Guten Morgen lieber Jürgen,


    ich schicke dir ein paar Sonnenstrahlen vorbei,sie zeigt sich gerade vorsichtig bei uns.


    Wie ich gelesen hab hattet ihr gestern schon Sonne und du konntest mit Emma ein bißchen in den Garten. Hier war es grau in grau.


    Für heute lass ich dir ein paar Kraftsternchen da :)* und wünsche dir einen schönen und schmerzarmen Tag.


    Drück dich ganz sanft


    sternke

    Hallo SOPHICA,


    genau wie Du habe ich seit ca. 3 Wochen dauernd entzündete Mundschleimhaut, sehr rissige Lippen und eingerissene Mundwinkel. Im Mund ist es nun besser geworden, die Lippen decke ich mit Penatencreme ab. Dass macht die Haut weicher. Ich habe Psoriasis Arthritis und ich habe gelesen, dass man die Schuppenflechte auch im/am Mund bekommen kann. War mir jetzt aber ganz neu. Wenn Du zum Arzt gehst, magst Du mir vielleicht Deinen Befund sagen? Per PN?


    1977 hatte ich auch eine AneurysmaOP (geplatzt), habe auch ganz grosses Glück gehabt, keiner sichtbaren Schäden. Gratuliere Dir, dass Du es auch gut überstanden hast.


    Habe weiterhin Mut und Hoffnung :)_ :)* ,


    liebe Grüsse

    Lieber Jürgen,


    danke für Deine lange Antwort. Nun die lukrative Sache hat nicht geklappt und das Gespräch war auch für mich nicht stimmig. Ich möchte da jetzt nicht so viel zu sagen, gehört vielleicht auch nicht in Deinen Faden hier.

    Zitat

    Wieso sollst du genug gelebt haben?

    Ich bin nicht einfach depri drauf, wobei ich "Depression" als Krankheitsbezeichnung sowieso schwierig finde. Nur ich bin ja nun wohl im letzten Drittel meines Lebens und es ist ja so, dass wir alle sterben werden.


    Und ich spüre – vielleicht liege ich auch falsch damit, es ist aber ein ganz tiefes Gefühl von mir -, dass der Tod auch eine Befreiung, Erleichterung darstellen kann. Unser Geist ist nicht mehr an den Körper gebunden und muss sich nicht mehr mit den Begrenzungen der irdischen Materie herumschlagen. Und so stelle ich mir mehr Weite, ein Eingebundensein in das allumfassende Universum vor.


    Ja ich glaube, es gibt etwas den Tod Überdauerndes, oft nenne ich es Seele. Und was ich mir noch so vorstelle ist, dass die Gedankenenergien, denen man jetzt im Leben so anhängt, schon irgendwie auch nach dem Tod noch existieren und auch deshalb ist Versöhnung hier auf der Erde für mich so wichtig. Ja und öfters ist ein dunkler Gedankennebel in mir und mich. Den will ich noch auflösen hier auf Erden, unabhängig von den Verhältnissen um mich rum, in denen ich gerade stecke.


    Den Übergang vom Leben in den Tod kann ich mir allerdings jetzt nicht wirklich leicht vorstellen.


    Ich hoffe, ich habe hier nicht zu viel geschrieben und hoffe, dass es verständlich ist, was ich meine. Es lässt sich nicht wirklich in Worten ausdrücken.

    Zitat

    Mir ist vor allen wichtig erst mal mit mir selbst ins reine zu kommen.

    So ist es, das ist immer das Wichtigste und das wünsche ich Dir von Herzen.

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    Dann kommt die Familie. Ich habe dieses Wochenende jedes meiner Kinder einen letzten Brief geschrieben. Als letzten Gruß von mir. Ich fühle mich dadurch irgendwie beruhigter und ich weiß das sie diese lieben Worte von mir auch noch nach meinem Tod lesen. Macht mich irgend wie Glücklich.

    Das freut mich. Für Deine Kinder sind "Deine lieben Worte" bestimmt aufbauend für ihr Leben.

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    Eine liebe Umarmung für dich liebe Sophica und gute Besserung.

    Danke. Eine liebe Umarmung gebe ich Dir zurück. Und wünsche Dir Heilkraft, Linderung und eine ruhige Nacht mit gutem Schlaf. :)* :)_ :)*


    Liebe Grüße,


    sophica

    Guten morgen lieber Cha-tu


    Das freut mich das der Schwindel weniger geworden ist. Du schreibst er ist nicht mehr so Dramatisch. Nur noch einfacher Schwindel Naja bei deinen ganzen Erkrankungen kann man sich auch bei einfachen Schwindel Sorgen machen. Aber die Ärzte werden es hoffentlich raus finden woran das liegt und dir helfen. Gute Besserung lieber Cha-tu.


    Mir geht es im Moment nicht mehr so gut. Mit dem Herzen scheint augenscheinlich gut zu sein. Aber seit dem geht es immer mehr bergab.


    Die schmerzen halten sich in grenzen. Außer die in den Schulterknochen.


    Was mir jetzt sorgen bereitet sind die Anfälle von Atemnot. Die letzten 2 Tage sind sie besonders schlimm geworden. Gestern so schlimm das ich schon blaue Lippen bekam. Meine Frau wollte schon den RTW rufen. Aber ich hab ihr das Telefon aus der Hand genommen und gesagt es wird schon wieder. Ich hab mich förmlich auf die Terrasse geschleppt an die Luft. Als ich dort nach Luft schnappte wie ein Fisch schaute ich auf die zierlichen Pflanzen die schon aus der Erde schauten. So sieht also jetzt mein ende aus dachte ich. Jetzt sieht man was ein paar Tage Sonne aus macht. Die Natur explodiert förmlich. Ein neuer Kreislauf hat begonnen. Neues Leben beginnt. Und mein Leben erlischt langsam aber sicher. Mit zunehmender Geschwindigkeit kommt mir so vor. Ich malte mir aus wie schön es doch wäre zwischen all den blühenden Blumen und Pflanzen die ich letztes Jahr gepflanzt zu sterben. Den Duft den sie verströmen in der der Nase. Die Farbenpracht vor Augen. Und um mich herum meine Liebe Familie. Ich war mein Leben lang ein Naturfreund. So zu sterben wäre für mich die Krönung .


    Hört sich vielleicht alles ein wenig kitschig an. Aber für mich wäre es wunderschön. Und als ich da so gesessen habe und meinen Gedanken nach ging wisch Emma nicht von meiner Seite. Meine Frau hatte noch so viel vor. Aber gestern blieb sie zu hause und schaute immer wieder nach mir. Ich nehme an sie registriert es so langsam das nicht mehr viel zeit bleibt.


    Heute morgen wieder so ein Anfall. Und diesmal leichte Blutspuren im Auswurf. Er war so heftig das ich schon das Telefon in die Hand nahm. Aber dann ließ ich es sein weil mir der Gedanke kam. Wenn du jetzt in die Klinik gehst kommst du da nicht mehr lebend raus. Genau das möchte ich nicht. Mein Wunsch ist es zu hause zu sterben. Werde mir wenn mein HA wieder da ist Sauerstoff verordnen lassen. Das wird mir das atmen wohl auch ein wenig erleichtern. Ich wollte ja versuchen Ostern zu erreichen. So lange werde ich noch kämpfen. Aber wenn mein Bauchgefühl wieder wie so oft recht hat wird es nichts damit. Aber abwarten. Die zeit läuft im Moment so schnell kommt mir so vor das ich es mit meinen starken willen vielleicht schaffe.


    Lieber Cha-Tu ich wünsche dir gute Besserung und einen Beschwerdearmen Tag :)_ .


    Lieben Gruß


    Jürgen


    PS. An alle anderen lieben


    Ich danke euch recht herzlich für eure lieben Beiträge. Sie bauen mich immer wieder auf. Es sind so liebe Worte die ihr für mich über habt das ich mir manchmal die Tränen aus den Augen wischen muß.


    Ihr seid alle so lieb. Auch ihr werdet von Krankheiten mehr oder weniger gebeutelt. Und trotz allen seid ihr für andere da. In meinen Augen seid ihr hier im Forum die wahren Helden. Wenn ich auf der anderen Seite angekommen bin und es sollte dort doch den großen Meister geben (woran ich fest glaube ) Werde ich ein sehr gutes Wort für euch einlegen :)z .


    Aber last euch noch viel zeit damit die Seiten zu wechseln.


    Euch allen alle Liebe und herzlichen Dank für alles.


    Ich schick euch alle mal eine liebe Umarmung.


    Jürgen

    Lieber Jürgen,


    dass sich Deine Atemnot verschlimmert hat, tut mir sehr leid. Hast Du mal mit dem Hausarzt darüber geredet? Ich weiss nicht, ob die Bronchodilatatoren, die bei COPD gut nutzen, auch bei Lungenkrebs hilfreich wären, aber seitdem ich die regelmässig nehme (einen Langzeit-Bronchodilatator und auch ein Akutspray) geht es mir atemmässig sehr viel besser...


    Deine Gedanken zum Frühling, zur Natur, und zu Sterben finde ich überhaupt nicht kitschig, sie sind sehr bewegend und auch für mich wahr! Ich sehe das ja ähnlich. Für mich ist die Natur so etwas wie "Gott". Zwar ist Gott wohl noch ein bisschen mehr als die Natur, aber sie ist ein wesentlicher Teil des Göttlichen.

    Zitat

    Ich malte mir aus wie schön es doch wäre zwischen all den blühenden Blumen und Pflanzen die ich letztes Jahr gepflanzt zu sterben. Den Duft den sie verströmen in der der Nase. Die Farbenpracht vor Augen. Und um mich herum meine Liebe Familie. Ich war mein Leben lang ein Naturfreund. So zu sterben wäre für mich die Krönung .

    Das verstehe ich sehr gut. Ich habe ähnliche Wünsche, und kann das richtig nachfühlen. Deine Wünsche und Gedanken zeigen mir vor allem, dass Du ein wenig ausgesöhnter mit dem Sterben und dem Tod bist, als Du es noch vor einigen Wochen warst. Das freut mich, sofern man da von Freude reden kann. Ich denke, ein Ziel des Lebens ist es tatsächlich, versöhnt zu sterben, mit sich, den anderen, mit dem Leben.

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    Meine Frau hatte noch so viel vor. Aber gestern blieb sie zu hause und schaute immer wieder nach mir. Ich nehme an sie registriert es so langsam das nicht mehr viel zeit bleibt.

    Und das ist mein grösster Wunsch, den ich für Euch habe: Dass Ihr noch ganz bewusst eine Zeit miteinander habt, in der Ihr offen füreinander seid, und in der Ihr (ich wage es, zu schreiben) Abschied nehmen könnt. Für mich wäre es von unendlicher Wichtigkeit, meiner Frau noch ein letztes Mal zu sagen, wie sehr ich sie liebe und wie wichtig sie mir war, so wichtig wie kein anderer Mensch. Und es wäre mir genauso wichtig, sie so lange wie möglich immer wieder in den Arm zu nehmen und in den Arm genommen zu werden. Ich wünsche Euch beiden so sehr, dass Ihr das noch schafft, dass Ihr das noch (er-)leben könnt.

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    Heute morgen wieder so ein Anfall. Und diesmal leichte Blutspuren im Auswurf. Er war so heftig das ich schon das Telefon in die Hand nahm. Aber dann ließ ich es sein weil mir der Gedanke kam. Wenn du jetzt in die Klinik gehst kommst du da nicht mehr lebend raus. Genau das möchte ich nicht. Mein Wunsch ist es zu hause zu sterben. Werde mir wenn mein HA wieder da ist Sauerstoff verordnen lassen.

    Ja, tu das. Wann ist er wieder da? Jetzt am Wochenende, oder erst Montag?

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    Das wird mir das atmen wohl auch ein wenig erleichtern.

    Ja, bei uns COPDlern tut es das. Ab Stufe IV ist das fast schon "üblich", dass man mit COPD 16 Stunden oder mehr pro Tag Sauerstoff erhält. Und das soll sehr gut tun., wie mir Leute mit COPD IV immer wieder bestätigen.

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    Ich wollte ja versuchen Ostern zu erreichen. So lange werde ich noch kämpfen. Aber wenn mein Bauchgefühl wieder wie so oft recht hat wird es nichts damit. Aber abwarten. Die zeit läuft im Moment so schnell kommt mir so vor das ich es mit meinen starken willen vielleicht schaffe.

    Das wäre schön, auch für Deine Familie. Dass Du Deinen Töchtern je einen Brief geschrieben hast, finde ich übrigens ganz wunderbar und richtig. Wir haben einen solchen Brief von meiner Mutter gefunden, nachdem sie schon einige Wochen verstorben war und wir ihre Dinge geordnet haben. Das war sehr bewegend (und ist es bis heute, wenn ich diesen Brief lese), und dieser Brief ist eines meiner ganz grossen Lebens-Schätze.

    Zitat

    Wenn ich auf der anderen Seite angekommen bin und es sollte dort doch den großen Meister geben (woran ich fest glaube ) Werde ich ein sehr gutes Wort für euch einlegen :)z .

    Siehst Du, jetzt hast Du mir die Tränen in die Augen getrieben, und ich bin Dir sehr dankbar dafür.


    Sei lieb umarmt


    Cha-Tu

    Jürgen,


    Dein letzter Beitrag hat auch mich sehr tief berührt und mir Tränen in die Augen getrieben...


    Ich habe Deinen ganzen Thread gelesen, und es scheint wirklich so, als bist Du dabei, mit Deinem "Schicksal" ausgesöhnter umzugehen. Das muss unglaublich schwierig sein und ich bewundere Dich für Deine Stärke.. Das ist wirklich Wahnsinn und ich frage mich, woher Du die Kraft ziehst.


    Dass du einen Brief geschrieben hast, finde ich ganz wunderbar. Manchmal fällt einem das Schreiben doch auch leichter in Gefühls-Dingen. Und Deine Töchter werden sehr dankbar sein, ich denke so etwas vergisst man nie und kann einem auch helfen mit dem Verlust umzugehen.


    Ich würde Dir wünschen, dass Deine Frau sich so verhält, wie es in dieser Situation angebracht wäre, von daher ist es "schön" (wenn man dieses Wort in dieser Situation überhaupt benutzen kann) , dass sie nun zu registrieren scheint, dass ihr die letzte Zeit nutzen solltet. :°_ :°_ Ich wünsche euch, dass ihr bewusst Abschied von einander nehmen könnt und Du ihr noch einmal alles sagen kannst, was Du auf dem Herzen hast. Das muss unglaublich schwer sein.


    Man sagt ja oft, wenn man einen Menschen plötzlich verliert, es sei einfacher gewesen, hätte man Abschied nehmen können.. Aber.. ist es das? Ich weiß es nicht. Ich denke man muss versuchen, komplett mit sich selbst im Reinen zu sein, wenn man diese Welt verlässt. Leider sind wir von diesem Gang alle nicht gefreit.


    Wünsche Dir eine Besserung Deiner Beschwerden und streichle Emma lieb von mir. Ich hoffe, es stört nicht, dass ich mich hier auch "reinhänge".


    Alles Liebe Ayana

    Lieber Jürgen,


    ich bin sehr berührt von diesem Posting da oben.... berührt und ich finde es nicht kitschig, sondern sehr romantisch geschrieben. Es läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Überhaupt gibts Du immer so viel von Dir, dass es jedesmal schön ist, Deine Worte zu lesen, auch wenn Du so viel Pein ertragen mußt, siehst du immer wieder das Schöne in Natur, in den Menschen, in allem, was Du so intensiv und bewußt erlebst und uns miterleben lässt.


    Einen lieben Gruß und eine sanfte Umarmung an Dich


    Petra

    Lieber Jürgen (und ihr anderen lieben Menschen natürlich auch),


    ich danke dir auch von Herzen für dinen Beitrag. Jetzt fahr ich gleich verheult Zug, aber das ist mir egal, denn so viel Weisheit, Liebe und Wärme aus ihm spricht, erleben nicht viele Menschen. Und dabei "kennen" wir uns gar nicht "so". Kann das Gefühl gar nicht beschreiben.


    Einfach Danke und eine :)_ für dich.


    Bei jedem Schneeglöckchen denke ich an dich. :)z

    Lieber Jürgen,


    meine Erkältung hat sich sehr gebessert und ich spüre wieder mehr Energie.


    Schön, dass Du Dich so sehr hier mitteilst. Und schade, dass die Beschwerden Dich so plagen. Vielleicht nehmen die Schmerzen in den Schultern ja wieder etwas ab. Ich kann Dir keine medizinischen Ratschläge geben; dazu fehlt mir das Fachenwissen. Ich hoffe, Du findest schnell einen Weg, wieder einfacher atmen zu können.


    Und ich wünsche Dir sehr und denke mit Deiner Kraft ist es – auch noch bis Ostern – möglich, dass Du den Frühling, das Wachsen der Pflanzen mit der Emma und Deiner lieben Familie an Deiner Seite noch erlebst.


    Eine friedvolle Zeit für Euch zusammen und eine Linderung Deiner Schmerzen und ein leichteres Atmen für Dich.


    Ich freue mich immer, wenn ich Deine Worte lese.


    Sei ganz herzlich gegrüßt @:) :)* @:) sophica


    @an alle Schmerz- und sonst Geplagten hier viel Heilkraft und Genießen des kommenden Frühlings @:) :)* @:)


    sophica

    Lieber Jürgen,


    auch mich hast Du mit Deinem letzten Posting sehr berührt.


    Es ist in all seiner Trauer einfach nur...wunderschön! @:)


    Für mich ist es ein ganz großes Geschenk, auf solch ungewöhnliche Weise mit Deiner Krankheit und Deinem Umgang mit dem Leben, den Schmerzen und dem Abschiednehmen von Deinen geliebten Menschen, der lieben Emma und der irdischen Welt teilhaben zu dürfen.


    Ich danke Dir von ganzem Herzen dafür!


    Nein, es ist wohl kein Zufall, dass ich hierhergefunden habe, ich glaube, da hat 'mein' lieber Gott ein bisschen nachgeholfen. ;-)


    In meiner Vita gab es nämlich noch eine ganz große Lücke, die durch Deinen Weg, über den Du auf so lebendige und anrührende Weise schreibst, so nach und nach gefüllt und geheilt wird. So fühlt es sich zumindest an.


    Vor vielen Jahren habe ich meinen Vater an Krebs verloren. Ich war damals 5 Jahre alt und seinerzeit, Mitte der 60-er, gab es noch nicht so viele Möglichkeiten, Kinder zu begleiten, die einen Elternteil verlieren bzw. verloren haben. Das heißt: ich war in meiner Angst und Trauer quasi ganz allein.


    Da ich auch nicht Abschied nehmen konnte, weil man mich in seinen letzten Monaten so gut wie abgeschottet hat von ihm, hat sich in mir ein riesiges Phantasiegebilde ausbreiten können über seine Krankheit und sein Sterben, was mir mein Leben lange Zeit sehr schwer gemacht hat.


    Nun aber, durch das Lesen in Deinem Strang habe ich das Gefühl, dass sich das Drama meiner Kindheit nun so langsam auflösen darf, denn ich erlebe durch Dich, dass das Abschiednehmen von dieser Welt ein sehr bewusster, intensiver, liebevoller, natürlich auch schmerzhafter, insgesamt jedoch ein ganz aktiver und SEHR lebendiger Abschnitt im Leben sein kann.


    Und mittlerweile glaube ich, dass es bei meinem Vater wohl auch ähnlich gewesen sein wird und mit meiner kindlichen Phantasie wenig zu tun hatte.


    Es rührt mich sehr, wenn ich lese, dass Deine Frau nun sehr nach Dir schaut und ich wünsche Euch von ganzem Herzen noch viele erfüllende Gespräche und Umarmungen und vor allen Dingen IHR wünsche ich den Mut, ihre eigene Angst mit Dir zu teilen. @:)


    Auch (bitte im positiven Sinne sehen) beneide ich Deine Kinder um den Brief, den Du ihnen geschrieben hast. Solch einen Lebens-Schatz, wie Cha-Tu es so schön schrieb, hätte ich auch gerne!


    Hier bei mir ist es jetzt tagsüber draußen schon so angenehm und sonnig - vielleicht kannst Du Dir ja einen Liegestuhl schön weich auspolstern und kuschelig herrichten und Dich damit mitten in Deine Frühlingsblumen packen?


    Das kann SO gemütlich sein - und wahrscheinlich bekommst Du dann sogar viel besser Luft.


    Und schnuppern, Duft einsaugen, in-die-Sonne-plinkern was das Zeug hält.


    Mögen Dir noch viele intensive Momente beschieden sein - Gott schütze Dich!


    Herzlichst,

    Guten morgen lieber Cha-Tu


    Danke für die PN. Wie geht es dir? Wann mußt du denn Zum Arzt wegen dem Schwindel?


    Mir geht es immer noch nicht besser. Die Erstickungsanfälle und den schlimmen Husten habe ich immer noch. Auch habe ich heute morgen wieder Blut im Auswurf. Naja ich wusste ja das dies irgend wann kommt. Aber man denkt immer das läßt sich noch zeit. Und dann ist es da. Und je weniger ich Luft bekomme um so schwumeriger wird es mir im Kopf.


    Mein HA ist erst Montag wieder zurück. Könnte ihn über Handy erreichen. Aber das möchte ich nicht. Er bemüht sich mir gegenüber schon so viel so das ich ihn nicht auch noch in seiner freien zeit nerven möchte. Wegen der Luftnot werde ich gleich meinen Onkodoc in der Klinik anrufen und fragen ob er da nichts gegen unternehmen kann. Ich habe heute abend noch etwas vor was mir sehr viel bedeutet. Mein Freund Michael und mein Chef zu dem ich eher ein Freundschaftliches Verhältnis habe waren die Tage bei mir und erzählte das die Jungs aus der Firma einen schönen Abend wegen mir geplant haben. Das ist heute. Alle guten Freunde und Kollegen werden da sein. Ich freue mich schon sehr auf diesen Abend heute. Und auf der anderen Seite sehe ich diesen Abend als einen weiteren Abschied an. Eine Abschiedsfeier von mir. Aber wie dem auch sei. Ich werde versuchen diesen Abend zu genießen. Meine Frau sagte gleich ich komme mit. Sie möchte mich nicht allein gehen lassen damit nichts passiert. Gestern hat sie mit bekommen das ich Blut mit abhuste. Darauf hin wurde sie ganz ruhig und sie hatte nässe in den Augen. Sie bleibt immer mehr zu hause. Ich bekomme nachts auch mit wenn sie nach mir sieht. Sie weiß jetzt wie es um mich steht denke ich mal. Jetzt spürt man ganz deutlich das sie sich sorgen um mich macht. Nur darüber reden tut sie noch nicht. Da ich denke sie kommt jetzt langsam selber drauf wird sie schon von alleine davon anfangen.


    Mal sehen ob der Onkodoc mir was gegen die Erstickungsanfälle gibt. Ich geh zwar sehr ungern nach ihn. Denn er ist sehr schnell mit der Einweisung. Aber ich möchte dieses vermeiden. Also erst mal per Telefon anfragen. Möchte ja nicht meine eigene Abschiedsfeier heute Abend verpassen.


    So mach mich auf den weg so langsam. Die wege zur Klinik werden auch immer länger. Oder ich werde langsamer.


    Lieber Cha-tu ich danke dir für deine lieben worte.


    Ganz liebe Grüsse


    Jürgen.