Erfahrung mit Katheterablation bei SVT

    Hallo zusammen,


    leider werden die Anfälle meiner supraventrikulären tachykardie (kein Vorhofflimmern) immer länger und häufiger. Es vergeht keine Woche ohne einen dieser Anfälle und manchmal habe ich mehrere tachykarde Phasen hintereinander, unterbrochen von nur wenigen Sekunden/Minuten im normalem Sinusrhythmus. Die Anfälle dauern von wenigen Sekunden bis zu wenigen Minuten (also noch nicht ganz so dramatisch); die Frequenz ist ca. 160-180 im Schnitt. Das schränkt mich schon ein und leider wird es immer noch schlimmer.


    Deshalb überlege ich mir langsam ob es Sinn machen würde eine Katheterablation vornehmen zu lassen. Hat jemand von euch Erfahrung damit? Gibt es einen "Richtwert" ab wann man eine Ablation bei SVT (die an sich ja nicht lebensgefährlich ist) durchführen lassen soll/kann? Ratet ihr eher davon ab oder denkt ihr dass das eine Option sein könnte? Ich bin 36 und denke mir je früher ich das machen lasse, umso besser (vorausgesetzt dass alles gut geht ":/ )


    Freue mich auch Antworten;


    Danke und beste Grüsse,


    Tom

  • 17 Antworten

    Bei mir war´s zwar keine SVT, sondern eine AV-Knoten-Reentry-Tachykardie, aber die Ablation habe ich auch hinter mir, in etwas anderer Form als es bei dir notwendig wäre, aber die Prozedur ist wohl ziemlich gleich. Ich glaube, bei dieser Art von gutartigen Herzproblemen kommt es auch auf den persönlichen Leidensdruck an, ob man die Angst überwindet und was machen läßt oder nicht. Ich hab´s damals 3 Wochen nach dem ersten Auftreten machen lassen (das Herz kam alleine aus der Nummer nicht mehr raus, Herzrasen über 4-5 Stunden mit 231 Spitzenwert, Notaufnahme, Überwachungsstation...), und ich habe es bis heute nicht bereut. Das Herzrasen ist nicht mehr wiedergekommen. Ja, das Herz hat einige Zeit gebraucht, um sich von der Ablation zu erholen, aber ich hatte eigentlich nur geringe Beschwerden, lautes Herzklopfen und so.


    Ich würde dir empfehlen, die Ablation machen zu lassen. Such dir eine Klinik mit einer guten Kardiologie aus, laß dich beraten!

    Hallo Cornelia,


    vielen Dank für deine Antwort. In deinem Fall hört sich das Ganze wirklich dramatisch an. Kam dieser Herzanfall bei dir aus heiterem Himmel oder hattest du davor schon Probleme? Hast du es selber in die Notaufnahme geschafft?


    Der Grund warum ich frage ist der: ich habe gelesen dass re-entry Tachykardien mit der Zeit häufiger auftreten und länger andauern. Bei mir ist das ganze ja nur sehr kurz, aber wenn das immer noch schlimmer wird (und die letzten Jahre zeigt sich diese Tendenz), dann will ich lieber gleich eine Ablation machen lassen.


    Ich denke übrigens auch dass ich eine Re-entry Tachykardie habe, aber ich habe das so verstanden dass man dass erst nach einer Katheteruntersuchung genau sagen kann woher die Tachykardie kommt. Meine Symptome und das EKG schauen sehr verdächtig nach AVNRT aus, aber mein Kardiologe hat das in der Form nicht geäussert...

    Zitat

    Kam dieser Herzanfall bei dir aus heiterem Himmel oder hattest du davor schon Probleme? Hast du es selber in die Notaufnahme geschafft?

    Ich war zu dem Zeitpunkt gerade 3 Tage aus einem anderen Krankenhaus entlassen, nach einer Gallen-OP mit ungeplantem großen Bauchschnitt und 8 Tagen KH-Aufenthalt. Der Tag war total chaotisch, und am Abend kam dann aus dem Nichts dieses Herzrasen, gerade als ich mich wieder hinlegen wollte. Ich habe dann 112 gewählt, der Rettungswagen kam... und dann wollten die mich gleich mitnehmen! Also Fahrt ins KH mit Blaulicht und Martinshorn, nettes Erlebnis kann ich dir sagen.


    Der Anfall war der erste seiner Art, und dann gleich volle Kanne. Klar, daß ich davon restlos bedient war. Als die Ärzte mir sagten, die Lösung wäre dieser Herzkatheter, war ich eigentlich ganz froh, daß es so einfach sein sollte.

    Zitat

    Ich denke übrigens auch dass ich eine Re-entry Tachykardie habe, aber ich habe das so verstanden dass man dass erst nach einer Katheteruntersuchung genau sagen kann woher die Tachykardie kommt.

    Bei mir konnten sie es problemlos direkt sagen, was das für eine ist, denn sie hatten ja das EKG aus der Notaufnahme, während das Herz rumgesponnen hat. Sie brauchen ein EKG, auf dem das Herzrasen erkennbar ist. Beim Herzkatheter wird mit der Katheterspitze und einem Schwachstromimpuls an der vermuteten Stelle das Herzrasen ausgelöst, und du darfst dann sagen, ob du das gerade wiedererkennst! ]:D


    Laß es machen, aber such dir das KH gut aus!

    Hast du Beruhigungsmittel bekommen? Und wie lange dauert das (ich habe gelesen 1-4 Stunden)? Ich denke nicht dass ich bei Bewusstsein ohne Beruhigungsmittel jemanden 4 Stunden an meinem Herz rummachen könnte, vor allem wenn dabei ständig Tachykardien ausgelöst werden...Wie schlimm war das ganze, also jetzt eher von der psychischen Seite her?

    Es war eigentlich gar nicht großartig schlimm, und ich habe auch nicht viel davon gespürt. Beruhigungsmittel kriegst du nicht, die brauchen dich bei vollem Bewußtsein, denn du mußt je nachdem Auskunft geben.


    Der Katheter hat bei mir ca. 2 Stunden gedauert, wohl ein relativ normaler Wert, wenn sie eine Ablation machen, denn die müssen ziemlich filigran arbeiten, damit sie nichts kaputtmachen. Das war gucken, suchen, Arztchinesisch zwischen den beiden Ärzten, erst dann die eigentliche Ablation. Mir ging´s ganz gut währenddessen, gespürt habe ich nichts außer dem Vorschieben des Katheters auf den ersten paar Zentimetern in der Leiste, das war ein bißchen unangenehm, aber sonst war das kein Problem. Ich habe beim Rausgefahrenwerden aus dem Katheterlabor noch meinem Nachfolger, der gerade an mir vorbeigefahren wurde, fröhlich "Viel Spaß" gewünscht... ]:D Das Ätzendste an der ganzen Sache ist, daß du stillliegen mußt und dich kaum bewegen kannst, obwohl sie dich nicht anschnallen. Vom Legen der Katheterzugänge kriegst du auch fast nichts mit, dafür gibt´s ne örtliche Betäubung.

    Ach ja, die Tachykardien werden zwar ab und an mal ausgelöst, nach der Ablation auch als Test, ob sie auch wirklich alles erwischt haben, aber die stellen sie auch genauso schnell wieder ab, mit demselben Impuls aus dem Katheter.

    Danke für deine ausführliche Antwort. Ich stell mir das wirklich schwierig vor: still zu liegen ohne angeschnallt zu sein und ohne Beruhigungsmittel, bei so einem Eingriff. Muss mal mit einem Arzt reden ob man nicht vielleicht doch ein wenig Beruhigungsmittel bekommen kann. Man muss ja nicht gleich so viel geben dass man nicht mehr ansprechbar ist...


    Vielen Dank auf jeden Fall für deine Auskunft!

    Neenee, Beruhigungsmittel is nich, wie gesagt, die brauchen ihr Opfer wach und bei klarem Verstand, nicht benebelt und mit verfälschten Reaktionen durch eine Egal-Tablette.


    Das mit dem Stillliegen ging eigentlich schon. Ich habe mich zu Anfang schon so hingelegt, daß ich es bequem hatte, und wenn die einmal anfangen, kommt man gar nicht mehr auf die Idee, sich großartig zu bewegen. Nur wenn man dann die Arme wieder runternehmen soll (hinter dem Kopf abgelegt), dann stellt man fest, daß die Schultergelenke regelrecht eingefroren sind... Das hat dann erstmal Aua gemacht, die wieder in Bewegung zu kriegen!


    Aber mit dem Liegen während des Katheters ist es ja noch lang nicht getan. Du kriegst dann noch mehrere Stunden Liegezeit mit Sandsack auf der Leiste aufgebrummt, sonst gibt´s Nachblutungen. Arterie anstechen ist halt nicht ganz ohne!

    Wenn sie das tun, dann sag einfach was, so: Könnten Sie das Herzrasen wieder abstellen, das ist total unangenehm. Machen die bestimmt. Das ist der große Vorteil, weil du bei Bewußtsein bist und nicht zugedröhnt! Klar kannst du auch Fragen stellen und sowas.

    Das weiss ich eben auch nicht. Denke mal, solange die SVTs nur wenige Sekunden andauern (und man sich dabei halbwegs ok fühlt UND ein EKG der SVT vom Kardiologen als harmlos eingstuft wurde) ist eine Ablation so wie mit Kanonen auf Spatzen schiessen.


    Wie lange dauern die tachykarden Episoden bei dir?

    Hallo Tom,


    auch ich (26) habe im Juni 2012 wegen AV-Reentry eine Katheterablation durchführen lassen (müssen).


    Jahrelang habe ich unter diesen "Anfällen" gelitten, die teilweise nur wenige Minuten, oft aber auch über mehrere Stunden gingen. Wann sie kommen bzw. wieder gehen, war nie absehbar.


    Da ich bereits seit meiner Kindheit damit zu kämpfen hatte, war es für den Kardiologen dementsprechend schwierig, die Ablation durchzuführen, da das Herz bereits ziemlich "festgefahren" sei und er brauchte einen weiteren Eingriff, um tatsächlich abladieren zu können, daher würde ich dir raten, den Eingriff schnellstmöglich durchführen zu lassen.


    Dass man keine Beruhigungsmittel bekommt, stimmt so auch nicht. Beim ersten Mal bekam ich keine, weil die Schwestern es vergessen hatten! Beim zweiten Mal bekam ich dann eine ordentliche Dosis Valium, weil mein Herz so empfindlich auch den Katheter reagiert hat und ich nach dem ersten Mal echt Panik hatte.


    Für mich war die Ablation wie die Hölle, aber das liegt auch daran, dass mein Herz direkt, als der Katheter eingeführt wurde, angefangen hat zu rasen und der Kardiologe echt Probleme hatte, das Ganze zu unterbinden. Fühlte sich an wie eine Ewigkeiten, war aber sicher nur ca. 1/2 Minute.


    Auch das Unterbrechen des Herzrasens war für mich (ohne Vorwarnung) schockiernd, da mein Brustkorb durch die Elektrostimulation plötzlich die ganze Zeit hochgesprungen ist (wie bei nem krassen Schluckauf).


    Ich will dir keine Angst machen, aber ich wäre froh gewesen, ich hätte vorher gewusst, was mich erwartet, damit ich mich darauf einstellen kann. Falls du noch Fragen hast, nur zu! :-)


    LG Aurora

    Hallo,


    ich habe vor 2 Wochen meine 2. Katheterablation wegen AVRT hinter mich gebracht, weil die 1. leider erfolglos verlaufen ist. Die 2. scheint aber (toi, toi, toi) endlich geholfen zu haben. Genau weiß ich das aber erst in einigen Wochen.


    Was ich an dieser Stelle beitragen möchte, ist, dass es auf die Klinik ankommt, ob man ein Beruhigungsmittel bekommt oder nicht. Meine Ablationen haben in unterschiedlichen Kliniken stattgefunden, daher habe ich den Vergleich. Bei der 1. hat man mir Valium angeboten, das ich mir vorsichtshalber habe verabreichen lassen, da ich ja nicht wusste, wie ich den Eingriff erleben würde. Nötig wäre es aber nicht gewesen. Bei der 2. Ablation wurde ich erst gar nicht danach gefragt, und ich hätte auch kein Beruhigungsmittel gebraucht. Aber ich denke, dass das von Patient zu Patient verschieden ist, wer welche Untersuchung wie wegsteckt. Ich fand beide Eingriffe nicht schlimm.


    Meine Arme hatte ich beide Male nicht hinter dem Kopf, sondern rechts und links neben dem Körper abgelegt.


    Das anschließende stundenlage Liegen ist eigentlich noch das Unangenehmste. Leider hatte ich beim 2. Mal das Pech, dass es nachgeblutet hat und ich noch eine Weile länger liegen musste. Aber so wie es momentan aussieht, hat die Prozedur nun geholfen (drückt mir mal die Daumen!), und dafür habe ich gerne ein paar unangenehme Stunden in Kauf genommen.