Vorhofflimmern

    Hallo,


    wer kennt sich aus mit Vorhofflimmern? In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fing mein Herz plötzlich an zu rasen, nach 20 Minuten haben wir den Notdienst gerufen, ich kam ins Krankenhaus. Es wurde Vorhofflimmern diagnostiziert, Puls bei 160, wobei er zwischendurch sogar mal auf 89 sank, die Medikamente, die man mir gab, bewirkten, dass der Puls auf 130 runterging. Da das Vorhofflimmern aber nicht verschwand, bekam ich nach sechs Stunden eine Kardioversion. Die war nicht schlimm, habe nix davon gemerkt. Blutdruck lag bei 170/97, dann bei 160/90, da haben sich die Ärzte gewundert, dass er nicht höher war. Auch wäre ich "gut drauf" gewesen, was ich aber nach meinem Empfinden nicht bestätigen kann. Nach Langzeit-EKG, Herzecho, diversen Laboruntersuchungen und Magenspiegelung wurde mein Betablocker (Bisoprolol) von 2,5 mg auf 5 mg hochgesetzt, ich bekam einen Blutverdünner dazu. Das Herzecho ergab, dass eine meiner Herzklappen minimal nicht ganz schließt, die Pumpfunktion des Herzens wäre gut. Nach vier Tagen KH durfte ich nach Hause. Was jetzt wirklich schlimm ist, ist die Angst vor dem nächsten Anfall. Ich komme mir vor, als wäre ich komplett aus meiner Welt gefallen. Sehe die Leute draußen und fühle mich, als gehöre ich schon nicht mehr dazu. Denke, die haben nix und Du latschtst hier mit solchem Mist rum. Was soll ich nur machen? Trau mich nur noch in Begleitung aus dem Haus (bin erst mal krank geschrieben), Urlaub usw. ist gestrichen. Bin 51, weiblich, rauche und trinke nicht (auch früher nicht). Nehme noch Escitalopram 10 mg wegen einer Angststörung. Ich möchte mich einfach nur wieder wohlfühlen und normal leben! Ist das zuviel verlangt? Ich weiß echt nicht weiter. :°( Sitze manchmal da und heule aus Verzweiflung. Ich will doch auch wieder arbeiten gehen! Wer kann mir Tipps geben oder seine Erfahrungen berichten? Bin für jeden Rat dankbar! Liebe Grüße an alle im Forum, LtFelix.


    PS: Gibt es eigentlich viele Menschen mit Vorhofflimmern? Auch jüngere?

  • 16 Antworten

    Hallo erstmal!


    Tut mir leid, das zu lesen!

    Ich hoffe, du wirst lange Zeit von einem weiteren Anfall verschont werden!


    Ich bin 26 und hatte auch schon kurze Anfälle von VHF...glücklicherweise hat sich das selbst immer schnell gelegt!

    Danke Merly,


    für Deinen Post. Wie spürst Du die VHF-Anfälle, rast Dein Herz dann auch so? Der Mann einer Bekannten hat ständig VHF, der nimmt seine Medis und kümmert sich ansonsten nicht drum. Lebt schon viele Jahre damit ...


    Alles irgendwie Sch... Jetzt ist man nun auch noch herzkrank ...


    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute,


    LG, LtFelix

    Hey LtFelix,@:):)*


    Ich habe auch Anfälle (habe aber einen angeborenen Herzfehler, der vor 3 Jahren per Herzkatheter mit einem Schirmchen geschlossen wurde). Eigentlich wurde bei mir der Herzfehler genau wegen VHF diagnostiziert - es trat plötzlich auf (Puls so hoch dass ich nicht mehr zählen könnte), Extresystolen sonst 1000 Stück am Tag etc. Nach der OP ging VHF erst richtig los. es war aber immer spätestens nach 1 Tag wieder von allein weg. Betablocker habe ich nicht vertragen (selbst die minimalste Dosis von 1,25 hat so reingehauen, dass ich mehr tot als lebendig herum lief). Das eigentliche vHF fühlte sich bei mir aber anders an (eher wie zappeln und hüpfen in der Brust). Hoher Puls (aber rhythmisch) kann auch andere Arten von Herzrhythmusstörungen sein, Tachikardien oder so.

    Ich kann dich gut verstehen, ich traute mich lange nicht, meine Leben zu genießen. Mittlerweile sind Anfälle seltener und kürzer geworden, nach 3 Jahren hat sich mein Herz an die normale Funkrionalität gewöhnt.


    Achtung, Betablocker selbst haben als Nebenwirkung Herzrhythmusstörungen! Wenn du sie wegen Angst nimmst, wäre vielleicht eher ein anderer Weg möglich - was anderes als Betablocker? Nimmst du sie lange? Verträgst sonst gut? Wie gehst du sonst gegen Angst vor?


    Hast du dein Herz durchchecken lassen, organisch ist alles in Ordnung?


    Achso, ich bin 35, lief 30 Jahre meines Lebens mit einem Riesenloch im Herzen und ahnte nichts davon.


    Liebe Grüße!

    Ich habe Erfahrungen damit.

    Das 1. Mal hatte ich vor ca. 30 Jahren Vorhofflimmern.

    Ich habe es als ein Fast-Sterben in Erinnerung. Es konnte mit entsprechenden Medikamenten ambulant behandelt werden. Ich bekam einen Betablocker verordnet.

    Aber ich entwickelte eine Cardiophobie - konnte nicht mehr alleine bleiben aus Angst wieder in diese Situation zu kommen. Das dauerte ca. 6 Monate bis ich wieder Vertrauen in mein Herz bekam und alles war wieder gut.

    Irgendwann nach einigen Jahren setzte ich den Betablocker ab - und das war wohl ein Fehler.

    Vor 6 Jahren bekam ich wieder Vorhofflimmern mit einer hypertensiven Krise und einer absoluten Arrhythmie. Ich war 3 Tage in der Klinik bis ich ohne einen ärztlichen Eingriff mit Medikamenten wieder in den Rhythmus kam.

    Das war wieder ein schlimmes Erlebnis. Aber es ist gut bis heute.

    Ich nehme meine Betablocker, laufe täglich - Nordic Walking - und ernähre mich gesund und es geht mir gut. Mein Herz schlägt zuverlässig.

    Julala, verstehe ich es richtig, Du hast vor 30 Jahren den ersten Anfall, nach ein Paar Jahren den Betablocker abgesetzt und erst jetzt wieder Anfälle bekommen? Dann heißt doch, du hast Jahrzente keine VHF-Attaken mehr gehabt? Dann würde ich das Absetzen des Beta nicht als Fehler bezeichnen. Das ist ein Teufelszeug in meinen Augen, verändert massiv die Psyche. Ich verstehe auch nicht, wieso man es bei Angst verschreibt - man wird doch sehr schnell depressiv damit. Und die VHF -Attaken verhindert es auch nicht, verlangsam nur den Puls dabei. Aber absolute Arrhythmie Klingt nicht gut. Hast Du etwas organisches am Herzen?

    Nein, ich habe nichts organisches am Herzen bis auf eine kleine Verkalkung an der Aortenklappe.

    Aber das Erlebnis mit der Arrhythmie hat mich nicht daran zweifeln lassen, dass mit dem Betablocker, da mir die Ärzte das auch immer wieder so sagen, das zu verhindern ist,

    Und der Betablocker hat mich sehr verändert. Bin von einer temperamentvollen Frau zu einer lahmen Ente geworden.

    Hallo marblemadness,


    danke für Dein Posting. Ja, ich bin viel draußen in der Natur wandern, Leistungssport mache ich zwar nicht, bin aber viel in Bewegung. Nur im Moment nicht, da ich Angst habe, wenn ich draußen bin, von einem Anfall überrascht zu werden ... Die Ärzte sagen, ich könne wieder in meinen Garten (ach so, ich mache viel Gartenarbeit) und auch wieder wandern gehen, aber ich bin momentan total verunsichert. Gestern war ich mit meinem Mann spazieren, etwa eine halbe Stunde lang, das tat mir gut. Aber alleine traue ich mich nicht mehr.


    Liebe Grüße von LtFelix

    Hallo Dreams2015,


    danke für Deinen Erfahrungsbericht. Ja, organisch soll soweit alles in Ordnung sein, außer dass eine Herzklappe minimal nicht ganz schließt. Das wäre aber ein häufiger Befund und nichts Schlimmes, hat man mir gesagt. Durch den Betablocker bin ich auch etwas trantütig geworden, und jetzt, nachdem man ihn hochgesetzt hat, habe ich um die Mittagszeit Phasen, wo ich friere "wie ein Schneider". Zu dem Thema Herzangst gibt es eine Vorgeschichte: Etwa so im Jahre 2000, ich war damals 33, merkte ich ab und an Herzstolpern. Da das für mich nicht normal war und ich mich mit dem Thema überhaupt nicht auskannte, ging ich zum Hausarzt. Der gab mir 2001 eine Überweisung zum Kardiologen. Ich suchte mir also eine Kardiologin, aber mein Hausarzt war mit meiner Wahl nicht einverstanden und schickte mich ins Uniklinikum. Und dort passierte mir die ultimative Katastrophe: Statt der erwarteten Untersuchungen wie Echo, Langzeit-EKG und Blutuntersuchungen wurde an mir am 07.02.2001 eine transösophagiale Vorhofstimulation vorgenommen. Ich wurde weder über den Ablauf der Untersuchung noch über mögliche Komplikationen aufgeklärt. Einen Aufklärungsbogen bekam ich auch nicht zur Unterschrift. Mit den Worten "Ham Sie sich mal nicht so, das überstehen auch 80jährige", wurde ich auf die Untersuchungsliege komplimentiert, ich bekam Betäubungsspray in den Rachen, einen Schlauch in den Hals und dann ging es los ... Etwa eine Stunde lang wurde mein Herz mit Stromstößen malträtiert, teilweise fühlte es sich an, als würde es platzen. Ich lag bei geöffnetem Fenster mit freiem Oberkörper da, ich war eiskalt. Da das Ergebnis die Ärzte nicht befriedigte, wurde immer mehr "Saft" draufgegeben, bis ich dann Vorhofflimmern bekam. Das hörte ich noch, dann brüllten sie nach dem Oberarzt. Der war natürlich nicht erfreut, aber man gab mir die Schuld, da ich soviel Angst vor der Untersuchung gehabt hätte. Ein Arzt sagte noch: "Bei der Stromstärke hätte jeder Vorhofflimmern bekommen ..." Man drückte mir eine Faustan in die Hand (die ich vor Wut am liebsten aus dem Fenster geschmissen hätte), spritzte mir Blutverdünner und schickte mich nach Hause. Zum Glück war mein Mann dabei, ich hätte so selbst kein Auto fahren können. Gegen 16:00 Uhr fand die Untersuchung statt, bis etwa 21:00 Uhr lief ich in der Wohnung herum und rannte ständig auf die Toilette. Gegen 21:00 Uhr sprang das Herz schlagartig wieder in den normalen Rhythmus. Ich war nach dieser Sache vollkommen traumatisiert; noch schlimmer wurde es, als ich einige Monate später in der Zeitung las, dass sich das Gerät bisher noch in der Erprobung befand und lange nach meiner Untersuchung erst zugelassen wurde ... Deshalb also auch kein Aufklärungsbogen, das war mir dann klar. Am Tag nach der Untersuchung bekam ich dann in der Klinik noch mal ein Echo, und man sagte ganz flapsig zu mir: "Na, das ist ja gestern nicht so gut gelaufen ..." Einige Monate litt ich dann vermehrt an Extrasystolen, die sich später dann als harmlos herausstellten, aber ich konnte auch monatelang zu keinem Arzt gehen, ohne dass mein Mann mich begleitete. Ich entwickelte dann eine Herzangst, die ich erst mit psychotherapeutischer Hilfe bewältigen konnte. Die Extrasystolen konnte ich dann annehmen, hatte auch keine Angst mehr davor. Das Vorhofflimmern trat jetzt zum ersten Mal wieder auf, nach 18 Jahren. Aber, wie gesagt, die erste Episode war nicht auf natürlichem Wege entstanden. Und deshalb geht es mir nach der Sache von vorigem Freitag nicht allzu gut, habe halt Angst, dass es sich wiederholt. Das Personal in dem Krankenhaus, welches mir letzten Freitag half, war super, ich habe mich dort wohl- und auch verstanden gefühlt. Nur ist halt die Herzangst jetzt wieder da.


    Wünsche Dir alles Gute und ein schönes Wochenende,


    LtFelix

    Hallo Julala,


    durch den Betablocker bin ich auch viel stiller geworden, irgendwie dämpfen die Medis schon ganz schön. Muss auch erst mal schauen, ob ich mit der neuen Dosis klar komme. Die 2,5 mg Bisoprolol hatte ich nach der katastrophalen Untersuchung im Uniklinikum verordnet bekommen. Zugenommen habe ich vom Biso auch. Aber ich nehme ihn weiter, was bleibt mir auch anderes übrig ...


    Ein schönes Wochenende und alles Gute,


    LtFelix.

    Hallo Dreams2015,


    gegen die Angst gehe ich spazieren, lenke mich mit verschiedenen Tätigkeiten ab, mache Meditation, Atemübungen und Progressive Muskelentspannung. Die 2,5 mg Biso vertrug ich ganz gut, ob aber die doppelte Dosis auch so verträglich ist, muss sich erst zeigen ... Den Beta nehme ich seit dieser furchtbaren Untersuchung im Uniklinikum.


    LG, LtFelix

    LtFelix schrieb:

    Hallo marblemadness,


    danke für Dein Posting. Ja, ich bin viel draußen in der Natur wandern, Leistungssport mache ich zwar nicht, bin aber viel in Bewegung. Nur im Moment nicht, da ich Angst habe, wenn ich draußen bin, von einem Anfall überrascht zu werden ... Die Ärzte sagen, ich könne wieder in meinen Garten (ach so, ich mache viel Gartenarbeit) und auch wieder wandern gehen, aber ich bin momentan total verunsichert. Gestern war ich mit meinem Mann spazieren, etwa eine halbe Stunde lang, das tat mir gut. Aber alleine traue ich mich nicht mehr.


    Liebe Grüße von LtFelix

    Nein, ich meine machst du generell seit der Jugend regelmäßig Sport - sprich also Radfahren, Joggen o.ä.? Wobei Wandern natürlich schon toll ist!

    Hallo marblemadness,


    danke für Dein Posting, nein, Radfahren oder Joggen mache ich zurzeit nicht. Früher bin ich vor und nach der Arbeit je eine halbe Stunde stramm spazieren gegangen, alleine, das traue ich mir nach dem Vorfall vom 05.04. nicht mehr. Das Radfahren habe ich nach der missglückten Herzuntersuchung (oder sollte ich besser sagen: nach dem medizinischen Versuch mit mir) von 2001 aufgegeben, hatte danach zuviel Angst davor, dass mir schlecht wird und ich mit dem Rad stürze. Derzeit hat mich auch sämtlicher Lebensmut verlassen, weiß einfach gar nicht, wie es weitergehen soll.


    LG und einen schönen Sonntag, LtFelix.