Anglizismen- nützlich oder überflüssig und nervig?

    Hallo Gemeinde,


    Ich habe schon länger daran gedacht, einen Faden zu diesem Thema zu erstellen!


    Es geht mir darum, wie die unterschiedlichen "Denglischen" Wörter und Begriffe beurteilt werden, und auch was man mit Anglizismen assoziiert.


    Ein paar Beispiele:


    Das Wort "Shoppen" hört man ja heute überall! Ich verstehe darunter allerdings nicht den wöchentlichen Aldi-Einkauf, sondern eher eine Art (weiblicher) Freizeitbeschäftigung mit durch die Läden bummeln, anprobieren, Preisvergleich, an Probierständen naschen usw....


    Ein "Back-Shop" beurteile ich eher negativ. Unter einem solchen Laden stelle ich mir so eine Art Mac D. für Brötchen vor, mit aus China stammenden Teiglingen, höchstens durchschnittlichen Küchenstücken und schlecht bezahlten Mitarbeitern ohne Ausbildung.


    Andere Anglizismen klingen für mich etwas nach Wichtigtuerei. Etwa ein normaler Vertreter, der sich Salesmanager nennt, oder ein Facility- Manager.


    Natürlich gibt es englische Begriffe, die wichtig sind und für die es keine deutsche Entsprechung gibt:


    Gegen das Wort "sexy" hat wohl niemand etwas, und die Eigenschaft schon gar nicht.... ;-)


    Oder auch das Wort "cool", das kann man einfach nicht übersetzen!


    Wie seht Ihr das?


    *:)

  • 231 Antworten

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen Anglizismen, wenn sie in der Tat die deutsche Sprache um Nuancen erweitern, die sich mit dem überkommenen Vokabular nicht oder nicht hinreichend ausdrücken lassen.


    "Back-Shop" beispielsweise. Es gibt im Deutschen eben kein hinreichend warnendes und abschreckendes Wort um einen Laden nach der Art eines Bäckereiwaren-Fast-Foods (und Fast Food möchte ich hier am liebsten Denglisch als "Beinahe Essen" übersetzt wissen %-| ) zu bezeichnen, in dem ausbildungslose und unterbezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf abenteuerlichen Wegen, die mir vorzustellen ich nicht wage, aus chinesischen Teigrohlingen entstandene ... Dinger ... - vermutlich resopalne Stücke aus Küchen - abkassieren (Nicht verkaufen! Nur abkassieren, denn bedienen muß man sich als Kunde ja selbst!). Insofern ist unsere Sprache dadurch bereichert. Die Sprache wohlgemerkt - nicht unsere retail landscape!


    In vielen anderen Fällen ist der Anglizismus aber in der Tat überflüssig. Er wird oft mit einer angeblich notwendigen internationalen Verständlichkeit begründet, die in manchen Fällen einfach nicht nötig ist. Oder noch viel häufiger einem internationalen Besucher auch nicht weiter hilft, da der Anglizismus nichts mehr als eine abgeschiedene Insel in einem Meer der Unverständlichkeit ist. Der indische Geschäftsmann wird auf einem deutschen Bahnhof nicht in erhellte Verständigkeit ausbrechen, wenn er plötzlich, neben all den ausschließlich deutsch gehaltenen Fahrplänen und Ansagen aus heiterem Himmel den *Trommelwirbel* Service Point sieht, um dort festzustellen, daß die dort sitzende Mitarbeiterinnen kein oder nicht ausreichend Englisch spricht. Und von Tamil gar nicht zu reden! Ich arbeite in einer angeblich sehr internationalen Organisation, aber wirklich durchgehend international zu sein, ist gar nicht so einfach. Spätestens an der Beschriftung der Kaffeemaschine ist Ende. :-|


    Für cool könnte ich ersatzweise einen Yorubismus vorschlagen. Die Völker Westafrikas haben seit jeher das ästhetische Ideal eine möglichst stark ausgeprägten emotionalen Abgeklärtheit. Das Fehlen von Gefühlregungen im Gesichtsausdruck und der Körperhaltung ist typisch für die traditionelle Kunst der Region - und auch heute noch eine Art Schönheitsideal. Menschen, die auf diese Weise keine Emotion zeigen, gelten als "kühl", "erfrischt" - was in der Yorubasprache mit dem Wort itutu bezeichnet wird. Die Sklaven brachten dieses Ideal des itutu nach Amerika, wo ein gewisses Maß an Abgeklärt- und Abgebrühtheit überlebenswichtig wurde - und nicht nur auf den Baumwollplantagen, sondern später auch im Dschungel der Großstädte. Das itutu wurde ins Englische übersetzt und auf diese Weise zu cool 8-) An meinem Arbeitsplatz, wo eine ganze Reihe Menschen unter anderem auch viel mit Afrika zu tun haben, hat sich der Yorubismus itutu mittlerweile schon recht erfolgreich eingebürgert.


    "Sexy" ist natürlich genehmigt, aber ich glaube ja fast, daß es sich dabei gar nicht um einen Anglizismus handelt, sondern um einen zurückgedeutschten Germanismus - als einst, am 12. September des Jahres 402 - die Jüten, Angeln & Sachsen rübergemacht sind, auf die Insel, da waren die einehimischen Britonen vor allem von den ausgesucht hübschen Töchtern der letzgenannten Volksgruppe begeistert und bezeichneten deren erotische Attraktion als säggsi ;-D :=o :-p

    Zitat

    Oder auch das Wort "cool", das kann man einfach nicht übersetzen!

    Doch kann man! Hab ich in einem übersetzten Buch aus den 70ern mal gesehen. Der Protagonist machte irgendwas Aufregendes und rief "Kühl!". ]:D

    Zitat

    Wie seht Ihr das?

    Auf jeden Fall sehr gelassen :-D. Sprache ist immer im Fluss. Jede neue Generation schafft sich ihr Vokabular. "Cool" ist ein schönes Beispiel, wie sich Sprache gewinnbringend erweitert, wie sie ein neues "Feeling" bekommt.

    Zitat

    Ein "Back-Shop" beurteile ich eher negativ.

    Das Beispiel zeigt, dass Sprache auch Werbung ist. Die Wirtschaft bedient sich aus dem Wortfundus ihrer Kunden, um frisch daherzukommen. Outlet Center! Hört sich jedenfalls dynamischer an als Fabrikverkauf oder Schnäppchen-Meile.

    Mich stört zu inflationärer Gebrauch von Anglizismen phasenweise schon auch, allerdings muss man einfach mal sagen, dass unsere Sprache, so wie sie heute ist, auch einfach durch Völkerbewegungen und "Durchmischungen" der Sprachen entstanden ist. Sprache ist Wandel, und verändert sich somit auch permanent. Das ist normal so und gehört einfach dazu, das muss man sich einfach nur immer und immer wieder vor Augen halten. Ansonsten können solche Begriffe ja durchaus wie schon oben angedeutet bereichernd wirken.

    @ onodisep

    Das finde ich auch blöd, wenn man krampfhaft versucht, "reines Deutsch" zu sprechen!


    So wie eine Zeitlang in Frankreich, da gab es mal eine richtige Kampagne gegen Anglizismen!


    Die Sprache der Grande Nation sollte halt nicht verhunzt werden...es gab sogar ein Ersatzwort für "Computer" oder "Handy"!


    Und daß eine Sprache sich laufend verändert, ist ja auch klar. Es gibt, wie gesagt, durchaus Worte im Englischen, die eine Sache besser beschreiben als die deutsche Entsprechung.


    Noch ein Beispiel ist das Wort "Kids". Darunter versteht man ja eher ältere Kinder, die durchaus eine große Rolle für die Werbung spielen: Mode-und markenbewußt, selbstsicher und vor allem mit genug Taschengeld ausgestattet :=o !


    Was mich persönlich eher nervt, sind halt die Wichtigtuer-Anglizismen aus der Arbeitswelt...


    Aber den Vogel in punkto Denglisch-Kauderwelsch hat die Modeschöpferin Jil Sander mal abgeschossen:


    In einem Interview sagte sie mal:


    "Mein Leben ist eine Giving-Story....." :|N


    Keine Ahnung, was sie damit meinte, aber es klang halt nach etwas gaaanz Besonderem! :-D

    @ Antelami

    Was den Ursprung des Wortes "Sexy" angeht, da hast Du ganz bestimmt recht! ;-D


    Und die Angelsächsinnen galten ja wirklich im früheren Mittelalter als schön.


    Z.B. über Edgith, die angelsächsische erste Frau von Otto dem Großen, weiß man sonst nicht so viel...aber ihre Schönheit wurde in den verschiedensten Quellen gerühmt!

    Zitat

    So wie eine Zeitlang in Frankreich, da gab es mal eine richtige Kampagne gegen Anglizismen!


    Die Sprache der Grande Nation sollte halt nicht verhunzt werden...es gab sogar ein Ersatzwort für "Computer" oder "Handy"!

    Gibt es noch immer, die loi toubon ist noch immer existent ;-)

    Zitat

    "Handy"

    wobei das ja wiederum ein wort ist, daß englisch-sprachige gar nicht verwenden- vielleicht weiß jemand hier, wie es zu diesem falschen anglizismus gekommen ist?


    mich nervt das wort "date" bzw. die abwandlungen "wir daten uns"/ "das ist der mann/die frau, den ich date"-


    ich weiß immer nicht, was das genau heissen soll. trifft man sich erst, oder hält man schon händchen oder fi**t man schon?

    Ich mag Anglizismen nicht. Sie sind mehrheitlich dümmlich.


    Schild im Schaufenster SALE - nein, wer hätte das gedacht. HANDY verstehen die Angeln gar nicht, heißt dort MOBILE PHONE. Und BACK SHOP ein Geschäft im Hinterhof, sowas wie BACK STAGE.


    Und dann diese REAL Märkte im Gegensatz zu CYBER Märkten im Zwischennetz. Die Mädels gehen nicht mehr auf den Strich, sondern ONLINE.

    Zitat

    wobei das ja wiederum ein wort ist, daß englisch-sprachige gar nicht verwenden- vielleicht weiß jemand hier, wie es zu diesem falschen anglizismus gekommen ist?


    mich nervt das wort "date" bzw. die abwandlungen "wir daten uns"/ "das ist der mann/die frau, den ich date"-


    ich weiß immer nicht, was das genau heissen soll. trifft man sich erst, oder hält man schon händchen oder fi**t man schon?

    Ohne jetzt meine Hand dafür ins Feuer zu legen - vielleicht hat irgendein englischsprachiger Herr seinem (deutschsprachigen - oder finnischen?) Kollegen erklärt, dass das Ding mit den Tasten zum Anrufen eben sehr handy, also praktisch/handlich ist, und er hats entweder falsch verstanden oder fand den Begriff cool und hats übernommen?


    Naja, eine Verabredung kann ja auch mehr als ein bloßes Treffen sein ;-D

    Das Wort "Date" oder "Daten" benutze ich auch nicht!


    In den USA gibt es den Unterschied zwischen "Appointment", (geschäftliche Verabredung) und Date (privat).


    Aber hier macht das irgendwie keinen Sinn, und das Wort klingt auch nicht so toll....


    Genau wie das Wort "Model". Das gebrauche ich ja auch, heute sagt ja kein Mensch mehr "Mannequin "!


    Aber irgendwie hat das Wort Model so etwas Technisiertes, klingt so nach Fließband und Autofabrik....


    Naja, daß trifft ja auch zu, wenn man sich viele Models so anschaut.... %-|

    Zitat

    Naja, eine Verabredung kann ja auch mehr als ein bloßes Treffen sein ;-D

    natürlich, aber das macht das ganze ja so beliebig.


    wenn man das gute alte "rendezvous" hernimmt, da wusste man irgendwie schon vom wortklang her, daß da was erotisches mitschwingt... aber beim date kanns eben alles sein vom geschäftskontakt bis zum sex.


    abgesehn davon gibts ja dann auch noch diese ominösen "dating-regeln", die bei manchen leuten auch schon angekommen sind... wo man dann vorgeschrieben kriegt, wieviele dates man braucht, bis man.... darf... und vorher gibts noch diese "bases" (das alles nie kapiert hab, dafür schau ich glaub ich zuwenig amerikanische teenie- filme)

    Date ist für mich ein Treffen mit gewissem Hintergrund. Jetzt nicht Sex, sondern so ein Kennenlernen mit Aussicht auf Beziehung. Die Amis daten sich ja, bzw auch mehrere gleichzeitig mit dem Ziel der Partnerwahl. Wenn ich sag ich geh mit XY essen fragt meine Schwester auch 'Uh, ein Date?'. Klar ist dann gemeint, ob ich nur so mit Freunden weggehe, oder die Hoffnung auf etwas ernsteres besteht.


    Mein Handy nenn ich oft Mobiltelefon.


    Ein Babybody ist im englischen auch etwas ganz anderes ]:D Public Viewing ist ja auch hinreichend bekannt (unterstell ich jetzt mal). Mein Cross Over Rucksack wird als 'Bodybag' auch zu Irritationen führen ]:D Und die Handy Flat als handliche Wohnung ":/


    Meine Mutter rief mal an 'Kind, was heißt Cookies?' Äh, Kekse?! ":/ 'Wie witzig, als wollte der Computer Kekse installieren....' :-D


    Beim Begriff Headhunter war ich lange Zeit verwirrt.


    Ich bin bei Anglizismen auch zwiespältig. Bodylotion ist für mich Bodylotion. Auch der Eyeliner. Bei Schreibwaren find ich 'No Ink radierbarer Pen' seltsam. Im P&C rennt kein Fillialleiter rum, sondern ein Store Manager. Klingt doch genauso gut wie der Facility Manager ]:D Und das Drama mit Douglas 'Come in and find out' wurd ja genug in den Medien zerrissen.


    Im ersten Semester kam ne Mail von einem Dozenten, "...bla bla Willkommen...wenn noch Fragen sind schicken sie mir ruhig einen elektronischen Brief." Neu an der Uni suchte ich rauf und runter was das sein sollte. Ich dachte, es gäbe irgendein internes Kommunikationssystem, dass ich noch nicht entdeckt hätte.

    Beim Date kenne ich es auch nur so, wie Jess. Die Rückfrage:"Uuuuh, ist es ein Date?" Da werden schon mehr Informationen transportiert. Diesen Begriff im Arbeitskontext (oder irgendeinem anderen als den potentiell romantischen) zu verwenden, ist mir gänzlich unbekannt.


    Ich frage mich gerade wirklich, wie wir das früher genannt haben.. ":/ Eine Verabredung? Ein Rendez-vous? Verabredung kann so alles sein, Rendez-vous ist mir fast schon wieder zu "inhaltlich" aufgeladen, irgendwie schmierig-schmalzig.


    Wenn ich doch bloß eine Bravo-Girl aus den frühen 90ern finden könnte, um zu überprüfen, wie man das wohl damals nannte. :-D


    Aber den Begriff Date begrüße ich schon sehr.


    Ah, jetzt fällt es mir ein: ich glaube, man ist "miteinander ausgegangen".