (RR und Puls) normalerweise im im Rahmen bzw. eher niedrig sind, weshalb mein Kardiologe mir auch nicht höhere Dosen bzw. noch zusätzlich ACE-Hemmer verschreiben will. Nur, dann kommen halt initial diese unangenehmen Ausreißer. Aber natürlich, das Ziel Bewegung und weiter Gewicht verlieren ist angepeilt, nur im Augenblick schwer zu realisieren.

  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.

    Tjo, ich kann ja auch nur Vermutungen anstellen bzw. von meinen eigenen Erfahrungen berichten, und bei mir war es halt so, dass ich auch die Effekte, dass der Puls bei kleineren körperlichen Belastungen enorm hoch schiesst, und auch relativ lange oben bleibt nach sportlichen Anstrengungen, offenbar am Übergewicht und mangelnder Trainiertheit lag, denn im gleichen Maße, in dem ich diese Dinge verbessert hab, sind diese Symptome gewichen.


    Ob das bei Dir auch so ist, weiss ich natürlich nicht.. wie gesagt, könnte mir vorstellen, dass es zumindest dazu beiträgt, die unangenehmen Symptome zu verstärken.


    Ich hab mich in der Phase auch überhaupt nicht an Sport rangetraut (weil das Herz so schnell und unangenehm und irgendwie "sich bedrohlich anfühlend" schlug). Hatte mir einen Fahrrad Heimtrainer bestellt und meine erste Trainigseinheit bestand aus 1,4 min am Stück, mehrmals am Tag (kein Witz). Mehr hab ich mich nicht getraut. Langsam gesteigert dann halt. Und nun schaffe ich 20 min auf einer höheren Stufe als damals die 1,4, das Herz klopft nicht mehr "unangenehm und irgendwie bedrohlich" und auch sonst sind meine Symptome alle so gut wie weg. Schon erstaunlich, welchen Einfluss, vor allem aufs subjektive Empfinden, diese Faktoren zumindest bei mir offenbar haben. Von daher, vielleicht würds bei Dir zumindest auch zu irgendeiner Verbesserung führen.

    Daran glaube ich auch fest, gerade was das Überschießen bei Belastung angeht. Der Kardiologe meinte nur, dass sich das in dem Ausmaß nicht nur durch Untrainiertheit erklären ließe, zumal ich ja wohl einigermaßen belastbar bin. Er meinte, bei der totalen Untrainiertheit, die diese verlängerten Erholgungsphasen und Überschussreaktionen implizieren, würde ich bei der Ergometrie gar nicht so weit kommen. Aber wie gesagt, ich teile ja deine Meinung und versuche über Spaziergänge usw. wieder einen Zugang zu Bewegung zu bekommen. Die Frage ist, ob sich das Problem der Hochdruckkrisen dadurch löst, diese hatte ich ja schon zu "fitteren" Zeiten. Ist ja nicht so, dass ich ungern Sport treibe, habe früher viel (wenn auch erfolglos) Fußball und auch Tennis gespielt, ein Laufwunder war ich dabei allerdings nie ;-) .

    Ich find 200 Watt beim Ergo eigentlich auch nicht grad wenig.. weiter bin ich auch nicht gekommen, naja, 250 wären vielleicht noch drin gewesen.


    Vielleicht reagierst Du vegetativ einfach äusserst sensibel auf alles Mögliche, und musst daher a) körperliche Optimierung betreiben und b) aufpassen. Vielleicht waren die Krisen auch Anflüge von Panikattacken? Mal was von "hyperkinetisches Herzsyndrom" gehört? Alkohol, eingeengte Situationen (Fußballspiel), verbunden mit dem Übergewicht und seinen hormonellen Folgen und Deiner allgemeinen Sensibilität, vielleicht reicht das schon aus als Erklärungsmodell.


    Mir kommt das so bekannt vor.. nur das ich nie Blutdruck gemessen hab in solchen Phasen, der "Panikattacken-Puls" auch nicht über 160 ging und ich keine Reentry-Tachykardie samt EPU und Ablation habe.