Ja, der Begriff "hyperkinetisches Herzsyndrom" ist schon gefallen. Das ist ja so eine Art Verlegenheitsbegriff um diese Mehrzahl an Symptomen und Faktoren irgendwie zusammenzuführen. Auch an Panikattacken habe ich natürlich schon gedacht, zumal ich absolute Panik habe, wenn so eine Attacke auftritt. Das ganze ist so eine "Henne-Ei"-Frage. Geht erst der Puls hoch, dann übermäßige Panik und dann Blutdruckentgleisung? Geht erst der Blutdruck und dann der Puls hoch, und dann Panik? Oder ist erst Panik und ich reagiere vegetativ enorm darauf? Sonst bin ich eigentlich ein eher phlegmatischer Typ, in beruflichen/akademischen Situationen auch eher souverän.

    Ich glaub, es ist häufig so, das eine Panikstörung durch die sensible, angstvolle Beobachtung eines körperlichen Ereignisses (Herzstolpern, Herzrasen) ausgelöst wird, und sich daraufhin eine Eigendynamik entwickelt.


    Panik während eines Herzras-Anfalls ist natürlich auch völlig ungeeignet, den Puls wieder zu senken ;-). Und wenn Du dann erstmal voller Adrenalin bist, ist es auch kein Wunder, wenn es lange dauert, bis der Puls sich wieder normalisiert.


    Ansonsten beschreibst Du im Grunde eine klassische Panikattacke – Symptome, Angst vor den Symptomen, was die Symptome wiederum steigert, schaukelt sich dann hoch. Manche Leute sollen da schon Puls 240 geschafft haben ;-).


    Bei mir war das auf jeden Fall so, und ein wichtiger aufrechterhaltender Faktor war halt Übergewicht/Unfitness.. weil das nunmal, zumindest bei so sensibel reagierenden Menschen wie uns, offenbar erheblich dazu beiträgt, dass der Kreislauf so hochgepeitscht wird wie wir bei uns beobachtet haben. Seit ich diese Dinge geändert hab, passiert das einfach so gut wie gar nicht mehr. Alles fühlt sich viel stabiler an.


    Also eine multifaktorielle Sache, aber wenn das wirklich so sein sollte wie wir hier grad rätseln, bist Du da ja schon auf der richtigen Spur, denke ich. Zumal ja der Kardiologe gar nix organisches gefunden hat.

    Nochmal zum Thema Panikattacke: Rechtfertigen denn Panikattacken solche Entgleisungen bis über 200/100 und den dazugehörigen Symptomen, die erst wieder durch den Arzt gesenkt werden? Worauf ich hinaus will: Sind die "Entgleisungen" Panikattacken, oder tatsächliche Entgleisungen und die Panik das Nebenprodukt?

    Die Frage lässt sich auf die Ferne natürlich schwer beantworten.


    Bei Panikattacken geht der Puls hoch, normalerweise wohl so bis 160, aber in Einzelfällen hab ich auch schon von über 200 gehört, der Blutdruck schiesst wohl auch in die Höhe, und der ganze Spuk dauert einige Minuten bis hin zu einer halben Stunde, und irgendwann normalisiert sich das wieder (zumindest halbwegs).

    Guten Tag, quasi ein kleines Update: Beim Endokrinologen hat sich erwartungsgemäß nichts ergeben und mittlerweile bin ich auch bei einem Neurologen/Psychiater nachdem mein Hausarzt sagte, dass es sich höchstwahrscheinlich um Panikattacken handle. Dieser hat das bestätigt und meinte, dass auch die Heftigkeit der Symptome durch Panik ausgelöst werden können. Daher soll ich jetzt Escitalopram zur Behanldung bekommen. Hat jemand Erfahrung mit der Behandlung von Herzneurosen durch Medikamente?

    Zitat

    Ich kam am nächsten morgen wieder, er diagnostizierte Bluthochdruck und verschrieb Betablocker (Nebilet).

    Wegen einer erhöhten Blutdruckmessung in der Praxis? Gab es da keinerlei Vorgeschichte?

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    Daraufhin wurde er abgesetzt, da auch sonst der Blutdruck im Rahmen lag.

    Zitat

    die nach kurzer Zeit unter ärztlicher Kontrolle wieder ausgeschlichen wurden, da Blutdruck OK und Puls zu niedrig.

    Die Logik verstehe ich auch nicht sonderlich. Wenn der Blutdruck unter medikamentöser Behandlung wieder ok ist, dann heißt das doch nicht " 'geheilt', nix mehr nehmen!". :-/


    Was nun zuerst war (Panik die diese Spitzen verursacht oder Spitzen die die Panik verursachen) ist wie die Frage nach Huhn und Ei. Dass diese "Anfälle" vermehrt im Stadion oder auf der Autobahn vorkommen deutet schon auf eine psychische Beteiligung hin. Wenn man dann vom dortigen Arzt (der einen ja nicht kennt) ins Krankenhaus verfrachtet wird beruhigt das natürlich auch nicht unbedingt. Und wenn sich solche Panik-Erfahrungen einmal eingeprägt haben sitzt man es der nächsten gefühlten Spitze auch nicht entspannt aus.

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    Hat jemand Erfahrung mit der Behandlung von Herzneurosen durch Medikamente?

    Ich denke dass es nicht ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden sollte, sondern nur unterstützend. Ist da therapiemäßig was geplant?

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    Wegen einer erhöhten Blutdruckmessung in der Praxis? Gab es da keinerlei Vorgeschichte?

    Nein, gab es damals nicht. Es wurde gesagt, dass sei wohl essentieller Bluthochdruck. Aber es wurden damals alle gängigen sekundären Ursachen (Hormone, Nierenarterien gecheckt).

    Zitat

    Die Logik verstehe ich auch nicht sonderlich. Wenn der Blutdruck unter medikamentöser Behandlung wieder ok ist, dann heißt das doch nicht " 'geheilt', nix mehr nehmen!"

    Naja, ich hatte dann halt meist das Problem, dass der Blutdruck sich rund um 115-120/60-50 bewegte und der Puls bei 50. Also tendierte unter leichter Medikation alles eher dazu, zu niedrig zu sein, deshalb wurde es ausgeschlichen. Und bei Blutdruckkontrollen war dann auch immer alles in Ordnung.

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    Ich denke dass es nicht ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden sollte, sondern nur unterstützend. Ist da therapiemäßig was geplant?

    Ja, irgendwo stand glaube ich, dass ich schon in einer Psychotherapie bin, die Symptome in letzter Zeit allerdings stärker geworden sind und ich daher die medikamentöse Unterstützung gar nicht schlecht fände. Nur habe ich jetzt im Beipackzettel des Escitalopram etwas von QT-Intervall Verlängerung gelesen, was mich als Herzneurotiker natürlich wieder grübeln lässt.

    Meine Blutwerte sind so weit in Ordnung. Bei meinem letzten Blutbild im Mai war nichts zu beanstanden und der Endokrinologe (der ausgiebig Blut abegezapfte) hat jetzt auch nichts gefunden, und die Schilddrüse gehört ja zu seinem Metier. Also gehe ich davon aus, dass in dieser Hinsicht alles OK ist.

    Zitat

    da muß aber erst die panik da sein und dann die kreislaufreaktion, nicht umgekehrt...

    Doch, das geht auch umgekehrt. Es können unbewusste Reaktionen so schnell ablaufen, dass man oft gar nicht weiss, was Ursache und was Wirkung ist. Diese unbewussten Reaktionen machen es einem ja manchmal so schwer, eine zügige Diagnose zu stellen, sowohl dem Arzt als auch dem Psychotherapeuten.

    @ pupab,

    ich halte von einer rein pharmakologischen Behandlung einer Angststörung nicht viel. Leider tun das Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie sehr gern. Ich würde Dir empfehlen, einen psychologischen Psychotherapeuten aufzusuchen (wer das bei Dir in der Nähe ist, erfährst Du von einer Liste, die Deine Krankenkasse hat, auf der stehen alle Therapeuten, die mit der Kasse vor Ort zusammen arbeiten), mit dem Du eine richtige Psychotherapie machst, 1-2 Sitzungen pro Woche, über einen gewissen Zeitraum. Das bringt deutlich mehr als eine alleinige Pharmakotherapie. Allerdings kann (kann!) es hilfreich sein, parallel dazu einen Angstlöser zu nehmen. Escitalopram ist ein sehr gutes Mittel mit weniger Nebenwirkungen als z.B. die älteren Antidepressiva, und vor allem wirkt es schneller als die früheren Mittel.


    Schönen Gruss


    Cha-Tu

    Zitat

    Nur habe ich jetzt im Beipackzettel des Escitalopram etwas von QT-Intervall Verlängerung gelesen, was mich als Herzneurotiker natürlich wieder grübeln lässt.

    Als eine mögliche Nebenwirkung, die auch von der Dosis abhängt. Welche bekommst du denn?

    Zitat

    da muß aber erst die panik da sein und dann die kreislaufreaktion

    Das nimmt man aber nicht unbedingt auch in dieser Reihenfolge wahr.

    Vielen Dank für die Antworten.


    Wie gesagt, in einer Psychotherapie bei einem Therapeuten bin ich ja, mit wöchentlichen Sitzungen. Mein Problem ist nur, dass ich herzmäßig ja nicht 100% unbefleckt bin und ja sogar eine Ablation hatte. Und sobald ich irgendwie körperlich belastet bin (bspw. Reifen wechseln), ist direkt wieder Alarm: Schwindel, gefühltes Herzjagen usw. Und wenn dann im Beipackzettel von Escitalopram steht, es solle nicht genommen werden, wenn Herzrhytmusmedikamente genommen werden (das sind Betablocker ja im weitesten Sinne auch) bzw. mal Herzrhytmusstörungen vorlagen (was eine AVNRT ja auch irgendwie ist), dann irritiert mich das enorm. Die angepeilte Dosis sind 20 mg.

    Hallo, pupab,


    ich denke, Du solltest mit dem Therapeuten als Ziel anpeilen, die Angst anzunehmen. Natürlich hat man Angst, wenn man mal was am Herzen hatte. Aber es darf nicht dabei bleiben. Ich habe zwei Infarkte hinter mir, und entwickelte nach meinen Herzinfarkten eine schwere Angststörung. Die habe ich behandeln lassen, aber ich bin dadurch nicht "angstfrei", sondern ich kann mit Ängsten gut umgehen. DAS ist das Ziel einer Therapie. Das war auch mein Ziel, und das war auch das Ziel meiner früheren Patienten.

    Zitat

    Und wenn dann im Beipackzettel von Escitalopram steht, es solle nicht genommen werden, wenn Herzrhytmusmedikamente genommen werden (das sind Betablocker ja im weitesten Sinne auch) bzw. mal Herzrhytmusstörungen vorlagen (was eine AVNRT ja auch irgendwie ist), dann irritiert mich das enorm. Die angepeilte Dosis sind 20 mg.

    Du wurdest doch abladiert. Besteht die AVNRT noch? Falls nein, dann hast Du keine HRS mehr. Und Betablocker sind mit Antiarrhythmika NICHT gemeint, sondern ganz andere "Hämmer".


    Mir scheint, Du willst absolute Sicherheit (wie viele Menschen mit Angststörung), aber die gibt es nicht. In keinem Bereich des Lebens. ich selbst habe damals Citalopram genommen (quasi der Vorgänger von Escitalopram) und auch meinen Betablocker (zuerst Metoprolol, später Neviprolol), den ich bis heute nehme. Und mein Herz war und ist massiv vorgeschädigt. Trotzdem habe ich das riskiert, obwohl es gar kein Risiko war, denn der Nutzen war bedeutend grösser als das MÖGLICHE Risiko.


    Gruss