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    Wasserstoff/Sauerstoff statt RP-1/Sauerstoff wurde in der zweiten und dritten Saturn-V Stufe verwendet, weil diese Kombination mehr Schubkraft erzeugt. Dafür passte weniger Brennstoff in die Tanks. Das war aber egal, da diese beiden Stufen deutlich weniger Masse beschleunigen mussten.


    1. Stufe: RP-1/Sauerstoff. Etwas weniger Schubkraft, dafür deutlich längere Brenndauer möglich.


    2./3. Stufe: Wasserstoff/Sauerstoff. Etwas mehr Schubkraft, dafür Brenndauer deutlich kürzer.


    Der Vorteil für die Startstufe mehr Treibstoff mitnehmen zu können war wohl größer als der Nachteil der etwas geringeren Schubkraft.


    Die beiden Triebwerke der Landefähre, eines zum landen und ein anderes zum starten, wurden mit Hydrazin betrieben. Giftige Abgase spielten da keine Rolle, dafür war der Treibstoff selbstzündend. Das empfand man wohl als sicherer. Und die Triebwerke konnten einfacher konstruiert werden. Das hatte nur den Nachteil das durch den agressiven Treibstoff die Triebwerke nach einiger Zeit Brenndauer schlicht kaputt gingen...


    Die fünf F-1 Triebwerke der Saturn-V Startstufe sind bis heute die stärksten jemals gebauten Raketentriebwerke. Sowohl die Russen (damals und heute) als auch SpaceX verwenden mehr dafür kleinere Triebwerke. Die Falcon Heavy nutzt immerhin 27 Triebwerke zum starten und eine große Schwierigkeit ist natürlich die alle zu synchronisieren.

    Zitat

    2./3. Stufe: Wasserstoff/Sauerstoff. Etwas mehr Schubkraft, dafür Brenndauer deutlich kürzer.

    Das Problem verschärfte sich. Nach dem Brand in der Apollo-Kapsel wurde diese mit anderen Materialien ausgestattet und damit deutlich schwerer. Die Rechnung ging nicht mehr auf. Die Tanks waren zu klein. Kühn entschloss man sich, von der sicheren Kugelgestalt Abschied zu nehmen. Die Tanks wurden übereinander geschichtet. Wasserstoff und Sauerstoff waren nur noch durch einen gewölbten Boden getrennt. Gut gegangen war es.

    Entstand der Brand nicht auch deswegen, weil man den Drucktest in Anwesenheit der Astronauten mit reinem Sauerstoff durchführte? Auch soll sich die Luke nicht von innen hat öffnen lassen...

    Der Brand entstand, weil die Kapsel mit reinem Sauerstoff gefüllt war und der Innendruck zudem erhöht wurde, um zu simulieren das im Weltraum der Kabinendruck gegen das außen vorherrschende Vakuum drückt. Zudem gab es viel brennbares Material in der Kapsel (Name gerade entfallen, um Dinge wie Kugelschreiber usw. in der Schwerelosigkeit einfach irgendwo befestigen zu können) und die Verkabelung war ziemlich schlampig, so dass es teilweise offen liegende Kabel gab oder Isolierungen leicht beschädigt werden konnten. Irgendein Kurzschluss/Funkenschlag entzündete dann den unter hohem Druck stehenden Sauerstoff. Zudem war die Einstiegsluke nach innen öffnend, so dass die Astronauten diese gegen den hohen Innendruck hätten aufziehen müssen. Die Astronauten sind aber vermutlich nicht verbrannt sondern erstickt.


    Tatsächlich glaube ich das es die Astronauten ohne den Brand nie bis zum Mond geschafft hätten, denn erst dadurch wurde man sich der vielen Probleme die die Apollo-Kapsel hatte so richtig bewusst.


    Vieles am damaligen Apollo-Programm war ziemlich verblüffend. Die schnell-schnell und damit fehlerhaft gebaute Kapsel (die nach dem Brand gründlich umgebaut wurde), Raumanzüge von einem externen Zulieferer, der bis da hin nur Damenunterwäsche produzierte, eine Landefähre, die nie zu Ende entwickelt wurde und man letztlich einfach mit dem flog was gerade eben Stand der Entwicklung war usw.

    Zitat

    Tatsächlich glaube ich das es die Astronauten ohne den Brand nie bis zum Mond geschafft hätten, denn erst dadurch wurde man sich der vielen Probleme die die Apollo-Kapsel hatte so richtig bewusst.

    Es war Gus Grissom, der erfahrene Weltraumpionier, der einmal gesagt hatte, dass es Tote geben werde auf dem Weg zum Mond. Es sollte ihn selbst treffen.

    Zitat

    und man letztlich einfach mit dem flog was gerade eben Stand der Entwicklung war usw.

    Es war ehrlich gesagt Kamikaze, wenn man sich den Stand der Technik anschaut. Der Düsenantrieb war gerade mal 20 Jahre in Serie, die Rechenleistung auf dem Niveau eines Casio-Taschenrechners in den 90ern, mit V2-Raketen hat man mit viel Glück gerade mal London getroffen. Dann "kurze Zeit später" mal eben 380000 Kilometer zurückzulegen und wiederzukommen ist mehr als waghalsig.

    Es ist ja nicht so als hätte man einfach mal was zusammen gekloppt und wäre los geflogen in der Hoffnung irgendwo anzukommen.


    Dem Apollo-Programm gingen ja noch zwei Vorgängerprogramme voraus, Mercury und Gemini.


    Mercury sollte vor allem erstmal Menschen in einen Erdorbit bringen.


    Gemini war dann schon deutlich weiter entwickelt und sollte die Technologien und Verfahren testen, die man bei den späteren Apollo-Flügen brauchte, wie An- und Abdocken, Bahnänderungen, Ausstiege der Astronauten uvm. Es gab eine vielzahl an solchen Testflügen bevor man überhaupt an einen richtigen Flug zum Mond denken konnte.


    Entscheidend dabei war weniger die zur Verfügung stehende Technologie, diese wurde ja während dieser Zeit neu entwickelt, sondern das für heutige Verhältnisse beinahe unbegrenze Budget, mit dem man natürlich eine Vielzahl von externen Zulieferern, Entwicklungsbüros usw. finanzieren konnte. Die NASA war dabei eine politisch unterstützte, "zivile" Raumfahrtbehörde, entgegen der bis dahin ausschließlich durch das Militär durchgeführten Raumfahrt. Heute wäre undenkbar so viel Geld dafür frei zu machen, aber damals war das eben ein nationales Interesse, nämlich es vor den verhassten Russen zu schaffen.


    Die Russen hätten es aber vermutlich gar nicht geschafft, da sie zwar ebenfalls extrem fähige Ingenieure hatten, aber anders als in den USA nur über ein minimales Budget verfügten.


    So ein Raketenantrieb ist im Grunde eine ziemlich einfache Konstruktion. Die Schwierigkeit war es nur das er extrem leistungsstark ausgelegt werden und dabei die enorme Belastung aushalten musste. Man muss schließlich nur sehr schnell gewaltige Mengen Sauerstoff und beispielsweise Wasserstoff in einer Brennkammer zusammenbringen, entzünden und dann unter gewaltigem Druck aus einer möglichst kleine Düse ausstoßen. Wobei die Düse ehr einem Duschkopf ähnelt.


    Man hatte u.a. das Problem zu bewältigen das dieser Abgasstrahl mit Überschallgeschwindigkeit rotierte und damit das Triebwerk durch zerstörte. Man hatte auch Schwierigkeiten mit zu starken Vibrationen die sich aufschaukelten und die Rakete zerstörte.


    Sicher hatten die Bordrechner eines Apollo-Raumschiffs weniger Rechenkapazität wie heute ein einfacher Taschenrechner. Diese Flüge wurden vorher am Boden aufs exakteste berechnet und die Bordrechner hatten überwiegend eine überwachende Funktion. Es war z.B. so das die Astronauten zwar ein rechnergestütztes Trägheitsnavigationssystem an Bord hatten, hauptsächlich aber als Backup, denn navigiert wurde praktisch auf Sicht.


    Kleine Anekdote am Rande: Bei der Landung von Apollo 11, also der ersten Mondlandung, meldete der Navigationsrechner an Bord der Landefähre knapp über der Mondoberfläche einen Fehlercode, Alarmsignale ertönten usw. Es konnte aber niemand etwas mit der Fehlermeldung anfangen. Erst nach der Landung fand man in einer handschriftlichen Dokumentation zu diesem Navigationsprogramm das der Fehler bedeutete das der Navigationsrechner durch zu viele Daten überlastet war und dann automatisch priorisieren musste.


    Die automatische Steuerung wurde bei dieser Landung ohnehin manuell überbrückt, weil man sah das das Ding in einem ziemlich felsigen Gebiet landen wollte. Der Treibstoff, der für die Landung zur Verfügung stand, war nach der Landung fast aufgebraucht, auch ein Großteil der eingeplanten Sicherheitsreserve. Man hätte sich vielleicht noch eine Minute in der "Luft" halten können.


    Es ist übrigens bei jedem der Apollo-Flüge irgendwas schief gegangen, einmal schlug ein Blitz ein, einmal versagte ein Triebwerk usw.


    Die deutschen V2 Raketen waren zu ihrer Zeit übrigens um Welten besser als alles was die Amerikaner zu dieser Zeit bauen konnten. Ohne die ganzen deutschen Raketenbauer hätte es die Mondflüge in dieser Form nicht gegeben. Jedenfalls nicht so schnell.

    Nur falls jemand auf die Idee kommt: Man kann eine Saturn-V Rakete heute nicht mehr so nachbauen wie sie damals war, obwohl natürlich alle Konstruktionspläne noch vorhanden sind. Weil man heute weder die damaligen Materialien noch die damaligen Fertigungsanlagen hat. Alles ist inzwischen deutlich weiter entwickelt und somit sind alle Spezifikationen, Materialeigenschaften, Belastungsangaben usw. hinfällig. Das Ding würde wieder eine komplette Neuentwicklung werden.

    Ich muss gestehen, dass ich Elon Musks Weltraumpläne und seine SpaceX gar nicht so verfolgt habe die letzten Jahre. Erst dieser Start der fetten Falcon hat mich quasi erreicht.


    Also der Kerl hat wirklich Eier. Er hat doch tatsächlich gleich zwei Branchen aufgemischt.


    Und die zwei landenden Booster sehen ein bißchen wie eine Szene aus einem Science Fiction-Film aus.

    ElafRemich

    Zitat

    Man kann eine Saturn-V Rakete heute nicht mehr so nachbauen wie sie damals war, obwohl natürlich alle Konstruktionspläne noch vorhanden sind. Weil man heute weder die damaligen Materialien noch die damaligen Fertigungsanlagen hat.

    Warum glaubst Du das? Sind Konstruktionspläne keine Fertigungsunterlagen? Wenn Du irgendeinem metallverarbeitenden Betrieb genügend Geld gibst, kann er Dir sicher die gleiche Legierung wieder herstellen, es sei denn, irgendein Metall ist auf dem ganzen Planeten nicht mehr da.


    Und: haben die Russen irgendwann etwas Grundlegendes an der Sojus geändert? Die fliegt doch heute noch so wie zu Zeiten der R7? Auf dem Mond waren sie (bémannt) nicht, aber das Lunochod als (fernsteuerbares!) Vehikel haben sie hingebracht. Die ökonomischen Mittel waren ein wesentlicher Grund für das Scheitern, aus meiner Sicht war der genauso wichtige Grund der frühe Tod Koroljows - der wichtigste Kopf. Sein Konkurrent Gluschko - bis dato sein Untergebener - wollte alles anders machen und scheiterte mit seiner N1; ich denke, die bekamen die vielen Triebwerke (30 in der ersten Sufe)nicht synchron. Die Sojus hat ja "nur" 20 Triebwerke in fünf Vierergruppen, wobei die mittlere Vierergruppe nach Abwurf der vier äußeren Vierergruppen gleich als zweite Stufe weiterläuft, obwohl sie beim Start gleich mitgezündet wird - offensichtlich ein Problem weniger.


    *:)

    Zitat

    Und die zwei landenden Booster sehen ein bißchen wie eine Szene aus einem Science Fiction-Film aus.

    Ich hab die Szene meiner Frau gezeigt, und die dachte zuerst, der Film würde rückwärts laufen ;-D .

    Ich hab mir ein Video vom Take-off angeschaut was mit Binauralem Mikrofon aufgenommen wurde von einer Aussichtsplatform.


    Ich interessiere mich schon lange für Space-Exploration etc, aber diese Stelle wo das Ding abhebt ... wahnsinn. Ich hab noch nie ein Video gesehen wo der Sound und die Kraft eines solchen Antriebs besser rüber kommt wie hier


    Hab mal die direkt die Stelle gelinkt wo der Take-off stattfindet.. Wenn möglich mit Kopfhörern mal anschauen!


    Falcon Heavy Takeoff - Binaural Audio