Studie: Stationäre COVID-19-Therapie mit Calcidiol

    In einer spanischen Uniklinik wurde eine randomisierte kontrollierte Pilotstudie durchgeführt, deren Ergebnis sehr interessant ist. Die Studie wurde online am 29.08.20 veröffentlicht, der englische Text ist hier zu lesen:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7456194/

    sowie auch HIER.


    Die 50 Patienten der Verumgruppe erhielten oral Calcifediol, auch als Calcidiol oder 25-Hydroxy-Vitamin-D bezeichnet. Diese Substanz ist besonders geeignet, um den sogenannten Vitamin-D-Spiegel schnell und sicher anzuheben. Mit dem "normalen", zumeist gebräuchlichen Vitamin D3 (Cholecalciferol) dauert dies zumindest länger, u.a. da es im Körper zunächst in Calcidiol umgewandelt werden muss. Zu Beginn wurde - sinnvollerweise - eine relativ hohe Calcidioldosis gegeben (532 µg), anschließend in gewissen Zeitabständen, jedoch nicht täglich, die Hälfte dieser Dosis.


    Die übrigen 26 Patienten erhielten ein Placebo.

    Alle 76 Patienten erhielten außerdem eine Kombination der Wirkstoffe Hydroxychloroquin und Azithromycin, was in der Studie als "best available care" bezeichnet wird. Hierzu möchte und muß ich mich einer Bewertung enthalten. Die Durchführung der Studie fällt offenbar noch in das erste Halbjahr 2020, was ich aus der Angabe "Received 6 July 2020" schließe.


    Von den 50 Patienten der Verumgruppe musste nur einer auf die Intensivstation (ICU) verlegt werden. Niemand starb, alle 50 Patienten konnten letztlich aus der Klinik entlassen werden. Von den 26 Patienten der Placebogruppe mussten hingegen 13 auf die Intensivstation verlegt werden. Zwei davon verstarben. Die übrigen 24 Patienten der Gruppe konnten entlassen werden.


    Die Aussagekraft der Studie unterliegt gewissen Einschränkungen, u.a. durch die eher kleine Patientenzahl. Eine deutlich größere Studie (an 15 spanischen Kliniken) ist laut den Angaben geplant - oder vielleicht schon am Laufen, Corona-Fälle gibt es in Spanien ja leider reichlich...


    Leider teilt die Studie nicht mit, welche Vitamin-D-Spiegel die Patienten bei der Einlieferung in das Krankenhaus hatten. Ich nehme jedoch stark an, daß mindestens ein Teil der Patienten einen mehr oder weniger ausgeprägten Vit.-D-Mangel hatte. Vitamin-D-Unterversorgung ist auch im an sich sonnigen Spanien nicht selten; diesbezügliche Risikofaktoren sind u.a. Adipositas, Rauchen und diverse Krankheiten.


    Bei Reddit gibt es, ebenfalls auf Englisch, eine kleine Diskussion dazu. Eine deutschsprachige Darstellung der Studie fand ich in diesem BLOG.

  • 12 Antworten

    telepolis hat das Thema VitaminD auch schon vor Monaten hoch und runter durchgekaut, könnte evtl. was dran sein, schaden kann es bestimmt nicht seinen Spiegel nen Stückchen anzuheben (natürlich nur im vertretbaren Rahmen). Es gibt auch VitaminD Vergiftungen.

    Dafür müsste man aber Unmengen an Vitamin D reinstopfen.

    Das ist nahezu ausgeschlossen.


    Dass Vitamin D für die Abwehr benötigt wird, ist ja kein Neuland.

    Trastevere schrieb:

    Zu Beginn der Pandemie gab es zu dieser Thematik WhatsApp Kettenbriefe. https://www.hna.de/wirtschaft/…ssel-hna-zr-90042738.html

    Kettenbriefe :-/%:|:-o:[]  
    Nun denn, beim Thema Corona gab (und gibt) es wohl alles mögliche und unmögliche... Als WhatsApp-, Facebook- etc. Nichtmitglied bin ich davon verschont geblieben.


    Die spanische Studie beschränkt sich immerhin nicht darauf, Vitamin-D-Spiegel und deren etwaige Beziehung zu Krankheitsverläufen zu untersuchen, sondern es wurden akut Erkrankte mit (einer Sonderform von) Vitamin D behandelt.

    ja wenn da ein Opa mit nem VitaminD Spiegel von 10 ng/ml, also einer harten Unterversorgung und corona da liegt, macht es ja durchaus Sinn diesen möglichst schnell auf 80 ng/ml zu erhöhen, dass sowas positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben könnte, wundert mich überhaupt nicht.

    tzuisc schrieb:

    ja wenn da ein Opa mit nem VitaminD Spiegel von 10 ng/ml, also einer harten Unterversorgung und corona da liegt, macht es ja durchaus Sinn diesen möglichst schnell auf 80 ng/ml zu erhöhen, dass sowas positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben könnte, wundert mich überhaupt nicht.

    Mich auch nicht. Wobei ich aber stark annehme, daß die in der Verumgruppe verabreichten Calcidiol-Dosen gar keine so starke Erhöhung bewirkt haben.


    Calcidiol soll etwa 3- bis 4-mal (evtl. auch 5-mal) potenter sein als Cholecalciferol (Vitamin D3). Die Initialdosis von 0,532 mg Calcidiol entspricht also ungefähr 1,6 bis 2,65 mg Vitamin D3 oder 64.000 bis 106.000 I.E.

    Bei einem etwa normalgewichtigen Erwachsenen sollte damit eine Anhebung des Vitamin-D-Spiegels (25-OH) um, grob gerechnet, 9 bis 12 ng/ml erreicht werden. Nicht allzu viel, aber für jemandem mit schwerem Mangel sicher eine deutliche Verbesserung. Zumal es ja am 3. und 7. Tag, und dann wöchentlich, nochmal Calcidiol gab (jeweils die Hälfte der Initialdosis).

    musicus_65 schrieb:
    Trastevere schrieb:

    Zu Beginn der Pandemie gab es zu dieser Thematik WhatsApp Kettenbriefe. https://www.hna.de/wirtschaft/…ssel-hna-zr-90042738.html

    Kettenbriefe :-/%:|:-o:[]  
    Nun denn, beim Thema Corona gab (und gibt) es wohl alles mögliche und unmögliche... Als WhatsApp-, Facebook- etc. Nichtmitglied bin ich davon verschont geblieben.


    Die spanische Studie beschränkt sich immerhin nicht darauf, Vitamin-D-Spiegel und deren etwaige Beziehung zu Krankheitsverläufen zu untersuchen, sondern es wurden akut Erkrankte mit (einer Sonderform von) Vitamin D behandelt.

    Ich habe weder bei Facebook, Instagram und Co.einen Account, allerdings bei WhatsApp. Dort wird es immer Kettenbriefe geben, auch solche die nichts mit COVID 19 zu tun haben. Ich habe noch nie einen bekommen und hätte ich einen bekommen, hätte ich sofort die Löschfunktion benutzt. Ich kenne diese nur vom hören sagen.

    Eine Studie, wo man gleich zwei Medikamente gibt, und der Vergleichsgruppe gar keins, ist ja mal völlig sinnfrei.


    Das Hydroxychloroquin verwässert ja nun alles.


    Null Erkenntnisgewinn, sinnlose Studie. Allerdings evtl ein paar Kranke gerettet. Allerdings auch welche der Vergleichsgruppe nicht gerettet. Moralisch sogar fragwürdig. Man hätte es denen dann auch geben sollen. Leute, die in Vergleichsgruppen mit Placebo umkommen bei Studien die so schlecht konzipiert sind dass sie gar nix aussagen sind ja nun wirklich sehr verwerflich.

    Warum wurde in dieser Studie den Probanden Azythromycin und Hydroxychloroquin parallel verabreicht? Azythromycin ist ein Antibiotikum und entfaltet seine Wirksamkeit bei bakteriellen Infektionen und nicht bei viralen. Ein Versuch mit einem Antibiotikum ist machbar, wenn in seltenen Fällen die Begleitpneumonie bakteriellen Ursprungs ist. Hydroxychloroquin und Chloroquin entsprechen Resochin, beide Medikamente sind für Malaria zugelassen, aber nicht für die Therapie einer Corona Infizierung, die entsprechenden Studien wurden gestoppt. Wichtig wäre auch, daß beide Malaria Medikamente sehr schwere Nebenwirkungen haben und für Patienten mit Herzerkrankungen, insbesonders mit Rhythmusstörungen ,kontraindiziert sind, ebenfalls für Patienten, die Medikamente einnehmen, die Einfluß auf die QT Zeit im EKG haben, wie z.b. Quetapin - Seroquel.

    rr2017 schrieb:

    Eine Studie, wo man gleich zwei Medikamente gibt, und der Vergleichsgruppe gar keins, ist ja mal völlig sinnfrei.


    Das Hydroxychloroquin verwässert ja nun alles.


    Null Erkenntnisgewinn, sinnlose Studie. Allerdings evtl ein paar Kranke gerettet. Allerdings auch welche der Vergleichsgruppe nicht gerettet. Moralisch sogar fragwürdig.

    Bitte erst mal richtig lesen, genug Englisch wirst Du wohl können. Hydroxychloroquin (plus Azithromycin) haben alle Patienten bekommen, auch die in der Vergleichsgruppe. Der Medikationsunterschied bestand ausschließlich im Vitamin D.

    Trastevere schrieb:

    Hydroxychloroquin und Chloroquin entsprechen Resochin, beide Medikamente sind für Malaria zugelassen, aber nicht für die Therapie einer Corona Infizierung, die entsprechenden Studien wurden gestoppt.

    Das dürfte vielen Lesern hier bekannt sein, es ging ja vor einiger Zeit recht breit durch die Medien. Die spanische Studie hat schon vor einigen Monaten stattgefunden (wohl im 2. Quartal 2020). Es ist anzunehmen, daß die dortigen Ärzte das Hydroxychloroquin und Azithromycin verwendet haben in der Annahme oder Hoffnung, es könne den Coronapatienten irgendwie helfen. Etwaige Alternativen (vom Calcidiol mal abgesehen) waren entweder nicht bekannt, wurden für weniger geeignet gehalten oder waren schlicht nicht verfügbar - und sei es aus Kostengründen! Deshalb heißt es in der Studie ja auch "best available care".

    Das macht die Studie aber nicht sinnvoller. Wie will man denn da die Wirkung des puren Mittels, um die es geht, beurteilen?