Ich denke, wenn geklärt ist, dass Deine Symptome lediglich die harmlosen Erscheinungen bei Panikattacken sind (die man ja subjektiv als höchst bedrohlich empfindet, es aber nicht sind), und sie Dir, abgesehen davon das sie zweifellos keinen Spaß machen, nicht weiter schaden, ist es unsinnig, deswegen Medikamente zu nehmen. Im Gegenteil, es schürt ja sogar die Angst (nach dem Motto – wenn ich ein Medikament dagegen nehmen soll, ist es ja offenbar behandlungsbedürftig). Es geht ja viel eher darum, es auszuhalten zu lernen und die Angst vor diesen Phasen zu verlieren. Zumal die Medikamente zwar durchaus verträglich, aber ja nun auch keine Smarties sind und gewisse Nebenwirkungen haben (können).

    Vielen Dank für die Antworten.


    Ich weiß ja, dass es Sinn machen würde, sich die Gedanken über das Escitalopram nicht zu machen. Aber jetzt ist es im Kopf und zirkuliert dort. Habe meinen Kardiologen befragt: meine QT Zeit sei bei 446ms ("bei 116%" – also denke ich mal es ist die QTc Zeit). Er sagte, das sei OK, bis 500ms müsse man sich keine Sorgen machen. Ich soll das Zeug nehmen und in 2,3 Wochen zum EKG vorbeikommen, zur Kontrolle. Das finde ich gut, allerdings beruhigt es mich nicht wirklich.

    @ Cha-Tu:

    Gab es nennenswerte Wechselwirkungen zwischen dem Citalopram und den Betablockern? Und ja, die AVNRT ist seitdem nicht mehr so aufgetaucht bzw. sie konnten sie ja nicht mal wirklich während der EPU triggern, sondern nur die Physiologie, die AVNRT möglich macht, finden und weglöten. Das Problem des sehr langsam sinkenden Pulses nach Belastung habe ich immer noch, aber das wird sich wohl so schnell ohne Sport auch nicht ändern.

    @ Jan:

    Ja, ich bin auch kein Freund von diesen Medikamenten. Allerdings hatte mein Leben in den letzten Wochen eine recht unerträgliche Form angenommen. D.h. kaum noch Aktivität, Angst vor jeglichem Verlassen des Hauses usw.


    Und, wie sieht es eigentlich mit Alkohol während SSRI aus? Ich weiß ja, der Beipackzettel sagt, man solle es lassen. Aber das sagen sie im Prinzip immer. Er sagt aber auch, es gebe keine Indikationen für Wechselwirkungen. Ich trinke nicht viel, will nur ab und an mal auf einem Geburtstag (bspw. am Wochenende) o.ä. ein paar Bier trinken. Mit 26 wollte ich vielleicht noch das ein oder andere Festchen feiern...


    Besten Gruß

    Zitat

    Gab es nennenswerte Wechselwirkungen zwischen dem Citalopram und den Betablockern?

    Nein, gar keine.

    Zitat

    Und ja, die AVNRT ist seitdem nicht mehr so aufgetaucht bzw. sie konnten sie ja nicht mal wirklich während der EPU triggern, sondern nur die Physiologie, die AVNRT möglich macht, finden und weglöten.

    Dann hast Du keine Rhythmusstörung mehr, dann bist Du herzgesund.

    Zitat

    Das Problem des sehr langsam sinkenden Pulses nach Belastung habe ich immer noch, aber das wird sich wohl so schnell ohne Sport auch nicht ändern.

    Ja, das sehe ich auch so. Durch Deine Schonung und Vermeidung des Sports schadest Du Deinem Herzen auf Dauer mehr als Escitalopram das könnte. Denn Bewegungslosigkeit ist GIFT fürs Herz, auch fürs gesunde Herz.


    Gruss

    Zitat

    Nochmal zum Thema Panikattacke: Rechtfertigen denn Panikattacken solche Entgleisungen bis über 200/100 und den dazugehörigen Symptomen, die erst wieder


    durch den Arzt gesenkt werden? Worauf ich hinaus will: Sind die "Entgleisungen" Panikattacken, oder tatsächliche Entgleisungen und die Panik das


    Nebenprodukt?

    Hallo,


    Ich selbst hatte Panikattacken wegen Herzrhythmusstörungen. Ich konnte da mit nicht leben weshalb man mich in die Psychiatrie überwiesen hatte, ich bekam dort Trevilor (Venlafaxin) und diverse Therapien. Nach kurzem Aufenthalt dort wurde ich entlassen und seit dem ist Ruhe, die Herz Rhythmusstörungen sind natürlich geblieben. Mir wurde dort erklärt das Herzrasen eine normale Erscheinung bei diesen Attacken sei und der Blutdruck könne schon mal dabei kurzfristig auf 160-170 hoch gehen. Medikamentös wurden die Symptome nicht behandelt, da es hieß nach einpaar Minuten gehe das von selbst runter, was bei mir auch immer der Fall war. Hoffe das hilft.


    Gruss

    Vielen Dank nochmals für die hilfreichen Antworten. Ich habe in ein paar Tagen eh einen Termin bei der Neurologin, die mir das Escitalopram verschrieben hat. Würde es nicht Sinn machen, sie einfach nach einer Alternative zu fragen? Ich bekomme den Gedanken an die möglichen Nebenwirkungen fürs Herz einfach nicht los und weiß, dass meine QT Zeit sowieso schon Richtung obere Grenze schielt. Sie sagte damals sinngemäßg, es gäbe so und so einen großen Pool an möglichen Medikamenten und wenn ich es nicht vertragen sollte, gäbe es ausreichend Alternativen. Ich habe noch nicht ein mal so sehr Angst vor der möglichen Herzrhytmusstörung, sondern davor, dass ich sobald das nehme nur darauf warte, dass irgendwas herzbezogenes schiefgeht und diesen Zustand würde ich gerne vermeiden. Ich weiß, dass das übertrieben scheint, aber Angst vor dem Medikament zu haben, dass die Angst bekämpfen soll, scheint mir irgendwie auch nicht so gut zu sein.


    Grüße

    Natürlich gibt es Alternativen, aber die gehören entweder auch zu den SSRI (wie Escitalopram) und haben ähnliche Nebenwirkungen oder sie gehören zu den veralteteren trizyklischen Antidepressiva und die können auch auf den Herzrhythmus einwirken, z.B. massive Bradykardien. Es gibt keine wirkenden Mittel, die nicht auch Nebenwirkungen haben...


    Und vielleicht wäre es für Deine Psychotherapie sogar sinnvoll, diese Angst mal auszuhalten und das Mittel "trotz Angst" zu nehmen. Das würde ich z.B. einem Patienten vorschlagen, zumindest dann, wenn der Kardiologe sein OK gegeben hat, und das hat er ja. Man wird nicht "einfach so" geheilt von einer seelischen Störung, man muss da auch mal ein "Risiko" eingehen (das meiner Meinung nach minimal ist).


    Gruss


    Cha-Tu

    Zitat

    Sie sagte damals sinngemäßg, es gäbe so und so einen großen Pool an möglichen Medikamenten und wenn ich es nicht vertragen sollte, gäbe es ausreichend Alternativen.

    Damit meint sie aber nicht, dass die Alternativen unbedingt besser sind (denn sonst hätte sie dir die als erstes verschrieben).

    Zitat

    Ich habe noch nicht ein mal so sehr Angst vor der möglichen Herzrhytmusstörung, sondern davor, dass ich sobald das nehme nur darauf warte, dass irgendwas herzbezogenes schiefgeht und diesen Zustand würde ich gerne vermeiden.

    Das lässt sich nie vermeiden. Ist leider so. Damit muss man umgehen lernen. Sicherheit gibt es bei fast nichts im Leben. Wie Cha-Tu schreibt können sich im Prinzip auch alle Alternativen auf dein Herz auswirken.

    Zitat

    Ich weiß, dass das übertrieben scheint, aber Angst vor dem Medikament zu haben, dass die Angst bekämpfen soll, scheint mir irgendwie auch nicht so gut zu sein.

    Nehmen musst du es nicht, es ist deine Entscheidung. Aber meinst du selbst, dass es dir dann besser ginge?

    Danke nochmals für die Antworten. Da ja hier anscheinend der ein oder andere Herzphobiker dabei ist, würde ich gerne mal nach der ein oder anderen Erfahrung fragen. Ich bekomme bspw. nach jeglicher Form der Belastung (sei es Treppensteigen oder Einkäufe hochtragen) Angst. Mein Kreislauf bleibt ewig lang überdreht und ich bekomme schwitzige Hände, Schwindel usw. Das ist natürlich äußerst unangenehm und hilft nicht gerade dabei, aktiver zu werden. Kennt ihr dieses Problem der spezifisch auf körperliche Belastung bezogenen Angst, die auch nach den kleinsten Anstrengungen eintritt? Und, hat denjenigen, die das auch mit Psychopharmaka behandelt haben, die Einnahme bei diesen Problemen geholfen?


    Vielen Dank für die Antworten bis hier her und schönes Wochenende noch

    Deine Frage kann ich klar mit "JA!" beantworten. In der Phase wo es mir so mies ging (Panikattacken etc.) war das ganz genauso. Ich musste mal zwei eher schwere Lautsprecher aus dem Keller in den 1. OG (und paar Tage später wieder zurück) tragen, das war z.B. angstbehaftet. Herzrasen, schwitzig danach. Ich hatte nach allen Anstrengungen so ein sich ungesund bis hin zu bedrohlich anfühlendes, starkes Herzklopfen+Schweißausbrüche. War definitv beänstigend.


    In meinem Fall kam das zum größten Teil durch Übergewicht (15 kg mehr als jetzt) und Untrainiertheit. Ich hatte 1 Jahr vorher einen Fahrradsturz mit lädiertem Ellenbogen, der zu 1 Jahr Sportpause und Kompensations-Frustessen und -Weinkonsum, eine Spirale, die mich in diesen Zustand geführt hat. Seit ich wieder abgenommen hab und fleissig Sport mache, ist das Problem weg.

    Ich kann deine Frage auch eindeutig mit "Ja" beantworten. Ich hatte auch Angst vorm Treppensteigen und habe auch keine längeren Spaziergänge mehr gemacht. Ich war 4 Monate nicht Einkaufen, weil ich mal in einem Geschäft eine Panikattacke hatte und dann fürchtete, dass mein Herz das nicht nochmal übersteht. Ohne mein Blutdruckmessgerät habe ich das Haus gar nicht mehr verlassen.


    Seit ich Antidepressiva nehme kann ich endlich wieder shoppen gehen, ins Restaurant und ausgedehnte Spaziergänge machen. Treppensteigen sehe ich mittlerweile als gute Übung und habe keine Angst mehr, dass mein Herz dabei schlapp macht.


    Es ist zwar noch nicht alles optimal und hin und wieder packt mich die Angst schon noch, aber es schränkt mich nicht mehr so ein und mein Leben ist endlich wieder lebenswert.

    Guten Tag,


    ich wollte mal zwischenberichten. Ich nehme nun seit ca. 6 Wochen Escitalopram und bin mittlerweile bei 20 mg angekommen. Die Aufdosierung hat allerdings etwas gedauert, da ich massive Probleme hatte, vor allem eine enorme Unruhe. Mittlerweile geht es, ich habe allerdings starke Muskelschmerzen (fühle mich wie ein einziger Muskelkater) und ein unfassbares Händeschwitzen, womit ich wohl solange leben muss. Der Hausarzt hat das Blut gecheckt und ein EKG gemacht (QTc laut Ausdruck 409 ms), alles in Ordnung.


    Die ganze Problematik ist auch schon etwas besser geworden. Aber an Sport treiben ist noch nicht zu denken. Da habe ich mal eine generelle Frage: Wenn bei einer EPU keine Rhytmusstörungen gefunden worden, kann man davon ausgehen, dass es auch keine gibt, oder? Es ist sozusagen der Goldstandard der Diagnostik?


    Vielen Dank und besten Gruß