Natürlich kann/könnte man das, aber das impliziert auch, dass es einen Sinn hat, es zu tun, womit man wieder einen Schritt vorgreifen würde.


    Man kann also der These Folgen, dass es irgendeinen Sinn gäbe irgendetwas zu tun, und dass es besser ist, wenn es einen Sinn gibt und man aus diesem Sinn heraus folgend zielgerichtete Dinge tut, oder man verzichtet darauf und lässt es einfach bleiben.


    Die Frage ist also, ob man der These folgt, dass es einen Sinn gibt, oder dass es gut wäre, wenn man zumindest einen Sinn erfinden würde.


    Abe alleine schon die Aussage "dies und das ist gut" ist eine Wertigkeit, die das Dasein aus der Neutralität herausreisst, was möglicherweise eine rein menschliche Interpretation ist, die man genauso gut unterlassen kann.


    genauso wie "wenn man die Umwelt zerstört leidet der Planet". Der Planet ist aber nur ein Haufen Stein der das gar nicht mitbekommt. Diese ganze Wertigkeit dichtet man dem nur an.

    Zitat

    Natürlich kann/könnte man das, aber das impliziert auch, dass es einen Sinn hat, es zu tun, womit man wieder einen Schritt vorgreifen würde.

    Genau. Die Tatsache das Menschen auf Sinnsuche gehen, undzwar immer und überall, legt nahe, dass unser Hirn einen Sinn braucht. Also geben wir ihm einen. ;-)

    So schwierig ist das doch aber nicht. Der Mensch ist ein Lebewesen, welches sich entwickelt hat. Kennzeichen des Lebens ist u.a. sein Bestreben, sich selbst zu erhalten, darin findet sich auch der Kern der Sinnsuche. "Der Planet leidet" ist natürlich Quatsch. Wenn wir von "Umwelt" reden, meinen wir das konkrete Ökosystem, das es der Gattung "Mensch" ermöglichte, sich zu entwickeln. Daher ist es einfach logisch, dass es sinnvoll ist, dieses zu erhalten, da sich die Menschheit sonst ihrer eigenen Existenzgrundlage beraubt.


    Sicher ist es möglich, dass in der post-humanoiden Phase Insekten und Ratten die dominierenden Lebewesen sind. In Tschernobyl gehts grad den Wölfen recht gut, während Spinnen ihre Netze nicht mehr ordentlich hinkriegen. Das hilft uns bei der Sinnsuche aber auch nicht.


    *:)

    Eigentlich will ich darauf hinaus, dass es auch möglich ist, dieses Ziel "den Menschen soll es gut gehen" zu hinterfragen und zu dem Ergebnis zu kommen, dass es lediglich subjektiv festgelegt ist und keineswegs jeder einzelne sich darin wiederfinden muss.


    Darauf basierend kann man dann auch eigenen Egoismus und ein Handeln wider die Gemeinschaft moralisch legitimieren, da man ja nicht gegen ein allgemeines, übergeordnetes Ziel verstößt, sondern lediglich gegen Werte, die einige (ggf auch viele) Menschen subjektiv festgelegt haben mit dem Anspruch, dass es ein allgemeingültiges Konzept wäre, was man für sich selber aber halt in Frage stellen kann.


    Ist es daher nicht anmaßend von uns, zu verlangen, alle Menschen sollen sich ethisch, moralisch und konstruktiv verhalten, und übertragen wir damit unsere subjektive Wertigkeit nicht auf alle anderen, ungefragt ob die das überhaupt wollen?

    Man müsste jetzt mal "Egoismus" aufdröseln. Meine These dazu ist ja, dass jedwedes Lebewesen, was in eigenem Interesse handelt, damit automatisch auch der Gemeinschaft und damit dem Ökosystem nutzt. Nur beim Menschen haut das nicht (mehr) hin. Daher auch die aktuelle Egoismus-Definition als "Streben nach eigenem Vorteil unter Inkaufnahme von Nachteilen für andere". Tut man das nicht, so wird dies zumeist mit "Verzicht" gleichgesetzt, den man nun wiederum ideologisch aufladen muss, um das Verzichtsgefühl zu kompensieren (siehe Verzicht auf Fleisch / Vegan-Hype). Wenn man den Punkt finden könnte, wo "das aus dem Gleis gesprungen ist", sehe ich auch eine Chance für die Sinnsuche.


    *:)

    Ich hab auch in der Tat manchmal das Gefühl, dass man sich seltsamerweise moralisch rechtfertigen muss, wenn man nicht maximal gierig ist.


    z.B. Steuererklärung. Ich kann jeden Sch**ss von der Steuer absetzen, aber nur, wenn ich brav Belege sammel und so. Irgendwo tu ich das mal nicht, ich kaufe mir einen Drucker für 30 EUR und verabsäume es, den Kassenbon aufzubewahren, und kann ihn nicht von der Steuer absetzen. Ich sage dazu dann - das ist mir egal. Die Mühe, den Bon wiederzusuchen, ist mir die paar cent Steuerersparnis nicht wert. Und das scheint moralisch heutzutage anrüchig. Wie mann man es wagen, es sich "leisten zu können", nicht maximal aufs Geld aus zusein? Unerhört.

    egal ist mir persönlich das auch, aber ich stelle immer wieder erstaunt fest, dass leute es fast anrüchig finden, wenn man mal nicht maximale geldgier an den tag legt. als wäre das eine moralische verpflichtung.


    ich hab aber das gefühl, dahinter stekt eher neid. so nach dem motto "ich muss auch auf jeden cent gucken und DER leistet sich diesen luxus es lockerer zu sehen".

    Manche definieren auch ihren eigenen Wert darüber, wie viel sie gespart und halbgrau ergaunert/irgendwo hinten dran vorbei geführt haben, das müssen nicht mal Leute sein die auf den Cent schauen müssen, die brauchen das für ihr Ego, und wenn sie dann jemandem anders vorhalten können, dass er dafür "zu doof" (zu faul, whatever) ist, pusht es noch mal das Ego. Wenn die Spaß dran haben und sonst kein Vergnügen im Leben, bitte… viel Spaß.

    Zitat

    Aber das kannst Du doch nicht alleine stellvertretend für den Rest der Menschheit (inkl mir) entscheiden ;-)

    Stimmt, will ich auch gar nicht. deshalb hab ich ja gesagt, man müsste das diskutieren, also welchen Sinn. Wer überhaupt keinen Sinn will, kann das natürlich auch gerne einwerfen, in die Debatte. Da aber absolut jeder einzelne Patient in jeder Klinik in der ich je war, sich unfassbar dringend einen Sinn wünschte, habe ich den dumpfen Verdacht, dass Menschen einen ganz persönlichen Sinn brauchen um sich gut zu fühlen.


    Und ein Blick in diese SInn-Industrie bestätigt mich da. All diese Ratgeber, Zen-Seminare und soweiter, die sich verkaufen wie warme Semmeln, zeigen wie dringend wir suchen, irgendetwas suchen, dass uns Richtung und Orientierung gibt, einen Sinn, der alles irgendwie an seinen Platz rückt.


    Aber hey, findet sich eine Mehrheit fürs dahinwurschteln ohne Sinn, soll mir das auch recht sein. Ich kann meinem Leben dann ja noch immer einen individuellen Sinn geben. ;-)


    Und was die moralischen und ethischen Regeln angeht: die sind ja nicht aus der Luft gegriffen sondern entspringen den Bedürfnissen einer Mehrheit nicht in einem permanenten zustand der Unsicherheit leben zu müssen. Das finden bestimmt ein paar Leute echt doof, aber die allermeisten haben es gerne sicher und planbar. ;-D ;-D

    Eigentlich sind sich widersprechende Sinnkonzepte doch eh das Kernproblem. Wenn 80% der Menschheit Weltfrieden und Friede Freude Eierkuchen als Sinn und Ziel betrachtet, 10% aber den islamischen Gottesstaat und weitere 10% den moralfreien Hedonismus, hat man den Salat.


    Auch das Fehlen des Sinns ist ja ein Sinnkonzept. Man kann sich dann ja sagen "Selbstfürsorge und Spaß ist dann der Sinn meines Daseins".


    Zu dem Thema passt ja auch Viktor Frankl.

    Tja, aber ich fürchte absolute Einigkeit wird da nicht erzielt und ist auch gar nicht sinnvoll. Nicht immer hat die MEhrheit die besten Ideen und andere Ideen sollten auch ihren Platz haben. Das ist die theoretische Stärke der Demokratie oder? Das alle ihre Vorschläge einbringen können und versuchen können zu überzeugen und dann immerhin ohne Blutvergießen Veränderung herbeizuführen.


    Aber es ist auch nicht einzusehen weshalb die MEhrheit ihre Vorstellung von Sinn aufgeben sollten, nur damit 20% glücklich sind. Ich fürchte, wenn man den gleichen Wert eines jeden Menschen ansetzt, und bisher gibt es keinen vernünftigen Grund dies nicht zu tun, dann haben die 20% einfach pech, weil sich eine Dominanz ihrer Ideen einfach nicht rechtfertigen ließe.

    Zitat

    Aber es ist auch nicht einzusehen weshalb die MEhrheit ihre Vorstellung von Sinn aufgeben sollten, nur damit 20% glücklich sind

    das setzt aber schon wieder sowas wie "objektiv gegebene Richtigkeit" voraus. in der Praxis gewinnen einfach die, die stärker sind.


    Ich bin eher der Meinung, dass die von Dir auch eben hervorgehobenen positiven Aspekte, wie auch einige andere (wie z.B. auch Gier, Forscherdrang, Neugierde und Expansionsdrang) die Menschheit lange Zeit beflügelt haben und zu der sehr starken entwicklung beigetragen haben, aber ab einem gewissen Punkt umkippen ins negative und ihr zum Nachteil werden. Das ist dann die evolutionäre Barriere, über die die Menschheit nicht hinauskommen kann. Aber ohne diese Eigenschaften wäre sie gar nicht so weit gekommen.


    Velleicht ist das einfach "das sein" und es kann kein anderes sein geben. Vielleicht ist jede Spezie, die sich evolutinär signifikant entwickelt, dazu verdammt, aufgrund genau der Eigenschaften, die zu der Entwicklung geführt haben, sich irgendwann selber zu zestören.


    Kratzt aber langfristig auch niemanden. Ist halt einfach so.