danae87 13.11.17 10:56

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    Die interessante Frage ist doch weshalb seine oder ihre Hautfarbe eine relevante Rolle bei der Beschreibung spielt oder?

    Wenn man einen Menschen aus einer Gruppe hervorheben will, nimmt man am besten seine Alleinstellung. Das kann der "mit einem Arm" sein oder die "mit roten Haaren".


    Wenn ich aus einer Gruppe Menschen mit dunkler Hautfarbe einen meine, macht die Hautfarbe als Unterscheidungsmerkmal keinen Sinn. Ich habe mit solchen Menschen zu tun und wenn ich den Namen nicht kenne, ist das z.B. der "Umfangreiche", weil er deutlich schwerer ist als die Anderen.

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    Deinen Vorschlag, einen Menschen nach seinem Herkunftsland zu benennen, finde ich gut und vernünftig. Würde ich ebenso machen. Was tue ich aber, wenn ich den Menschen nicht kenne und daher nicht weiß, welcher Staatsbürger er ist

    Wie machst du das denn bei einem Hellhäutigen, dessen Herkunftsland du nicht kennst? ":/

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    Wie beschreibe ich ihn (möglichst kurz)? Wie ich schon schrieb, ein "Afroamerikaner" hat mit Afrika eigentlich nichts mehr zu tun, und wenn er in Europa lebt, schon gar nicht.

    Gegen Afroamerikaner (= Amerikaner mit afrikanischen Wurzeln) ist doch nichts einzuwenden, vorausgesetzt natürlich, es handelt sich auch um einen Amerikaner. Für einen dunkelhäutigen Franzosen passt der Begriff freilich nicht.

    Stalfyr

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    Wie machst du das denn bei einem Hellhäutigen, dessen Herkunftsland du nicht kennst? ":/

    Wenn ich von ihm in der dritten Person (also über ihn) sprechen muss, würde ich sagen "ein Mensch europäischen Typs", obwohl er - als kolonialer Nachfahre - vielleicht Südafrikaner ist...

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    Gegen Afroamerikaner (= Amerikaner mit afrikanischen Wurzeln) ist doch nichts einzuwenden, vorausgesetzt natürlich, es handelt sich auch um einen Amerikaner. Für einen dunkelhäutigen Franzosen passt der Begriff freilich nicht.

    Das ist ja mein Problem! Vielleicht wurden die Vorfahren jenes Amerikaners schon vor über 200 Jahren von Afrika nach Amerika verschleppt und haben gar keine (bekannten) verwandtschaftlichen Beziehungen mehr nach Afrika... Wenn man so lange zurückgeht, müsste ich mich ja auch als "Italo-Deutscher" (ein Urgroßvater) bezeichnen, was ich aber als Blödsinn empfinde. In beiden Fällen kann man ja nicht einmal mehr von "Migrationshintergrund" sprechen - dann sind nämlich alle Menschen iwie Migrant *:) en :-D


    *:)

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    nur weil Herr Nutellabrot es zum Beispiel als harmlos empfindet und nicht willens ist zu reflektieren.

    Ich hatte geschrieben, das ich so aufgewachsen bin, und kein Erwachsener gesagt hat, das man es nicht sagt! Auch in der Schule nahmen Lehrer und Lehrerinnen das Wort/die Bezeichnung *Neger* in den Mund!!


    Aber so konntest Du nochmal schön nachtreten, weil ich ja nicht "willens" bin, zu reflektieren. Du hättest mir besser mal meine Frage beantwortet, wer den *Negerkuss* abgeschafft hat, und was an diesem so schlimm war!?

    Das Ganze ist doch ein Fass ohne Boden. Ich bin auch mit Schwarzer (und Neger), Weißer (und Bleichgesicht), Roter (und Rothaut) und Gelber (und Schlitzauge) aufgewachsen. Das hatte für mich nie einen negativen Touch.


    Heute gilt Neger als Beleidigung. Schwarzer auch. Farbiger ist einigermaßen ok. Aber was sagen die Gelben und die Roten dazu, dass sie mit mmmmmm in einen Topf geworfen werden? Schließlich sind die mmmmmm und die mmmmmm doch ach irgenwie farbig und nicht bloß mmmmmm. %:| Naja, irgendwann wird sich das glätten.

    Ich war für eine Weile mit einem Afro-Amerikaner zusammen. Er fand die Bezeichnung Neger sehr verletzend.


    Seine Urgroßmutter lebte noch ein Leben als Sklavin und seine Oma wurde noch während der Sklavenzeit geboren. Schön und gut, dass Negro schwarz heißt und an sich ja nichts böses heißt. Diese Menschen wurden wie Tiere gehalten und wurden so betitelt, weil man sie einzig und allein auf ihre Hautfarbe beschränkt hat. Schwarz zu sein hieß automatisch, dass man ein Diener der Weißen war, der Unterlegenen Rasse angehört und damit ist es nur all zu nachvollziehbar, dass der Name sehr negativ behaftet ist. Wenn man solche Geschichten aus erster Hand erfährt, läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Leider wurde das Thema hier (und in Amerika erst gar nicht) viel zu wenig aufgearbeitet.

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    Wenn du [Schwarze] direkt fragst, stört sie allermeist das Wort "Neger" nicht. Es aus unserem Sprachgebrauch zu eliminieren ist Produkt großstadtdeutscher und politisch linksgrüner Gutmenschen.

    Weiß nicht, wen du da befragt hast, aber gut... Kann auch sein, dass Schwarze, welche die Sklaverei und die Unterdrückung, wie in Nordamerika, nicht direkt mitbekommen haben, anders denken. In Afrika wo ja die Mehrheit Schwarze ausmacht denkt man vielleicht wieder anders. Ich kann hier nur aus Sicht eines Afro-Amerikaners sprechen.

    [[]]Vielleicht schwingt bei einigen noch etwas der Muff aus dem letzten Jahrhundert hinterher. Man vergisst zu schnell, dass wir erst 1-2 Generationen dem white trash entstammen oder kleinbäuerlich und kleinbürgerlich geprägt sind.


    So schreibt ein Münchner Journalist, der im September 1889 eine Somalier-Schau auf der Theresienwiese besuchte: »Die Somalis haben fast nichts von der Häßlichkeit des Negers an sich, sind groß und schlank gebaut, ihr Gesichtsausdruck ist überraschend intelligent, ihre Bewegung von einer gewissen natürlichen Grazie und Gewandtheit und ihre Weiber nicht ohne Anmuth.« (Zitiert nach Dreesbach/Zedelmaier 2003: S. 98) Selbst in solchen offenbar »positiv« gemeinten Äußerungen kommt ein klares Gefühl europäischer Überlegenheit ganz selbstverständlich zum Ausdruck, welches wohl dem dominanten sozialdarwinistischen Denken der Zeit geschuldet ist. Noch deutlicher tritt dieser wissenschaftlich verbrämte Rassismus in folgender Passage aus dem Vortrag von Professor Ranke, dem Vorsitzenden der Münchner Anthropologischen Gesellschaft, zur Eröffnung einer Völkerschau im Jahr 1892 hervor: »Während man annahm, dass die Neger im Allgemeinen hinsichtlich ihrer geistigen Entwicklung zwischen Mensch und Affe stehen, zeigen die Dahomey-Neger eine gewisse Intelligenz«, bemerkte er (zitiert nach ebd.: S. 90).


    Jain, A. K., Handel, K. (2008). Jenseits von Afrika – Die neuen Völkerschauen. In Hinterland-Magazin, Vol. 8


    Dreesbach, A., Zedelmaier, H. (2003). Gleich hinterm Hofbräuhaus waschechte Amazonen – Exotik in München um 1900. München, Hamburg: Dölling und Galitz


    rassistische begriffe reinwaschen

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    Hat ja super geklappt. Nochmal:


    Danke, faust0. Ergänzend zur Quellenlage, auch jenseits der expliziten Rassentheorien, sozusagen als Illustration ger gesellschaftlichen Durchdringung:


    Anthropoblog und näheres zu Kant, jeweils mit weiteren Verweisen. Rauskopieren tu ich das jetzt nicht, Lesekompetenz wird in diesem Faden eh zuwenig abgefragt. Aber ich bitte, es als Einladung zu verstehen, sich mal auf die Suche nach Belegen für die nicht-rassistische Begriffsverwendung zu begeben, die über das Niveau von Hinterhofetymologie und Markennamen für Zuckerzeug hinausgehen.

    Kulturschaffender

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    Wenn ich von ihm in der dritten Person (also über ihn) sprechen muss, würde ich sagen "ein Mensch europäischen Typs", obwohl er - als kolonialer Nachfahre - vielleicht Südafrikaner ist...

    Das geht bei einem Schwarzafrikaner doch auch. Zur Not sagt man halt dunkelhäutig.


    Ich sehe das Problem der Wortfindungsschwierigkeiten da überhaupt nicht.

    Bennetton

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    Heute gilt Neger als Beleidigung. Schwarzer auch. Farbiger ist einigermaßen ok. Aber was sagen die Gelben und die Roten dazu, dass sie mit mmmmmm in einen Topf geworfen werden? Schließlich sind die mmmmmm und die mmmmmm doch ach irgenwie farbig und nicht bloß mmmmmm. %:| Naja, irgendwann wird sich das glätten

    Das Fass ohne Boden macht eigentlich viel mehr dieses "Ich weiß nicht wie ich die nennen soll und eigentlich ist Neger ja ganz normal"-Gehabe.


    Ich weiß auch gar nicht, wieso ständig behauptet wird, man dürfe nicht "Schwarzer" sagen oder dies gelte als Beleidigung. Das stimmt doch gar nicht. ":/ Diese vermeintliche Tabuisierung ganz normaler Begriffe ist doch ein Fantasiegebilde, das wohl entworfen wurde, um zu untermauern, dass es zu "Neger" keine Alternativen gibt (denn die normalen, gängigen Bezeichnungen "darf man ja auch nicht mehr sagen", also kann man ja zum guten alten "Neger" zurück %-| ).


    Diese ganze Diskussion ist auch einfach eine Scheindebatte. Es geht ja gar nicht wirklich darum, dass man nicht weiß, wie man "die nennen soll". Kein erwachsener, einigermaßen normal gebildeter Mensch kann mir erzählen, dass er nicht weiß, wie er einen Menschen dunkler Hautfarbe nennen soll, wenn er nicht "Neger" sagen kann/will.

    Zitat

    Benetton...


    Farbiger ist einigermaßen ok. Aber was sagen die Gelben und die Roten dazu, dass sie mit mmmmmm in einen Topf geworfen werden?

    Willst du uns allen Ernstes erzählen, du machst dir deretwegen Sorgen?


    Die werden schon sagen, was sie dazu sagen.


    Wenn sie jemals das Bedürfnis haben, etwas dazu zu sagen.


    Wir brauchen jetzt nicht auch noch Scheindiskussionen über Scheinprobleme zu führen.